Timothy Chandler sprüht vor Tatendrang. (Bild: Heiko Rhode)

Timothy Chandler hat sich nach seiner schweren Knieverletzung wieder zurückgekämpft. Der Frankfurter Bub verrät im Interview mit SGE4EVER.de, dass er deswegen derzeit jede Minute genießt, die er auf dem Platz stehen kann. Chandler zählt zu den Lieblingen der Eintracht-Fans und weiß diese Liebe sehr zu schätzen. Er spricht dem Frankfurter Anhang mit seinen bescheidenen Wünschen für diese Saison sicherlich aus dem Herzen. Er träumt nämlich von nichts Geringerem als von einem internationalen Rang in der Liga, dem Europa-League-Finale und dem DFB-Pokalfinale.

SGE4EVER.de: Wir beginnen mit unseren Leserfragen und den Anfang macht unser Leser Philipp. Er möchte von dir wissen, wie das Gefühl ist, nach so langer Verletzungspause wieder voll dabei zu sein und wieder auf dem Platz stehen zu können?
Timothy Chandler: „Das ist ein wunderschönes Gefühl, muss ich sagen, wenn man dem nachgeht, was man liebt. Ich bin einfach überglücklich, wieder jeden Tag mit der Mannschaft trainieren und auf dem Platz laufen zu können. Das freut mich einfach.“

Marko möchte wissen, ob deine Rückennummer 22 eine bestimmte Bedeutung für dich hat?
„Nein, die 22 war damals frei und hat mir sehr gut gefallen. Eine spezielle Bedeutung hat sie daher nicht, aber ich trage sie jetzt schon lange hier in Frankfurt und möchte sie auch nicht so schnell wieder hergeben.“

Es waren zwar erst drei Ligaspiele, aber für euch schon ganze zehn Pflichtspiele. Wie gut tut euch da eine Pause so früh in der Saison?
„Ja, das tut auf jeden Fall gut. Wir hatten eine anstrengende Vorbereitung mit vielen Pflichtspielen. Aber die Jungs sind sehr gut drauf. Trotz der Länderspielpause haben wir in den letzten Tagen sehr gut gearbeitet. Sicherlich werden wir den einen oder anderen freien Tag haben und das kann man dann auch ruhig mal genießen. Bisher lief es ja wirklich gut, also haben wir uns auch mal eine kleine Pause verdient.“

Pause ist das Stichwort: Du als frischgebackener Papa brauchst aktuell wahrscheinlich sowieso ein bisschen mehr Erholung als deine Teamkollegen, oder?
„Ich muss sagen, dass ich wirklich guten Schlaf zuhause habe. Meine Kleine schläft auch sehr gut, ich denke mal, das ist das, was sie von ihrem Papa hat (lacht). Von daher bin ich ganz glücklich und wir können zuhause alle ganz in Ruhe schlafen.“

Der Transfersommer war ja mal wieder eine sehr aufregende Zeit für alle Beteiligten. Bisher hat man den Eindruck, als hättet ihr die Abgänge eurer drei Stürmer gut kompensiert. Wie siehst du das?
„Es ist schon richtig. Wir haben sehr viel Qualität vorne abgegeben. Aber jetzt konnten auch Spieler wie Gonçalo Paciencia, die vorher eher im Hintergrund standen, zeigen, dass sie da und einsatzbereit sind und das auch leisten können. Jetzt haben wir ja auch noch Bas Dost und André Silva dazubekommen. André ist ein sehr, sehr guter Spieler. Am Wichtigsten ist aber, dass wir als Mannschaft zusammenhalten und gut arbeiten. Solange das passt, wird das auch in den Spielen gut funktionieren.“

Der Druck durch die Erwartungshaltung nach der letzten Saison ist sicherlich nicht weniger geworden. Spürt ihr das und wenn ja, wie geht ihr in der Mannschaft mit dem Druck um?
„Natürlich ist die Erwartungshaltung nach den letzten Jahren jetzt etwas höher. Aber unsere Fans wissen auch, wie sie das einzuordnen haben und dass wir immer noch Eintracht Frankfurt sind. Wir haben uns aber in den letzten Jahren in der oberen Tabellenhälfte festgespielt. Wir hatten zwei wirklich gute Bundesligasaisons und dazu die super Leistungen in der Europa League sowie im DFB-Pokal mit dem Finale 2017 und dem Pokalsieg 2018. Wir möchten versuchen, das so lange wie möglich zu erhalten.“

Timothy Chandler im Gespräch mit unseren Redakteuren Folke Müller und Nadine Peter. (Bild: Sarah Bein)

Bas Dost meinte in einem seiner ersten Interviews, dass er es in seiner nicht mehr ganz so jungen Karriere noch nie erlebt hat, dass er so schnell und herzlich in einer Mannschaft aufgenommen wurde. Wie würdest du diesen speziellen Spirit beschreiben, der bei euch im Team herrscht?
„Ja, das ist irgendwie das Coole bei uns. Wir haben so viele verschiedene Sprachen und Charaktere hier, dass es wirklich einfach ist, bei uns integriert zu werden. Daher ist es als neuer Spieler wirklich sehr, sehr leicht, in diese Mannschaft zu kommen. Das ist wirklich schön und hilft ungemein, sich hier zu integrieren und dann auch schnell gute Leistungen auf dem Platz zu bringen.“

Ihr habt es geschafft euch für die Gruppenphase der Europa League zu qualifizieren. Wenn man sich bei Fans so umhört, dann steht es eigentlich außer Frage, dass ihr die Gruppenphase wieder genauso rockt wie letztes Jahr. Siehst du das genauso oder bist du da vorsichtiger?
„Nein, vorsichtig würde ich nicht sagen. Klar wollen wir das wieder rocken und in der Europa League durchstarten. Wir haben aber eine harte Gruppe und gerade mit Arsenal haben wir ein schweres Los dabei. Letztes Jahr hatten wir allerdings auch eine sehr starke Gruppe und haben an uns geglaubt. Wir werden auf jeden Fall wieder alles geben, damit es dieses Jahr auch wieder viele schöne internationale Reisen geben wird.“

Auf welches der Spiele freust du dich besonders?
„Natürlich auf Arsenal! Das ist ein riesen Klub mit einem tollen Stadion. Ich denke, dort wird eine super Stimmung herrschen und London ist eine schöne Stadt. Die Begegnungen gegen Arsenal werden auf jeden Fall die größten Highlights.“

Adi Hütter gab letzte Woche bekannt, welche Spieler in der Europa League spielen werden. Die UEFA schreibt gewisse Richtlinien und Kriterien vor, nach denen Spieler gemeldet werden müssen. Man wundert sich schon, dass dadurch ein verletzter Marco Russ in den Kader kommt und andere auf der Strecke bleiben müssen. Wie beurteilst du diese Local-Player-Regelung? Ist das noch zeitgemäß?
„Ich muss sagen, dass das auch für mich schwer ist zu verstehen. Ich habe versucht, das alles einige Minuten durchzulesen und zu verstehen. Ich bin da ganz ehrlich, seitdem habe ich den Durchblick komplett verloren was das betrifft. Wenn es nach mir ginge, hätte ich die Vereine einfach die Spieler nominieren lassen, die sie möchten und fertig (lacht).“

Jetzt sind natürlich dennoch wichtige Spieler auf der Strecke geblieben, wie zum Beispiel Jonathan de Guzman und Lucas Torró, die sicherlich ziemlich enttäuscht sind. Wie fangt ihr die Jungs auf?
„Jonny zum Beispiel zählt zu den erfahrenen Spielern und weiß daher, dass sowas im Fußball immer mal dazugehört. Die Entscheidungen sind für den Trainern schwer genug und trotzdem muss er sie am Ende fällen. Klar sind sie enttäuscht, aber wir als Mannschaft fangen die Jungs wieder auf.“

Letztes Jahr konntest du wegen deiner Verletzung nur zusehen, wie die Eintracht in der Europa League abräumte. Steigert das deine Vorfreude jetzt noch mehr, jetzt wo du wieder fit bist?
„Ich freue mich auf jedes Spiel, in dem ich meine Minuten bekomme, weil, wie ihr schon sagtet, war ich wirklich fast ein gesamtes Jahr verletzt draußen, bis ich wieder ein Pflichtspiel bestreiten konnte. Von daher bin ich einfach glücklich, wenn ich spielen kann und Einsätze in der Europa League würden mich natürlich umso mehr freuen. Aber in erster Linie möchte ich einfach nur Fußball spielen und das ist das Wichtigste für mich.“

Hat meistens ein Grinsen im Gesicht: Timothy Chandler. (Bild: Heiko Rhode)

Hast du nach deiner Verletzung noch ab und an mit Spätfolgen zu kämpfen und wie schwierig ist es, den Kopf freizubekommen? Kannst du inzwischen wieder völlig befreit aufspielen?
„Nachdem ich wieder fit war und in der Vorbereitung auf dem Platz stand, war die Verletzung komplett aus meinem Kopf verschwunden. Der Kopf hat, was das angeht, sowieso nichts auf dem Rasen zu suchen. Bis jetzt habe ich noch keine Spätfolgen (klopft dreimal auf den hölzernen Tisch). Von daher ist alles gut und ich hoffe, dass das auch so bleibt.“

Vorhin hattest du schon diesen guten Teamspirit bei euch angesprochen. Mittlerweile bist du ja einer der dienstältesten Spieler bei der Eintracht. Wie wichtig ist deine Rolle, den neueren Spielern bei der Integration zu helfen?
“Es spielt keine Rolle, ob ein Spieler neu dazukommt oder schon seit Jahren hier spielt. Ich habe für alle ein offenes Ohr. Ich kann mit jedem der Jungs Spaß haben und auch mal Blödsinn reden (lacht). In der Truppe stimmt es einfach und das ist das Wichtigste und ist auch ein Grund dafür, dass sich jeder wohlfühlt.“

Du hast nicht nur ein gutes Verhältnis zu deinen Mitspielern, sondern du bist auch seit Jahren ein Publikumsliebling. Was bedeutet dir diese Beziehung zu den Fans und beruht diese Liebe auf Beidseitigkeit?
“Wenn man in diesem Verein groß geworden ist und hier lange gespielt hat, als Profi zurückkehrt, dann macht einen das schon stolz. Frankfurt ist mein Zuhause und deswegen macht es mich umso glücklicher, dass ich so gut mit den Fans klarkomme.“

Frankfurt ist dein Zuhause – noch bist du jung und denkst sicher noch nicht über dein Karriereende nach. Aber könntest du dir auch nach deiner aktiven Zeit vorstellen, im Verein Rollen zu übernehmen?
„Ja, auf jeden Fall! Ich möchte mit meiner Familie hierbleiben. Ich hoffe, ich habe noch ein paar Jahre, bis ich die Schuhe an den Nagel hänge. Aber ich kann mir danach definitiv vorstellen, hier etwas im Verein zu machen.“

In den letzten Jahren hast du eine wahnsinnige Zeit erlebt. Vom Fast-Abstieg bis ins Europa-League Halbfinale. Wie würdest du diese Zeit in eigenen Worten beschreiben?
„Einfach geil. Manchmal denke ich zurück an diese Spiele in der Relegation gegen den 1. FC Nürnberg. Gegen den Verein, von dem ich erst relativ kurz zuvor hierher zurückgewechselt bin. Das war schon aufregend, die Relegation zu überstehen. Ab dem Zeitpunkt ging es aber wirklich nur noch bergauf mit Eintracht Frankfurt und das finde ich einfach schön. Überall, auch in der Stadt, sieht man, wie alle zusammengewachsen sind und wie das Umfeld einfach noch fußballbegeisterter geworden ist. Es ist einfach schön, diese Entwicklung mit anzusehen.“

Gegen Ende der letzten Saison ist euch dann aber doch die Luft ausgegangen. Was würdest du sagen, ist diese Saison anders, damit das diesmal nicht passiert?
„Letzte Saison war die erste Saison seit langer Zeit, in der wir international gespielt haben und dann auch noch gleich so lang. Dieses Jahr haben wir wieder eine sehr gute Qualität und einen breiteren Kader. Der Trainer weiß das schon richtig einzuschätzen, wenn mal jemand eine Pause braucht. Und aus der gesamten Situation im letzten Jahr haben wir auch viel gelernt. Daher werden wir versuchen, es dieses Jahr noch besser zu machen.“

Wenn du für die anstehende Saison drei Wünsche frei hättest, wie würden sie lauten?
„Nächstes Jahr wieder international spielen, Europa League Finale und DFB-Pokalfinale! Passt das? Drei eher kleine Wünsche oder?“ (Fängt laut an zu lachen)

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6 Kommentare

  1. Kleiner Tipp, Timmy, 6. – 10. Oktober sind die Draconiden-Sternschnuppen zu sehen, anderersteits, warum eigentlich nicht??? Ich drück dir die Daumen und der Kader sieht doch gut aus.

  2. Zeit macht nur vor dem Teufel halt. Dennoch wünsche ich ihm, dass er nochmal so gut wird wie beim 2 : 2 gegen den FCB (bei eigener Unterzahl!)

  3. Ist der Spaetberufene in der Nähe? Möchte mich für seinen Tipp bedanken! 🙂

  4. Hallo Hooli,
    Freut mich dass es dir gefallen hat!
    Sind z.Zt. in Berlin, leider kein Ticket für die Eisernen zu bekommen.
    Bis denne!

  5. Hi, ja, war mal was anderes. Daumen hoch! (100 Km weniger – Zeit und Sprit gespart).
    Gestern allerdings wieder beim “ Eintracht Fanclub “ in Großheubach. 🙂

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