Wer die Videos der Frankfurter Eintracht aus dem Trainingslager verfolgte begegnete dort immer wieder Jermiah Maluze. Sympathisch nahm er an vielen der Formate Teil, die die SGE auf Youtube und EintrachtTV veröffentlichte. Nicht wenige dachten dabei aber, dass Maluze wohl nur als Ergänzung für das Training mitgereist sei. Als er dann im DFB-Pokal gegen den SC St. Tönis eingewechselt wurde, stand es 10:0 für die Eintracht. Kein Risiko also, den jungen Innenverteidiger zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt lief das Transferfenster noch und alle gingen davon aus, dass Sportvorstand Markus Krösche noch mindestens einen, eher zwei Innenverteidiger verpflichten würde. Tatsächlich kam aber „nur“ Lilian Brassier. Und zwar erst, nachdem Maluze bereits sein erstes Bundesligaspiel für die Eintracht absolviert hatte. Geplant hatte mit dem Spieler für die erste Mannschaft der Eintracht vor der Saison wohl niemand so recht – das ist jetzt plötzlich ganz anders.
Echte Alternative in der Verteidigung
Als man sah, dass Adi Hütter mit dem für die U21 eingeplanten Maluze in das Auftaktspiel der Bundesliga gegen Union Berlin startete, trauten einige ihren Augen nicht. Ein so unerfahrener Spieler direkt in der Innenverteidigung? Maluze zahlte das Vertrauen des Trainers aber zurück. Bärenstarke 94 Prozent seiner Zweikämpfe entschied er für sich, 73 Prozent seiner Pässe fanden ihr Ziel. Über die vollen 90 Minuten marschierte der junge Deutsch-Nigerianer und erspielte sich durch seinen beherzten und engagierten Auftritt direkt viele Sympathien im Eintracht-Umfeld. Als Brassier in Frankfurt ankam, verdrängte dieser den SGE-Nachwuchsspieler erstmal auf die Bank. Hütter stellte den Neuzugang vom FC Stade Rennes direkt in die Viererkette neben Kapitän Robin Koch gegen den FC Augsburg. Während die Eintracht früh in Führung ging, verlor sie im zweiten Durchgang komplett den Faden und ging mit 1:4 baden gegen die Süddeutschen. Hütter reagierte im nächsten Spiel gegen den FSV Mainz 05 und stellte auf Fünferkette um. Da Nnamdi Collins noch immer verletzt ausfällt, wanderte Maluze wieder in die Startaufstellung. Erneut zeigte der 21-Jährige einen starken Auftritt mit dem Adler auf der Brust. Zwar gewann er diesmal nur 60 Prozent seiner Duelle, dafür aber legte er das wichtige 2:0 von Jonathan Burkardt per punktgenauem Kopf-Zuspiel auf. Auch war keiner seiner verlorenen Zweikämpfe Ursache von sehr brenzligen Mainzer Offensivaktionen.
Maluze bringt unheimlich viele positive Attribute mit. Er ist ein sehr positiver und sympathischer Typ der gut für die Stimmung innerhalb der Mannschaft zu sein scheint. Zudem hat er für sein Alter schon eine beeindruckende Ruhe am Ball und er erscheint austrainiert und körperlich auf einem sehr guten Niveau. Ein weiteres Faustpfand ist auch seine Schnelligkeit. Gegen Mainz wurde er mit 33,8 km/h gemessen – und das trotz 193 Zentimetern Körpergröße. Für einen Verteidiger ist das pfeilschnell. In der bisherigen Saison ist er damit der schnellste bislang gemessene Frankfurter.
Chance genutzt
Mit einem derart schmalen Kader in die Saison zu starten birgt Risiken. Darüber wurde lang und breit diskutiert gegen Ende des Transferfensters. Weniger stark beleuchtet wurde hingegen, welche Chancen sich dadurch eröffnen. Jeremiah Maluze hat seine Chance bislang ausgesprochen gut genutzt. Wer hätte geahnt, dass der Spieler so schnell seine Qualität zeigt? Wer hätte geahnt, dass er überhaupt eine übergeordnete Rolle im Ensemble von Hütter spielen würde? Wenn eine Mannschaft wenige Spieler im Kader hat, kommt es genau auf diejenigen an, die da sind. Maluze ist jetzt einer von ihnen und zeigt, dass man sich auf ihn verlassen kann. Er wird als junger Verteidiger Fehler machen. Er wird der SGE dadurch voraussichtlich auch den einen oder anderen Punkt kosten. Aber er ist bislang wohl die Entdeckung der ersten Wochen und eine echte Alternative in der Verteidigung. Man sieht ihm die Freude regelmäßig an, jetzt vor dem ganz großen Publikum spielen zu können. Er lebt offensichtlich seinen Traum und ist in Windeseile zu einer dringend benötigten Verstärkung für die Eintracht geworden.







18 Kommentare
Aktuell sehe ich ihn deutlich stärker als Koch. Kein Ragebait - vollkommen ernst gemeint.
Er spielt sehr routiniert - während Koch ein stetiger Unsicherheitsfaktor ist…
Das stimmt sticht sehr positiv hervor
Er macht das echt gut und da Hütter ein gutes Händchen bewiesen. Ihn jetzt aber mit Koch zu vergleichen kommt mir noch etwas früh. Ich hoffe, dass sich das Zusammenspiel von beiden weiter entwickelt und sie das Tor gemeinsam dicht halten.
Meine Güte, wie lange haben wir darauf gewartet, dass endlich mal wieder einer aus dem eigenen Nachwuchs sich in die erste spielt.
Jetzt sind es auch noch mehrere. Ist nur eine Momentaufnahme, aber trotzdem schön.
Wenn jemand viel als Förderer und Forderer gibt, dann bekommt er in der Regel auch was zurück.
Die Jungs (Maluze, Aseko, Kosugi & Baum) machen es bislang großartig,, performen über unserer aller Erwartungen, können mit den und dank der erfahrenen Spieöern weiter reifen und haben dazu den perfekten Übungsleiter in allen Belangen an der Hand.
Hoffentlich können wir den dann am Ende der Saison für 40 Mio an Birmingham oder Ipswich Town verkaufen...
Warum nicht schon im Winter?
100% Zustimmung, Koch ist für mich einer der Fehlkäufe der letzten Jahre. dicker Vertrag bis 2030, das schmerzt!
Mit Koch haben wir uns mehrmals für ein internationales Geschäft qualifiziert und mit Platz 3, die beste Platzierung seit über 30 Jahren erreicht und uns zum ersten Mal über die Liga für die CL qualifiziert. Und in der letzten Runde liefen einige ihrer Form hinterher, nicht nur Koch. Aber ja klar, man braucht halt einen Sündenbock, und in deinen Augen ist er der schlechteste aller schlechtesten.
Das wäre ein Jackpot. ;-)
Absolut! wie man schon munkelt, muss Markus im Winter um die 250Mios. durch Verkäufe erwirtschaften. Es bleibt spannend. In diesem Sinne ;-)
Eine Schöne Geschichte, die hoffenlich noch lange bei uns weitererzählt wird.
Und was haben sich einige aufgeregt, daß nicht genug Spieler eingkauft wurden...
Selbst bei einem positiven Ereignis und dementsprechend positiven Bericht schaffen es einige Leute, negativ zu schreiben.
Es geht wohl nicht, dass man sich über einen Maluce einfach nur freut . Nein, man muss auch noch gleich zu Koch etwas Negatives schreiben, ungeachtet dass, dass vielleicht Koch dem Maluze möglicherweise gut tut und er sich auch deshalb so toll entwickelt. Oder man haut halt über die Transferpolitik irgendwas unqualifiziertes raus.
😆😂 bitterböser Sarkasmus, Danke dafür. 🥳
Natürlich wäre es bitter, wenn er dann bald wieder weg wäre, aber eben auch eine Auszeichnung für die Kaderschmiede der Eintracht.
Das trifft auch auf Futkeu zu: Er scheint ein sehr fordernde Art zu haben, er hat schon mal vor der letzten Leihe öffentlich gesagt, dass er vor allem spielen will, also eine Stammplatz haben. Das hätte die Eintracht ihm nicht bieten können und deswegen ist er jetzt wieder verliehen. Das ist eine mutige, aber dennoch verständliche Forderung, 3 Jahre irgendwo auf der Bank zu versauern ist sicherlich nicht förderlich für die Karriere. Bierhoff wurde mal von Inter gekauft und dann 4 Jahre in der zweiten Liga geparkt, bevor er bei AC Milan durchgestartet ist. Er hat es zwar dann noch geschafft, aber er hätte vermutlich eine noch größere Karriere haben können, wenn er sich nicht darauf eingelassen hätte. Also auch wenn die Forderung von Futkeu ein bisschen viel ist, würde ich deswegen nicht gleich behaupten, dass er ein "schwieriger" Charakter wäre oder ähnliches. Das macht aber die Leihe verständlicher, er wollte halt unbedingt spielen.
Sollte Futkeu weiterhin seine Scorer machen(bis jetzt immerhin schon eine Vorlage), dann wird er seinen Marktwert mindestens bestätigen können und auch wenn er dann nicht bei der Eintracht, sondern woanders durchstarten sollte, dann sind das durchaus Lorbeeren für die Jugendabteilung. Inzwischen bringt die Eintracht bereits 50% der Spieler in den Profibereich, was eine absolut sehenswerte Bilanz ist. Wenn Futkeu dann nach erfolgreicher Leihe tatsächlich für ca. 10 Mio. wechseln und eventuell auch andere aus dem Nachwuchs hochgezogene oder verliehene Spieler Ablösen einbringen würden, dann käme man langsam in den Bereich, dass die Jugendabteilung sich rechnet und selbst finanziert. Zur Zeit zahlt man da ja noch drauf.
Das geht nicht von heute auf morgen, aber sollte die Jugendabteilung tatsächlich dahin kommen, dass sie regelmäßig Leute in die ersten Ligen bringt und so Gewinne einfährt, dann wäre das durchaus ein gewaltiger Meilenstein. Bei den großen portugiesischen Vereinen ist das so, bei ein paar französischen auch, bei Ajax und Barca definitiv. Genaue Zahlen europaweit kenne ich nicht, aber in Deutschland trifft das nicht auf viele Vereine zu, aber zumindest auf Freiburg, Schalke, Bochum(wo Alex Richter abgeworben wurde), vielleicht auch Bayer(?) und Bayern möglicherweise auch. Der BVB bringt beispielsweise durchaus große Talente hervor, die dann immer erst woanders durchstarten, die ziehen keine Spieler hoch und nehmen dann auch nicht viel damit ein. Das ist also nicht selbstverständlich.
Mir wäre es natürlich auch noch lieber, wenn Maluze hier bei der Eintracht große Karriere machen würde. Er versteht sich scheinbar u.a. super mit Ebnoutalib, mit dem er viel im Trainingslager unterwegs war. Wenn da eine langjährige Achse von Spielern mit regionalem Bezug Baum/Maluze/Ebnoutalib/Burkardt (+X?) entstehen würde, wäre das natürlich ein Traum. Nur wenn einer dann doch für viel Geld wechseln sollte, wäre das dennoch eine große Erfolgsgeschichte. Wenn die Kids und Teens sowas sehen würden, dass einer eine Weltkarriere aus der Frankfurter Jugend gestartet hat, dann würde das der Jugendabteilung nochmal einen ganz anderen Push geben und vielleicht noch mehr Talente zutage fördern, die dann auch eher bleiben, anstatt ihr Glück woanders zu versuchen. Das hätte also auch positive Nebeneffekte.
"...dass vielleicht Koch dem Maluze gut tut..."
Wohl eher umgekehrt.
Hab den Buben in seinem allerersten BL-Spiel in Berlin live gesehen, ungläubig gestaunt und mich gefragt: Wieso setzt man eigentlich erst voll auf unsere Eigengewächse [dito Elias], wenn man es aus finanziellen Gründen quasi muss?
Wenn auch noch die anderen Jungbuben [Noel, Keita, Malik, Love, Jupp] regelmäßig ihre Einsätze kriegen, sich zu Vollprofis entwickeln und wesentliche Stützen der Truppe werden, ist diese wohl kaum schwächer als der CL-Kader... eher stärker.
Sehe ich anders, in seinem ersten Jahr hat er schon sehr stark gespielt. Erst als er Kapitän wurde gab es einen Leistungseinbruch. Letztes Spiel war wieder gut.
stimme ich zu, das erste jahr war top, die letzten 2 Jahre waren aber sehr dürftig ( für sein Gehalt ) um es vorsichtig zu formulieren
Also Aseko, Kosugi, Pimpong, Arrhov, Amaimouni sind aber alles keine Eigengewächse. Arrhov hat ja von vornherein nie U21 bei der Eintracht gespielt, Amaimouni auch nicht. Maluze kam auch erst letzte Saison zur U21, da habe ich mich oben schlecht ausgedrückt. Auch Etse kam erst letztes Jahr von Ulm. Gerade Arrhov war in der Vorbereitung sehr stark, den würde ich gerne mal mehr in der ersten Mannschaft sehen. Der ist echt ein super Ballverteiler, vielleicht der Beste im ganzen Team.
In der U21 gibt es auch sehr vielversprechende Talente, aber ich würde mir eher wünschen, dass sie zunächst noch ein Jahr erstmal die Klasse in der Regionalliga halten, weil das den Geist schult, sich diese Resilienz anzueignen. Zudem kommt jetzt ein neues U21-Turnier im CL-Modus dazu(bzw. ähnlich), was auch die Wettbewerbsfähigkeit steigert. In der nächsten Saison sollten einige von ihnen reif für die erste Mannschaft sein, dafür muss aber auch weiterhin ein schlanker Kader beibehalten werden, damit wirklich auf die gebaut wird und sie sich entfalten können. Is im DM und Dills im OM sind auch technisch sehr begabte Spielmacher, Ilicevic ist wahrscheinlich schon diese Saison so weit. Sowohl Staff, als auch Starodid, haben bei ihren Leihstationen in der Dritten Liga bereits je eine Vorlage und ein Tor erzielt. Damit Siljevic und Möhler im Tor näher an die erste Elf kommen, wäre es vielleicht auch besser, Grahl in Rente zu schicken und vielleicht als Torwarttrainer zu erhalten. Chandler könnte vielleicht als Teambetreuer nach an der Mannschaft bleiben. Etse&Co in der Abwehr sollen schließlich auch Chancen kriegen.
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