Heribert Bruchhagen freut sich über den Frankfurter Höhenflug.

Als er 2003 die Eintracht übernahm, lag der Verein am Boden. Unter Heribert Bruchhagen stabilisierte sich Eintracht Frankfurt, erreichte zweimal den Europa-Pokal, stieg aber auch zweimal ab. Der bodenständige Ostwestfale war ein Mann der deutlichen Worte, stets Mahner und Realist. Das Träumen überließ Bruchhagen lieber anderen. Umso mehr freut es ihn, dass seine Eintracht, bei der er von 2003 bis 2016 die Geschicke leitete, derzeit einen solchen Höhenflug nimmt. „Ich hätte es der Eintracht nicht zugetraut, in die Phalanx von Bayern München, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach, Schalke 04, Bayer Leverkusen und Hoffenheim einzubrechen. Umso großartiger finde ich es, was die handelnden Personen im sportlichen Bereich geleistet haben, um diesen Sprung zu schaffen. Da kann man nur stolz sein“, sagte Bruchhagen am Montagabend im „hr Heimspiel!“

Kontinuität als Schlüssel des Erfolgs

Dieser Erfolg ist für Bruchhagen ein Ergebnis der Kontinuität im Verein, vor allem bei den handelnden Personen wie Präsident Fischer, Manager Hübner oder dem Aufsichtsrat. „Der Verein ist so stabil, so stark geworden. Das ganze Gebilde stellt sich im Augenblick so dar, wie ich es niemals hätte erwarten können. Jetzt muss man darum kämpfen, dass man diese Situation so lange wie möglich beibehält“, so der 70-Jährige. Doch Bruchhagen wäre nicht Bruchhagen, würde er nicht auch einen mahnenden Finger heben. Die Eintracht müsse die Erfolge so feiern, wie sie fallen, so der Ex-Clubboss: „Aber sie muss auch wissen, dass sie im Ranking der Bundesliga in der Regel einen Platz zwischen acht und zwölf belegen muss – aufgrund ihrer Vereinsstruktur und ihrer Möglichkeiten. Sie darf nicht enttäuscht sein, wenn sich diese Erfolgsstrecke nicht ständig wiederholt.“

Bruchhagen: „Kostic – die Pappnase“

Doch zumindest einmal nimmt Bruchhagen ein Wort in den Mund, dass er als verantwortlicher Clubboss eher selten gewagt hat zu verwenden: Champions League. „Wenn man in die Champions League kommen sollte, ein bisschen Fantasie muss man ja haben, dann würde man natürlich derartig viel Geld generieren, dass eine neue Periode anbrechen könnte“, prophezeit der Ex-Manager. Lob gab es für die Stimmung innerhalb der Mannschaft. Sie müsse sehr gut sein, glaubt Bruchhagen und macht das an einem Spieler fest, den er in seiner Zeit beim Hamburger SV im Kader hatte: „Kostic – die Pappnase – wie der jetzt nach hinten arbeitet… Ich habe ihn ja beim HSV anderthalb Jahre gehabt. Auf dem linken Flügel hatte er mal gute und mal schlechte Spiele. Aber dass er so intensiv arbeitet, das habe ich von ihm nicht gekannt. Das zeigt, dass in dieser Mannschaft ein sehr guter Geist herrschen muss, um diese Ergebnisse zu erzielen.“

Bruchhagen: „Dort sitzen doch oft Djangos!“

Nicht nur zur Eintracht nahm Bruchhagen bei seinem Auftritt im „hr Heimspiel!“ Stellung. Auch zu einem nach der Veröffentlichung von Dokumenten aus „Football Leak“ spekulierten Austritt der Bayern aus der Bundesliga hat er eine deutliche Meinung: „Ich habe überhaupt gar keine Sorge: Der FC Bayern und Borussia Dortmund werden immer fester Bestandteil der Bundesliga sein.“ Er sieht eine Überdramatisierung seitens der Medien – insbesondere die Online-Dienste sieht er in diesem Zusammenhang kritisch: „Dort sitzen doch oftmals Djangos, die mit ganz tollen Meldungen aufwarten und die dann aufblasen.“

„Wenn sie den Fußball so lieben würden, würden sie auf scheiß Pyro verzichten“

Aber nicht nur die Medien, auch die Ultras, nahm sich Bruchhagen zur Brust. Denn das Thema Pyrotechnik stört ihn: „Wenn sie den Fußball so lieben würden, würden sie auf diese scheiß Pyrotechnik verzichten. Ich selbst habe ein bisschen resigniert. Ich weiß, was die Ultra-Bewegung will, was sie bedeutet und welchen hohen Wert sie für viele junge Menschen hat. Aber ich stelle einfach fest, dass sie den Fußball nicht genug lieben. Wer den Fußball liebt, wer selbst Fußball gespielt hat, ist nicht in der Lage, Pyrotechnik zu zünden.“ Seine Hoffnung sei, dass sich eine neue Ultra-Generation entwickele, die viel näher am Fußball sei und bereit ist auf diese Dinge zu verzichten.

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20 Kommentare

  1. HB wird immer im Herzen der Eintracht sein und ihm gebührt Dank für seine Leistungen bei der Rettung und Sanierung der Eintracht und für die Entwicklung zu einem soliden Bundesliga-Verein !
    Soweit, so gut !
    Fakt ist aber auch, dass er die letzten 2 – 3 Jahre bei uns und dann auch in Hamburg die Schwelle des guten alten Kaufmanns nicht mehr überschritten hat. Jeder und Jedes hat seine Zeit und mit Vorstellungen und Rezepten von gestern (auch wenn sie erfolgreich waren)wirst du die Zukunft nicht progessiv und dynamisch gestalten.
    Insofern sehe ich manche Äußerungen differenzierter, auch die zu den Ultras. Ich bin kein Ultra, verabscheue Gewalt und Randale. Über manches kann man geteilter Meinung sein, Fakt ist aber : Alles kann nur miteinander gelöst werden und das allerwichtigste ist Erziehung !
    Für mich fährt der Zug der Eintracht zur Zeit in die richtige Richtung, ja – mit Demut und Akzeptanz der Wurzeln, jedoch mit einer ganz neuen Dynamik und der Zuversicht, aus alten Denkfesseln auszubrechen.
    Weiter so.
    Forza SGE !

  2. Und jedes Jahr aufs Neue das Gerede um unseren glorreichen Einzug in die Championsleague. Es ist nicht mal 1/3 der Saison gespielt! Träumen ist erlaubt, aber mit so einem Gerede in den Medien baut man zwangsläufig Druck auf. Genießen wir den Moment und schauen dann hinterher, was dabei rauskommt.

  3. Da sieht man mal was ohne den Bremser möglich ist.Fortschritt statt zu verwalten Alter Mann !!!

  4. die Leute die Bruchhagen so abfällig als Bremser bezeichnen sind doch die gleichen Leute die über Bobic und Hübner sagen werden das sie unfähig sind .- wenn es mal wieder abwärts geht oder keine utopischen Ablösesummen erwirtschaftet werden 🙂
    Jede Zeit hat ihre Helden – und Bruchagen gehört zu den Leute die immer gerne in unser geliebtes Waldstadion kommen dürfen .-

  5. @Bernemer: was hier manche für einen Dünnpfiff posten ist schlicht unglaublich – du kannst nicht lange Eintracht Fan sein, ich habe noch die bangen Jahre Anfang der 2000er erlebt – wo es wirklich um die Existenz des Vereins ging – und ein Bruchhagen mit ruhiger Hand alles gemanaget hat…und dafür hat er allen Respekt verdient, und nicht so einen rotziges „alter Mann“ – wie Dieter schon richtigerweise schrieb: “ ….das allerwichtigste ist Erziehung !
    Für mich fährt der Zug der Eintracht zur Zeit in die richtige Richtung, ja – mit Demut und Akzeptanz der Wurzeln, jedoch mit einer ganz neuen Dynamik und der Zuversicht, aus alten Denkfesseln auszubrechen. „

  6. @1
    Bin auch voll bei dir.
    Ich habe am Montag „Heimspiel“ verfolgt und Bruchhagen meint mit der Championsleague „wenn man in die
    Championsleague kommt“ kann man Geld generieren und dieses als Start in eine neues Projekt nutzen.
    Warum sollte es nicht klappen,irgendwann. Ich sah Bruchhagen anfangs auch als Bremser aber der Mann hatte fast immer Recht. Ich sehe im Moment sehr entspannt alles entgegen und es macht wahnsinnig viel Spaß die Mannschaft so zu sehen. @ 6 , Dein letzter Satz gefällt mir sehr- Wie Recht du hast.

  7. @7 Ich kann mich auch noch sehr gute an die Zeiten rund um die Jahrtausendwende erinnern, vor allem aber auch an die 90er. Da waren schon die Jahreshauptversammlungen immer abenteuerlich und u.a. mit Ohms ein Mann an der Spitze, der es geschafft hat, trotz sportlichen Erfolges aufgrund seiner Erscheinung, seinem Ruf und seinem nicht vorhandenen Verständnis für professionellen Fußball, den Verein in Grund und Boden gewirtschaftet hat. Bis Bruchhagen dann 2003 kam war das alles unprofessionell und eines Erstligavereines nicht würdig !Es gab Momente, in denen die HeLaBa in allerletzter Sekunde die Lizenz gerettet hat und abenteuerliche Finanzmodelle. 2003 kam HB, und das war das Beste was dem Verein passieren konnte ! Ich bin bei jedem der behauptet das er kein Visionär ist und in seinem Handeln eher konservativ, zurückhaltend und nicht sonderlich mutig. Und ich bin auch bei denjenigen, die sagen das er zu spät abgetreten ist. Aber das soll seine Leistung keineswegs schmälern, den ohne Bruchhagen würden wir den Verein in seiner jetzigen Form nicht mehr vorfinden ! Bei HB weißt Du vorher was Du bekommst. Nicht mehr, nicht weniger. Und für uns war lange er ein 6er im Lotto….

  8. Es freut mich, dass sich hier so viele Foristen für Bruchhagen aussprechen. Ich denke auch in weiten Teilen der Eintracht Familie ist man sich da einig. Bruchhagen hat uns damals den Arsch gerettet und das sinkende Schiff wieder ins ruhige Fahrwasser gebracht, dafür kann man ihm nicht genug danken. Ich finde @Dieter hat das wirklich super zusammengefasst. Ich habe Herri in Berlin getroffen, am Breitscheidplatz. Er saß hinter der Kirche (oder was auch immer das war) und hat einen Kaffe getrunken. Ich habe ihm um ein Foto gebeten und ihm dabei meine Wertschätzung ausgetrückt. Ok, vieleicht etwas zu euphorisch, aber ich hatte auch schon einge Bier intus:-D Seine Reaktion war Gold wert: „Komm hör auf, ist genug du Dummschwätzer“ Haha. Ich würde mir wünschen, dass wir ihm demnächst mal wieder im Waldstadion begrüßen dürfen und die Fans ihm einen herzlichen Empfag bereiten.

  9. Heribert Bruchhagen hat die Eintracht stabilisiert und in bis dahin nie gekanntes ruhiges Fahrwasser gebracht. Er hat eine fantastische Arbeit gemacht und das Staffelholz zur rechten Zeit an die jüngere Generation übergeben. Freddy Bobic baut auf die geschaffenen Grundlagen durch seine Innovation, Geschick, Mut und den nötigen Kontakten nun aus. Kurzum, die Eintracht hat sich zu einem seriösen Verein entwickelt, der sukzessive nach oben strebt auch und gerade dank durch HB.

  10. Bruchagen hat aus einem Verein zu dem kein Bobic gegangen wäre, einen Verein gemacht bei dem Bobic ein Fundament für den nächsten Schritt vorgefunden hat

  11. Zu 4. Ohne den Bremser HB hätte der Fortschritt darin bestanden, irgendwann mal wieder eine Profilizenz zu erhalten. Er hat aus einem unprofessionell geführten Pleiteclub, einen armen, aber stabilen Profiverein geschaffen. Ohne ihn wären die jetzigen Erfolge schlicht nicht möglich gewesen. Das ändert überhaupt nichts an der überragenden Arbeit des Teams rund um Herrn Bobic.

  12. Nichts gegen die ersten Jahre und das finanzielle.Dagegen stehen zwei Abstiege und den Fortschritt verschlafen in seinen letzten 3-5 Jahren.Von der Rückkehr von Veh will man gar nicht sprechen

  13. @14 ohne Bruchhagen hätten wir die abstiege auch nicht überlebt 😉
    wie die meisten hier bin ich dem Herrn unendlich dankbar. ich kenne die Zeiten noch zu gut, als ich jeden tag dagesessen hab und gezittert habe ob der verein die Lizenz noch erhält….er hat um den verein unfassbar hohe Dienste geleistet wofür man ihm ewig dankbar sein sollte-gar muss.
    das er Realist ist steht auf einem anderen Blatt Papier, völlig unrecht allerdings hat er damit (sind wir mal ganz ehrlich) aber auch meist nicht.

  14. @14
    Immer wieder erschreckend, dass selbst Leute, die informiert sein sollten, so einen Stuss verbreiten. HB wollte Veh nicht zurück und hat ihn auch nicht zurück geholt. Wie kommst Du auf so einen Quatsch?

  15. Vor allem ist ja die entscheidende Frage: Wer wäre gekommen, wenn HB drei bis fünf Jahre früher gegangen wäre. Man weiß es nie und möglicherweise wären wir mittlerweile Deutscher Meister, aber mir kommt es doch wesentlich gesünder vor, dass er sich eben zu genau dieser Zeit langsam zurückgezogen, einen Hübner neben sich akzeptiert und so den nächsten Schritt mit evtl. verpassten Schritten geebnet hat.

    Gut Ding braucht einfach Weile… zumindest ist mir kein Verein der Top 5 bekannt, die in einem Zeitraum von unter zehn Jahren eine Durchbruch von weit unten an die Spitze geschafft haben. Außer vielleicht Hoffenheim, wo man einen Verein mit hocheffizienten und modernen Strukturen neu gebaut hat. Das kann aber ein Traditionsverein nicht leisten.

  16. Ich stimme hier allen zu, die HB für seine langjährige Arbeit preisen und in der Tat kann man ihm die Rettung unseres Vereins nicht hoch genug anrechnen. Was ich nur zum Schluss nicht mehr hören konnte, war seine Leier von der zementierten Liga. Zur gleichen Zeit mauserte sich etwa Gladbach von einer Abstiegsgurken-Truppe zu einem Championsleague-Aspiranten. Zu jener Zeit habe ich mir mehr als einmal die Haare gerauft, wenn er da von der Unmöglichkeit sprach, oben mitzuspielen. Aber es wurde jetzt schon öfter gesagt und ich stimme da völlig zu: HB schaffte ein grundsolides Fundament, auf das FB und BH jetzt aufbauen. Der Zug fährt, in der Tat, in die richtige Richtung! 🙂

  17. Danke allen, die ihre Wertschätzung für Herri ausdrücken. Das möchte ich auch tun. Wie einer hier schon geschrieben hat: Er hat die Abstiege nicht verschuldet, aber dafür gesorgt, dass wir sauber aus der Sache wieder raus gekommen sind! Nach der Stabilisation waren dann andere Modelle gefragt, die hat er versucht bzw. nicht richtig/genug versucht, war aber dann nach einiger Zeit immer noch der falsche Mann am falschen Ort. Aber trotzdem konnte man nur so ein fundament bauen, auf das dann später Bobic und co. kommen konnten. Das ist doch so wie bei den Trainern. Kovac hat zu allererst hinten richtig dicht gemacht, in der Relegation nur durch Konsequenz und Gespräche Erfolg gehabt, dann auch sehr defensiv und vorsichtig weiter gemacht. Ob wir mit ihm auch so nach vorne spielen und damit auch noch Erfolg haben würden wie nun mit Hütter? War er nicht auch ein ausgezeichneter Vorbereiter der Mannschaft und nun hat Hütter ein Fundament gefunden (jaja, auch mit der hohen Fluktuation)?

    Ich denke das ist alles richtig so. Ich kenne die geilen 90er! Ich kenne den Absturz unmittelbar danach. Herri hat uns da raus geholt, stabil gemacht, und alles so vorbereitet, dass ein erneuter Absturz nicht eingetraten ist – auch wenn es mit Relegation knapp war. Meinetwegen hätte er 1-2 Jahre früher gehen können. Aber nachher ist man immer schlauer. Alles bestens wie es ist!!

  18. Auch ich ziehe den Hut vor Heribert und bin ihm ewig dankbar. Seine Interviews sind legendär und zu der Zeit war er genau der, den wir gebraucht haben.
    @18 Flonke: Ich sehe das noch ein bisschen anders. Bei der zementierten Liga gebe ich ihm recht. Er hat ja nicht gesagt, dass es niemals anders kommen könnte und klar darauf hingewiesen, dass es immer mal Ausreißer nach oben und unten gibt aber am Ende werden Bayern und Dortmund Platz 1 und 2 unter sich ausmachen, Leipzig, Gladbach, Hoffenheim, Schalke, Wolfsburg und Leverkusen sind in der heißen Verlosung um die internationalen Plätze. Natürlich hoffe ich, dass wir uns da auch einreihen können. Und das Düsseldorf, Nürnberg, Mainz und Hannover wohl bis zuletzt zittern werden, käme jetzt auch nicht überraschend. Ne richtig große Überraschung sehe und erwarte ich dieses Jahr nicht. Bei Gladbach läuft’s aktuell aber das letzte Jahr war eher unter-performed (wovon ja auch wir letztendlich mit profitiert haben). In den letzten Jahrzehnten gab es irgendwie kaum einen Verein, der sich von der grauen Maus zum Spitzenclub wirklich entwickelt hat. Wolfsburg, Hoffenheim, Leipzig und in Teilen Leverkusen sind einfach mit Kohle zugeschüttet worden – dafür sind Teams wie Bremen, Hamburg oder Stuttgart ein wenig in der Versenkung verschwunden – von Clubs wie Duisburg, Bielefeld, Uerdingen, Lautern und 1860 erst gar nicht zu sprechen. Ich freue mich wenn wir diesen Zement durchbrechen aber so große Änderungen seh ich in nächster Zeit noch nicht auf uns zukommen…..also zumindest nicht am 34. Spieltag.

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