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Vorstandssprecher Axel Hellmann arbeitete die vergangene Eintracht-Saison auf. Foto: IMAGO / Jan Huebner

Boss Hellmann fordert von Eintracht: „Haltung, Einsatzwille und Integrität“

Die Frankfurter Eintracht ist noch immer dabei die verkorkste letzte Saison aufzuarbeiten. Mit dem achten Tabellenplatz in der Liga verpasste man schlussendlich einen internationalen Startplatz. Der Kader wird sich wohl deutlich verändern, daneben gab es bereits einige personelle Konsequenzen im Staff. In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sprach Vorstandssprecher Axel Hellmann nun über die Frankfurter Probleme: „Eine fundamentale Erkenntnis aus der letzten Saison ist, dass viele Spieler nicht an ihr bestes Leistungsniveau gekommen sind. Vielleicht gab es nach unserem dritten Platz in der Saison 25/26 die Vorstellung, das werde schon einfach so weiterlaufen.“

Die Frankfurter müssten allerdings hart für das Ziel Europa kämpfen, das gehe nur mit aggressivem und intensivem Fußball. Auch die Führungsspieler nahm Hellmann in die Pflicht, diese hätten „Leadership“ vermissen lassen.

Warum Hellmann vorher nicht öffentlich eingriff

Nach außen gab die SGE durch die Kommunikationsweise von Ex-Trainer Albert Riera und die sportlichen Probleme im Saisonendspurt kein gutes Bild ab. Nicht wenige Fans wunderten sich, dass Hellmann selbst nicht öffentlich eingriff und ein Machtwort sprach. Der gebürtige Würzburger – der seinen eigenen Vertrag in Frankfurt kürzlich bis 2031 verlängerte – begründete, er habe nicht öffentlich über Zuständigkeitsbereiche seiner Vorstandskollegen sprechen wollen. Des Weiteren habe er das Gefühl gehabt, mit einer Brandrede nicht die gewünschte Wirkung erzielen zu können, weil die Problematik tiefer gesessen habe, als nur in der Einstellung der Spieler. Dennoch machte er klar, dass er innerhalb des Vereins deutlich aufgetreten sei: „Ich habe intern sehr deutlich gemacht, dass wir ein paar Dinge verändern müssen: Haltung, Einsatzwille und Integrität.“

Zweifellos dürfte die Saison 2025/2026 dem Ansehen der Eintracht geschadet haben. Das oberste Ziel ist es daher, das selbst erschaffene Image der letzten Jahre wieder aufzubauen, so Hellmann weiter: „Wir müssen im nationalen und internationalen Spielermarkt wieder das Vertrauen stärken, dass Eintracht Frankfurt der richtige Klub mit stabilen Verhältnissen auf der Trainerposition ist, der jungen ambitionierten Spielern die besten Entwicklungsmöglichkeiten bietet.“ In diesem Sommer tätigte der Klub bislang erst eine echte Neuverpflichtung: Mit Malik Pimpong kam ein 18-jähriges Talent aus Dänemark – passt also in die Philosophie der letzten Jahre. Hier dürfte weitere Bewegung in den nächsten Wochen reinkommen.

Die Rolle von Adi Hütter und Markus Krösche

Auf der Trainerposition herrscht seit über einem Monat wieder Klarheit am Main. Nach der absehbaren Entlassung Rieras folgte relativ zeitnah der alte Bekannte Adi Hütter. Der Vorteil bei Hütter ist sicherlich, dass der 56-Jährige den Verein, sein Umfeld und die Bundesliga bereits kennt. Zudem kommt er in seiner Kommunikation nach außen deutlich souveräner und gelassener rüber, als sein Vorgänger. So die Reaktionen vieler Fans nach der ersten Pressekonferenz mit dem Österreicher.

Dennoch sieht Hellmann keine plumpe Rückholaktion in der Verpflichtung Hütters: „Man muss sagen, dass sich Adi Hütter weiterentwickelt hat. Er ist nicht der Gleiche wie vor fünf Jahren. Hinzu kommt, dass auch wir uns als Klub weiterentwickelt haben.“ Ein Fakt, den der Trainer selbst bereits mehrfach betonte. Die Ansprüche im Verein sind andere.

Neben den Gerüchten rund um neue Spieler, die jeden Sommer zum Geschäft Profifußball gehören, hielten im vergangenen Monat vor allem Berichte um einen möglichen Abgang von Sportvorstand Markus Krösche das Umfeld in Atem. Laut italienischen Medien war der Transfer von Krösche zur AC Mailand bereits beschlossene Sache. So kam es am Ende aber nicht.

Eine Aussage über die Ernsthaftigkeit des Werbens aus Mailand konnte Vorstandssprecher Hellmann allerdings nicht machen: „Ich kann Ihnen nicht sagen, wie handfest das Werben der AC Mailand gewesen ist. Das kann nur Markus beantworten. Ich habe ihn jedenfalls als jemanden erlebt, der einen klaren Kompass hat und zu seinem Wort steht.“ Der 54-Jährige betonte, wie wichtig es Krösche und den anderen Mitgliedern im Vorstand des Vereins ist, in ihren Bereichen die Entscheidungsgewalt zu haben. Das sei Grundlage für die Erfolge der letzten Jahre und für die Zukunft.

Abrechnung mit Riera: „Selbstüberhöhung und fehlende Selbstreflexion“

Dass die SGE nach der Entlassung von Dino Toppmöller im Januar mit Riera einen Coach verpflichtete, der noch keine Erfahrung in einer Top-Fünf-Liga vorweisen konnte und im Vorhinein als eigensinnig galt, stellte sich mittlerweile als Fehler heraus. „Ich war überrascht, wie wenig er bereit war, sich mit der Bundesliga, diesem Klub und dem ganzen Umfeld auseinanderzusetzen. Das zeigen auch seine jüngsten Äußerungen, aus denen ich viel Selbstüberhöhung und eine fehlende Selbstreflexion raushören konnte“, bewertete Hellmann. Nachdem sich die Frankfurter nach der Entlassung des Spaniers noch recht defensiv äußerten, fiel die Kritik des Bosses nun deutlicher aus. Sicher auch, weil der Mallorquiner unlängst selbst in Richtung Mainmetropole nachtrat.

Wenngleich die Verpflichtung des Trainers klar in den Aufgabenbereich von Krösche fällt, machte Hellmann deutlich, dass er die Entscheidung pro Riera damals voll mitgetragen habe. Mit dem Ex-Celje-Trainer bekam der Verein quasi einen kompletten Gegenentwurf zum ruhigen, eher zurückhaltenden Vorgänger.

Man stehe immer im Austausch untereinander und gehe offen damit um, dass es in der vergangenen Saison Fehler gegeben habe. „Ich habe erlebt, dass man im harten Wettbewerb der Bundesliga schnell an Boden verliert, wenn nicht alle Rädchen ineinandergreifen“, so die Erkenntnis. International sei die missratene letzte Saison ebenso aufgefallen: „In der internationalen Klublandschaft war man über unsere letzte Saison überrascht, der Kommunikationsstil von Riera ging weit über unsere Landesgrenzen hinaus, weil wir eben in Europa ein Klub sind, an dem sich viele orientieren.“

Weitere personelle Konsequenzen waren nötig

Nicht nur die öffentliche Kommunikation des Ex-Trainers sorgte für Aufsehen. Immer wieder waren interne Unstimmigkeiten und Vorgänge rund um Riera Thema in der Presselandschaft. Auch Abseits davon gelangen regelmäßig Interna an die Öffentlichkeit, etwa Transferziele oder Vertragsdetails. Etwas, das die Bosse der Eintracht beunruhigt, wie Hellmann zugibt: „Das macht uns große Sorgen, dass wahnsinnig viele Details aus der Kabine, aus dem Maschinenraum des Betriebs und aus Verträgen, mitunter auch manch absurde Spekulation, in den Markt gebracht werden.“ Klar wird, dass es offenbar keine einheitliche Linie im Verein zu bestimmten Themen gab.

Dahingehend habe es erste Konsequenzen beim Personal gegeben. So mussten in den letzten Monaten nicht nur die von Riera mitgebrachten Co-Trainer den Hut nehmen, sondern auch Jan Fießer sowie Athletiktrainer Martin Spohrer. Zudem wurde im Dezember bereits der Mannschaftsarzt Dr. Fabian Plachel entlassen. Laut des 54-jährigen Managers sind „Störgeräusche, Durchstechereien, vielleicht auch fehlende Loyalität“ Gift für das Wohl des Vereins.

Eines ist nach Hellmanns Worten klar: Nach einer Saison, die dem Ansehen der Eintracht spürbar geschadet hat, steht der Klub nun in der Pflicht, genau jenes Vertrauen zurückzugewinnen. Das gilt einerseits für die Spieler auf dem Platz, andererseits für die Verantwortlichen in der Kommunikation nach außen und den Abstimmungsprozessen untereinander. Nur so lässt sich die verkorkste, vergangene Saison erfolgreich aufarbeiten.

5 Kommentare

Fallback Avatar 1. pit3157 07. Juli 26, 14:57 Uhr

das alles gefällt mir gut was hier geschrieben wird
hoffe auch das es dieses jahr noch besser wird
bin schon seit 65 jahren fan der eintracht und da weiß man schon was
hier alles so zusammen kommt. aber egal in guten wie in schlechten zeiten
nur die SGE
nachtrag!!!!!bischen bessere kontolle der feierwütigen,,, gelinde ausgedrückt ,,,
bei stadion eingang.

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Fallback Avatar 2. PeKa 07. Juli 26, 15:03 Uhr

"Wir sind ein Klub, an dem sich viele in Europa orientieren". Das habe ich auch noch nicht gewußt.

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Avatar 3. SGE-SCOPE 07. Juli 26, 16:09 Uhr

Bei Jan Fießer bin ich mal gespannt, was aus ihm wird. Klar, Hütter bringt wieder Peintinger mit. Aber es klang so als sei man mit ihm sehr zufrieden und hat in ihm Potential und eine gute Entwicklung gesehen. Und als Unterstützung für Riera war er bewusst platziert worden. Mal sehen, ob er im Nachwuchsbereich oder einem unterklassige Verein wieder in die Verantwortung kommt.

Gruß SCOPE

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Avatar 4. Hooliganverachter 07. Juli 26, 20:47 Uhr

Hellmann gewohnt klar. Nur in Sachen Führungsspieler/Leadership liegt er m.E. e bissi daneben.

Wir hatten ab dem ersten Spieltag keine Führungsspieler und folglich auch kein Leadership.

Das könnte bei aller Vorfreude unser Problem 2026/2027 werden.

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Fallback Avatar 5. mainhesse 08. Juli 26, 09:57 Uhr

Immer wieder interessant, wenn Führungskräfte die Probleme analysieren, die sie mit ihrem eigenen Handeln erst verursacht haben.

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