In Frankfurt hat sich Marius Wolf schon durchgesetzt und als Stammspieler etabliert. Gelingt dem 22-Jährigen bald der nächste Schritt?

Er gehört zu den Shootingstars der Bundesliga. Und ein bisschen hört sich die Geschichte von Marius Wolf wie ein kleiner Fußballtraum an. Von Hannovers Amateuren ins die Beletage des deutschen Fußballs und mit der Eintracht Richtung Europa. Wo endet das noch? Geht es nach Wolfs Kumpel Kevin-Prince Boateng, ist die Richtung schon vorgegeben.

Boateng erneuert Aussagen – Wolf bestätigt Leistungen

Schon zum Ende des vergangenen Jahres redete Boateng Wolf gen Nationalmannschaft. Von vielen als Gerede unter Kumpels abgestempelt, erneuerte der 30-Jährige nun seine Worte und wurde noch deutlicher: „Das war im Dezember kein Überschwang bei mir. Da habe ich doch Recht gehabt, ich verstehe doch Fußball“, macht Boateng klar, dass schon damals Ernsthaftigkeit in seinen Aussagen lag. Und doch wusste man nach der Hinrunde noch nicht, wie man dem Ganzen trauen soll. Sterne gehen am Fußballhimmel schnell auf, sie können aber auch genauso schnell verschwinden. Marius Wolf aber verschwand nicht. Im Gegenteil. Er konservierte die Form der Hinrunde und avancierte auch in der Rückserie bis dato zum absoluten Leistungsträger.

Für seinen Freund Boateng ist diese Entwicklung kein Zufall. Gerade die Zeit nach seiner Degradierung bei 96 sei beeindruckend gewesen: „Er ist trotzdem so ruhig geblieben und hat weiter hart gearbeitet.“ Vom Kopf her sei der 22-Jährige Wolf schon deutlich weiter als der 22-Jährige Prince: „Man muss Riesenrespekt vor dem Jungen haben. Nicht weil ich mich gut mit ihm verstehe, sondern weil es sein erstes Jahr ist und man sieht, wie abgeklärt er ist und wie ruhig er damit umgeht. Das ist nicht normal. Das hab ich in den Jahren nicht geschafft.“ Er sei ein Vorbild, was auch den Umgang mit seinem Körper angehe: „Der Junge arbeitet jeden Tag an seinem Körper.“ Vom schmächtigen „Hähnle“, das er bei seiner Ankunft noch war, zum gestandenen Bundesligaspieler.

Wolf schon für die WM 2018 ein Kandidat? – Boateng bejaht

Diese Beharrlichkeit, diese Ruhe soll den ehemaligen Sechziger, geht es nach Boateng, noch weiter nach oben bringen. Er erneuert seine Ansage vom letzten Jahr und setzt noch einen drauf: „Wenn der kein Nationalspieler wird, dann hör ich auf mit Fußball. Er wird langfristig Nationalspieler.“ Langfristig führe kein Weg an dem Mittelfeldspieler vorbei: „Das ist klar. Er wird langfristig Nationalspieler.“ Ob schon zur Weltmeisterschaft in Russland dieses Jahr? Auch da hat Boateng eine klare Meinung: „Das muss ich zum Glück nicht entscheiden. Ich würde ihn auf jeden Fall mitnehmen.“ Schaue man sich die Bundesliga an, fragt Boateng, „sagt mir einen in seinem Alter, der viel besser ist.“ Auf dieser Frage erhielt er keine Antwort. Sicherlich. Joshua Kimmich dürfte als Rechtsverteidiger gesetzt sein. Nach dem Münchener kommen aber nur Notlösungen. Ein Mitchell Weiser, der lange auch als Kandidat galt, bekommt in Berlin aktuell kein Fuß vor den anderen. Dazu besitzt Wolf die entsprechende Variabilität, glänzt als Außenverteidiger und eine Reihe davor. Langfristig dürfte er also durchaus in den Kandidatenkreis kommen.

Für die Eintracht ist er ohnehin schon eine immense Bereicherung. Vier Tore, sechs Vorlagen allein in der Bundesliga. Und das, obwohl Wolf nicht immer so offensiv agieren durfte wie in den vergangenen Spielen. Ein wichtiger Faktor für die Integration und den Aufschwung war und ist sicher auch die Freundschaft mit Mittelfeldmann Boateng. Auch wenn letzterer seine Rolle nicht überbewerten mag: „Ich war am Anfang glaube ich ein bisschen wichtig, habe ihm gesagt, er muss Vollgas geben. Und das macht er. Da gibt es auch kein Halten.“ Jetzt sei Boateng aber gar nicht mehr wichtig, „weil er ganz genau weiß, was er machen muss. er braucht grad niemanden, weil er ganz genau in seiner Linie ist.“ Sicher. Man freue sich als Kumpels zusammen auf dem Platz zu stehen, aber den Fokus den bewahre Wolf schon selbst: „Und genau das wird ihn zum Nationalspieler machen. Dass er diesen Kopf hat, den anderen mit 30 erst haben“, macht Boateng mit einem Augenzwinkern klar.

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9 Kommentare

  1. Auch wenn in Boateng’s Aussagen noch etwas Polemik mitschwingt, sind es ganz große Worte, die durchaus in mittelfristiger Zukunft Realität werden könnten.
    Ob das mit dem in meinen Augen etwas „kurzsichtigem und eingefahrenem“ Jogi Löw allerdings zu machen ist, dürfte hierbei jedoch die Gretchenfrage sein.
    Zumindest was die Operation Titelverteidigung 2018 angeht.

  2. Die Lobpreisungen von KPB in allen Ehren. Ich wäre vorsichtig mit derartigen Promotion-Acts.
    Wenn Yogi&Co MW unter Beobachtung haben und wer sollte daran zweifeln, wäre nicht völlig auszuschließen das er zu einem Eventuell-Kandidaten für die WM18 werden könnte – vorausgesetzt versteht sich er bleibt fit und konstant auf diesem Niveau. Das Potential in den nachrückenden Jahrgängen um -+20 J. ist zwar so enorm wie vielleicht noch nie in der DFB-Historie – was v.a. während des Confed-Cups deutlich wurde. Aber gerade im Falle von „Last-Minute“-Aufrückern spielt die Momentanform oft eine entscheidende Rolle.
    Der Vergleich mit Kimmich, den ich für einen der besten deutschen Spieler überhaupt halte, ist zwar naheliegend, macht aber wenig Sinn. Kimmich hat bereits Leistungen und Einsätze, v.a. auf internationaler Ebene vorzuweisen, von denen MW vielleicht träumt und die hoffentlich noch auf ihn warten, aber von denen er eben noch weit entfernt ist. Zudem ist MW eigentlich ein anderer Spielertyp. Als RV kommt er in NKs 3er/5er-Reihe-System m.o.w. gut zurecht. Im Grunde ist er aber kein Rechtsverteidiger. Ich sehe in ihm ja immer wieder einen Mario Basler 2.0 – auch wenn er mit noch so viel Übung wohl nie die rechte Klebe des Originals haben wird – aber v.a. seine Dynamik, sein Vorwärtsdrang sind genauso überragend. Deshalb wäre MW m.E. weniger eine Alternative für JK, sondern vielleicht mehr für Özil, Brandt, Schürrle oder Müller… und was das MF und v.a. das OM angeht, stehen die Kandidaten für die WM-Nominerung wirklich Schlange.
    Für realistisch halte ich: MW bleibt gesund, spielt konstant seinen Stiefel, wechselt 2019 für rund 15 Mio zum BVB oder zum FCB oder nach Spanien oder nach GB… und gehört kurz darauf zum Kader für die EM-2020 in England.

  3. Immer schön langsam !
    Der nächste Schritt wird folgen und dann auch die nächsten Schritte , doch nicht von allein und wie NK so richtig sagt , vor dem Lohn kommt die Arbeit !
    Ich mache mir um MW keine Sorgen , das wird schon und um dahin zu kommen gilt es jetzt erstmal in Stuttgart !
    Das ist im Moment das Wichtigste
    Forza SGE !

  4. das Problem ist , ich sag es seit Jahren und bleib auch nach Titeln dabei – der Löw is ne Wurscht … der erkennt junge Kandidaten für die Nati erst , wenn in der Zeitung steht warum Jogi sie nicht mitnimmt … war bei Reuss und Götze damals doch auch so …

  5. das Problem ist , ich sag es seit Jahren und bleib auch nach Titeln dabei – der Löw is ne Wurscht … der holt junge Kandidaten für die Nati, wenn in der Zeitung steht das Jogi sie nicht mitnehmen sollte … war bei Reuss und Götze damals doch auch so …

  6. Meiner bescheidenen Meinung nach wird Marius solange kein Nationalspieler solange er in Frankfurt ist und Löw Bundestrainer.
    Das Thema hatten wir hier im Forum schon des öfteren. Wer genau hin schaut wird sich vielleicht fragen warum ein Trapp erst eingeladen wurde als er weg war und da gab es noch ein paar andere die das Zeug hatten und auf Positionen gespielt haben auf denen Spieler notwendig gewesen wären bzw. sind. Dabei denke ich an einen Jung und glaube, das er ohne die vielen Verletzungen immer noch ein Kandidat wäre und das nicht nur um in einem Freundschaftsspiel auf der Bank zu sitzen.

  7. Wenn Wolf so weiterspielt nimmt Löw ihn mit. Viel zu flexibel, viel zu laufstark, der Kerl.
    Würde mich über ein Euro-League-Achtelfinale Leipzig-Salzburg freuen.

  8. Wolf soll mal ein Jahr konstante Leistungen bringen und zeigen, dass er auch charakterlich von der Lobhudelei keinen Schaden nimmt. Ihn mal zur N11 einladen wäre natürlich super aber die WM kommt zu früh. Gleich danach kann man aber natürlich schon darauf hoffen, dass er in den Freundschaftsländerspielen oder der Nations League oder wie der Kack heißt, mal ein paar Einladungen und hoffentlich auch Einstätze bekommt.

    Grundsätzlich halte ich in den heutigen Zeiten den Job eines Nationaltrainers für recht einfach. Ich klicke mich durch diverse Datenbanken und wähle die 11 bzw. die 24 Spieler, die im Kicker in Summe aller „technischen“ Daten auf den vorderen Plätzen stehen. Die letzten 10% kann ich dann noch für Charakter, Erfahrung oder andere Soft Skills vergeben. Es bringt halt nichts einen Götze oder Podolski mitzunehmen, weil sie mal gut waren. Es geht um die aktuelle Form der letzten 12 Monate. Die Wahrscheinlichkeit, mit den besten der besten was zu gewinnen ist recht hoch und wenn nicht, dann hat man zumindest ne Ausrede parat und kann behaupten, nach besten Erkenntnissen gehandelt zu haben.
    Ich hoffe auch, dass die Ära Löw nach der WM vorbei ist.

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