Aymen Barkok, der Niko Kovac im Training überzeugte, hier im Duell mit dem derzeit verletzten Taleb Tawatha.
Aymen Barkok, der Niko Kovac im Training überzeugte, hier im Duell mit dem derzeit verletzten Taleb Tawatha.

Es wird wahrscheinlich ein gut gehütetes Geheimnis bleiben, wie viele Beschwerdeanrufe oder Korrektur-E-mails bei „Sky“ eingingen, als die Frankfurter Eintracht den zweiten Wechsel beim Auftritt beim SV Werder Bremen in der 75. Minute vollzogen hatte. Für Mijat Gacinovic kam, so der TV-Sender fehlerhaft, Aymane Barkok zum Einsatz. „Wer?“ fragte sich wohl der ein oder andere Beobachter, der sich nicht näher mit den Hessen beschäftigt. Bei der Google-Suche kommt es zunächst zur Verwirrung. Aymane, Ayman oder Aymen – wie lautet denn nun der korrekte Vorname des am 21. Mai 1998 in Frankfurt geborenen Jungspunds? Seine Seite auf Facebook und die Presseabteilung der Eintracht beantworten uns diese Frage: Aymen Barkok.

Es ist auch nur eine Randnotiz nach einem Tag, der für den 18-Jährigen ein unvergesslicher bleiben wird. Damit war nach den ersten Aktionen gegen den SV Werder Bremen zunächst nicht zu rechnen. Leichte Bälle versprangen, die Pässe waren ungenau – es schien, als sei dieser Wechsel in einem solch engen Spiel nicht der richtige Schachzug von Niko Kovac gewesen. Doch Barkok sollte alle Zweifler zum Schweigen bringen. Es lief die 89. Minute, als Bastian Oczipka den Ball gegen Max Kruse erkämpfte und gefoult wurde. Schiedsrichter Dr. Robert Kampka, zuvor schon durch eine klare Linie in seinen Entscheidungen aufgefallen, ließ Vorteil laufen und das eingewechselte Eigengewächs zog nach innen und schlenzte den Ball mit Links traumhaft schön ins lange Eck.

Der Jubel war riesengroß auf Seiten der Eintracht. Zufall war dieses Tor nicht, wie Trainingsbeobachter bestätigen können. Auch da zeigte Barkok bei einem Übungsspiel seine Qualitäten. Freigespielt von einem Mitspieler zog er nach innen und schlenzte den Ball gefühlvoll mit links über Ersatzkeeper Leon Bätge in den Winkel. Die Kiebitze waren durchaus überrascht und fragten sich, wer der junge Mann mit Mütze auf dem Kopf und weißen Schuhen an den Füßen denn nun war. Die endgültige Antwort darauf gab die Nummer 28 der Hessen am gestrigen Sonntag im Weserstadion. Sportdirektor Bruno Hübner lobte nach Abpfiff: „Das passt zu so einem Spiel. Er hat sich was zugetraut. Aymen war unbekümmert und es freut mich wirklich, dass er das Tor gemacht hat.“ Sportvorstand Fredi Bobic, der bei seinem Bundesligadebüt 1994 ebenfalls traf, fand bei „Sky“ ebenfalls anerkennende Worte für Barkok: „Aymen hat sich da ein Herz gefasst. Das verdient großen Respekt.“

Der 45-Jährige beobachtete häufiger, dass der junge Marokkaner ein schneller Spieler ist: „Wir haben ihn in der U19 gesehen und bei den Profis mittrainieren lassen und ihm dann einen Profivertrag gegeben. Es freut mich sehr für ihn.“ Ein Lob gab es auch für den Trainer: „Kovac wollte ihn bei einem der letzten Spiele schon einmal bringen, hat es sich aber für heute aufgehoben. Er hat also alles richtiggemacht.“

Der Coach selbst freute sich nach Abpfiff riesig darüber, dass sein Plan aufging und der talentierte Außenbahnspieler traf. Kovac beschreibt den Matchwinner: „Aymen ist ein Spieler, der für die U-Nationalmannschaft für Deutschland spielt und Balltechnisch sehr stark ist. Er nimmt den Ball ruhig runter, hat kein Stress am Ball und geht auch ins Eins-gegen-Eins. Aymen ist also einer, der sehr gute technische Fähigkeiten hat. Der Kroate glaubt nicht, dass Barkok abheben wird: Aymen ist ein Junge, der bodenständig bleiben wird, er hat absolute Demut. Davon gehe ich aus und wenn nicht, dann gibt es bestimmt das eine oder andere Mittel, dass das dann so wird, wenn es nicht so ist. Aber er ist ganz gut dabei im Kopf.“

Barkok, eigentlich ein gelernter Rechtsverteidiger, stürzte sich, wenn auch wie oben beschrieben teilweise unglücklich wirkend, in das Geschehen. Der neunte und letzte Ballkontakte war dann der entscheidende. Dabei musste der Außenbahnspieler 2013 erst von der anderen Mainseite zurück nach Frankfurt gelockt werden, wie er lachend sagte: „Ich bin schon immer Frankfurter und habe für zwei Jahre bei Kickers Offenbach gespielt und dann bin ich in der U16 wieder in meine Heimat zurück.“ Barkok gehörte auch zu der Marke „Bolzplatzkind“, der sich auf den Plätzen in der Nordweststadt durchsetzten musste und vor dem Wechsel zu den Kickers bei der SG Praunheim und Rot-Weiß Frankfurt seine ersten Gehversuche mit dem Ball am Fuß wagte.

Jetzt darf er in der Bundesliga für Furore sorgen und seinen Traum leben. Torhüter Lukas Hradecky versetzte sich in die Lage seines Mitspielers: „Ich wusste direkt, dass der Schuss gefährlich wird und dann ist er reingegangen. Was muss das für ein Gefühl für den jungen Mann sein?“ Barkok selbst brauchte nicht nicht viel, um seine Gemütslage zu beschreiben – die kindliche Freude nach dem ersten Bundesligator und sein lautes Lachen in der Mixed Zone nach Abpfiff der Partie sagten mehr als 1.000 Worte.

- Werbung -

7 Kommentare

  1. Es ist fast schon absurd. Wer zur Hölle kommt schon auf die Idee, einen 18-jährigen Rechtsverteidiger aus der A-Jugend, der noch keine Minute Bundesliga gespielt hat beim Stand von 1 zu 1 in der Schlussphase als Linksaußen einzusetzen? Darauf kann wirklich nur Kovac kommen, ähnliches, wenn auch nicht ganz so absurd, hat er ja schon gegen Berlin gemacht. Da hat er Hector, den Innenverteidiger, der davor nur durch seine beiden Platzverweise in seinen beiden ersten Pflichtspielen aufgefallen ist, in der Schlussphase kurzerhand in den Sturm beordert.
    Und das Schönste daran: Es funktioniert. Hector köpft den Ball unnachahmlich zum Ausgleich ins Tor und Barkok, der Rechtsfuß schlenzt der Ball mit links von der Strafraumkante in den Winkel – das nennt man wohl echt ein Händchen haben.
    Natürlich muss man jetzt mal abwarten, was Barkok im weiteren Verlauf der Saison zeigt, in der A-Jugend hat er seine Scorerqualitäten ja schon bewiesen.

    Langsam aber sicher glaube ich aber Paul: Niko Kovac kann echt über Wasser laufen.

  2. Aber selbstverständlich kann Niko das.
    Ich bin noch im Flieger von Singapore könnte aber WLan buchen und mitbekomme wie Alpi „erwischt“wurde.
    Geile Story für Aymen.
    Chris er war Schulkamerade vom Ilker im Downunder BV.Er schwärmt seit Wochen von ihm
    Ich freue mich riesig auf BVB.Sie kopieren unsere dreier Kette wohl.
    Forze SGE aus 12000 m

  3. Wer hätte gedacht, das wir auf Augenhöhe gegen den BVB spielen. Die werden wir nächste Woche in der Tabelle überholen. Denn: Nico kann über Wasser laufen. (Gute Landung Paul!)

  4. Quasi ein Neuzugang bei Eintracht Frankfurt, der auch noch direkt eingeschlagen hat. Großer Respekt !

  5. Solche Geschichten schreibt nur der Fussball. Hoffen wir, dass den Jungen nicht das gleiche Schicksal ereilt wie einigen Vorgängern, die im ersten Spiel mit Treffern auf sich aufmerksam machten….

Keine Kommentare mehr möglich.

- Werbung -