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Markus Krösche und Mathias Beck arbeiteten bei der SGE zusammen. Foto: IMAGO / Kessler-Sportfotografie

Beck über Krösche-Nachfolge: „Wir wollen stärker auf eigene Talente setzen“

Bei der Frankfurter Eintracht laufen nach der Trennung von Markus Krösche die Planungen für die sportliche Zukunft auf Hochtouren. Während die Suche nach einem neuen Sportvorstand begonnen hat, zeichnet sich bereits ab, in welche Richtung sich die Hessen künftig entwickeln wollen. Die Förderung eigener Talente, ein stärkerer Fokus auf den deutschen Transfermarkt und eine engere Verbindung zwischen Mannschaft, Verein und Fans sollen eine größere Rolle spielen. Gleichzeitig stellt sich die Eintracht auf veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen ein. Im Interview mit der „Bild“ hat Präsident Mathias Beck nun ausführlich über die Anforderungen an Krösches Nachfolger, die künftige Transferpolitik und den zeitlichen Ablauf der Suche gesprochen. Dabei machte er deutlich, dass die Verantwortlichen zwar konkrete Vorstellungen haben, sich bei der Besetzung des wichtigen Postens aber nicht unter Druck setzen lassen wollen.

Neuer Sportvorstand soll Nachwuchs fördern

Die wichtigste Botschaft des Eintracht-Präsidenten ist eindeutig: Der künftige Sportvorstand soll nicht einfach nur die bisherige Arbeit fortsetzen, sondern die sportliche Entwicklung des Klubs mit neuen Schwerpunkten vorantreiben. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem die Förderung junger Spieler. Die Eintracht möchte künftig verstärkt Talente aus Deutschland verpflichten und zugleich den eigenen Nachwuchs besser in den Profibereich integrieren. „Wir wollen künftig noch stärker auf Talente, den deutschen Markt und unseren eigenen Nachwuchs setzen“, erklärte Beck.

Diese Ausrichtung hat direkte Auswirkungen auf das Anforderungsprofil des neuen Sportvorstands. Gesucht wird ein Verantwortlicher, der nicht nur über Erfahrung im internationalen Transfergeschäft verfügt, sondern sich insbesondere mit der Ausbildung und Entwicklung junger Fußballer auskennt: „Der neue Sportvorstand muss deshalb viel Erfahrung in diesen Bereichen mitbringen und sich insbesondere mit Nachwuchsförderung und unserem Nachwuchsleistungszentrum auskennen.“

Damit setzt die Eintracht einen Schwerpunkt, der für die langfristige Entwicklung des Vereins von großer Bedeutung sein könnte. Zwar gelang es den Frankfurtern in den vergangenen Jahren immer wieder, junge Spieler zu verpflichten, sportlich weiterzuentwickeln und anschließend gewinnbringend zu verkaufen. Künftig soll jedoch offenbar auch der eigene Nachwuchs eine noch wichtigere Rolle innerhalb der Kaderplanung spielen. Das Nachwuchsleistungszentrum könnte damit stärker in den Mittelpunkt der sportlichen Strategie rücken. Für den neuen Sportvorstand wird es eine zentrale Aufgabe sein, die Verbindung zwischen Jugend- und Profibereich weiterzuentwickeln.

Transfermarkt verändert sich: Beck erwartet geringere Erlöse

Neben der sportlichen Ausrichtung spielen auch wirtschaftliche Überlegungen eine wichtige Rolle. Die Eintracht hatte in den vergangenen Jahren mit spektakulären Transfers und hohen Ablösesummen für Aufsehen gesorgt. Gerade die Fähigkeit, Spieler mit großem Entwicklungspotenzial zu verpflichten und später für deutlich höhere Summen weiterzuverkaufen, gehörte zu den wichtigsten Merkmalen der Frankfurter Transferpolitik unter Krösche. Beck geht allerdings davon aus, dass dieses Geschäftsmodell künftig schwieriger umzusetzen sein wird: „Der Transfermarkt verändert sich – nicht nur für die Eintracht, sondern für die gesamte Bundesliga.“ Besonders bemerkenswert ist seine Einschätzung zu den künftig möglichen Transfererlösen: „Transferüberschüsse wie in der Vergangenheit werden künftig wahrscheinlich nicht mehr in diesem Umfang möglich sein.“

Für die Eintracht könnte das bedeuten, dass die Verantwortlichen bei der Kaderplanung noch stärker auf wirtschaftliche Nachhaltigkeit achten müssen. Die Verpflichtung entwicklungsfähiger Spieler bleibt zwar ein wichtiger Bestandteil der sportlichen Ausrichtung. Gleichzeitig dürfte es schwieriger werden, regelmäßig mit außergewöhnlich hohen Transfergewinnen zu kalkulieren. Der neue Sportvorstand muss deshalb eine Strategie entwickeln, die sowohl sportlich erfolgreich als auch langfristig wirtschaftlich tragfähig ist. Dabei soll der internationale Transfermarkt keineswegs aus dem Blick geraten. Beck betonte ausdrücklich, dass der neue Verantwortliche auch über die Grenzen Deutschlands hinaus gut informiert und vernetzt sein müsse. Es geht somit nicht um eine vollständige Abkehr vom bisherigen Weg, sondern um eine veränderte Schwerpunktsetzung.

Mehr Eintracht-Identität: Beck nennt Ebnoutalib, Burkardt und Baum

Eine weitere zentrale Aussage des Interviews betrifft die Identifikation der Spieler mit dem Verein. Beck möchte, dass die Eintracht künftig wieder stärker auf Fußballer setzt, die eine persönliche Verbindung zum Klub oder zur Region besitzen: „Umso wichtiger ist es, unsere Eintracht-Identität wieder stärker in den Mittelpunkt zu stellen.“ Dabei sieht der Präsident bereits im aktuellen Kader mehrere positive Beispiele, so verwies er auf die beiden Angreifer Younes Ebnoutalib und Jonathan Burkardt, die bereits als Kinder Fans der Frankfurter gewesen seien.

Auch Elias Baum hob Beck ausdrücklich hervor. Der Außenverteidiger stammt aus der eigenen Nachwuchsarbeit und verkörpert damit genau jenen Weg, den die Verantwortlichen künftig stärker fördern möchten: „Elias Baum ist ein echtes Riederwald-Kind, das bei uns groß geworden ist.“ Darüber hinaus nannte Beck die jungen Spieler Maluze und Amaimouni als weitere Beispiele für die gewünschte Entwicklung. Für den Eintracht-Präsidenten geht es dabei um mehr als nur die sportliche Qualität einzelner Akteure: „Das sind hervorragende Signale. Wir wollen die Identifikation zwischen der Region, unseren Fans und der Mannschaft wieder stärken.“

Diese Aussage lässt erkennen, dass die Verantwortlichen künftig auch bei der Zusammenstellung des Kaders verstärkt auf die emotionale Bindung zum Verein achten möchten. Eine Mannschaft, in der Spieler aus der eigenen Jugend und der Region eine wichtige Rolle übernehmen, könnte aus Sicht der Klubführung dazu beitragen, die Verbindung zwischen Fans und Profis zu stärken. Dabei dürfte allerdings weiterhin entscheidend sein, dass die Spieler auch den sportlichen Anforderungen der Bundesliga gerecht werden.

Beck will neue Ideen hören

Bei der Suche nach dem passenden Sportvorstand legt Beck großen Wert darauf, die Vorstellungen der Kandidaten kennenzulernen. Zwar habe die Eintracht bereits klare Ziele für ihre zukünftige Entwicklung formuliert. Dennoch wolle er nicht ausschließlich nach einem Verantwortlichen suchen, der diese Vorstellungen widerspruchslos übernimmt. Vielmehr sollen die Bewerber ihre eigenen Ideen einbringen und erläutern, wie sie die sportliche Zukunft des Klubs gestalten würden. „Mir ist es wichtig, andere Perspektiven mit einzubeziehen“, erklärte Beck.

In den Gesprächen gehe es deshalb nicht nur um bisherige Stationen oder Erfolge, sondern vor allem um die grundsätzliche Denkweise der Kandidaten: „Mich interessiert: Was hast du vor? Welche Philosophie verfolgst du? Wie siehst du die Dinge?“ Gleichzeitig machte Beck deutlich, dass die sportliche Ausrichtung des neuen Vorstands zu den Zielen der Eintracht passen müsse: „Es hätte keinen Sinn, jemanden zu verpflichten, der völlig anders denkt und den wir erst komplett umdrehen müssten.“

Ein Kandidat soll also einerseits die grundsätzliche Strategie des Vereins mittragen, andererseits aber auch neue Impulse setzen können: „Gleichzeitig bin ich offen für neue Ansätze. Aus jedem Gespräch lernt man etwas.“

Als mögliche Nachfolger werden derzeit unter anderem Christoph Spycher von Young Boys Bern und Joti Chatzialexiou vom 1. FC Nürnberg gehandelt. Beck äußerte sich allerdings nicht konkret zu einzelnen Namen.

Interessant sind auch Becks Aussagen zur Frage, ob der neue Sportvorstand bereits eine besondere Verbindung zu Eintracht Frankfurt besitzen sollte. Während Beck selbst und Vorstandsvorsitzender Axel Hellmann seit vielen Jahren eng mit dem Verein verwurzelt sind, kamen mit dem früheren Aufsichtsratschef Philip Holzer und Markus Krösche auch wichtige Verantwortliche von außerhalb zur Eintracht.

Eine lange Frankfurter Vergangenheit scheint für Beck deshalb keine zwingende Voraussetzung zu sein. Er verwies darauf, dass sich die Tätigkeit eines Sportvorstands deutlich von der eines Vorstandsvorsitzenden unterscheiden: „Welcher Sportvorstand bleibt schon ewig bei einem Verein? Das ist eher selten.“ Erfolgreiche Sportvorstände würden sich häufig weiterentwickeln und dadurch auch für andere Vereine interessant werden. Entscheidend sei deshalb weniger, ob ein Kandidat bereits eine persönliche Eintracht-Vergangenheit besitzt. Vielmehr müsse er verstehen, was den Klub auszeichnet: „Ich glaube aber, dass man die Eintracht kennen muss, um zu verstehen, was man hier macht.“

Damit formuliert Beck eine wichtige Erwartung an den neuen Verantwortlichen: Er soll nicht nur fachlich überzeugen, sondern auch ein Gespür für die Besonderheiten des Frankfurter Umfelds entwickeln.

Keine Hektik bei der Nachfolgersuche

Trotz der Bedeutung der Personalentscheidung will sich die Eintracht bei der Suche nach Krösches Nachfolger nicht unter Zeitdruck setzen lassen. Die Gespräche mit möglichen Kandidaten sollen nun beginnen. Einen verbindlichen Termin für die Besetzung des Postens nannte Beck allerdings nicht. Zunächst sei es wichtig gewesen, mit der Ernennung von Axel Hellmann zum Vorstandsvorsitzenden klare Verhältnisse innerhalb der Klubführung zu schaffen: „Damit haben wir ein klares Signal gesetzt: Wir sind vollständig handlungsfähig.“

Auch ohne einen fest installierten Sportvorstand könne die Eintracht ihre laufenden Aufgaben weiter bearbeiten: „Die Aufgaben sind eindeutig verteilt, es gibt kein Vakuum. Wir arbeiten ganz normal weiter und wissen, wie es weitergehen soll.“ Damit reagierte Beck auch auf die Frage, ob die Nachfolge möglicherweise erst nach dem Wintertransferfenster geregelt werden könnte. Eine solche Konstellation schloss er nicht ausdrücklich aus. Vielmehr betonte er, dass die Qualität der Entscheidung wichtiger sei als ein möglichst schneller Abschluss der Suche: „Bei der Suche nach einem neuen Sportvorstand lassen wir uns nicht treiben.“ Ob die Personalie innerhalb weniger Tage oder erst nach mehreren Wochen geklärt werde, sei deshalb zweitrangig: „Ob das eine, vier oder sechs Wochen dauert, ist zweitrangig. Entscheidend ist die richtige Wahl.“

Für die Eintracht bedeutet das, dass die Suche nach dem neuen sportlichen Verantwortlichen mit der nötigen Sorgfalt erfolgen soll. Ein überhasteter Schnellschuss soll offenbar vermieden werden.

Mit der veränderten sportlichen Strategie stellt sich zwangsläufig auch die Frage, ob die Eintracht künftig noch ähnlich hohe Ablösesummen investieren wird wie in der Vergangenheit. Allein für Jonathan Burkardt, Ritsu Doan und Elye Wahi hatte der Klub insgesamt mehr als 60 Millionen Euro ausgegeben. Dass solche Investitionen künftig grundsätzlich ausgeschlossen sind, wollte Beck allerdings nicht bestätigen: „Das lässt sich pauschal nicht sagen.“

Vielmehr werde auch in Zukunft geprüft, welche finanziellen Möglichkeiten dem Klub zur Verfügung stehen und welche Investitionen sportlich sinnvoll erscheinen. Dabei soll der neue Sportvorstand eine wichtige Rolle spielen. Er müsse zunächst seine Vorstellungen präsentieren, bevor gemeinsam über mögliche Transfers entschieden werde: „Wir als Aufsichtsrat prüfen, was finanziell machbar ist. Der neue Sportvorstand wird seine Vorstellungen präsentieren. Dann schauen wir gemeinsam, was sich realisieren lässt.“

Damit bleibt die Tür für größere Transfers ausdrücklich offen. Beck machte deutlich, dass die Eintracht auch künftig bereit sein wird, ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, sofern die Rahmenbedingungen stimmen: „Wir werden auch künftig alle Möglichkeiten prüfen – und was wirtschaftlich umsetzbar ist.“

Eine grundsätzliche Abkehr von kostspieligen Verpflichtungen lässt sich aus seinen Aussagen deshalb nicht ableiten. Allerdings deutet vieles darauf hin, dass die Eintracht bei ihrer Kaderplanung künftig andere Prioritäten setzen möchte.

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