Alex Meier hat die Profis der Eintracht ganz genau im Blick.

Das spektakuläre 3:3-Unentschieden bei Union Berlin ist auch drei Tage nach dem Spiel noch immer Thema bei der Frankfurter Eintracht. Nicht wenige Experten sagen der Mannschaft von Trainer Adi Hütter eine gewisse Schlafmützigkeit in den ersten Minuten nach und kritisieren das Team der Hessen dafür heftig. 

Auch im „Heimspiel!“ des HR-Fernsehens, bei dem am Montagabend Vereinsikone Alex Meier zu Gast war,  war das Spiel noch immer Thema. Meier betonte aber, dass er die Kritik zum Teil zu heftig und übertrieben findet: „In Berlin waren es individuelle Fehler. Da finde ich es zu einfach zu sagen, dass die ganze Mannschaft die Anfangsphase verschläft. Im Heimspiel gegen Leipzig haben sie ja sogar geführt. Daher finde ich das etwas übertrieben davon zu sprechen.“ Dabei erinnerte er sich selbst an eine Phase in seiner aktiven Laufbahn, als die Eintracht immer spät im Spiel noch Gegentore bekommen hat. „Da kann man nichts Spezielles machen außer versuchen, dass man dann kein Gegentor mehr bekommt. Als Spieler selbst ist man dann so im Spiel drin und voll konzentriert, da schaut man nicht extra auf die Uhr“, so der ehemalige Angreifer, der hier keinen Trend festmachen will: „Das gleicht sich innerhalb der Saison meistens aus.“ 

Vertrauen in die Mannschaft

Während vor allem bei den Fans oft – viel zu heftig ausfallende – Kritik an der Tagesordnung ist, verteidigte der Torschützenkönig von 2015 die Mannschaft auch und würde selbst nicht von einer „schlechten Phase“ sprechen: „Die ersten vier-fünf Mannschaften der Liga spielen unter sich, der Rest ist sehr ausgeglichen. Ich denke von Platz fünf bis 13 kann die Eintracht alles erreichen. Ich würde derzeit auch überhaupt nicht von einer schlechten Phase sprechen. Man hat gegen Leipzig und Bayern gespielt, das sind die besten Mannschaften der Liga.“ Außerdem sei das Mannschaftsgefüge der SGE völlig intakt, was man auch daran sehe, dass man schon ein paar Mal nach Rückständen zurückgekommen ist und Spiele sogar fast gedreht habe. Daher habe er auch keinen Zweifel, dass die SGE bald wieder dreifach punktet, so der Frankfurter Fußballgott. „Das sind Kleinigkeiten und das gleicht sich aus. Dann gewinnt man mal ein Spiel durch Glück und dann läuft das.“

Auch zur Abwehrschwäche der SGE (bereits 16 Gegentore nach neun Partien) nahm der heute 37-Jährige Stellung. „Es ist natürlich einfacher ein Spiel zu gewinnen, wenn man keine oder wenige Gegentore bekommt. Aber das ist immer leicht nur auf die Verteidiger zu schieben, da gehören alle dazu und alle müssen verteidigen“, nahm er hier die ganze Mannschaft in die Pflicht. Während es in der Defensive der Eintracht oft hakt, läuft die Offensive rund und so konnte man die 16 Gegentore durch 14 eigene Treffer (fast) ausgleichen. Dies liegt auch an Daichi Kamada und dem wieder zurückgekehrten Filip Kostic, von denen Meier viel hält: „Kostic ist Wahnsinn, wie er 90 Minuten hoch und runter läuft, sich gegen zwei Leute durchsetzt und dann noch super Flanken bringt. Kamada ist ein toller Fußballer.“

Heimsieg gegen Dortmund?

Die Hilfe der beiden Ausnahme-Könner im Eintracht-Mittelfeld brauchen die Hessen auch am kommenden Samstag, wenn mit Borussia Dortmund erneut ein Top-Team der Bundesliga im Waldstadion gastiert. Obwohl die Dortmunder nach der 1:2-Heimpleite gegen den 1.FC Köln mit „ordentlich Wut“ kommen und eine „tolle Mannschaft“ haben, traut Meier der SGE hier trotzdem einen Heimsieg zu: „Gegen Dortmund gab es immer tolle Heimspiele mit vielen Toren und vielen Heimsiegen.“

In der Sendung ging es aber nicht nur um die Gegenwart der Hessen, sondern auch um die Vergangenheit, in der der Rechtsfuß eine große Rolle gespielt hat. Neben den vielen Siegen, Toren, der Torjägerkanone 2015 und dem DFB-Pokalsieg 2018 gab es aber auch einige Rückschläge für den Stürmer. Besondere Erinnerung hat er dabei an das Gespräch mit Fredi Bobic, bei dem der Sportvorstand ihm sagte, dass er keinen neuen Vertrag bei der SGE mehr bekomme: „Das war natürlich ein trauriger Moment. Es war ja klar, dass die Karriere dann demnächst zu Ende geht. Nach dem Gespräch geht man traurig nach Hause und braucht ein paar Wochen um das zu verarbeiten“, erinnerte er sich. Im Nachhinein schaue er aber anders auf die Entscheidung: „Es war im Endeffekt aber richtig, auch wenn es in dem Moment hart war. Ich bin jetzt ja wieder da und bin auch oft bei Fredi Bobic, da ist alles ok. Ich hatte ja einen Anschlussvertrag, da war es schon klar, dass ich wieder zurückkomme.“ Etwa in die Zeit des Gesprächs dürfte auch das DFB-Pokalfinale 2018 gefallen sein, in dem Meier zwar bei der Mannschaft, aber nicht im Kader war. Auch hier hegt der 37-Jährige keinen Groll gegenüber den Entscheidungsträgern: „Wer als Fußballer bei solch einem Spiel nicht spielen will, ist Fehl am Platz. Aber ich hatte es mir damals schon gedacht. Aus Trainersicht war es wahrscheinlich richtig, die Jungs haben die ganze Saison gespielt und ich nur ein paar Minuten. Das wäre auch unfair gewesen, wenn ein Spieler dann wegen mir rausmuss.“

„Ich bin schon auch stolz!“

Während Meier jetzt als Co-Trainer der U16 bei der Eintracht ist und hier nach eigenen Angaben „riesigen Spaß“ hat, geht der Blick auch immer wieder auf die eigene Karriere zurück. Hier ist der Rechtsfuß vollkommen zufrieden: „Ich bereue nichts in meiner Karriere. Ich würde den ein oder anderen Elfmeter in die andere Ecke schießen (lacht). Man macht Fehler und ich habe auch mal schlecht gespielt und Chancen verballert. Im Großen und Ganzen gibt es viel bessere Karrieren und Spieler, aber auch immer schlechtere. Ein bisschen stolz bin ich schon. Es war ganz okay!“

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10 Kommentare

  1. AM reiht sich in die Reihe der Schönredner ein. „Man hat gegen Bayern und Leipzig gespielt“, was will er uns damit sagen? Waren zwei von 9 Spielen. Das eine ging sang- und klanglos 0:5 verloren? Spielen andere jede Woche nur gegen Bielefeld und Schalke? (Ergebnis der SGE gegen Bielefeld bekannt) und nicht gegen Bayern und Leipzig? Wir haben massig Punkte verschenkt und könnten problemlos auf Platz 4 stehen, den AM als bereits vergeben ansieht.

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  2. Wer – wie ich – auch mit SGE4ever.de noch nicht genug von der Eintracht hat: Ich empfehle den Rasenfunk Podcast (unter anderem bei Spotify). Diese Woche mit Schwerpunkt Eintracht Frankfurt ab Minute 79.

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  3. @Meintracht das hat nichts mir Schönrednerei zu tun! Ich pflichte dem bei was AMFG sagt. Problem in der Eintracht Familie ist, dass 80 % vergessen haben wo wir herkommen. Wir hatten Pech zweifelsohne aber ander Mannschaten stehen schlechter da wie wir. Noch sind einige Spiele zu absolvieren und wir sollten einfach entspannt sein. Wichtig ist, dass die Mannschaft, dass Umfeld und wir Fans sicher durch diese Pandemie kommen. Kann mir vorstellen, dass die Mannschaft nicht 100% Konzentriert ist und die Spieler lassen ihre Gedanken kreisen ween COVID. Das ist normal geht zumindestens mir auch so. Diese Ungewissheit. und der 12te Mann der fehlt: Da wären Spiele wie Bielefeld, Schalke gewonnen worden. Aber hätte, hätte Fahrradkette. Ich bin überzeugt, dass wir am ende den 7ten ereichen. Wenn optimal dann unter die ersten 6. Man ist (noch) nicht so weit auseinander in der Tabelle

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  4. @5
    Wir hatten auch Glück, dass bei Union keine Fans waren oder dass nachdem 1:1 gegen Hoffenheim die Zuschauer nochmal ordentlich Dampf machen konnten (wer weiß ob wir sonst das 2:1 schießen). In Köln spielt es sich auch leichter wenn das Müngersdorfer Stadion leer ist. Unser relativ bescheidener Saisonstart hat nichts mit Pech zu tun. Glaube auch nicht, dass viele vergessen wo wir herkommen. Es bringt nur nichts immer wieder davon zu reden. Das Leben findet in der Gegenwart statt. Bei Schalke hieß es auch viel zu lange „noch vor 2 Jahren Championsleague“ oder „überragende Hinrunde letzte Saison“. Hilft alles nichts, sie sind trotzdem letzter und nur das zählt. Genauso sind wir stand heute mittelmäßig. Ich liebe unseren AMFG14, aber seine größten Stärken waren schon immer auf dem Platz und weniger am Mikrofon. Dass er das eher leichte Startprogramm (3 Punkte gegen Bielefeld, Köln und Bremen) stark redet, gehört aber auch zu seinem Job als SGE-Offizieller. Bin aber voll bei AMFG wenn er sagt, dass die Plätze 1-4 vergeben sind. So ist es. Dafür braucht es einen Investor oder Max Eberl.

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  5. Ja das stimmt. Am Mic tut er sich schwer. Aber ds öndert nichts an der Tatsache, dass der Appel noch lange nicht gepellt ist. Es war kein „guter“ und kein „schlechter“ Saison start.12 pkt, Schlagdistanz auf EL Plätze ist doch nicht schlecht! Die letzten Jahre haben wir echt gut performed da gibts nicht zu meckern. Das es auch mal schlechter läuft wie jetzt passiert, holpriger Sztart wobei wir Meilenweit entfernt sind von einem „Seuchenjahr“

    Ausser Bayern gibt es keine Mannschaft die immer bis am Anschlag spielt und sich (kaum) keine Schwäche leistet.
    Ich bleib dabei wir fangen uns und werden uns International plazieren

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  6. @2785
    Wenn du das mit den Fans ansprichst, da hatten auch die Dosen Glück das wir keine Zuschauer hatten. Und auch die Bayern das keine 10Tausend Auswärtsfans mit dabei waren. Wir könnten besser da stehen aber auch schlechter. Also alles “ Noch “ gut.
    @SGE74
    Danke für den Link.
    Forza SGE

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  7. Ich halte es mit Willi @1. Mir spricht AMFG14 aus der Seele und ich unterschreibe JEDES EINZELNE WORT. Im Gegensatz zu Meintracht bin ich überrascht, welchen Fussballverstand sich Alex schon nach so kurzer Trainerzeit angeeignet hat. Kompliment, aber von ihm war nichts anderes zu erwarten. Ein vorbildlicher Sportsmann. It’s only Meier, but I like it.

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  8. @3. SGE74:

    Gute Doku! Ich habe sie vorgestern angeschaut. Zum Glück haben unsere fantastischen öffentlich – rechtlichen Sender großartige Mediatheken, die die Inhalte schon vorher und jederzeit abrufbar machen.

    #Rundfunkstaatsvertrag

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