Während sich große Teile des Bundesliga-Betriebs aktuell in der Sommerpause befinden, nutzt Eintracht Frankfurt die Bühne der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko für intensive Gespräche und eine strategische Vernetzung in Nordamerika. Vorstandssprecher Axel Hellmann, Sportvorstand Markus Krösche, Sportdirektor Timmo Hardung, Frauenfußball-Direktorin Katharina Kiel sowie die Bereichsleiterin für Internationale Beziehungen Samy Hamama absolvieren in den kommenden Tagen ein dichtes Programm auf dem nordamerikanischen Kontinent.
Dass die Eintracht den Fokus auf Nordamerika richtet, kommt nicht überraschend. Der Klub baute vor allem im letzten Jahrzehnt ein sportliches, wirtschaftliches und strategisches Beziehungsnetzwerk in den USA auf. Gleichzeitig werden diese internationalen Aktivitäten im Umfeld der SGE seit Jahren jedoch nicht ausschließlich positiv bewertet. Ein Teil der Fans sieht die zunehmende Internationalisierung kritisch und warnt vor einer immer stärkeren Kommerzialisierung des Vereins. Zwischen globaler Markenbildung und traditioneller Fankultur bewegt sich die Eintracht damit auf einem schmalen Grat.
Nordamerika als strategischer Wachstumsmarkt
Am Donnerstag und Freitag brachen die Eintracht-Verantwortlichen in mehreren Etappen zur aktuellen Nordamerika-Reise auf. Die Hessen nutzen dabei die besondere Konstellation der Weltmeisterschaft aus, bei dem zahlreiche Entscheidungsträger aus Sport, Medien, Wirtschaft und Politik in Nordamerika zusammenkommen. Nach Informationen der „Bild“ stehen dabei verschiedene Orte und Vereine im Mittelpunkt: In Kanada gibt es ein Treffen mit dem MLS-Klub Toronto FC sowie den nordamerikanischen Sportorganisationen Toronto Raptors (NBA) und Toronto Maple Leafs (NHL). Zudem ist ein Austausch mit Vertretern der Stadt geplant. Das ist auch vor dem Hintergrund interessant, dass Frankfurt und Toronto seit Jahren durch eine Städtepartnerschaft verbunden sind. Im Anschluss reist die Delegation weiter nach New York. Dort liegt der Fokus vor allem auf Gesprächen mit Vertretern der Major League Soccer (MLS). Die Liga wurde lange Zeit belächelt und spöttisch als „Rentnerliga“ bezeichnet, hat sich in den vergangenen Jahren durch gezielte Nachwuchsförderung und professionellere Strukturen jedoch deutlich weiterentwickelt und an Ansehen gewonnen. Themen sind unter anderem die Entwicklung der us-amerikanischen Liga, neue Ansätze in der Medienproduktion und Vermarktungsstrategien im nordamerikanischen Sportmarkt. Auch Treffen mit großen Medienunternehmen wie Apple, ESPN, Paramount und DAZN sind vorgesehen. Die USA gelten insbesondere im Bereich Medienrechte, Content-Produktion und Sportvermarktung weiterhin als globaler Taktgeber. Entsprechend wertvoll dürften die Einblicke für die zukünftige strategische Ausrichtung der Eintracht sein.
Ein weiteres spannendes Thema ist der Austausch mit der NBA. In Gesprächen im Hauptquartier der Basketballliga soll es unter anderem darum gehen, welche infrastrukturellen Voraussetzungen notwendig wären, um perspektivisch NBA-Spiele nach Frankfurt zu holen. Im Zusammenhang mit möglichen Arena-Projekten in Frankfurt besitzt dieses Thema zusätzliche Relevanz, denn zuletzt erklärte Hellmann der „Bild“, dass das Thema Stadionerweiterung und Neubau perspektivisch eine Rolle bei der SGE spielen werde. Die Gespräche könnten somit nicht nur dem Austausch dienen, sondern auch neue Impulse für die zukünftige Entwicklung des Frankfurter Stadions liefern.
Von der „Goodwill-Tour“ bis heute: Frankfurts Geschichte in den USA
Die Verbindung zwischen Eintracht Frankfurt und den USA reicht deutlich weiter zurück als viele vermuten. Bereits 1951 reiste die SGE im Rahmen der sogenannten „Goodwill Tour“ in die Vereinigten Staaten. Damals absolvierten die Frankfurter binnen 25 Tagen acht Spiele in mehreren Bundesstaaten. Der Besuch sollte sechs Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs der gegenseitigen Völkerverständigung dienen und den Fußball in den USA populärer machen. Die Reise brachte den Hessen zudem eine Summe von 50.000 Dollar ein, die dem Wiederaufbau des Riederwalds zugutekam. In jüngerer Vergangenheit intensivierte der Klub seine Aktivitäten unter dem Leitgedanken der Internationalisierung wieder deutlich. Zwischen 2017 und 2020 absolvierte die Eintracht gleich mehrere Trainingslager in den USA. Die Hessen tourten in dieser Zeit unter anderem durch Seattle, San Diego, San Francisco, Columbus, Salt Lake City, Philadelphia, Tampa und Orlando. 2024 und 2025 folgte dann jeweils ein Sommertrainingslager in Louisville.
Diese Reisen dienten längst nicht nur der sportlichen Vorbereitung, sondern auch der Markenbildung und internationalen Positionierung des Vereins. 2020 eröffnete die Eintracht im Zuge dessen sogar in den Räumlichkeiten des Hauptsponsors „Indeed“ ein eigenes Büro in New York.
Götze als Aushängeschild, Frauenfußball ebenfalls im Fokus
Besondere Aufmerksamkeit dürfte in den USA erneut Mario Götze auf sich ziehen. Der Weltmeister von 2014 genießt in Nordamerika durch sein legendäres WM-Finaltor gegen Argentinien weiterhin enorme Bekanntheit. Gemeinsam mit Axel Hellmann absolviert der Offensivspieler zahlreiche PR-Termine im neu eröffneten „House of German Soccer“ in New York. Geplant sind Gespräche und Interviews mit internationalen Medienhäusern wie ESPN, CBS, Fox Sports und Paramount. Für die Eintracht ist Götze damit ein wichtiger Türöffner und ein prominentes Gesicht auf internationalem Parkett.
Parallel dazu vertritt Katharina Kiel die Interessen des Frauenfußballs. Als Direktorin bei Eintracht Frankfurt und Präsidentin des Ligaverbands der Frauen-Bundesliga führt sie Gespräche mit Vertretern der US-Frauenliga sowie verschiedenen Medienpartnern.
Zwischen Chance und Kritik
Die Reise zeigt deutlich, wohin sich Eintracht Frankfurt strategisch entwickeln möchte: Der Klub will seine internationale Präsenz ausbauen, wirtschaftlich wachsen und sich global stärker vernetzen. Genau dieser Kurs sorgt jedoch auch für Diskussionen. Kritische Stimmen sehen in den USA-Offensiven der letzten Jahre vor allem eine zunehmende Kommerzialisierung des Vereins. Begriffe wie Globalisierung, Markenbildung und internationale Vermarktung stoßen insbesondere bei traditionsbewussten Fans nicht immer auf Zustimmung. Für die Klubführung dürfte dennoch klar sein: Im modernen Profifußball ist internationale Sichtbarkeit längst ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.






5 Kommentare
Jetzt weiß ich auch warum mit Götze direkt um zwei Jahre verlängert wurde :-)
Ich war bei diesen Spielen in Louisville – es war eine tolle Zeit! Generell sehe ich den Sinn darin, hierzulande eine Fangemeinde aufzubauen, und ich glaube, dass dies möglich ist, ohne die Werte unseres großartigen Vereins zu beeinträchtigen.
Ich sehe, dass andere Bundesliga-Vereine diesem Beispiel folgen, und bin sehr froh, dass wir die Initiative ergriffen haben und zu den Ersten gehören, die diesen Schritt gewagt haben.
Meines Erachtens reine Geldverschwendung. Aber Spaß machts halt schon, so im Rampenlicht zu stehen.
Frag mich nur, wie man einem Spieler dann vermittelt, dass gespart werden muss, wenn für Beton, Reisen, Verwaltung etc. geklotzt wird. Aber ich werde es hier im Forum sicherlich erklärt bekommen.
Off Topic:
Athletico ist sich mit Grimaldo einig. Der ist 30 und hat noch ein Jahr Laufzeit. B04 will mind. 30 Millionen. Bin ich mal gespannt, wieviel die bekommen. Nene ist jünger, der kommende LV in der Nati und soll "nur" 55 Millionen kosten?
"Der ist 30 und hat noch ein Jahr Laufzeit."
Grimaldo wird nur 31 Jahre alt werden? Woher hast Du diese Info?
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