Jetro Willems will sich von der Ablösesumme nicht unter Druck setzen lassen. (Foto: Imago/Schüler)

Die Summen, mit denen inzwischen auf dem Transfermarkt gehandelt wird, erreichen eine aberwitzige Dimension. Real Madrid soll sich für Angreifer Kylian Mbappe auf eine Ablöse in Höhe von 180 Millionen Euro mit dem AS Monaco geeinigt haben. Paris Saint-Germain probierte zuletzt alles, um Neymar vom FC Barcelona abzuwerben und hätte dafür 222 Millionen Euro bezahlt. Der geneigte Leser merkt: Es werden Zahlen genannt, die für Eintracht Frankfurt in einem utopischen Bereich liegen. Bis zum 15. Mai war der Brasilianer Caio mit einer Ablöse von 3,8 Millionen Euro der teuerste Neuzugang der Vereinsgeschichte – selbst in der Bundesliga wurde diese Marke, mit Ausnahme der beiden Underdogs FC Ingolstadt und dem SV Darmstadt 98, von allen anderen Teams geknackt.

Diesen Sommer gingen die Verantwortlichen der Eintracht allerdings ins Risiko und bedienten sich zweimal millionenschwer in den Niederlanden. Auf Stürmer Sebastien Haller, der für etwa sieben Millionen Euro vom FC Utrecht kam, folgte vergangenen Freitag Linksverteidiger Jetro Willams für geschätzte sechs Millionen Euro von der PSV Eindhoven. „Ich habe deshalb keinen Druck“, sagte der 23-Jährige im Trainingslager in Gais. „Ich will das alles zurückzahlen und mich entwickeln.“ In Einordnung zu den Transfererlösen, die aktuell über die Tische mancher Klubs fließen, bewegt sich der Niederländer tatsächlich am untersten Rand.

Die Erwartungen im Umfeld der Eintracht steigen dennoch bei solchen Zahlen. Willems will das in ihn gesetzte Vertrauen mit guten Leistungen bestätigen und in Frankfurt den nächsten Schritt gehen. Seine Stärken sieht er vor allem in der Offensive: „Ich gehe häufig mit nach vorne und es ist mein Job, die Angreifer mit Flanken zu füttern.“ Der 22-fache Nationalspieler fühlte sich erst jetzt bereit dazu, ins Ausland zu wechseln. Willems hatte in den Jahren zuvor bereits Angebote vom FC Liverpool oder dem letztjährigen französischen Meister und Champions-League-Halbfinalisten AS Monaco. „Manchmal hast du eine starke Saison und viele Möglichkeiten, bist aber noch nicht bereit zu gehen. Bei mir hat es etwas gedauert und ich habe mich jetzt erst dazu entschieden“, erklärt er.

Mit Sicherheit ließ auch seine Knieverletzung im Sommer 2015 die Karriere etwas ins Stocken geraten: „Das hintere Kreuzband war zu 90 Prozent angerissen.“ Womöglich rieten ihm sein Vater und Agent deshalb zu einem Zwischenschritt nach Frankfurt. Es sind genau diese Spieler, die Sportvorstand Fredi Bobic sucht. Dessen Motto: „Die Eintracht soll nicht der letzte, sondern der vorletzte Entwicklungsschritt sein.“ Oder wie es Finanzvorstand Oliver Frankenbach in Zahlen ausdrückte: Für verhältnismäßig wenig Geld holen und später für die fünf- oder sechsfache Summe verkaufen. Dass dieser Transfer klappte, war auch etwas Glückssache: Die Hessen nahmen das erste Mal vor einem Monat Kontakt mit dem Außenverteidiger auf und setzten ihn sofort unter Druck. Er müsse sich innerhalb von zwei Wochen entschieden. „Da waren auch zwei andere Klubs noch an mir interessiert. Aber ich habe mich dann doch für Frankfurt entschieden“, gibt er zu.

Bevor es so weit kommt, dass Willems wirklich helfen kann, muss er an den Grundlagen arbeiten. In der Niederlande standen vor allem technische Übungen im Vordergrund, bei der Eintracht ist es der konditionelle Aspekt. Nicht umsonst ist das erste deutsche Wort, welches er problemlos über die Lippen drückt: Laufen! „Das ist schon ein großer Unterschied. Es ist aber gut, um fit zu werden“, sagt der lebenslustig und humorvolle Willems mit großem Respekt. Er wird diese Fitness brauchen, um den für 4,5 Millionen Euro zum FC Schalke 04 abgewanderten Bastian Oczipka nach dessen sehr ordentlichen Saison zu ersetzen.

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7 Kommentare

  1. Wo drin besteht dieses „ins Risiko“ gehen. Entweder haben wir dieses Geld, dann ist es kein Risiko, sind halt die 7 Mio. weg, wenn der Spieler floppt, istdas gleiche wie bei 3,5 Mio. Oder wir haben das Geld nicht, dann ist es unverantwortlich. Ich würde gerne mal einen der Verantwortlichen fragen „was passiet bei einem Abstieg, gibt es die Chance auf Wiederaufstieg“? Hängt ja auch viel von der Gestaltung der Verträge ab. Können wir die Spieler „zwingen“ mit in die 2. Liga zu gehen, nur dann könnte man ja trotzdem höhere Ablösesummen kassieren, denn es ist klar das man letztlich nicht wirklich jemanden zwingen kann in die 2. Liga zu gehen.

  2. ist schon ein Risiko wenn man, im Vergleich zu anderen Clubs, bislang keine großartigen Transfereinnahmen verzeichnen kann. Bei Gladbach beispielsweise fällt es nicht all zu sehr ins Gewicht wenn ein Kolodziejczak für 10mio floppt. Die haben ja ein Jahr zuvor 45mio für Xhaka eingenommen. Bei uns muss jeder Schuss in der Haller-Willems-Kategorie sitzen. Das Ziel muss es sein einen dieser Beiden in 1-2 Jahren für 25-35mio zu verkaufen, damit solche Einkäufe künftig weniger Risiko bedeuten. Die neue Saison wird eine ganz entscheidende werden.

    So oder so war es definitiv richtig diesen Weg einzuschlagen. Mit der Strategie der vergangenen 10-15 Jahre wären wir spätestens in zwei Jahren wieder abgestiegen. Man muss in der heutigen Zeit mutig sein, sonst heißt es 2.Liga und zwar dauerhaft.

  3. @1:
    Ich sehe es nicht so. Wenn man 7 Mio. zur Verfügung hat und kauft sich davon 1 Spieler, ist das Risiko größer, als wenn man dafür 2 Spieler a 3,5 Mio. kauft. Da ist das Risiko schon halbiert. Ich nehme an, dass das mit „ins Risiko gehen“ gemeint ist.
    Da wir nicht absteigen werden, ist die Gestaltung der Verträge eigentlich egal 😉

  4. Mein Tipp für das heutige Spiel: 1 mal Hüfte, 2 mal Wade, 1 mal Adduktoren
    Hoffe ich habe endlich mal wieder unrecht! 😉

  5. @Grantler: Ich hoffe das sind deine neuen Spitznamen für Hrgota, Haller und Fabian – das wären immerhin vier Buden heute Abend 😉

  6. @ Grantler: solange es nicht Schulter, Knie oder Achillessehne ist, dann wird alles gut 😉

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