Wenn Eintracht Frankfurt einen Spieler für eine dreistellige Millionensumme verkauft, klingt das zunächst nach einem gewaltigen Geldregen. Doch die Realität ist deutlich komplexer. Finanzvorstand Julien Zamberk hat im vereinseigenen Vodcast nun detailliert erklärt, warum von großen Transfersummen oft deutlich weniger beim Klub ankommt und weshalb Verkäufe weiterhin ein zentraler Bestandteil der Strategie bleiben.
Dabei machte der 38-Jährige deutlich, dass die Eintracht wirtschaftlich sehr bewusst agiert und Risiken kalkuliert eingeht. „Wir planen immer konservativ, kalkulieren unser Budget ohnehin zunächst einmal ohne Erlöse aus einem etwaigen internationalen Wettbewerb“, erklärte Zamberk. Als großes Mahnmal gelten Vereine wie Hamburg, Schalke oder Gladbach, die in der jüngeren Vereinsgeschichte am gleichen Scheidepunkt eben deutlich risikobereiter am Markt agiert haben, um in die Phalanx der Topklubs reinzukommen oder sich über Jahre hinweg dort zu etablieren. Die Hessen haben aus den Fehlern der Konkurrenz gelernt. Gerade diese vorsichtige Planung sei entscheidend, um langfristig stabil zu bleiben, selbst wenn sportliche Ziele einmal verfehlt werden.
Transfererlöse sind kein Gewinn auf dem Konto – Zamberk über die verklärte Sicht von Transfererlösen
Am Beispiel von Hugo Ekitiké erklärte der Finanzchef, warum die öffentlich genannten Summen oft ein falsches Bild vermitteln. In der öffentlichen Wahrnehmung werde schnell gerechnet: Verkaufssumme minus Einkaufspreis gleich Gewinn. Doch so einfach sei es nicht.
Zamberk betonte, dass viele Kostenblöcke von den Einnahmen abgehen, etwa Beteiligungen früherer Vereine, Beraterhonorare, Bonuszahlungen oder Abschreibungen. Selbst bei einem spektakulären Transfer könne daher nur ein Teil der Summe tatsächlich beim Verein verbleiben: „Wenn man in den Medien von einem 100-Mio.-Transfer liest, kann man davon ausgehen, dass ein gewisser Anteil davon als Bonus verabredet ist. Das kannst du erst mal nicht als garantierte Transfererlöse reinrechnen.“ Bei internationalen Transfers wird automatisch ein Solidaritätsbeitrag fällig, der von der FIFA festgelegt ist. Fünf Prozent der Ablösesumme gehen dabei an die Vereine, die den Spieler ausgebildet haben. Dadurch schrumpft der Betrag, der beim verkaufenden Klub ankommt, spürbar. Im Fall von Ekitiké seien aus einer Ablöse im Bereich von 90 Millionen Euro schnell nur noch etwa 85 Millionen geworden. Zusätzlich verfügt der vorherige Verein (Bei Ekitiké Paris Saint-Germain) häufig über eine Weiterverkaufsbeteiligung. „Das bedeutet, dass bei einem Transfer zwischen 90 und 100 Millionen Euro noch einmal rund zehn Millionen Euro an den ehemaligen Klub fließen können“, so Zamberk. Und dann? „Es ist ja auch kein Geheimnis, dass ein Berater mal 2, 3, 4 oder 5 Millionen mitverdient. Das heißt, du kannst da auch noch mal ein paar Millionen abziehen. Dann bist du von den 90 Millionen relativ schnell bei 70 Millionen. Ohne dass du etwas gemacht hast. Wenn du ihn jetzt verkauft hast, musst du von den 70 Millionen, die wir als Transferüberschuss herausgerechnet haben, für deine GuV-Rechnung noch mal 20 Millionen an Kosten rausrechnen, weil das der Abgang des Restbuchwertes ist, der dann als Aufwand in deiner GuV landet, wenn der Spieler den Verein verlässt.“ Aber auch diese Summe steht dem Verein nicht direkt zur Verfügung: „Du kannst davon ausgehen, dass du diese 70 Millionen über drei Raten bekommst, über drei Jahre vielleicht, und kannst aber auch damit planen. Insofern ist das jetzt auch kein großes Problem. Dann hast du 20, 22, 23, 24 Millionen pro Jahr als Transferforderung auch in deiner Bilanz stehen und kannst halt mit dieser Liquidität planen“ Deshalb warnte der Finanzvorstand vor vereinfachten Rechnungen: „Es ist nicht immer ganz so einfach, eine Milchmädchenrechnung aufzumachen“, erklärte er mit Blick auf Schlagzeilen über angebliche Transfergewinne.
Warum Eintracht weiter verkaufen muss
Ein zentraler Punkt seiner Aussagen: Das Geschäftsmodell der Eintracht basiert bewusst auf Entwicklung und Verkauf von Spielern. Die Einnahmen würden nicht gehortet, sondern wieder investiert. „Große Teile der erzielten Transfererlöse haben wir wieder in den Kader investiert und nicht auf dem Konto geparkt“, stellte Zamberk klar. Das bedeutet im Umkehrschluss auch: Wenn die Eintracht plötzlich keine Spieler mehr verkaufen würde, könnte das wirtschaftlich sogar gefährlich werden. Denn steigende Gehälter und Transferkosten müssten weiterhin finanziert werden. Der Finanzchef formulierte es deutlich: Ein kompletter Verzicht auf Verkäufe wäre „der riskanteste Weg“, weil dann ein zentraler Teil der Refinanzierung fehlen würde.
Balance zwischen Risiko und sportlichem Erfolg
Trotz der wirtschaftlichen Zwänge sieht sich die Eintracht weiterhin auf einem stabilen Kurs. Entscheidend sei die richtige Balance zwischen Investitionen und Einnahmen. „Man achte immer darauf, die richtige Balance zwischen wirtschaftlichem Risiko und sportlichem Erfolg zu finden“, erklärte Zamberk. Das gelte besonders in Zeiten steigender Transferpreise. Junge Spieler seien durch Investorenstrukturen und internationale Konkurrenz deutlich teurer geworden. Vereine ohne dauerhafte externe Geldzufuhr müssten deshalb genau prüfen, wie weit sie finanziell gehen können. Neben Transfers spielte auch die sportliche Perspektive eine wichtige Rolle. Für die wirtschaftliche Entwicklung sei es entscheidend, regelmäßig international vertreten zu sein. „Wir streben immer danach, international zu spielen. Das ist unser Minimalziel“, sagte Zamberk. Und sollte sportlich die Europa League im kommenden Jahr verpasst werden – ausgerechnet in dem Jahr, in dem das Finale des Wettbewerbs im eigenen Wohnzimmer stattfindet? Dann sei auch die Conference League erstrebenswert: „Auch wenn ‚unser‘ Wettbewerb die Europa League ist und das Finale 2027 in Frankfurt stattfindet, was natürlich eine besondere Geschichte für uns wäre.“






7 Kommentare
Verbietet einfach mal die Berater, würde alles wirtschaftlicher machen und diese Zecken würde den Markt nicht ständig aufwirbeln. Die verdienen nämlich nur Geld wenn der Spieler wechselt, also ist es immer ihr bestreben die Spieler ziehen zu sehen, das macht diesen Sport leider kaputt.
Was für ein frommer Wunsch @g-block.
Die Kehrseite wäre jedoch, dass es ohne Berater garnicht diese astronomischen Summen geben würde, von denen die Eintracht in den letzten Jahren stark profitiert hat ;)
Jein, Berater sind ja keine Entscheider, sondern eben nur Berater, wenn der Spieler klar im Kopf ist und die Familie die hinten dran steht klar im Kopf ist und es einen Karriereplan gibt dann sind Berater nicht das Problem, siehe Haaland als Beispiel, da wurde die Karriere behutsam aufgebaut von Salzburg über Dortmund nach ManCity, er hätte auch direkt von Salzburg zu einem größeren Verein als Dortmund gehen können, hat er aber nicht, weil es vermutlich nicht gut gegangen wäre, bei Wirtz scheint es ähnlich zu sein.
Problematisch ist es, wenn sich der Spieler gegen seinen Berater nicht durchsetzen und behaupten kann oder so tut als hätte er kein Mitspracherecht, das zeugt dann aber von schwachen Charakter und dann wird’s gefährlich, oftmals sind diese Spieler nach der Karriere auch relativ schnell wieder pleite im Verhältnis zu dem was sie über Jahre hinweg verdient haben, weil sie es eben nie gelernt haben (Bezug zu Geld, Umgang damit, Entscheidungen treffen) und blind dem Beratern vertrauen, sicher ein sehr komplexes Thema, aber alles nur auf die bösen Berater zu schieben ist zu einfach…
Da mag unser Finanzguru ja recht haben. Jedoch ist die Rechnung doch genauso einfach. Wir verkaufen jedes Jahr 1-2 Hochkaräter und noch 2 kleinere Kaliber. Und wenn man dann eben alle Zahlungen in Raten erhält und dies über Jahre rechnet bekommt man eben genau diese, ich sag jetzt mal 60-70 Millionen, jährlich.
Natürlich sind diese zusammengesetztt aus mehreren Einnahmen der Transfers .
Genau das war ja auch damals ein Problem der Haller Millionen. Da dies einer unserer ersten großen Transfers war und der kalkulierte Cashflow unterbrochen wurde. Danke nochmal Westham
Und genau das erklärt eben dieses ewige "wir müssen aber Spieler verkaufen" Geschwafel (nicht böse gemeint)
Andersrum kaufen wir unsere Spieler bei erhöten Preisen ja eben auch auf pump.
Von daher ist diese Rechnung von ihm viel dramatischer dargestellt als sie ist. Ich finde sein Statement nicht so gut, um erlich zu sein.
Sieht ja fast schon nach einer Rechtfertigung aus warum uns der Schuh drückt. 🤔
Ob wirklich so konservativ geplant und gehandelt wurde (langfristige Verträge, Gehaltserhöhungen, Boni, Projekte in Beton, Vorbereitung in Übersee), wird man erst in der Zukunft rausfinden. Vielleicht schon in diesem Sommer. So klingt es schon etwas nach einer Rechtfertigung für die Berichte der letzten Wochen.
Ich kann dir irgendwie nicht ganz folgen.
Klar wird von Vereinsseite aus eher positiv über die Finanzen und Strategie berichtet. Gerade deswegen verstehe ich aber nicht ganz, auf welche (dramatische) Rechnung du dich beziehst oder wo sich rechtfertigt wird, dass uns der Schuh drücken würde?
Abgesehen davon, dass es mal interessant war, die wirtschaftliche Herangehensweise der SGE genauer erklärt zu bekommen, sind mir nur Aussagen wie: das ist alles kein Problem…wir planen jede Saison konservativ…die Liquidität muss auch ohne das internationale Geschäft gesichert sein…in Erinnerung geblieben.
Fand ich gut von J. Zamberk, dass er das mal etwas aufgeschlüsselt hat. Danke auch an die Redaktion, dass ihr sowas mal bringt. Ist ja eher selten was aus dem Nähkästchen im Bereich der Finanzen zu erfahren.
Forza SGE
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