Mit einem enttäuschenden, torlosen Remis geht die Frankfurter Eintracht aus dem 25. Spieltag der Bundesliga. Beim FC St. Pauli konnten die Hessen die Chance nicht nutzen, den Abstand auf den sechsten Platz zu verkleinern. Die Leverkusener hatten am Tag zuvor ebenfalls nur Unentschieden gegen Freiburg (3:3) gespielt. Erschreckenderweise strahlten die Adler bei den Kiezkickern, trotz 71 Prozent Ballbesitz, nahezu keine Torgefahr aus. „Mit dem Ball müssen wir besser werden. Das ist die Realität. Wenn jeder Spieler mit dem Ball drei Kontakte hat, kannst du den Gegner nicht überraschen“, lautete das Fazit von Eintracht-Chefcoach Albert Riera nach der Partie.
Die sich im Abstiegskampf befindenden Hamburger verteidigten oft mit den meisten Spielern hinter dem Ball, bildeten einen tiefen Block, setzten auf Umschaltmomente und kamen in der ersten Hälfte sogar zu den klarsten Torchancen der Partie. Zweimal rettete der Pfosten (23., 31.) vor einer möglichen Führung der Gastgeber. Die taktische Herangehensweise, mit der Riera die Elf von Alexander Blessin knacken wollte, erklärte der Trainer im Anschluss an die Nullnummer: In der ersten Hälfte habe man mit drei Zehnern und nur einer Sechs spielen wollen, um so durch die Mitte zu kommen. Dass das nicht wirklich klappte, hatte laut dem Coach einen Grund: „Wir müssen schneller sein. Nach dem ersten Pressen müssen wir eine Anspielstation mit der ersten Ballberührung finden. Da waren wir zu langsam.“
Riera vermisste Flanken im Spiel der SGE
Im zweiten Abschnitt habe man darauf reagiert, indem Nene Brown in eigenem Ballbesitz noch mehr auf die Sechserposition rücken sollte, um Umschaltmomente zu verhindern und Browns Kreativität zu nutzen. Ohnehin spielte der gelernte Linksverteidiger zuletzt häufig auf der entgegengesetzten Seite und zog in die Mitte. Ein weiteres Problem sah der Spanier darin, dass Farés Chaibi als Rechtsfuß im offensiven Mittelfeld auf der rechten Seite spielte, sich daher eher in Richtung der Außen orientierte. „Deshalb brauchten wir dort einen Linksfuß, denn das Tor steht innen. Daher habe ich Ritsu Doan als Linksfuß eingewechselt“, argumentierte Riera für die Hereinnahme des Japaners in Minute 66.
Doch auch die Anpassungen im zweiten Abschnitt verbesserten das biedere Offensivspiel der SGE nicht. „Wenn du gegen Teams wie diese, die mit allen Mann hinter dem Ball verteidigen, ohne Geschwindigkeit, ohne One-Touch-Fußball und ohne Risiko im letzten Pass spielst, wird es schwer“, monierte und forderte der 43-Jährige daher nach dem Spiel. Vor allem Stürmer Jonathan Burkardt, der in der Bundesliga bereits neunmal erfolgreich war, hing völlig in der Luft. Seine Mitspieler fanden den Knipser nur selten. Kein Wunder, dass keins der beiden Teams auf einen höheren xGoals-Wert (statistisch zu erwartende Tore) als 0,72 kam. Die vermeintliche Gelb-Rote Karte für St. Paulis Tomoya Ando, der erst in der 62. Minute Gelb sah und nur zwei Minuten später Chaibi foulte, wollte Riera nicht kommentieren. Wohl aber, was er im Spiel seiner Jungs völlig vermisste: „Rotationen auf den Seiten und Flanken. Wir hätten mehr Flanken benötigt. Vor allem in einem tiefen Block hätten wir Burkardt finden müssen. Heute boten sich manchmal Gelegenheiten zum Flanken und wir haben sie nicht genutzt.“ Insgesamt elf Flanken schlug die SGE im Spiel, genauso viele wie der Gegner. Ebenso war die Zweikampfquote in der Luft ausgeglichen, wenngleich Burkardt auf dem Papier körperliche Nachteile gegen die großgewachsene St. Pauli-Verteidigung hat.
„Wir sind erst seit vier Wochen zusammen“
Nach dem überzeugenden Heimdreier gegen Freiburg (2:0) sahen viele in den darauffolgenden Spielen Pflichtsiege, um die europäischen Startplätze wieder anzugreifen. Die unambitionierte Leistung am Millerntor dürfte die Euphorie rund um den Klub erstmal wieder ein Stück weit dämpfen. Doch Riera wollte das Ergebnis nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass es auch positive Aspekte an dem Spiel gab. Ohnehin sei es nicht die schwächste Leistung des Teams in seiner Amtszeit gewesen, bewertete er. Seine Mannschaft habe gut verteidigt und lasse mittlerweile nur noch wenige Chancen zu. Und dann ist da ja auch noch der Fakt, dass der Ex-Profi erst seit knapp einem Monat die Zügel beim hessischen Bundesligisten in der Hand hat. „Wir sind erst seit vier Wochen zusammen. Da ist es unmöglich alles perfekt zu machen. Ich erwarte eine Menge. Das braucht jetzt Zeit“, versuchte Riera die Leistung zu begründen. Weiter glaubt der Trainer daran, dass seine Schützlinge sich verbessern werden. Er sehe das „Leuchten in den Augen der Spieler“. Klar dürfte sein, dass Mannschaft und Trainerteam vor dem nächsten „Pflichtdreier“ gegen Heidenheim am kommenden Samstag zu tun haben. Mit einer erneuten Leistung wie auf St. Pauli dürfte die Jagd nach Europa jedenfalls schwierig werden.






11 Kommentare
Spiel Aufbau viel zu langsam... zu viele Stationen.
Trotzdem: alles wird besser...
Immerhin das dritte Spiel zu null unter dem neuen Coach . Ansonsten treffende Analyse . Wir werden uns von Spiel zu Spiel steigern, auch wenn es ggf mal einen kleinen Rückschlag wie gestern geben sollte. Die Mannschaft wirkt sehr gefestigt . Sehe das ganze optimistisch und hoffe auf einen EuroLeague Platz.
Das Spiel war echt nicht schön anzusehen, aber gegen den Gegner auch sicherlich nicht leicht zu spielen. Bin gespannt wie es nächste Woche wird, wenn Heidenheim tief in der eigenen Hälfte steht.
Was ich nicht verstehe ist, wenn Riera bemängelt, dass mehr Flanken geschlagen werden sollten warum er dann nicht Brown und Collis auf die AV Positionen gezogen hat und zwar auf ihr eigentlichen.
Da muss sich auch der Trainer hinterfragen lassen, wenn man eine Halbzeit verpennt, warum man nach der Pause weiter im Tiefschlaf ist. Konnte er die Mannschaft in der Pause nicht erreichen, verstehen sie sein englisch nicht, oder sollte das die Taktik sein ?
Schnelles Umschaltspiel völlig verloren gegangen, wenn wir so weiter spielen, brauche ich mir das auch nicht mehr ansehen, denn das tut in den Augen weh, ist biederer Mittelklassefußball eines Abstiegskandidaten. Das kann man mit einem weit günstigeren Kader haben.
Ball halten in den eigenen Reihen, von der Mittellinie zurück zum Torwart und langsam mit gestolper wieder etwas nach vorne, das braucht kein Mensch.
Eintracht hatte sauglück gestern nicht in Rückstand zu geraten, sie hätten das Spiel verloren.
"messerscharf" analysiert wie immer:
ja, das muss es wohl sein, sie verstehen sein Englisch nicht ... oh Mann
Bei Dir ist das Glas auch immer halb leer, oder?
Hast Du Dich vielleicht mal gefragt, warum Stuttgart bei St. Pauli verlor und Leipzig dort nur Unentschieden gespielt hat. Oder warum Hoffenheim zu Hause letzte Woche gegen St. Pauli verloren hat?
Kleiner Tipp: es könnte etwas mit St. Pauli zu tun haben ;o)
Wenn der Blessin unseren Fußball so leicht decodiert und das nicht zum ersten Mal, dann machen es die anderen Mannschaften ihm einfach nach.
Wir wollen spielen wie Barcelona, aber fast keiner unserer Spieler ist auch nur ansatzweise in der Lage dazu.
Rein vom Ergebnis her bin ich mit 1 Punkt zufrieden. In St. Pauli ist nicht einfach, außerdem sind die gut drauf.
Was mich aber stört, ist die Art und Weise und vor allem der Umgang damit.
Ich bin ganz gewiss kein Freund von Topmöller gewesen, war auch froh, dass das Kapitel beendet wurde. Aber mit massiver Deckung auf Kosten der offensiven Durchschlagskraft mit katastrophen Fussball einen Punkt zu gewinnen, dass konnte Topmöller auch, teilweise sogar dann 3 (Augsburg, Mainz). Und dabei haben wir jetzt einen kompletten Sturm zusammen. Das hatte Toppmöller nicht. Und ich möchte die ganze Kritiker hören, wenn Topmöller wieder Spieler positionsfremd eingesetzt hätte (Collins + Brown). Auch das permanente Festhalten an einem noch immer sehr unsicheren Collins und nicht Einsatz von Baum wäre Topmöller massiv angekreidet worden. Und wenn er nach diesem 0:0 gesagt hätte, dass er zufrieden ist - ohje, was wäre da los gewesen. Was ich sagen will, ich sehe vielleicht leichte Verbesserungen unter Riera, aber bei weitem nicht so viel, wie in Presse, Netz und hier im Forum unterstellt wird. Das geht wahrscheinlich auch nicht. Sommerpause, einige Anpassungen im Kader und eine komplette Vorbereitung, dann wird man sehen. Realistisch jetzt ist für diese Saison vielleicht Platz 7, mehr aber auch nicht. Und besser ist die Mannschaft diese Saison auch nicht.
Was sollen da Stuttgart, Leipzig, Hoffenheim und Co. sagen?
St. Pauli liegt in der Rückrundentabelle zwei Punkte vor uns. Blessin hat wohl noch mehr Mannschaften entschlüsselt.
Das 0:0 ... kein Grund sich zurückzulehnen, aber auch kein Grund in Panik zu verfallen.
Selbstverständlich darf ARs gestriger Matchplan hinterfragt werden, wobei er das garantiert schon als Erster selbst tun wird.
Das du gegen ne Mannschaft die 80 Minuten mit 10 Mann hinter der Mittellinie steht, Umschaltspiel forderst, deutet jedenfalls nicht auf so irre viel Durchblick hin.
Albert spricht es doch an: Gestern hätte es Flanken gebraucht. Ich habe mich dauernd händeringend gefragt, warum da nix kommt. Im Artikel wird von 11 Flanken geschrieben, gefühlt hätte ich vielleicht 3 geschätzt. Unser Problem ist: ohne Rasmus, Artur und Ansgar sowie einem Fares mit einem eher miesen Tag, ist eben nicht viel mit Flanken. Jean-Matteo macht halt so sein Ding - kann sein, dass ihm in 90 Minuten ein, zwei Mal so was wie ne halbwegs getimete Hereingabe unterläuft - dazu muss er dann aber mal am Gegenspieler vorbei kommen; er ist halt keine Konstante in unserem Spiel, jedenfalls nicht nach Bedarf.
Dazu kommt, dass Lits einstweilen ziemlich weit davon entfernt ist, den Unterschied zu machen. Seine Performance grenzt an ein Rätsel - und dass er nun zum 2. Mal von der Bank kommt, scheint ihn auch nicht gerade anzuzünden.
Ich denke man muss sich darauf einigen: Gestern hätten sich auch noch ganz andere Truppen an Blessins Riegel die Zähne ausgebissen.
Und aufgrund der zwei Pfostentreffer von Pauli ggü. quasi 0.0 echten Chancen auf unserer Seite, dürfen wir mit dem Zu-Null-Remis eher zufrieden sein. Ich hätte mich heillos gefreut, wenn AR es mit irgendeinem Kniff gelungen wäre, Blessin nach Dinos so zahlreichen vergeblichen Versuchen mal sauber auszucoachen - aber dazu musst du am Ende auch die Spieler haben. [Gegen Heidenheim könnte es übrigens nicht sehr viel anders laufen.]
Danke für die saubere Analyse und die nette Ironie ("...deutet jedenfalls nicht auf so irre viel Durchblick hin.)
"Gegen Heidenheim könnte es übrigens nicht sehr viel anders laufen."
Das ist leider auch meine Befürchtung. Sie werden uns wohl nicht den Gefallen tun, das Spiel machen zu wollen.
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