Eintracht Frankfurt musste sich beim Auswärtsspiel gegen den FC St. Pauli mit einem torlosen Unentschieden begnügen. Es war ein Spiel, das die Entwicklung unter Trainer Albert Riera in zwei Richtungen gleichzeitig zeigte: Defensiv wirkt die Eintracht deutlich stabiler als noch vor einigen Wochen, offensiv fehlt jedoch weiterhin die Kreativität und Zielstrebigkeit, um tief stehende Gegner konsequent zu knacken.
Riera setzte erneut auf eine Viererkette mit Nathaniel Brown, Robin Koch, Aurèle Amenda und Nnamdi Collins. Davor bildeten Hugo Larsson, Oscar Højlund und Farès Chaïbi das zentrale Mittelfeld. Im Angriff spielten Arnaud Kalimuendo auf dem rechten Flügel, Jean-Mattéo Bahoya auf links und Jonathan Burkardt im Sturmzentrum.
Wie schon in den vergangenen Wochen veränderte sich die Struktur im Ballbesitz: Brown rückte aus der Viererkette nach innen ins Mittelfeld, wodurch eine Dreierkette im Aufbau entstand und eine zusätzliche Anspielstation im Zentrum geschaffen werden sollte. Das Grundproblem lag jedoch weniger in der Struktur als in der Ausführung. Die Eintracht ließ im Passspiel Tempo, Präzision und Risikobereitschaft vermissen. Ballbesitzphasen waren zwar zahlreich, führten jedoch kaum zu Raumgewinn. Die Folge: St. Pauli konnte sich immer wieder problemlos defensiv formieren und stand häufig in einem tiefen Block, aus dem heraus die Kiezkicker dann entweder pressten oder sich tief fallen ließen. Frankfurt spielte davor oft quer oder rückwärts, ohne den entscheidenden vertikalen Impuls zu setzen. Hinzu kam, dass Bälle häufig lang geschlagen wurden – und damit die eher klein gewachsenen Offensivspieler in aussichtslose Kopfballduelle geschickt wurden.
Auch die spiegelverkehrten Außenverteidiger funktionierten diesmal nicht wie erhofft. Brown spielte erneut rechts, Collins links – eigentlich mit dem Ziel, nach innen zu ziehen und Überzahlen im Zentrum zu schaffen. Dieses Mal wirkte das Zentrum jedoch eher überladen, während die Außenbahnen zu wenig genutzt wurden. Gerade diese hätten die kompakte Defensive der Hamburger auseinanderziehen können. So standen Bahoya und Kalimuendo auf den Flügeln häufig isoliert und wurden konsequent von den sehr gallig verteidigenden Pauli-Spielern gedoppelt.
Konteranfällig nach Ballverlusten
Defensiv zeigte sich ein weiteres Problem der ersten Halbzeit: Nach schnellen Ballverlusten stand die Eintracht häufig zu weit auseinander. Die Staffelung fehlte, wodurch St. Pauli mehrfach kontern konnte. Die Gastgeber hätten sich bereits vor der Pause belohnen können – gleich zweimal rettete der Pfosten für die Hessen. Insgesamt hinterließen die Kiezkicker in dieser Phase sogar den besseren Eindruck. Ihr variables Spiel – mal hohes Anlaufen, mal ein kompakter Fünferblock – stellte die Frankfurter vor erhebliche Probleme.
Nach dem Seitenwechsel versuchte die Eintracht zumindest, das Tempo im Aufbau zu erhöhen. Die Mannschaft gewann mehr zweite Bälle und kontrollierte den Ballbesitz noch deutlicher. Doch echte Gefahr entstand kaum. Die Offensivspieler agierten häufig ideenlos und entschieden sich zu oft für den Rückpass – auch, weil sie immer wieder von der gut organisierten St.-Pauli-Defensive gestellt oder gedoppelt wurden. Am Ende blieb es bei wenigen Torannäherungen. Eine Chance von Bahoya kurz nach der Pause war bereits das höchste der Gefühle.
Ballbesitz ohne Wirkung
Die Statistik unterstreicht das Bild des Spiels: Frankfurt kam auf rund 72 Prozent Ballbesitz – doch dieser fand größtenteils im ungefährlichen Raum statt. Mit einem Expected-Goals-Wert von lediglich 0,38 blieb die Offensive praktisch wirkungslos.
Das Fundament der Mannschaft stimmt wieder: Die Defensive ist stabiler, die Ordnung im Spiel gegen den Ball funktioniert deutlich besser als noch vor einigen Wochen. Doch sobald Kreativität, Tempo und offensive Ideen gefragt sind, stößt die Eintracht weiterhin an Grenzen. Gerade gegen tief stehende Gegner fehlt es noch an Lösungen. Der Auftritt am Millerntor zeigte daher beide Seiten der aktuellen Entwicklung unter Riera: Die Stabilität ist zurück – die offensive Durchschlagskraft muss noch wachsen.






2 Kommentare
In den jüngsten Erfolgszeiten bin ich für meine Liebe zum Ballbesitz-Fußball hier zerpflückt worden, weil ich das "schnell, schnell und lang" nicht so mein Ding ist. Ich bin Eintracht-Fan geworden, wegen technischem Fußball und nicht, weil die Eintracht eine Kontermannschaft in 70ern und danach war. Okay, MG hatte damit damals riesige Erfolge, ab da ich selber Fußball spiele mochte ich immer das "spielen" und nicht das das sprinten. Natürlich liegt die Wahrheit in der Mitte. Ballbesitz nutzt nichts, wenn man erst drei Ballberührungen braucht, um den Ball weiterzuspielen. Warum es Technike wie Chaibi gibt, die gefühlt noch nie zwei sehr gute Spiele hintereinander machen können, bleibt mir immer ein Rätsel. Überheblichkeit? Frühjahrsmüdigkeit bei m ersten Sonnenschein? Der gute Russ war immer so ein Kandidat. Ein erster Sonnentag im März, da sah man schon beim Einlaufen, dass es nicht sein Tag wird ;)
Bin gespannt, wann die Stimmung hinsichtlich Ballbesitz-Fußball wieder umschlägt, wenn die Punkte ausbleiben. Auch bei den Spielern, die ja jetzt betont den Trainer loben. Warum nur? Weil er klare Ansagen macht, oder doch als Alibi für die schlechten Ergebnisse unter Toppmöller, nach dem Motto der Trainer war schuld. Ich war ja nie richtiger Toppie Fan, aber der CL Platz gab ihm letztlich recht. Okay, er hatte auch Wunderstürmer.
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