Heute um 17 Uhr steht für die U21 von Eintracht Frankfurt das vielleicht entscheidende Spiel der Saison an. Auswärts beim 1. Hanauer FC, dem ältesten Fußballverein Hessens, reicht bereits ein Punkt, um die Meisterschaft in der Hessenliga und damit den direkten Wiederaufstieg in die Regionalliga perfekt zu machen. Es ist das Duell Erster gegen Letzter: Während die Eintracht mit beeindruckenden 15 Punkten Vorsprung an der Spitze thront, steht Hanau seit dem letzten Spieltag bereits als Absteiger fest. Die Formkurve spricht für sich: Elf Siege aus den letzten zwölf Spielen unterstreichen die Dominanz der Frankfurter U21.
Kirchhoff: Optimismus trotz Zwangspause
Kapitän Benjamin Kirchhoff, der in dieser Saison 22 Spiele in der Hessenliga für die SGE absolvierte, blickt dem Spiel selbstbewusst entgegen: „Ich gehe stark davon aus, dass wir es schaffen“, sagte der 31-jährige Innenverteidiger im Podcast „Aufstehen mit der Eintracht“. Selbst eingreifen kann er allerdings nicht, denn eine Verletzung zwingt ihn zum Zuschauen. Vor ein paar Wochen erlitt er im Training einen Faserriss mit Sehnenbeteiligung. „Ich werde die Jungs vor Ort anfeuern und dann werden wir hoffentlich gemeinsam feiern“, so der Innenverteidiger, der im Sommer aus Homburg zurück in seine Geburtsstadt Frankfurt wechselte. Seine Verbundenheit zum Verein machte er dabei mehr als deutlich: „Nach der Zeit in Homburg wusste ich, dass ich sehr gerne wieder nach Hause möchte. Als dann die ersten Gespräche angelaufen sind, habe ich sofort zu meinem Berater gesagt: Egal, was Frankfurt bietet, ich mache das.“
Vom Absturz zur Reifeprüfung
Der mögliche Aufstieg ist auch eine Reaktion auf den bitteren Abstieg im Mai 2025. Sportvorstand Markus Krösche zeigte sich nach dem letztjährigen Saisonabschluss damals selbstkritisch: „Das nehme ich auch auf meine Kappe. Wir hätten vielleicht auch in der einen oder anderen Situation mehr investieren müssen, um so eine junge Mannschaft mehr zu unterstützen.“ Doch die Antwort der Mannschaft fiel eindrucksvoll aus. Nach kleinen Startschwierigkeiten in der Hessenliga fand das Team schnell in die Spur, übernahm im Herbst die Tabellenführung und gab diese nicht mehr ab. Der 3:2 Last-Minute-Siegtreffer von Lukas Sonnenwald in der vergangenen Woche gegen Fernwald war sinnbildlich für die Moral dieser Mannschaft. „So explodiert ist die Tribüne noch nie dieses Jahr“, erinnerte sich der Kapitän.
Ein weiterer spannender Aspekt sind die Unterschiede zwischen Regional- und Hessenliga, die Kirchhoff beleuchtet: Während in der vierthöchsten Spielklasse viele Teams mit Vollprofis besetzt seien, die häufig höherklassige Erfahrung oder eine Ausbildung im Nachwuchsleistungszentrum mitbringen, sehe der Alltag eine Liga tiefer oft anders aus. „Das ist ein Riesenunterschied vom Gegner“, erklärte der 31-Jährige. Viele Mannschaften agieren defensiver, ziehen sich weit zurück und überlassen der Eintracht bewusst den Ball. Hinzu kommen schwierigere Platzverhältnisse, die ein sauberes Aufbauspiel erschweren. „Wenn du den Ansatz hast, Fußball zu spielen und hinten rauszuspielen, dann passieren auch Fehler“, so der ehemalige Homburger. Doch die U21 habe sich schnell angepasst.
„Der perfekte Trainer“ und Teamgeist als Schlüssel
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist Trainer Dennis Schmitt, der Anfang des Jahres zusammen mit Alexander Meier auch die Profis nach der Entlassung von Dino Toppmöller interimsweise übernahm. „Er fordert sehr viel. Aber wenn er sieht, dass man Gas gibt und für die Sache brennt, gibt er sehr viel zurück“, erklärt der Innenverteidiger. Für die U21 der Eintracht sei er laut Kirchhoff aktuell „der perfekte Trainer“. Der 31-jährige Kapitän sieht seine eigene Rolle dabei auch klar definiert: „Ich sehe mich als großen Bruder der Jungs, der auch mal dazwischenhaut, wenn etwas nicht läuft.“ Gemeinsam mit Spielern wie Nico Ochojski, Lukas Sonnenwald und Jeremiaha Maluze bildet er das Gerüst der Mannschaft. Besonders hebt er den Charakter des Teams hervor: „Wir haben dieses Jahr charakterlich eine brutal gute Mannschaft. Die Jungs ziehen alle mit und haben Bock Fußball zu spielen.“
U21 als Sprungbrett: Talente im Fokus
Die U21 der Eintracht ist längst mehr als nur ein Unterbau. Sie dient als wichtige Plattform für Talente. Spieler wie Nacho Ferri schafften beispielsweise den Sprung in den Profibereich. Der 21-jährige Mittelstürmer spielte in der Jugend für die Eintracht, entwickelte sich über die zweite Mannschaft weiter und empfahl sich für höhere Aufgaben. Aktuell steht er beim belgischen Erstligisten KVC Westerlo unter Vertrag und überzeugt dort mit starken Scorerwerten. In der aktuellen Saison erzielte er wettbewerbsübergreifend elf Tore in 33 Partien für die Belgier. Auch Noel Futkeu steht exemplarisch für diesen Weg. Der Angreifer glänzte bereits in der Regionalliga für die Frankfurter U21 und schaffte anschließend bei der SpVgg Greuther Fürth den Durchbruch im Profifußball. Mit 16 Toren steht er aktuell auf Platz zwei der Torschützenliste in der 2. Fußball-Bundesliga. Die Eintracht zog daher zuletzt die Rückkaufoption. Andere aktuelle Akteure wie Alexander Staff oder Marvin Dills durften in dieser Saison ebenfalls Profiluft schnuppern und wurden mit Kurzeinsätzen in der UEFA Champions League belohnt. Auch der gebürtige Frankfurter verfolgt diese Entwicklung mit Stolz: „Für mich wäre es das Geilste, wenn die Jungs es schaffen würden, hier bei der Eintracht Profis zu werden.“ All diese Entwicklungen zeigen, welche Bedeutung die U21 für den Verein inzwischen hat. Umso wichtiger wäre der direkte Wiederaufstieg in die Regionalliga, um diesen Weg auf höherem Niveau fortzusetzen.
Trotz aller Euphorie mahnt der 31-Jährige zur Konzentration: „Wir sollen uns nicht auf die Feier danach konzentrieren, sondern auf das Spiel.“ Eine klare Botschaft vor dem Duell gegen Hanau. Denn auch wenn die Rollen klar verteilt sind, muss der letzte Schritt erst noch gegangen werden. Sollte die Mannschaft ihre Aufgabe lösen, wäre der direkte Wiederaufstieg perfekt. Alles ist angerichtet. Jetzt fehlt nur noch dieser eine Punkt.






Ein Kommentar
Hätte es auch gerne meinem Heimatort FC Eddersheim gegönnt, da die Eintracht die Relegation eher geschafft hätte als es wohl eddersheim schafft. Dennoch ist natürlich der Aufstieg für die jungen SGE Spieler wichtig um sich wieder eine Klasse höher messen zu können.
Kommt immerhin auch der 1. Mannschaft zugute.
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