Ajdin Hrustic vergab kurz vor Schluss die Möglichkeit zum Anschlusstreffer. Am Ende mussten sich die Frankfurter Leverkusen geschlagen geben. (Bild: imago images / Jan Huebner)

Mit zuletzt drei Siegen in Folge fuhr die Eintracht mit gehörig Selbstvertrauen zum Zweitrundenmatch des DFB-Pokals nach Leverkusen. Nur zehn Tage nach dem 2:1-Heimsieg gegen die Werkself wollten die Hessen nun auch auswärts siegen. Die Ausfälle von Filip Kostic und Djibril Sow, die Schonung von Makoto Hasebe und David Abraham, die verletzungsbedingte Auswechslung des Torschützen Amin Younes und schlussendlich der noch fehlende zweite Stürmer waren einige Faktoren zu viel, um den Platz gegen eine kompakte Leverkusener Mannschaft als Sieger verlassen zu können. Nach starkem Beginn und der 1:0-Führung nahm Leverkusen das Spiel in die Hand und drehte die Partie zu ihren Gunsten und gewann mit 1:4. SGE4EVER.de hat das Spiel wie immer noch einmal analysiert:

Viele Wechsel in der Startelf

Beim Blick auf die Frankfurter Startelf eine Stunde vor der Partie war zunächst nicht ganz klar, wen Adi Hütter auf der linken Seite positionieren wollte. Younes, Aymen Barkok oder Erik Durm waren die Optionen oder würde Eintracht-Trainer Adi Hütter gar mit der verpönten Viererkette beginnen? Nach wenigen Minuten war klar, dass die Eintracht in einem 3-4-1-2 agierte. Tuta übernahm dabei in der Verteidigung den Platz von Noch-Kapitän Abraham. Die Doppelsechs bildeten dieses Mal Stefan Ilsanker und Sebastian Rode und davor agierte Younes als Spielmacher auf der 10. Barkok begann dieses Mal ausnahmsweise als linker Flügelspieler, Durm startete wie gewohnt auf rechts und Daichi Kamada sollte ganz vorne mit André Silva die beiden Innenverteidiger der Leverkusener mit frühem Pressing unter Druck setzen.

Hohes Pressing von Beginn an wird belohnt

Leverkusen stand nach zuletzt drei Spielen ohne Sieg etwas unter Erfolgsdruck und war vorerst um Kompaktheit und Ballbesitzphasen bemüht. Die Eintracht startetet aggressiv, suchte direkt die Zweikämpfe und lief mit viel Einsatz die Passwege der gegnerischen Verteidiger zu. Es gab für die Werkself dabei wenig Platz nach vorne, so dass der Ball häufig zu Ex-Eintracht-Torwart Lukas Hradecky zurückgespielt werden musste. Dessen einzige Option war der lange Ball nach vorne, der meistens sein Ziel nicht erreichte, weil die giftige Frankfurter Abwehr viele ihrer Luftzweikämpfe gewann (64,3% in der ersten Halbzeit). Bei Ballgewinn spielte die Eintracht dann schnell und direkt ins vordere Drittel. Genau so ist dann letztlich auch die frühe Führung in der sechsten Minute für die SGE gefallen. Martin Hinteregger gewann im Mittelfeld das Kopfballduell und über die Stationen Younes, Ilsanker, Rode und Durm wurde der Ball direkt nach vorne zu Kamada gespielt. Der Japaner flankte flach in den Strafraum, wo Silva den Ball mit der Hacke zum vorgepreschten Younes ablegte, welcher per Direktabnahme zum 1:0 einschoss. Es war ein vorzüglich herausgespielter Treffer, bei dem sieben der zehn Frankfurter Feldspieler beteiligt waren.

Leverkusen übernimmt Spielkontrolle

Der Führungstreffer tat der Eintracht spürbar gut, direkt nach dem Führungstreffer kam Silva sogar noch zu einer weiteren vielversprechenden Chance. Doch es zeigten sich langsam auch die Lücken im Frankfurter Spiel. Insbesondere im defensiven Mittelfeld und auf der linken Seite gab es ein ums andere Mal Platz für die Leverkusener Offensivspieler, bei denen sich insbesondere der technisch versierte Nadiem Amiri und der schnelle Moussa Diaby hervortaten. Aufgrund des Spiels vor elf Tagen, als die Eintracht zuhause noch 2:1 gewinnen konnte und von den Leverkusener Flügelstürmern kaum Gefahr ausging, reagierte Bosz mit einem Wechsel seiner Flügelstürmer: Leon Bailey stürmte dieses Mal über die linke und Diaby über die rechte Seite. Ein geschickter Kniff des Leverkusener Trainers, der sich im Laufe der Partie noch auszahlen sollte. Eine spielentscheidende Szene ereignete sich nach etwa zwanzig Minuten als Frankfurts Spielmacher Amin Younes behandelt werden musste. Er konnte zwar vorerst humpelnd weitermachen, doch es brachte die Eintracht aus dem Tritt. Leverkusen konnte das für sich nutzen: Ilsanker rückte etwas zu spät raus und war nicht energisch genug beim Zweikampf, sodass Amiri den freistehenden Bailey auf links mitnehmen konnte, welcher mit seiner Flanke die Hand von Durm traf. Den folgenden, vertretbaren Elfmeter nutzte Alario zum 1:1-Ausgleich.

Younes nicht ersetzbar, Zuber wirkungslos

Hütter musste nach dem Ausgleich den starken Younes auswechseln und brachte dafür Steven Zuber, welcher die linke Seite übernehmen sollte. Kamada und Barkok bildeten die Doppelzehn und Silva die einzige Spitze. Doch die Eintracht sollte ab diesem Zeitpunkt nie mehr wirklich in ihr Spiel zurückfinden. Insbesondere Zuber wirkte nicht fit und konnte weder offensiv (Passquote 62%), noch defensiv (Zweikampfquote 43%) Akzente setzen. Der Ex-Hoffenheimer wirkte über weite Strecken wie ein Fremdkörper im Frankfurter Spiel. Es fehlte nun vermehrt an offensiver Entlastung und Leverkusen wurde zunehmend gefährlicher, doch die Eintracht konnte sich noch mit dem Unentschieden in die Kabine retten, was aufgrund des starken Beginns auch verdient war.

N’dicka stark, Tuta bis zur Auswechslung fehlerlos

Nach der Pause rückte Trainer Hütter Barkok zurück auf die linke Seite und Zuber ins offensive Mittelfeld. Doch es war Innenverteidiger Evan N’Dicka, der direkt nach Wiederanpfiff auf sich aufmerksam machte. Erst rannte er von der zentralen Innenverteidigerposition bis an die Grundlinie durch und ließ dabei drei Leverkusener stehen, dann spielte er einen punktgenauen Flachpass auf Silva, dessen Ablage der freistehende Barkok fast zur erneuten Führung hätte nutzen können. N’Dicka lieferte insgesamt eine bärenstarke Partie ab und gewann 88% seiner Zweikämpfe, aber auch Abraham-Vertreter Tuta bestätigte die hohen Erwartungen an ihn bis zu seiner Auswechslung mit einer fehlerfreien Leistung.

Rückstand nach Abseitstreffer, Hütters Positionswechsel zahlen sich nicht aus

Die kurze Sturmphase der Eintracht brachte Leverkusen allerdings nicht aus dem Rhythmus. Nach einem Stellungsfehler von Rode in der 49. Minute musste Tuta Amiri foulen. Den folgenden Freistoß nutzte Leverkusen durch Edmond Tapsoba, welcher von Durm sträflich frei gelassen wurde, zum Ausgleichstreffer. Allerdings hätte dieser Treffer in der Bundesliga nicht gezählt, denn Tapsoba stand knapp im Abseits. Pech für die Eintracht, dass es in der 2. Pokalrunde noch keinen VAR-Einsatz gibt, welcher den Treffer sicher zurückgenommen hätte. Leverkusen kam nun zu weiteren Großchancen und Hütter tauschte daraufhin die Position von Barkok nun zum dritten Mal. Zuber rückte wieder auf links. Und doch sahen beide bei der folgenden Szene nicht gut aus. Barkok ließ sich von Amiri abschütteln, Ilsanker lief die Lücke nicht zu, Zuber verlor Diaby aus den Augen: 1:3.

Hütter wechselt erneut fünffach, Ilsanker patzt erneut

Hütter brachte nun Ajdin Hrustic und Dominik Kohr statt Barkok und den erneut enttäuschenden Kamada (Zweikampfquote 0%), sowie Almamy Touré für Durm und es wurde noch kurzzeitig spannend, weil Jonathan Tah nach einer Notbremse an Silva mit Rot vom Platz flog. Nach 79 Minuten nutzte Hütter zum fünften Mal in dieser Saison sein volles Wechselkontingent und brachte Timothy Chandler für Tuta. Touré rückte in die Innenverteidigung. Doch mit Ausnahme des letzten verbliebenen spielstarken Mittelfeldspielers Hrustic, der seine Chance zum 2:3 in der 85. Minute nicht nutzen konnte, sollte keiner der Einwechslungen nachdrücklich auf sich aufmerksam machen können. Einen gescheiterten Dribblingversuch von Ilsanker konnte Diaby per Konter zum 1:4-Endergebnis nutzen. Damit ist die Eintracht aus dem Pokalwettbewerb zwar nun ausgeschieden, doch die ersatzgeschwächte Mannschaft hat toll gekämpft und Adi Hütter konnte viele neue Erkenntnisse über seine zweite Reihe sammeln. Weiterhin kann die SGE ohne den spielstarken Makoto Hasebe wohl einfach nicht gewinnen. Die Rückkehr von Luka Jovic hat die Trauer über das Ausscheiden jedoch nicht allzu groß werden lassen, denn die bevorstehende Leihe des „verlorenen Sohns“ ist für viele Fans der Frankfurter Eintracht von großer Bedeutung. Die Hessen können sich nun voll und ganz auf die Bundesliga konzentrieren und vielleicht doch noch einmal die europäischen Plätze angreifen.

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15 Kommentare

  1. Ich stimme der Analyse größtenteils zu, reibe mich aber leicht an der Überschrift. Klar hat sich Amin Younes in den letzten Partien zum Unterschiedsspieler entwickelt. Was die Eintracht allerdings schon die ganze Saison mitzieht ist die unterdurchschnittliche Chancenverwertung. Auch Younes hat in vorherigen Partien einige Großchancen liegen lassen. Und beim Stand von 2:0 hätte gestern die Mannschaft auch ohne Younes ein besseres Spiel zeigen können (viel Vermutung zugegeben).

    Ich hatte den Eindruck, dass Barkok irgendwann platt wirkte und eine frühere Auswechslung vielleicht gut gewesen wäre.

    Hatte Kamada gestern wirklich eine Zweikampfquote von 0%?

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  2. @1
    Zur Überschrift: Kritik nachvollziehbar! 🙂 Dennoch war ohne ihn ein Bruch zu erkennen.

    Zu Barkok: Wenn ich ständig zwischen LM und OM wechseln müsste wär ich wahrscheinlich auch irgendwann platt 😀

    Zu Kamada: ja, der Wert 0% ist korrekt 😉 Er lief die Gegenspieler zwar oftmals gut an, aber der letzte Schritt, um überhaupt in den ZK zu kommen, fehlt dann. Und wenn er mal in nen ZK kam verlor er ihn.

    Nochwas zu Ilsanker: er hatte im Vgl zu anderen Spielen (und Spielern) echt gute Stats, wirkte auf mich während des Spiels auch gut und haute sich auf jeden Fall voll rein! Es tat mir fast leid für ihn ‚Ilsanker patzt erneut‘ in die Absatz-Überschrift zu packen.
    Trotzdem war er am End an drei von vier Gegentoren beteiligt und das ist zuviel.

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  3. Gute Analyse, Younes ist der derzeitige Unterschiedsspieler.

    Kamada durfte wieder seinen ausgiebigen Spaziergang machen. Bewegung an der frischen Luft ist auch gesund. Daher ist die Zweikampfquote nicht überraschend.

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  4. Besten Dank Axel für Deine Antworten. Bin überrascht von der 0 bei der ZK Statistik von Kamada. Kannst Du vielleicht sonstige positive oder negative Ausreisser von anderen Startspielern teilen?

    Ja, 100%iger Bruch nachdem Younes vom Platz ging.

    Jovic’s Rückkehr wirkt sich für den Rest der Saison hoffentlich positiv auf unsere Chancenverwertung auswirken. Hoffe, dass Filip Kostic schneller zur alten Form findet, wenn er wieder Luka in seinem Umfeld (privat und auf dem Feld) hat.

    Forza SGE !

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  5. Bei Barkok fällt auf, dass er häufig ab der 60. Minute abbaut und sich dann Fehler einschleichen. Da haben andere etwas mehr im Tank. Da kann er hoffentlich noch zulegen.

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  6. Hütter als Fachmann sieht wahrscheinlich seine Spieler anders als wir „Couchtrainer“, aber nachdem Younes raus musste und Zuber reinkam, hat Hütter hoffentlich auch diese Leistung gesehen und wird sie richtig bewerten.
    Eigentlich muss er am Spielfeldrand stehen und denken, was habe ich denn da eingewechselt?
    Ich will kein Zuberbashing anstoßen, aber ich saß vor dem Fernseher und wußte nach 2 Minuten, dass Zuber an diesem Abend kein Laufduell gewinnen wird. Gefühlt wurde ihm jeder Ball weggenommen oder der Gegner war früher da.
    Mit dieser Leistung macht er nicht positiv auf sich aufmerksam.

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  7. Bzgl. Kamada. War am 0:1 beteiligt. Und meine mich zu erinnern das es sein gewonnenes Kopfballduell war, welches zur Riesenchance von Silva führte (was Silva leider echt hätte machen müssen #dashättedas0:2seinmüssen)

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  8. @ 6: Absolute Zustimmung.
    Als Zuber reinkam und die ersten Meter geschlichen ist habe ich auch Schlimmes befürchtet.
    Leider hat er dies dann das komplette restliche Spiel bestätigt.
    Wäre ich Hütter gewesen wäre der zur 60sten wieder runter vom Feld.
    Der wirkte überhaupt nicht fit. Nicht spritzig. So ist dieser Mann keine Alternative.
    Aber schöne Tatoos hat er auf dem Arm.
    Soll auch kein Bashing sein, ist denke ich objektiv unbd das hat nun wirklich jeder gesehen.

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  9. @7: Ja, das war Kamadas Kopfball. Ein Zweikampfmonster wird der auch nie mehr werden.
    Hätte Silva einfach den Ball nach links gelegt stände es 2 zu 0.
    Da muss er einfach seine 2 Kammeraden sehen, die nur noch hätten einschieben müssen.
    Schade. Da war mehr drin.

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  10. Ich versuch‘s mal mit einer Zuber-Verteidigung: Er musste (mehr oder weniger kalt) auf einem extrem seifigen, tiefen Rasen, den kleinen, quirligen Younes ersetzen, der bis dahin überragend spielte. Er hatte gar keine Chance und hat auch nicht die körperlichen Möglichkeiten diese Position in der Situation so zu übernehmen, ohne dass man als Zuschauer einen gravierenden Unterschied sieht. Außerdem ist es bei uns generell so, dass die Spieler, die etwas außen vor sind, selten direkt performen. Gutes Beispiel ist auch Kohr, der in der Rückrunde letzte Saison extrem gut war und momentan keinerlei Akzente setzt, wenn er reinkommt. Bei Sow war‘s die gleiche Geschichte damals, genau wie bei allen RV. Natürlich reicht‘s bei Zubi leistungsmäßig nicht für die Startelf, allerdings hatte er in Leverkusen eine sehr undankbare Aufgabe und einen schweren Stand. Die Vorlage gegen Augsburg war super und generell muss man ihn im Zusammenhang mit Gacinovic sehen. Auch wenn Mijat ein super Typ war und ist, so sehe ich da jetzt keinen großen Leistungsabfall. Zuber ist für paar Kurzeinsätze ok wenn er Selbstvertrauen hat. Startelf aber wie gesagt keine Chance.

    PS: Schneesturm an der norddeutschen Küste ist halt nicht Lissabon. Gestern Abend hatte man endlich mal wieder das Gefühl ein wirklich ehrliches Fussballspiel zu sehen. Hat gut getan.

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  11. @2 – „Trotzdem war er am End an drei von vier Gegentoren beteiligt und das ist zuviel.“

    3 von 4? 1 Gegentor Handspiel Durm, 2 Gegentor wird der Spieler alleingelassen, sieht aus als wären sich Ndicka und Durm nicht einig gewesen, 3 Gegentor Barkok verliert den Ball – Ndicka schiebt in die Mitte, obwohl da noch Hinteregger steht – rechts ist dann offen, 4 Gegentor geht auf Ilsanker – aber.. da war das Thema sowieso schon vorbei…

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  12. Hätte ich auch nicht gedacht das Sow mal in der Startelf vermisst wird! Er hat meiner Meinung nach besonders defensiv gefehlt!

    Einträchtliche Grüße

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  13. Jubelt mir den Younes nicht zu hoch. Ja, er ist gut und es macht beim zusehen Spaß. Gestern haben halt auch noch Sow und Kostic gefehlt. Zuber ist halt keine 1:1 Ersatz.

    Gegen Leverkusen muss halt alles passen, und das hat es nicht. Dazu noch Ilsanker ( den ich selbst defensiv schlecht fand ) statt Hasebe. Und schon sind wir nicht die gleiche Mannschaft.

    Haken dran und jetzt Jovic mit einbauen. Dann haben wir noch eine Menge Spaß

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  14. @14 Der hat noch den Medizin-Check, ist aber gesetzlich versichert. Hat den Termin erst in zwei Monaten….

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