Länderspielpause und sieben Tage kein Training: Auf den Sportplätzen im Deutsche Bank Park passiert aktuell nicht viel. Eintrachts Cheftrainer Albert Riera gewährte nach der Schlappe in Mainz sieben Tage (Dienstag bis einschließlich Montag) trainingsfrei, unter anderem weil zehn Adlerträger für ihre Nationalmannschaften unterwegs sind. Nachdem der Start unter dem Ex-Profi gut verlief – die SGE bis zum Mainz-Duell nur ein Spiel verlor – herrscht mittlerweile in Teilen des Frankfurter Umfelds wieder Ernüchterung. Und das bereits sieben Spiele nach der Ankunft des neuen Mannes an der Seitenlinie. Genauso sind nur noch sieben Spiele bis zum Saisonende zu gehen. Bei acht Punkten Abstand auf Platz 6 und einen Punkt Vorsprung auf Rang 8 scheint höchstens das Erreichen der Conference League realistisch. Gründe genug, um eine erste Bilanz zu ziehen.
Drei Gegentore pro Spiel? Geschichte!
Ex-Coach Dino Toppmöller wurde auch entlassen, weil er in dieser Spielzeit keine defensive Stabilität installieren konnte. Besonders im Januar war die Defensive der größte Schwachpunkt der Eintracht. Bis zu seiner Entlassung nach dem Spiel in Bremen kassierten die Frankfurter in drei Spielen neun Gegentore. Auch in den beiden Bundesliga-Spielen unter dem Interimsduo aus Dennis Schmitt und Alexander Meier musste Kauã Santos jeweils dreimal hinter sich greifen. Unter Riera änderte sich das. Die einzige Partie mit drei Gegentoren für die SGE war in München. Insgesamt stand sogar in vier von sieben Spielen die Null. Damit stehen aktuell sechs Gegentreffer in sieben Spielen zu Buche.
Nur 2,43 Großchancen pro Spiel
Was Riera in den knapp acht Wochen seit seiner Übernahme noch nicht schaffte zu ändern, ist die offensive Ideenlosigkeit. Wie schon unter seinem Vorgänger, schafft es die eigene Mannschaft selten, sich Torchancen zu erspielen. Vor allem gegen tiefstehende Gegner tun sich die Adler weiter schwer. Zu langsam, unkreativ und risikoarm agiert man nach vorne. Unter Riera waren im Schnitt lediglich 1,12 Tore statistisch erwartbar (xGoals), dabei erspielte sich die SGE durchschnittlich 2,43 Großchancen und 4,29 Torschüsse. Top-Stürmer Burkardt hängt noch zu häufig in der Luft. Gegen Ex-Arbeitgeber Mainz, aber auch davor, war der gebürtige Darmstädter kaum eingebunden. Auf die Frage, ob er das auch so sieht, entgegnete er: „Ich muss sagen, dass sich das so anfühlt. Ich schaue immer zuerst auf mich. Aber dieses Mal war ich zu ungefährlich.“
Die Suche nach den Tiefenläufen
Riera möchte, dass seine Mannschaft dominant auftritt. Dass diese das Spielgerät in den eigenen Reihen halten kann, bewies sie in den letzten Wochen: Zusammengerechnet hat die SGE seit Amtsantritt des Spaniers einen durchschnittlichen Ballbesitzwert von 62 Prozent in sieben Partien. Nur gegen Borussia Mönchengladbach (44 Prozent) und den FC Bayern München (49 Prozent) waren die Frankfurter weniger am Ball, als der Gegner. Da Fußball aber ein Ergebnissport ist, ist es wichtig, was das Team mit dem Ball anfängt. Unnütze Ballbesitzphasen mit vielen Kontakten der eigenen Innenverteidiger führen nur selten zum Torerfolg. Deshalb waren „Tiefenläufe“ zuletzt immer wieder Thema, darin wolle die Mannschaft besser werden. Im „PwC Players Talk“ erklärte erst SGE-Talent Love Arrhov, wie wichtig diese seien, nach der Niederlage (1:2) in Mainz betonte auch Jonathan Burkardt das Verbesserungspotenzial. Dabei besitzt die Frankfurter Eintracht vor allem einen Spieler, der in den vergangenen Jahren genau durch solche Läufe glänzte. Während der Spielzeit 2024/25 schoss Hugo Larsson wettbewerbsübergreifend sechs Tore und legte zwei weitere vor. Unter Riera soll der 21-Jährige den Spielaufbau vor der absichernden Dreierkette leiten. Als tiefer Sechser hat der Schwede somit nur selten die Möglichkeit, sich nach vorne einzuschalten. Allerdings ist es nicht alleine Riera anzukreiden, dass Larsson die tiefere Rolle bekleiden muss. Der Verein sah in der vergangenen Wintertransferperiode weiter keinen Bedarf, einen defensiven Mittelfeldspieler zu verpflichten. Und das, obwohl Ellyes Skhiri in der Hinrunde nicht vollumfänglich überzeugte und Oscar Højlund mit seinen 21 Jahren noch als ungeschliffenes Talent gilt.
Kaderumbruch im Sommer zeichnet sich ab
So käme die Verpflichtung eines echten Sechsers im Sommer nicht überraschend. “Da sind ein paar Sachen, die ich euch [den Medienvertretern; Anm. d. Red.] nicht sagen kann. Diese Sachen muss ich mit meinem Sportdirektor und dem Verein besprechen. Ich weiß aber genau, wo das Problem liegt und wie ich es lösen muss. Ich werde das machen. Da geht es um Entscheidungen, schwierige Entscheidungen, weil ich weiß, was ich will und wie ich es will. Jetzt ist aber nicht der Moment dafür, der ist am Ende der Saison”, deutete Riera nach dem Mainz-Spiel an, mit der Kaderzusammensetzung nicht zufrieden zu sein. Ohnehin scheint die Eintracht ihre Zentrale umbauen zu wollen. Kürzlich berichtete der “kicker”, dass Ellyes Skhiri und Hugo Larsson den Verein im Sommer verlassen könnten. Ebenfalls gelten Farés Chaibi und Dahoud (Vertrag läuft aus) als Abgangskandidaten. Mindestens im Mittelfeld könnte es also große Veränderungen geben. Weitere Transfers sind wahrscheinlich.
Viele Experimente – nicht alle gingen auf
Im eigenen Ballbesitz wird Larsson in der Zentrale häufig von Nathaniel Brown unterstützt. Seit der Ankunft von Riera rückt der gelernte Linksverteidiger ins zentrale Mittelfeld, soll dort mit seinen Stärken helfen. Die neue Rolle passt gut zum deutschen Nationalspieler, schon drei Tore erzielte Brown seit Riera Trainer ist. “Ich liebe es einfach, wenn Spieler auf mehreren Positionen spielen können. Und es ist meine Verantwortung, sie besser zu machen”, sagte der Coach unlängst. Kein Wunder also, dass der Spanier weitere Spieler auf fremden Positionen ausprobierte, sie teilweise im laufenden Spiel veränderte: Etwa Ritsu Doan auf der Zehn, Arnaud Kalimuendo auf Rechtsaußen, Mahmoud Dahoud als hängende Spitze oder Nnamdi Collins als Linksverteidiger. Doch diese Versuche liefen nicht alle so erfolgreich, wie bei Brown. “Mir raucht der Kopf”, gab beispielsweise Doan vor einigen Wochen wegen der vielen Positionswechsel zu. Der Japaner gilt als Verlierer seit dem Trainerwechsel, gelang ihm doch noch kein einziges Tor oder Vorarbeit.
Kommunikation sorgt für Diskussion
Die öffentlichen Aussagen des ehemaligen Celje-Coaches waren von Beginn an großes Thema bei der Eintracht. Fans und Medien staunten nicht schlecht, als Riera Woche für Woche bei Pressekonferenzen Sprüche á la “Es geht nicht um Probleme, es geht um Lösungen”, „Wenn ich den Spielern sage, dass sie vom Balkon springen sollen, dann werden sie springen” oder “Ich glaube daran, dass meine Teams eine Show zeigen” klopfte. Der 43-Jährige scheint bei seinen ausführlichen, bildsprachlichen Antworten stets vor Selbstbewusstsein zu strotzen. Aus seiner Vergangenheit eilte ihm gar der Ruf der Arroganz voraus. Schienen die großen Ankündigungen anfangs noch Taktik zu sein, um Fokus und Druck von der Mannschaft zu lenken, irritierte die Kommunikation des Trainers zuletzt zunehmend. Nach dem Spiel in Mainz sorgte eine Reihe von Aussagen für Diskussionen. Bereits ein emotionaler, siebenminütiger Monolog zu Beginn der Pressekonferenz vor der Partie gegen die Rheinhessen überraschte. Ganz gleich, ob die teils ungewöhnliche Kommunikation des Spaniers Taktik ist, einfach sein Stil ist oder auch mit der Sprachbarriere zu tun haben könnte, langweilig wird es wohl nicht.
Hierarchie existiert nur auf dem Papier
SGE4EVER.de berichtete kürzlich über die Gewinner und Verlierer unter Riera. Nur einen Spieltag später kam es zur Kader-Ausbootung von Mario Götze. Zum Auswärtsspiel nach Mainz durfte der 33-Jährige demnach nicht mitfahren. Eine Entscheidung, die im Umfeld der Eintracht heiß diskutiert wurde. Zuvor ernannte Riera den Kreativspieler noch zum zweiten Kapitän seines sechsköpfigen Führungsspielerkreises. Anstelle von Götze durfte der 17-jährige Arrhov auf der Bank Platz nehmen. Der Schwede feierte beim 3:0-Sieg über Borussia Mönchengladbach unter Riera sein Debüt. Seither bekam er drei Kurzeinsätze. Unter dem 43-jährigen Cheftrainer scheinen keine Kadergarantien zu existieren. Die Tür für junge Spieler ist dagegen offen: Auch Collins, Auréle Amenda, Oscar Højlund, Jean-Matteo Bahoya und Ayoube Amaimouni-Echghouyab bekamen unter dem Spanier regelmäßig das Vertrauen.






5 Kommentare
Für mich ist AR authentisch. Ich habe sogar das Gefühl er unterscheidet sich von seiner Spielidee gar nicht mal so viel zu Dino. Beide haben / hatten anscheinend eine klare Philosophie wie es mit dem Ball zu laufen hat. Und beide hatten auch das selbe Leid... nämlich machen wir hintern Dicht, geht vorne nix mehr.
Einziger Unterschied AR spricht es mehr oder weniger direkt an.
Ob ihn das nun ehr zum Pulverfass oder sympathischer macht, sei dahin gestellt.
Ich denke aber es ist legitim von ihm, denn er scheint nicht wie einer der es mag sich auf der Nase rumtanzen zu lassen. Glasner war ein ähnlicher Typ.
Du holst einen Trainer der Feuer hat welcher die Mannschaft bilden soll um wieder in die Erfolgsspur zu gelangen, was erwartet man also von ihm? Ein Jasager der einfach bei den selben auftretenden Problemen immer so weiter macht?
Alos ich halte seine Aussage für korrekt, bzw. kaufe sie ihm ab und stimme ihm zu.
Es muss und wird hoffentlich etwas passieren im Sommer und es riecht nach extremen Umbau.
Ein "extremer Umbau" aufgrund des sich bereits anbahnenden Umbruchs mit den notorischen Transfers ist sehr wahrscheinlich, ja.
Aber rein sportlich überhaupt nicht zwingend. Die Defizite bzw. die Positionen, wo personelle bzw. qualitative Upgrades anstehen, sind offenkundig: Es werden v.a. defensiv und zentral mindestens 2 Fussballer mit nem prallen Portfolio - nicht zuletzt mit herausragenden Führungsqualitäten benötigt. Das könnte die Truppe enorm aufwerten, ohne dass die Hälfte des aktuellen Kaders abgehen muss.
Ich gehe davon aus, dass AR das sehr ähnlich sieht. Und btw. würde mich schon arg interessieren, ob bzw. inwiefern er sich bereits zu Krösches Diktum: "Wir brauchen keinen 6er!" geäußert hat.
Ja. Wenn man ein paar Charakterspieler an Bord hat, ziehen die wiederum die anderen mit, die aktuell nicht performen. Jeder der mal Fußball gespielt hat, weiß wie wichtig es ist, Mitspieler an der Seite zu haben, die dich pushen und sich komplett für die Mannschaft und den Erfolg aufopfern. Das setzt Kräfte frei.
Ich weis was du meinst und stimme dir zu.
Jedoch hab ich das Gefühl das es mehrere Positionen betrifft als wir erahnen/vermuten.
Den DM Positionen stimmt vermutlich jeder zu.
Vermute aber auch die IV in der Pflicht zu sehen. Gar nicht mal unbedingt im defensiven verhalten, sondern viel mehr im offensiven, Stichwort Passspiel .
Könnte mir vorstellen Dino und Albert kotzen ein weinig ab im Aufbau. Mal ein flacher gescheiter Pass welcher in eine Schnittstelle kommt und / oder evtl 2 Ketten überspielt ist bei uns einfach Mangelware. Und bei einem Versuch leider zu oft ungenau, dadurch abgefangen und somit ein Konter initiiert. Ergo wird immer schön außen rumgespielt. Kostet Zeit und der Gegner steht wieder easy mit allem was er hat hinten drin. Unser Effekt der schnellen Spieler (welche wir unumstritten haben) verpufft einfach.
Wir hatten mal einen Hase der hat diesen Pass gehabt. Und mit Abstrichen war auch Tuta so einer.
Aber weder bei Koch, Collins, Amanda, noch Theate (dieser hat aber wenigstens nen guten Antritt an der ersten Kette vorbeizusprinten) sehe ich hier ein sicheren Spielaufbau mit Eröffnung im Passspiel
Und da sind wir beim nächten Punkt. Lassen wir unsere Abwehr so, brauchen wir gar nicht zwangsläufig diese extremen schnellen Spieler sondern vermutlich ehr 1gg1 Spieler die den Gegner in nem offensiven Dribbling einfach mal stehen lassen. Da fällt mir ehrlich weise nur Uzun und Doan und unsere neuer Jupp positiv auf. Aber die 3 gegen alle 10 Verteidiger?
Und daher denke ich es wird ein riesen Umbruch. Denn wir brauchen eigentlich beide Spielertyparten . Einmal für tiefe "schlechtere" und offensive "bessere" Mannschaften.
Wir haben sehr wohl einige Charaktere mit Meriten: Artur, Robin, Jonny, Zetti, Mario und natürlich Rasmus... Aber nach Hases und Seppels Ausscheiden sind keine echten Anführer mehr nachgerückt. Und wenn die sich nicht intern entwickeln, müssen sie wohl geholt werden.
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