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Marks Krösche will den mit der SGE eingeschlagenen Weg weitergehen. Foto: IMAGO / Jan Huebner

Markus Krösche über Transfers, Marktveränderungen und den Eintracht-Weg

Sportvorstand Markus Krösche hat die Entwicklung von Eintracht Frankfurt in den vergangenen Jahren maßgeblich geprägt – und dabei ein Geschäftsmodell etabliert, das in ganz Europa Aufmerksamkeit erregt. Im Interview mit der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ spricht er über die Rolle der Eintracht als „Verkäuferklub“, den immer härter werdenden Transfermarkt und die Herausforderung, sportlichen Erfolg mit wirtschaftlicher Realität zu vereinen.

Krösche ordnet die eigene Position zunächst nüchtern ein: „80 Prozent der Profiklubs sind heute Verkäuferklubs.“ Auch die Eintracht sei Teil dieser Entwicklung, wenngleich mit besonderem Erfolg. „Es ist sicherlich außergewöhnlich, wie viele Transfererlöse wir in den vergangenen Wechselperioden erwirtschaftet haben“, sagt er mit Blick auf Transfers von Namen wie Kolo Muani, Jesper Lindström, Omar Marmoush oder Hugo Ektitiké. Dennoch betont er: „Es ist kein Modell, das nur auf uns gemünzt ist.“ Der Ansatz bleibt klar: „Wir müssen einen Mittelweg finden: sportlich erfolgreich sein, an die Top vier herankommen – und Spieler entwickeln, ihnen eine Plattform geben.“ Genau dieses Spannungsfeld beschreibt Krösche als zentrale Herausforderung. „Das hat in den vergangenen Jahren gut funktioniert.“

Dass andere Klubs versuchen, diesen Weg zu kopieren, ist für ihn längst Realität: „Man sieht Klubs, die versuchen, in den gleichen Wettbewerb zu kommen.“ Die Eintracht habe sich eine Nische erarbeitet: „Spieler zu finden, die noch nicht so viele Spielminuten, dafür umso mehr Potenzial haben.“ Doch diese Nische wird kleiner. „Der Markt hat sich verändert“, stellt Krösche fest und betont, dass die Konkurrenz hier größer geworden sei: „Viele Klubs müssen diesen Weg gehen.“ Aber nicht nur die Quantität der Klubs, sondern auch deren Qualität habe sich verändert, vor allem große Vereine greifen inzwischen ebenfalls nach denselben Talenten: „In den Kampf um junge Spieler sind viele große Klubs eingestiegen – Klubs, die normalerweise von uns kaufen.“ Zusätzlich verschärfen neue Strukturen den Wettbewerb, etwa sogenannte Multi-Club-Ownership-Modelle. „Sie sind deutlich aktiver und aggressiver im Markt“, erklärt Krösche und nennt konkrete Preisentwicklungen: „Ein ähnlicher Spieler, den wir früher für neun Millionen bekommen haben, wechselt heute für 22 Millionen.“

Trotz dieser Entwicklung sieht Krösche die Bundesliga keineswegs als reine Verkäuferliga. „Wir sind keine Ausbildungsliga“, betont er deutlich und verweist auf internationale Erfolge deutscher Klubs – wie zum Beispiel der SGE im Jahr 2022. Gleichzeitig fordert er ein Umdenken: „Wir müssen mehr deutsche Talente besser entwickeln und schneller am Markt sein.“ Die Realität des globalen Marktes bleibt jedoch bestehen. „Die besten Spieler der Bundesliga wechseln nach England“, sagt Krösche. Die Premier League sei mit ihrem Kapital „die größte Käuferliga der Welt“. Für ihn ist klar: „Wir müssen unsere Nische finden.“

Dabei bleibt seine persönliche Motivation unverändert: „Mir macht es Spaß, junge Spieler zu entwickeln.“ Gleichzeitig formuliert er auch einen Wunsch, der im modernen Fußball immer schwieriger wird: „Natürlich wünsche ich mir, wir könnten unsere besten Spieler behalten – dass sie zehn Jahre bei der Eintracht bleiben.“ Ein entscheidender Faktor im Transfergeschäft sind laut Krösche auch die Berater. „Auch dort sehen wir eine Konzentration“, erklärt er. Große Agenturen mit „bis zu 800 Spielern“ hätten erheblichen Einfluss. „Sie haben ein großes Wissen über Gehalts- und Prämienstrukturen aufgebaut.“ Die Machtverhältnisse im Fußball hätten sich ohnehin verschoben. „Spieler haben heute sehr viele Möglichkeiten“, sagt Krösche. Wechsel seien zur Normalität geworden. Dennoch widerspricht er der These, dass Identifikation verloren gehe: „Selbst Spieler, die kurz bei uns waren, haben eine hohe Identifikation mit der Eintracht aufgebaut.“ Gerade für einen Traditionsverein wie Frankfurt bleibt dieser Spagat eine Daueraufgabe. „Es ist wirklich ein Balanceakt“, gibt Krösche zu. „Mit unserem Ziel, regelmäßig international zu spielen, haben wir eine höhere Fluktuation.“ Dennoch versucht der Klub, eine stabile Achse zu schaffen: „Wir versuchen, einen Kern zu haben.“

Sportlich lief es zuletzt nicht immer rund. Krösche benennt die Gründe offen: „Wir spielen in dieser Saison keinen guten Fußball. Wir spielen nicht die Sterne vom Himmel.“ Auch Siege seien oft nicht überzeugend gewesen: „Selbst wenn wir gewinnen, sind es keine berauschenden Fußballfeste.“ Ein Faktor sei die Belastung junger Spieler gewesen. „Durch die vielen Verletzungen ist der Druck auf viele junge Spieler gestiegen.“ Zu viel Verantwortung könne die Entwicklung hemmen: „Das hatten wir in dieser Saison zu häufig.“ Den Trainerwechsel und die aktuelle Situation ordnet Krösche differenziert ein. Über Albert Riera sagt er: „Er polarisiert stark – aber es geht um Authentizität.“ Riera sei jemand, „der sagt, was er denkt“, und gleichzeitig eine klare Überzeugung habe: „Er ist überzeugt von dem, was er tut.“ Es gehe ihm unter Riera um Entwicklung: „Wir bewerten, wie wir Fußball spielen und wie sich die Mannschaft weiterentwickelt.“

Die Qualifikation für Europa bleibt dennoch ein Ziel. „Unser Ziel bleibt es, uns für das internationale Geschäft zu qualifizieren.“ Doch auch hier bleibt die wirtschaftliche Realität bestehen: „Wir müssen auf dem Weg immer Transfererlöse erwirtschaften.“ Zum Abschluss blickt Krösche auch auf seine eigene Entwicklung – und die des Vereins. „Eintracht Frankfurt und ich sind gemeinsam zusammengewachsen“, sagt er. Die vergangenen Jahre beschreibt er als „außergewöhnliche Reise“ mit Europa-League-Sieg, Pokalfinale und Champions League.

Und trotz aller Herausforderungen ist für ihn klar: Der Weg ist noch lange nicht zu Ende.

4 Kommentare

Fallback Avatar 1. hovawart 31. März 26, 17:16 Uhr

Als Dauerkarteninhaber kann ich es nicht mehr hören -wir müssen immer Transfererlöse erzielen und machen damit jedes Jahr die Mannschaft schwächer - der Verein hat mehr als 140.000 Mitglieder und soweit mir bekannt ist 35.000 Dauerkarteninhaber. Auch haben sich der Erlöse was Fernsehgelder angeht gesteigert und dann kommen die Ausführung von den Bossen wir müssen Spieler verkaufen.
Es muss doch auch in Frankfurt mal möglich sein eine Mannschaf zusammenzuhalten oder?

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Fallback Avatar 2. Jay-Jay83 31. März 26, 18:34 Uhr Zitat - hovawart Als Dauerkarteninhaber kann ich es nicht mehr hören -wir müssen immer Transfererlöse erzielen und machen damit jedes Jahr die Mannschaft schwächer - der Verein hat mehr als 140.000 Mitglieder und soweit mir bekannt ist 35.000 Dauerkarteninhaber. Auch haben sich der Erlöse was Fernsehgelder angeht gesteigert und dann kommen die Ausführung von den Bossen wir müssen Spieler verkaufen. Es muss doch auch in Frankfurt mal möglich sein eine Mannschaf zusammenzuhalten oder? Path

Ich kann das Gejammer auch nicht mehr hören. Sobald Spieler stark spielen, kommen prestigeträchtigere Vereine mit mehr Geld und werben diese ab - wenn das regelmäßig selbst Titelträgern in den Ligen Portugals, Hollands, Belgien etc. so geht, warum sollte es bei uns anders sein?
Wie erklärt man einem Spieler, dass er nicht 10 Mio Jahresgehalt in der Premier League kassieren, sondern 2 weitere Jahre für 2,5 Mio jährlich hier bleiben wird, ohne dass sich das auf dessen Motivation auswirkt?

Gurkige Spieler bleiben länger, halten einem aber nicht unbedingt die Klasse - man muss halt wissen, was man will.

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Fallback Avatar 3. ceterum censeo 31. März 26, 18:34 Uhr

@1 Wenn uns Spieler verlassen, kommen dafuer aber auch neue, meist spannende Spieler. Ein geiler Kicker wie Ekitike etwa hat uns verlassen, dafuer kamen die anders, doch ebenfalls geilen Kicker Burkardt, Ebnoutalib, Kalimuendo. Ich faende es jedoch auch sehr wuenschenswert, wenn von uns entwickelte Juwelen nicht nur ein oder eineinhalb Jahre blieben, sondern wenigstens zwei.

Zu Kroesche: Moege er uns mit seinem smarten Pragmatismus noch lange erhalten bleiben. Fuer mich liegt der Strategiewechsel der Eintracht auf der Hand: Wenn die Talente auch aus kleineren Ligen immer teurer werden, sollten halt moeglichst eigene Talente entwickelt werden. Stichwort Baum, Bekir Is, Staff, Dills, Ilicevic und all die anderen.

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Avatar 4. la bestia blanca 31. März 26, 20:14 Uhr Zitat - hovawart Als Dauerkarteninhaber kann ich es nicht mehr hören -wir müssen immer Transfererlöse erzielen und machen damit jedes Jahr die Mannschaft schwächer - der Verein hat mehr als 140.000 Mitglieder und soweit mir bekannt ist 35.000 Dauerkarteninhaber. Auch haben sich der Erlöse was Fernsehgelder angeht gesteigert und dann kommen die Ausführung von den Bossen wir müssen Spieler verkaufen. Es muss doch auch in Frankfurt mal möglich sein eine Mannschaf zusammenzuhalten oder? Path

Ich kann dein Unverständnis und Unmut durchaus teilen.

Die Frage ist doch berechtigt, wie lange und vor allem warum wir jedes Jahr trotz 100+ Mios. Transfereinnahmen inkl. Einnahmen aus internationalen Geschäft, erneut zum zweiten Jahr nacheinander rote Zahlen schreiben.

Vor zehn Jahren haben wir nie Erlöse in der Summe erzielt und dennoch gesund mit gewirtschaftet.

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