Selbes Ergebnis, anderer Wettbewerb, anderer Schauplatz. Innerhalb von sechs Tagen gewinnt die Eintracht zweimal mit 3:1 gegen den Hamburger SV. Nach der 0:6-Blamage in Leipzig scheint die SGE also langsam das Ruder herumzureißen: Drei Siege und eine knappe Niederlage in Dortmund aus den darauffolgenden vier Spielen sind Anzeichen dafür. Doch nicht nur die Ergebnisse zeugen vom Aufwärtstrend, auch die Spielweise zeigt die Frankfurter Entwicklung. Cheftrainer Adi Hütter sah in der zweiten Hamburg-Partie einerseits einen „verdienten und wichtigen Sieg“, andererseits eine „in vielen Phasen gute Leistung“.
Dabei war wie schon im Pokal unter der Woche eine deutliche Leistungssteigerung im Anschluss an die Halbzeitpause zu sehen, nachdem es bis dahin 1:1 gestanden hatte. Die erneute Führung erzielten die Hessen dann nach einer Ecke durch einen Abstauber von Raphael Onyedika (47.) und stellten so früh nach der Pause die Weichen auf einen Heimsieg. „Rund 30 Prozent der Spiele werden durch Standards entschieden. Durch eine solche haben wir das Spiel in unsere Richtung gezogen“, wusste Hütter. In dieser Saison ist es bereits das vierte Standardtor. Zum Vergleich: In der gesamten letzten Ligasaison waren es zehn.
Hütters Mannschaft soll unangenehm und unbequem spielen
Das Tor sollte die Gastgeber wahrlich beflügeln. Für Hütter war der Fußball, den sein Team im zweiten Abschnitt aufbot, einer, „mit dem ich mich sehr gut anfreunden kann“. „Ich glaube, auch die Zuschauer hatten Spaß zuzuschauen“, sagte Hütter im Nachgang. Das ist im Umfeld des Vereins durchaus zu spüren. Die in der letzten Saison oft vermisste Intensität und der begeisternde Offensivfußball scheinen mit dem Österreicher allmählich zurückzukehren. Hütter formulierte seine Vorstellung davon deutlich, wie die SGE unter ihm auftreten sollte: „Ich habe immer gesagt: Wir müssen unbequemer, unangenehmer werden. Ein bisschen schön zu kicken und die Punkte nicht einzufahren, geht nicht. Das passt nicht zu diesem Klub.“ Man komme diesen Zielen ein Stück weit näher, sei aber noch lange nicht da, wo der Trainer selbst den Verein sehen wolle. Er bilanzierte: „Es wird immer mal kleine Dellen geben. Aber wir sind viel stabiler, als wir vor einigen Wochen noch waren.“ Insbesondere tabellarisch müsse man aufpassen, weil alles dicht beisammen liege, mahnte Hütter. Immerhin kletterten die Frankfurter mit dem Sieg über den HSV prompt von Platz 16 auf Platz 8.
Gesichter des Aufschwungs sind speziell auch Can Uzun und Farés Chaibi. Über die beiden Mittelfeldspieler liefen viele Angriffe. Dabei war Uzun am ersten und dritten Tor der Eintracht maßgeblich beteiligt und arbeitete auch nach hinten. Sonderlob für den immer wieder heiß diskutierten Türken, dem der Trainer zuvor auch schonmal öffentlich einen Denkzettel verpasste, gab es im Nachgang: „Wenn ich sehe, wie er rackert und arbeitet für die Mannschaft, dann sind wir auf dem richtigen Weg.“ Für einige überraschend dürfte gewesen sein, dass Jonathan Burkardt – am Dienstag noch mit Tor und Vorlage – vorerst auf der Bank Platz nehmen musste. Für Hütter handelte es sich aufgrund der Belastung durch drei Spiele innerhalb einer Woche um eine strategische Entscheidung. Außerdem zeige das, wie gut man aufgestellt sei.
Ilicevic schreibt Geschichte: „Mehr gezeigt, als man erwarten kann“
Ein ähnlich großes Thema wie der wichtige Heimsieg selbst ist nun die Einwechslung eines Teenagers in der dritten Minute der Nachspielzeit. Denn Niko Ilicevic feierte sein Profidebüt. Einen Tag nach seinem 16. Geburtstag stand das gehypte Eigengewächs erstmals im Deutsche Bank Park auf dem Feld. Damit schreibt Ilicevic nicht nur bei der Eintracht Geschichte, sondern auch im gesamten deutschen Fußball. Mit dem ehemaligen Dortmunder Youssoufa Moukoko teilt er sich nun den Rekord als jüngster jemals eingesetzter Bundesliga-Spieler.
Dass die Einwechslung Ilicevics nicht nur für den Rekord vorgenommen wurde, zeigte der Jungadler im Anschluss. Hütter schwärmte: „Er hat in diesen sechs bis sieben Minuten weit mehr gezeigt, als man erwarten kann. Das war schon außergewöhnlich.“ Als Klub und Trainer gehe es nun darum, mit Ilicevic behutsam umzugehen und auf ihn aufzupassen, damit er eine gute Entwicklung nehmen könne. Das betonte Hütter mehrmals – wohl auch wegen des Medienrummels, der um den Nachwuchsstar herrscht. Zusätzlich gab er bekannt, dass Ilicevic auch regelmäßig bei der U21 zum Einsatz kommen werde, um die für die Entwicklung so wichtige Spielpraxis im Herrenbereich zu sammeln.
Es passt zu dem Weg, den der hessische Bundesligist einschlagen will. Der eigene Nachwuchs wird in Frankfurt wichtiger. Das sagten Vereinspräsident Mathias Beck und Vorstandsvorsitzender Axel Hellmann unlängst auf der Mitgliederversammlung. Die Durchlässigkeit zwischen Nachwuchsleistungszentrum und den Profis soll größer werden. „Für den Nachwuchs ist es wichtig, dass die Jungs sehen, dass mit Talent und harter Arbeit die Chance da ist, sich für die erste Mannschaft zu zeigen. Das freut mich für den Klub und das wird der Weg der Zukunft sein“, gab Hütter an. Spieler wie Elias Baum, Jeremiaha Maluze und nun eben Ilicevic zeigen allen im Verein, dass es möglich ist. Der Rekord passt in den aktuellen Trend nach oben.






8 Kommentare
Es geht in die richtige Richtung und die Stimmung geht weiter aufwärts. Hütter bekommt die Spieler langsam dort hin, wo er sie sehen möchte und ist dafür immer wieder bereit unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Er hat die Autorität und die Erfahrung um die Spieler und die Mannschaft damit besser zu machen. Das war nach der Transferperiode nicht absehbar und erwartbar. Der Sprung gestern in der Tabelle war da ein großer Schritt in die richtige Richtung!
Woher kommt eigentlich dieser neue Hype um die 069 Mentalität und wie ist der Entstanden? Wenn es hilft und der Identifikation nützt eine gute Sache. Warum Offenbach und Frankfurt die gleiche Vorwahl haben müssen, ist da etwas ärgerlich... 😉
Die zweite Halbzeit gegen den HSV war für ich die bisher überzeugendste. Hinten über weite Strecken stabil, im Spiel nach vorne sind eingespielte Abläufe sichtbar und nach Ballverlusten wurde schnell und mit guten Abständen zwischen den Mannschaftsteilen ins Gegenpressing gegangen. Darauf lässt sich aufbauen.
Wir haben jetzt die ersten acht Spieltage hinter uns und damit ist auch die Zeit gekommen, in der ich erwarte, dass Hütter Lösungen präsentiert und man seine Handschrift zunehmend erkennen kann - das scheint der Fall.
Jetzt gilt es, diese Leistung in den nächsten Wochen zu bestätigen. Ich erwarte nicht, dass wir jetzt jedes Spiel gewinnen, aber wir spielen bis zu den Weihnachtsferien gegen keine übermächtigen Gegner mehr, daher könnte man durchaus eine kleine Serie starten und damit nach hinten Puffer aufbauen und gleichzeitig die Lücke zu den EL-Plätzen schließen.
So ein bißchen OT, aber es beschäftigt mich gerade.
Die letzte Woche hat richtig Spaß gemacht. Erstaunlich, wie sich meine Stimmung so stark zum Positiven entwickelt hat. Ich möchte aus einer erfrischenden Mannschaft 2 Spieler hervorheben.
Bei Ebnoutalib war ich immer hin und her gerissen. In manchen Spielen hat man ihn kaum gesehen und die Länderspiele waren eher mau. Ich habe mich gefragt, warum Klopp ihn SO sehr lobt. Mittlerweile finde ich den Jungen sehr besonders.
Diese Kaltschnäuzigkeit, die Bewegungen, die Ballannahmen sind auf deutschem Mittelstürmerniveau nahezu einzigartig.
Durch seine einfache, SEHR sympatische Art hat die Bedeutung unbekümmert ein neues Level erreicht. Mit zunehmender Spielpraxis wird er eskalieren, da bin ich mir sicher.
Und da wäre noch Ilicevic. 5 Minuten gespielt und jeder hat gesehen, was da noch passieren wird. Wie soll man es schaffen, da keine waghalsigen Vergleiche zu ziehen? Ich bin bei sowas eher vorsichtig, aber vom Spielstil, NICHT von der Spielstärke erinnert er mich stark an die ein oder andere argentinische 10.
Ich weiß nicht, wie sein Vertragswerk aussieht, aber sollte es in hoffentlich ferner Zukunft zum Verkauf kommen, wird das eine neue Dimension für uns.
Ich bin gespannt auf die Entwicklung, besonders die der Beiden.
Ein gereifter Hütter führt unsere Eintracht
wieder in die Erfolgsspur zurück.
Kompetente Arbeit, pointierter Umgang mit Spielern und Situationen, zahlen sich aus, Schritt für Schritt. Es war einfach toll, wie wir gestern zu Torchancen kamen
(auch wenn einige aussichtsreiche Situationen nicht zu Ende gespielt wurden). Aber, trotzdem Klasse und wie gesagt "Schritt für Schritt".
endlich hat der Spielstil sich insofern geändert, als das Publikum auch wieder mitgeht, der langweilige Ballbesitz-Fussball der letzten Jahre ist sich gerade am wandeln, beim Kader wird man in der Winterpause oder im Sommer nachjustieren, aber die Einstellung stimmt und der Weg junge Talente einzubauen ist aus meiner Sicht positiv. Da kann man auch mal den ein oder anderen Rückschlag verzeihen, aber natürlich zählt am Ende der Erfolg, den man zumindest perspektivisch auch im Management im Auge hat. Ich hoffe, dass man mal dahin kommt, nicht jedes Talent nach kurzer Zeit wieder verkaufen zu müssen, aber das ist Zukunftsmusik. Erst mal weiter so!
Tolle Leistung von Niko Ilicevic; Gott sei Dank hat er aber kein Tor erzielt. Wer weiß, was dann auf den armen Jungen alles eingeprasselt wäre. So nimmt seine Entwicklung ohnehin schon
einen euphorischen Verlauf.
Ist das Glas nun halbvoll oder halbleer? Der Kader ist jedenfalls nicht soooo schlecht, wie er zum Teil gemacht wurde. Onyedika und Aseko haben mich am Sonntag also Duo zum ersten Mal abgeholt. Aseko finde ich eh klasse – aber diesmal haben sie auch als Duo die Räume eng bekommen und waren oft nah am Mann (bei Hojlund/Larrson eine Katastrophe!). Zudem haben wir auf fast allen Positionen Alternativen und einzelne Sorgenkinder scheinen sich zu stabilisieren. Gut. Jetzt werden die Spiele gegen Paderborn, Hoffenheim, Stuttgart, Bremen und Gladbach zeigen, ob wir berechtigte Hoffnung auf Platz 5/6 haben können. 10 Punkte werden das wohl schon mindestens werden müssen bis Weihnachten (mit Abschluß in Leverkusen – traumhaft :-/ ).
Mal sehen, was uns Axel unter den Baum legt. Eine variable Defensivkraft sollte uns noch gut tun!
Die hat Basti Red ins Leben gerufen bei Fußball 2000 ;-)
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