Reinhold Backes aus Belgien ist großer Eintracht-Fan. (Bild: privat/Reinhold Backes)

Reinhold Backes machte nicht nur innerlich Freudensprünge, als der Frankfurter Eintracht für die diesjährige Gruppenphase der Europa League Standard Lüttich zugelost wurde. Backes kommt ganz aus der Nähe der belgischen Stadt – und ist glühender Eintracht-Fan. Der 63-Jährige war in seiner ostbelgischen Heimat lange der einzige SGE-Anhänger weit und breit. Doch inzwischen gibt es mehrere Belgier, die es mit den Adlerträgern halten. Und nicht nur deswegen ist das Rückspiel gegen Standard Lüttich am morgigen Donnerstag ein richtiger Feiertag für Backes. Einziger Wermutstropfen: Aufgrund der UEFA-Sperre für die Frankfurter Fans kann Backes nicht mit seinen Freunden aus Hessen zu dem Spiel.

Für SGE4EVER.de hat er mal aufgeschrieben, wie er überhaupt zum SGE-Fan wurde und was seine bisherigen Highlights mit der Eintracht waren.

Wie man in Belgien SGE-Fan wird

Richtig Fan bin ich seit rund 20 Jahren – SGE-Sympathisant seit meiner Kindheit. Als Kind las ich ein Buch in dem ein Jugendlicher sein Glück in der SGE Jugendabteilung fand und seitdem informierte ich mich intensiv über die Eintracht. Die Informationsquellen Zeitschriften, Radio und hin und wieder eine kurze Zusammenfassung in der Sportschau oder Sportstudio. Erst viel später konnte man in gewissen Kneipen dank Sky regelmäßig Spiele verfolgen. Da ich sportlich, neben meinem Job, sehr eingebunden war, war es mir nie möglich ins Stadion zu fahren. Erst als ich meine sportliche Karriere als Volleyballspieler und dann Trainer im Jahre 2005 beendete, hatte ich endlich Zeit für andere schöne Dinge im Leben. Freizeit, Laufen Tennis, Fahrrad fahren und natürlich Eintracht Frankfurt live im Stadion schauen gehen.

In Ostbelgien ist man in der Regel eigentlich Fan von Köln, Gladbach, Schalke, Dortmund, Bayern oder dem HSV. Unter anderem, weil in diesen Klubs in der Vergangenheit mehrere Belgier spielten. Aber hier ist man normalerweise nicht SGE-Fan – ich war Jahre lang der Einzige. Nach und nach lernte ich aber weitere Eintracht-Frankfurt-Sympathisanten kennen und gründete mit ihnen im vergangenen Jahr eine kleine Fangemeinschaft.

Das erste Spiel live im Waldstadion

Auf seinen Reisen mit der Eintracht hat Reinhold schon viele SGE-Größen getroffen. In Straßburg ergatterte er dieses Bild mit Eintracht-Präsident Peter Fischer. (Bild: privat/Reinhold Backes)

Im Jahre 2007 war es dann endlich soweit: Ich hatte die Gelegenheit mit dem „HSV-Fanclub Ostbelgien“ nach Frankfurt zu fahren, um dort – wohl bemerkt im Gästeblock – erstmals die Eintracht live zu erleben. Die Anfahrt mit Bus von Belgien über Aachen, Köln nach Frankfurt dauerte fast fünf Stunden. Im Stadion angekommen war ich überwältigt, hatte Freudentränen in den Augen als es los ging. Kaum Zeit, alle Eindrücke zu verarbeiten und schon schlug er bereits eiskalt zu – „der Fußballgott“ – in der 8 Minute hieß es 1:0. Ich flippte total aus, brüllte und schrie meine ganze Freude durch die Tribüne … Bis mein HSV-Kumpel mich energisch zurück pfiff und mir erklärte, dass ich mich im Gästeblock befinde und da doch lieber nicht so ausgiebig jubeln sollte. Ok … war ja klar! Ich beruhigte mich, genoss das Spiel und war natürlich total geschockt als Rafael Van der Vaart in der 82. Minute den Ausgleich erzielte. Doch es dauerte nur fünf Minuten und schon wieder schlug Alex Meier zu, sicherte damit der SGE in der 87. Minute die drei Punkte und schenkte mir und meiner Frau Myriam unsern ersten Eintracht-Sieg live im Stadion. Es war ein wunderbares Erlebnis. Aber diese lange Fahrt, insgesamt zehn Stunden, hat mir dann etwas den Mut genommen, regelmäßig nach Frankfurt zu fahren.

Irgendwann wollten wir dann aber nochmal hin, fuhren dann mit dem PKW ab Frankfurt Hahn nur knapp 2,5 Stunden bis Frankfurt. Das ist ja gar nicht so weit und seitdem sind wir dann öfters nach Frankfurt gefahren, haben auch oft da übernachtet und so die Stadt kennengelernt. Spiele in Frankfurt zu schauen, war und ist aber nicht so einfach, denn ohne an einem Fanclub angeschlossen zu sein, musste ich das immer lange im Voraus planen, da das Stadion sehr oft schnell ausverkauft war. Als die Eintracht dann überraschend abgestiegen war wurde es für uns etwas einfacherer, Tickets zu bekommen und wir konnten somit öfters ins Stadion. Manchmal war es auch einfacher, auswärts Karten zu ergattern.

Beim Aufstieg in Aachen hautnah dabei

So habe ich mir zum Beispiel für den 23. April 2012 im nahe gelegenen Aachen Karten besorgt. Es war der 32. Spieltag und die SGE konnte mit einem Sieg in Aachen den zweiten Platz in der 2. Liga sichern und so den Wiederaufstieg in die Bundesliga klar machen. Zweimal Idrissou kurz vor und direkt nach der Halbzeitpause sowie ein Eigentor bescherten den Frankfurtern den so erhofften Sieg und somit den Aufstieg in die Bundesliga. Ich sehe mich heute noch im Stadion stehen. Ein neutraler Freund hatte mich zum Spiel begleitet. Ich in kompletter SGE-Montur ganz alleine in schwarz-weiß-rot unter den schwarz-gelben Aachener. Ich muss schon ganz schön aufgefallen sein, denn das Spiel hatte noch nicht begonnen und schon wurde ich vom Sicherheitsdienst aussortiert 😉 Nein, ich wurde freundlich gebeten mit in den Frankfurter Block zu gehen, das haben ich und mein Freund dann auch gerne gemacht, so konnte ich den wichtigen Sieg mit den SGE-Fans feiern. Leider zogen dann kurz vor Schluss ein paar Hundertschaften Polizisten ins Stadion, was die Stimmung auf den Rängen ganz schön anheizte und eine freundliche Aufstiegsfeier der SGE-Fans verhinderte. Schade, es hätte ein schönes Fest sein können!

Inzwischen hat sich in Ostbelgien eine kleine SGE-Fangruppe gefunden, die regelmäßig die Spiele zusammen schaut. (Bild: privat/Reinhold Backes)

Ich schaffte es also regelmäßig, meine Eintracht live im Stadion zu sehen. Sowohl auswärts als auch zuhause. Beim Pokalfinale gegen die Bayern 2019 konnte ich aus familiären Gründen dann aber leider nicht dabei sein. Meine Frau und ich mussten zu einer Goldenen Hochzeit. Während des Festes verfolgte ich das Spiel über Live-Ticker. Die ersten Kommentare waren nicht sehr erfreulich, man sprach nur von Torchancen der Bayern. Dann las ich – Tooooooor – und dachte „Sch…eibenkleister. Schon so früh in Rückstand!“ Doch einige Sekunden später stand im Ticker: „Tooor durch Rebic“. Ich schreie auf, die Gesellschaft zuckt zusammen und ich hatte die Ehre, alle anwesenden Bayernfans -und es waren nicht wenige – in einen kleinen Schock zu versetzen. Ich hielt es nicht mehr aus, bin dann für die zweite Halbzeit eine Kneipe suchen gegangen und habe dort mit meiner Frau diese grandiose, spannende und unbeschreiblich schöne zweite Halbzeit mit ein paar fremden Fußballfans geschaut, genossen und gefeiert. Nie werde ich diese Momente vergessen. Diese „kein Elfmeter- Entscheidung“. Und dann dieser grandiose Konter von Gacinovic, wo die gesamte Reservebank und der Betreuerstab mit ihm zum Tor lief, um diesen Ball in die Maschen zu versenken! Etwas Unglaubliches war geschehen. Die endgültige Geburt einer neuen SGE. Einer SGE der größeren Möglichkeiten. Ganz früh morgens fuhren wir am nächsten Tag zum Römer. Zum Glück waren wir früh unterwegs und schafften es noch auf den Römer, denn gegen Mittag wurde der Platz zugemacht. Unglaublich viele Fans waren gekommen, um die Mannschaft zu empfangen und zu feiern. Ein unvergesslicher Tag!

Ein Heimspiel in einer VIP-Loge erlebt

Als Mitglied der SGE hatten wir es inzwischen leichter mit den Tickets und der nächste Schritt war nun die Europa League. Zunächst das Rückspiel gegen Rom, wieder mal grandiose Stimmung und dann ergatterte ich tatsächlich Tickets für Mailand. Kaum zu glauben, es lief! In Mailand wurde am Spieltag auch der Geburtstag von Peter Fischer gefeiert. Peter Fischer, mein Jahrgang, wir hatten das Mannschaftshotel besucht und Peter Fischer dort mit ein paar andern Fans ein Geburtstagsständchen gesungen. Ich habe viele Fotos gemacht mit Uwe Bein, Torwarttrainer Moppes Petz, David Abraham, Goncalo Paciencia, Sebastien Haller und dann kam die Gelegenheit, ein Foto mit dem Präsidenten meines Herzensvereins zu machen!

Fürs diesjährige Heimspiel gegen Düsseldorf gewann Reinhold mit Krombacher un SGE4EVER.de zwei VIP-Karten. (Bild: privat/Reinhold Backes)

Straßburg war auch ein Höhepunkt. Ich hatte mich um Karten bemüht, das ging aber nur über den RC Straßburg vor Ort. Also sind wir hingefahren und prompt bekam ich vier Tickets für mich und meine Frankfurter Freunde. Straßburg kennengelernt, Fan-Interview für Radio-Blue gemacht und dann per Zufall wieder Peter Fischer begegnet. Straßburg war ein schweres Spiel, gute Stimmung aber ein enttäuschendes Ergebnis und somit wurde für das Rückspiel ein verlängertes Wochenende in Frankfurt gebucht. Zuerst Revanche gegen Straßburg und dann noch die drei Punkte gegen Düsseldorf mitnehmen. Tickets hatte ich eigentlich schon. Doch dann entdeckte ich auf Facebook bei SGE4EVER.de ein Gewinnspiel. Zu gewinnen gab es zwei VIP-Tickets in der Krombacher VIP-Loge. Ich dachte mir, kannst ja immer mal mitspielen und siehe da – unter mehr als 4.000 Mitspielern gewinnt der Belgier die Tickets 😊  Ein tolles Erlebnis in der VIP-Loge direkt neben der Eintracht Loge, so nah dran war ich noch nie – ein Traum wurde wahr und ich möchte mich an dieser Stelle nochmals ganz herzlich bei André Eichhorn und seinem Team für diese Karten bedanken.

Der nächste Höhepunkt folgte kurze Zeit später. Denn die Auslosung zur diesjährigen Europa-League-Gruppenphase ergab zwei Spiele gegen Standard Lüttich (in Belgien bin ich RSC Anderlecht-Fan), die Hauptstadt meiner Provinz, nur 65 Kilometer von meinem Zuhause entfernt. In Frankfurt war ich dabei und mittlerweile habe ich auch Tickets für das Spiel in Lüttich.

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10 Kommentare

  1. Gude Reinhold, eine sehr schöne Geschichte.
    Du bist jederzeit wilkommen beim SGE Stammtisch im Frankfurter Haus.
    Uns viel Erfolg morgen!!!
    VG Paul

  2. Das schreibt ihr jetzt, da hätte er ja mal 5000 Karten für morgen bestellen können 😉

  3. Sehr schöner Bericht wo man schon beim mitlesen Gänsehaut bekommt! Eintracht Frankfurt International 🙂

  4. Toller Bericht, der sehr viel Spaß zu lesen macht und einen so ein wenig auch durch die vergangenen Zeiten der Eintracht führt.
    Gerne mehr, vielleicht finden sich auch englische Eintrachtfans oder sogar Portugiesen? Immer wieder schön zu lesen wie so etwas auch in anderen Ländern wahrgenommen wird.

  5. Ich bekomme noch immer jedes mal, wenn ich über das Pokalfinale lese Tränen in die Augen. Geht euch das auch so?

  6. Guimareas hat ein 1:1 gegen Arsenal geschafft.
    Damit sind die also Stand heute auch noch nicht ganz aus dem Rennen.

    Ein Auswärtssieg wäre da schon sehr hilfreich und beruhigend für uns.

    Team Reinhold!
    Forza SGE!

  7. Nicht nur hilfreich und beruhigend, dann wären wir definitiv schon weiter 🙂

    Team Reinhold!
    Forza SGE!

  8. @2 habe jetzt erst mal laut losgelacht – Euroadler, der war richtig gut.

    ansonsten ein großartiger Bericht mit herrlichen Gefühlseindrücken und Erinnerungen.
    Reinhold, mach weiter so – und winkt morgen schön in die Kamera 🙂 gell

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