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Adi Hütter zeigte sich froh darüber, dass er nochmal bei der SGE arbeitet. Foto: IMAGO / GEPA pictures

„Gefühl, als würde ich nach Hause kommen“: Emotionaler Hütter über seine Eintracht-Rückkehr

Adi Hütter fühlt sich bei seiner Rückkehr zu Eintracht Frankfurt, als wäre er nie wirklich weg gewesen. Das verriet er im Interview mit dem „Kicker“. Fünf Jahre nach seinem Abschied steht der Österreicher erneut an der Seitenlinie der Hessen – allerdings als ein Trainer, der nach eigener Einschätzung heute vieles anders bewertet als noch während seiner ersten Amtszeit. Im ausführlichen Gespräch blickte der 56-Jährige auf seine Entwicklung, seine Spielidee und die besondere emotionale Verbindung zur Eintracht.

„Ich habe das Gefühl, als wäre ich nie weg gewesen und würde nach Hause kommen“, beschreibt Hütter seine Rückkehr. Bereits während seiner ersten Amtszeit von 2018 bis 2021 sei ihm die Eintracht ans Herz gewachsen. Dass sich tatsächlich noch einmal die Möglichkeit ergeben würde, in Frankfurt zu arbeiten, sei trotzdem nicht selbstverständlich gewesen: „Dass ich jetzt wieder hier bin, freut mich extrem.“ Dabei kehrt Hütter mit deutlich mehr Erfahrung zurück. Als er 2018 erstmals in der Bundesliga antrat, habe er trotz zahlreicher vorheriger Trainerstationen großen Respekt verspürt: „Vor der Aufgabe bei diesem Verein, aber auch vor der Bundesliga.“ Schnell habe er jedoch gemerkt, dass seine Ideen auch in Deutschland funktionieren. „Relativ schnell merkte ich, dass ich auch in der Bundesliga als Trainer mitmischen kann. Das gab mir Mut und Selbstvertrauen“, so der Österreicher.

Seitdem kamen weitere Jahre in der Bundesliga und in Frankreich bei der AS Monaco hinzu. Eine Entwicklung sei deshalb selbstverständlich: „Wenn ich in vier Jahren Bundesliga und gut zwei Jahren Frankreich keine Entwicklung genommen hätte, wäre das ja furchtbar.“

Hütter: Heute auch als Mensch gereifter

Vor allem taktisch habe er sein Repertoire erweitert. Bei der AS Monaco musste seine Mannschaft häufiger gegen tiefstehende Gegner Lösungen finden und Spiele mit viel eigenem Ballbesitz gestalten. Am Grundgedanken seines Fußballs hat sich dennoch wenig verändert: „Im Kern bleibt es natürlich dabei, dass ich proaktiven, begeisternden Fußball sehen will, mit hoher Intensität, gepaart mit fußballerischer Qualität.“ Doch Hütter sieht nicht nur fachlich eine Entwicklung: „Ich denke, dass ich auch als Person weiter gereift bin.“ Gerade Fehler aus früheren Jahren hätten ihm geholfen: „Ich habe natürlich auch Dinge falsch gemacht in Situationen, auf die ich heute anders reagieren würde.“ Heute nehme er sich häufiger die Zeit, eine Situation zunächst zu bewerten.

Ein Beispiel dafür gab es bereits im Trainingslager in Grassau. Während einer Einheit seien seine Spieler körperlich sichtbar am Limit gewesen. Zunächst habe er versucht, die Intensität durch lautere Ansagen zu erhöhen. Als dies nicht funktionierte, entschied er sich jedoch für einen Abbruch. „Früher hätte ich wahrscheinlich versucht, die Einheit irgendwie durchzuboxen“, erklärt er. Diesmal zog Hütter einen anderen Schluss. Am nächsten Tag sei die Trainingsqualität dadurch umso höher gewesen. Für den Trainer ein Beispiel dafür, wie sich sein Umgang mit solchen Situationen verändert hat.

Keine unnötigen Champions-League-Forderungen

Auch bei der Zielsetzung möchte Hütter bewusst Maß halten. Ehrgeiz fehle ihm keineswegs: „Wer den Verein und mich kennt, weiß: Wir werden immer ambitioniert bleiben.“ Trotzdem hält er wenig davon, bereits vor dem ersten Spiel hohe Tabellenziele auszurufen: „Ich glaube aber, dass es ohne Not den Druck erhöht, wenn man jedes Mal von der Champions League spricht.“ Die Eintracht verfüge über eine junge Mannschaft mit großem Potenzial. Entscheidend sei zunächst, wieder eine klare Identität zu entwickeln: „In erster Linie besteht meine Aufgabe darin, der Mannschaft ein Gesicht mitzugeben, mit dem sich alle hier identifizieren können.“

Genau dieses Gesicht fehlte der Eintracht in der vergangenen Saison häufig. 83 Gegentreffer in allen Pflichtspielen sprechen eine deutliche Sprache. Hütter will vor allem wieder eine geschlossene Mannschaft sehen: „Wir müssen es schaffen, dass wir eine klare Einheit auf dem Platz sehen und ein klares Gesicht zeigen, wie wir Fußball spielen wollen.“ Dabei fordert er nicht nur offensive Aktivität, sondern gleichzeitig eine stabile Absicherung. „Wenn wir vorne mal keinen Zugriff haben, müssen wir als komplettes Team verteidigen“, sagte der 56-Jährige. Unter seinem Vorgänger wurde häufig mit klaren Mannorientierungen gearbeitet. Hütter möchte seine Mannschaft dagegen auch stärker raumorientiert verteidigen lassen. „Ich möchte, dass wir auch in der Raumdeckung verteidigen, ballorientiert verschieben und in der Abwehr immer Überzahl herstellen.“ Besonders wichtig sei Kompaktheit. „Wir dürfen uns nicht rausziehen lassen, brauchen in beide Richtungen Kompaktheit.“

Über allem steht für Hütter jedoch ein offensiver Grundgedanke: „Das übergeordnete Ziel ist, dass wir proaktiv Fußball spielen.“ Die Fans sollen dabei jederzeit erkennen, mit welcher Haltung die Mannschaft auftritt: „Die Leute sollen spüren, dass diese Mannschaft immer gewinnen will.“

„Ein System spielt keinen Fußball“

Über einzelne Grundordnungen möchte Hütter seinen Fußball nicht definieren. Zwar setzte er in der Vorbereitung häufig auf ein 4-2-2-2, grundsätzlich hält er die Diskussion um Formationen aber für überschätzt: „Viele glauben, dass ein 4-2-2-2 oder 4-2-3-1 das Spiel gewinnt. Absoluter Blödsinn.“ Formationen seien häufig nur in bestimmten Momenten klar zu erkennen. Entscheidend sei etwas anderes: „Mir geht es um die Spielanlage. Wie wollen wir spielen? Ein System spielt keinen Fußball.“ Flexibilität sei deshalb eine der wichtigsten Eigenschaften eines Trainers. Hütter erinnerte daran, wie er bereits während seiner ersten Amtszeit zwischen Dreier- und Viererkette wechselte: „Man muss einfach flexibel bleiben. Das ist für mich das A und O als Trainer.“

Dabei gehe es nicht darum, ständig alles umzuwerfen. Ein Trainer müsse aber erkennen, wann eine Idee nicht mehr funktioniert: „Es bringt nichts zu sagen, das System ist super, wenn wir jedes Spiel verlieren.“ Die entscheidende Qualität liege darin, den richtigen Moment für Veränderungen zu erkennen und jeden Spieler möglichst auf dessen idealer Position einzusetzen.

Doan rückt ins Zentrum

Ein aktuelles Beispiel dafür ist Ritsu Doan. Der Japaner spielte bislang überwiegend auf dem rechten Flügel, Hütter zieht ihn nun im 4-2-2-2 stärker ins Zentrum. Dass dies funktionieren würde, hätten viele außerhalb des Klubs bezweifelt: „Ich sagte: Schauen wir mal, ob er das nicht doch spielt.“ Die ersten Eindrücke bestätigen den Trainer. „Er spielt es sogar richtig gut.“ Doan kenne eine ähnliche Rolle bereits aus seiner Zeit bei PSV Eindhoven unter Roger Schmidt.

Hütters Idee dahinter: „Wir wollen eben, dass die Zehner mehr in die Halbräume kommen, die Pockets, wie ich gerne sage, und dass die Außenverteidiger ein bisschen höher gehen.“ Dadurch entstehen im Zentrum mehrere offensive Anspielstationen. Für gegnerische Sechser und Innenverteidiger soll das möglichst unangenehm werden.

Spanien als Vorbild

Inspiration zog Hütter zuletzt auch aus der Weltmeisterschaft. Besonders Weltmeister Spanien habe ihn beeindruckt. „Sie waren kompakt und versuchten dabei immer hochzustehen, nach Ballverlusten direkt ins Gegenpressing zu kommen“, erklärte er.  Entscheidend sei dabei nicht nur das aggressive Pressing gewesen. Wenn die erste Linie überspielt wurde, habe die gesamte Mannschaft schnell reagiert: „Acht, neun Mann waren blitzschnell direkt wieder hinterm Ball und verteidigten gemeinsam das eigene Tor.“ Auch mit Ball imponierte ihm die spanische Mannschaft. Statt endlos querzuspielen, habe sie schnell Raumgewinn erzielt. Hütter hob das Positionsspiel und insbesondere Rodris Rolle im Zentrum hervor: „Sie spielen fast nur mit zwei Kontakten. Und wenn es noch schneller gehen muss, können sie es auch mit einem.“ Dadurch komme der Gegner häufig gar nicht erst in Zweikämpfe. Für Hütter verfügte Spanien deshalb über etwas, das er auch seiner Eintracht geben möchte: „In meinen Augen hat Spanien das klarste Gesicht von allen.“

Emotionen in Frankfurt haben Hütter gefehlt

Warum sich der 56-Jährige die tägliche Arbeit als Klubtrainer weiterhin antut, obwohl er längst auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken kann, beantwortet er mit einem klaren Verweis auf Emotionen: „Ich empfinde es als einen wahnsinnigen Reiz, mit einer Mannschaft zu arbeiten.“ Monaco sei eine wichtige und tolle Erfahrung gewesen. Die Atmosphäre in Frankfurt sei jedoch kaum vergleichbar: „Wenn wir über Emotionen sprechen, speziell im eigenen Stadion, dann ist Frankfurt nochmal etwas ganz anderes.“

Im Stade Louis II seien die Zuschauer weit vom Platz entfernt gewesen. In Frankfurt erwartet ihn dagegen der direkte Weg aus der Kabine in einen Hexenkessel: „In Frankfurt läuft man die Stiege hoch, und da sind 60.000 enthusiastische Fans.“ Genau dieses Gefühl habe ihm gefehlt: „Das habe ich schon vermisst – und deshalb auch wieder gesucht.“

Von Müdigkeit oder fehlender Motivation ist deshalb wenig zu spüren. „Tagtäglich mit einer Mannschaft auf dem Platz zu stehen, noch mal was zu bewegen, darauf habe ich weiterhin richtig Bock“, schwärmte der Coach von seinem Beruf. Trainer zu sein bereite ihm nach wie vor enorme Freude. Wenn seine Mannschaft schließlich genau das umsetze, was zuvor erarbeitet wurde, sei das für ihn kaum zu übertreffen: „Das verschafft mir eine innere Befriedigung, die mit Worten gar nicht auszudrücken ist.“

Hütter ist damit nicht einfach nur nach Frankfurt zurückgekehrt. Er kommt als erfahrenerer Trainer zurück, der seine Grundidee zwar bewahrt, sein taktisches Repertoire und seinen Umgang mit Spielern aber erweitert hat. Und vor allem als jemand, dem die besondere Emotionalität der Eintracht offenbar deutlich gefehlt hat.

Ein Kommentar

Fallback Avatar 1. selztaladler 08. August 26, 12:01 Uhr

Adi lass die Adler fliegen! Ich bin das erste Mal seit Pokalsieg und den wundervollen Europapokalnächten emotional wieder auf der Eintracht-Wolke. Trainer, Trikot, Stimmung, Spielansatz, Kaderumbruch, …. Dafür schon mal Danke! Wie es wird? Wir werden sehen. Andere machen auch ihren Job. Ich erwarte keine Hexerei, bin aber 100%ig vom eingeschlagenen Weg überzeugt. Das wird! Forza SGE!

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