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Heribert Bruchhagen war von 2003 bis 2016 Vorstandsvorsitzender der SGE. Foto: IMAGO / Kessler-Sportfotografie

„Es ist eine andere Eintracht geworden“: Bruchhagen blickt auf den Wandel der SGE

Der Name Heribert Bruchhagen ist bis heute eng mit Eintracht Frankfurt verbunden. Von Dezember 2003 bis Mai 2016 stand er als Vorstandsvorsitzender an der Spitze der SGE und prägte den Verein maßgeblich. Inzwischen ist der mittlerweile 78-Jährige nicht mehr im operativen Geschäft tätig, verfolgt die Entwicklung der Hessen aber weiterhin aufmerksam. Im Interview mit „Sport1“ sprach Bruchhagen über die Entwicklung seines ehemaligen Klubs, Markus Krösche und die wirtschaftliche Ausrichtung der Eintracht.

Eintracht hat sich unter neuer Führung weiterentwickelt

Bruchhagen macht dabei keinen Hehl daraus, dass sich die Eintracht seit seinem Abschied deutlich verändert hat. „Es ist eine andere Eintracht geworden“, erklärt der langjährige Vorstandschef. Als er den Verein 2016 verließ, habe er ihn in einem „viel besseren Zustand“ übergeben, als er ihn 2003 vorgefunden hatte. Seine eigene Amtszeit sei dabei vor allem von einer vorsichtigen Finanzpolitik geprägt gewesen. „Wir hatten große Not und ich habe sehr viel dafür getan, dass wir ein konsolidierter Verein sind“, blickt er zurück.

Nach seinem Abschied habe der Verein anschließend eine deutlich mutigere Linie eingeschlagen. 2016 sei die Eintracht schuldenfrei gewesen und habe über ein positives Eigenkapital verfügt. Danach habe der Klub Anleihen aufgenommen, sich am Kapitalmarkt engagiert und größere Transfers ermöglicht. Für diese Entwicklung findet der ehemalige Vorstandsvorsitzende ausdrücklich lobende Worte. Mit Fredi Bobic und später Markus Krösche habe die Eintracht „hervorragende Manager“ verpflichtet und damit einen großen Schritt nach vorne gemacht. Das heutige Niveau sieht Bruchhagen deutlich über dem, auf dem sich die SGE während seiner Amtszeit bewegte. „Die Eintracht hat einen großen Schritt gemacht und gehört heute auf jeden Fall ins erste Drittel der Bundesliga“, sagt er.

Dass seine Nachfolger dabei teilweise einen anderen Weg eingeschlagen haben, erkennt Bruchhagen ausdrücklich an. „Eine neue Generation hat es anders gemacht als ich und – in Anführungsstrichen – auch besser gemacht.“ Gleichzeitig mahnt er, dass sich eine mutige Finanzpolitik immer wieder bestätigen müsse. Sorgen um die langfristige Entwicklung der Eintracht macht er sich dennoch nicht.

Lob für Krösche: „Er erkennt das Potenzial dieser Spieler“

Besonders positiv äußert sich Bruchhagen über Markus Krösche. Dabei möchte er nicht davon sprechen, dass der Sportvorstand etwas besser mache als andere Manager. Vielmehr sei der 45-Jährige „absolut erfolgreich“. Krösche habe ein gutes Gespür dafür, junge Spieler zu verpflichten, die bereits erste Erfahrungen gesammelt haben und sich anschließend in Frankfurt weiterentwickeln. Auch die öffentliche Art des Sportvorstands gefällt dem ehemaligen Eintracht-Boss. Krösche trete „sehr bescheiden“ auf und mache nicht den Eindruck eines „großen Superman“. Zudem habe Bruchhagen von früheren Mitarbeitern erfahren, dass der heutige Sportvorstand im Umgang mit den Menschen im Verein den richtigen Ton treffe. „Also er kann schon was und ist auch als Typ sehr anerkannt“, lautet sein Urteil.

Dass die Eintracht regelmäßig junge Spieler entwickelt und anschließend für hohe Ablösesummen verkauft, sieht Bruchhagen ebenfalls als logische Folge der gestiegenen Möglichkeiten auf dem internationalen Markt. Die Eintracht könne sich gegen solche Entwicklungen kaum mehr wehren. Der Lizenzspieleretat liege inzwischen bei mehr als dem Dreifachen dessen, was ihm während seiner Amtszeit zur Verfügung gestanden habe. Wenn sich ein Spieler besonders gut entwickle und anschließend ein Angebot von einem internationalen Klub erhalte, stoße die Eintracht irgendwann an ihre Grenzen. „Wenn du bei den Angeboten mitziehst, die der internationale Markt bringt, steigen natürlich auch die Gehälter der Mannschaftskameraden“, erklärt der ehemalige Fußballfunktionär. Irgendwann müsse deshalb ein Cut gemacht werden. Vor dieser Situation stehe die Eintracht seiner Einschätzung nach „eigentlich immer“.

Bruchhagen blieb seiner Linie treu

Auch wenn der 78-Jährige seine damalige Philosophie im heutigen Fußball nicht mehr unbedingt für zeitgemäß hält, steht er weiterhin zu seinem Führungsstil. Während seiner Amtszeit habe er den festgelegten Lizenzspieleretat nie überschritten und sei auch nie mit einer negativen Bilanz in ein neues Geschäftsjahr gestartet. Für diese Haltung bekam der ehemalige Vorstandsvorsitzende auch den Spitznamen „Sparkommissar“. Bruchhagen selbst konnte damit gut leben: „Man muss sich ja wohlfühlen bei dem, was man tut und wie man einen Verein führt.“ Gleichzeitig räumt er ein, dass er sich nicht sicher sei, ob er mit dieser Philosophie im Fußball des Jahres 2026 noch der richtige Mann für eine Führungsposition bei einem Bundesligisten wäre. „Alles zu seiner Zeit“, lautet daher sein Fazit.

Deutliche Kritik an Ex-Trainer Riera

Einen deutlichen Seitenhieb verteilt Bruchhagen zudem in Richtung einiger Trainer und erinnert dabei an den ehemaligen Eintracht-Coach Albert Riera. Dessen selbstbewusstes Auftreten hatte der frühere Vorstandschef bereits während dessen Zeit in Frankfurt kritisch gesehen. Auslöser war eine Aussage Rieras, wonach seine Spieler sogar von einem Balkon springen würden, wenn er sie darum bitte. Bruchhagen reagierte damals mit einer eigenen Prognose: „Wenn einer vom Balkon springt in einem Jahr, dann ist es der Trainer und nicht die Mannschaft.“ Generell störe ihn bei manchen Trainern inzwischen eine „selbstdarstellerische Attitüde“, die diese an den Tag legten. Für Bruchhagen sollte dabei der Fußball im Mittelpunkt stehen. „Die Menschen kommen ja nicht wegen des tanzenden Trainers. Die kommen wegen des Fußballs und wegen der Spieler.“

Trotz aller Veränderungen sieht der langjährige Eintracht-Verantwortliche seinen ehemaligen Verein auf einem guten Weg. Bruchhagen erkennt die Entwicklung ausdrücklich an und traut der Eintracht zu, sich nun dauerhaft im oberen Bereich der Bundesliga zu etablieren.

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2 Kommentare

Fallback Avatar 1. unterkomplex 16. September 26, 07:08 Uhr

Ich kann mich noch sehr gut an den Sommer 2002 erinnern, als - nach Jahren der Misswirtschaft - der Zwangsabstieg in die Regionalliga unmittelbar bevorstand. Aller Erfolg der letzten Jahre wäre ohne die Ära Bruchhagen nie möglich gewesen.

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Fallback Avatar 2. yoda 16. September 26, 07:20 Uhr

2002 die Gerichtsverhandlung um die Lizenz für Liga 2 oder geht es eine oder zwei Ligen tiefer...
Damals schon kamen die topaktuellen News, fast live aus dem Gerichtssahl, von sge4ever; wenn ich mich recht erinnere.
Bruchhagen war in den Jahren, in denen er die Verantwortung hatte, ein Segen. Aber wie er selbst in diesem Interview sagt, alles hat seine Zeit.

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