Große Enttäuschung bei Filip Kostic. Die Eintracht hat das Spiel nach 2:0-Führung tatsächlich noch aus der Hand gegeben und steht am Ende trotz starkem Spiel ohne Punkte da. (Bild: imago images / Hartenfelser)

Die Eintracht hat zum Rückrundenauftakt Borussia Dortmund im eigenen Stadion empfangen und dabei vor leeren Rängen ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Auch wenn am Ende eine schmerzliche 2:3 Niederlage steht, kann die SGE stolz auf ihre Entwicklung sein, denn im Vergleich zum Saisonauftakt in Dortmund hat sich die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner enorm weiterentwickelt. Die Niederlage, so unnötig sie war, ist ein weiterer wichtiger Lernprozess der neu formierten Mannschaft, der für die verbleibende Saison noch Bedeutung bekommen könnte. SGE4EVER.de hat das Spiel wie immer noch einmal analysiert:

Schläfriger Start, starke erste Halbzeit

Nach einem verhaltenen Beginn, in dem es einzig und allein dem glänzend aufgelegten Keeper Kevin Trapp zu verdanken war, dass die Hessen nicht frühzeitig in den Rückstand geraten sind, hatten die Frankfurter mit zunehmender Spieldauer mehr und mehr die Spielkontrolle übernommen. Starkes Gegenpressing, hohe Ballgewinne, schnelles Umschalten und vor allem große Ballsicherheit zeichneten die Adlerträger aus. Es war beeindruckend mit welcher Konsequenz die Mannschaft Drucksituationen immer wieder spielerisch und mit Direktspiel zu lösen wusste und mit welcher Selbstverständlichkeit sie einen Gegner des Kalibers der Dortmunder zu beherrschen wusste. Folgerichtig gingen die Frankfurter dann auch mit 2:0 in Führung und verpassten es das dritte Tor nachzulegen. Sowohl der Pfostenschuss von Evan N´Dicka, als auch die große Möglichkeit von Jesper Lindström zu Beginn des zweiten Durchgangs hätten den Ausbau der Führung bedeuten müssen. Bis zur 60. Spielminute ist dies im Grunde der einzige Vorwurf, den die Eintracht sich gefallen lassen muss, denn man belohnte sich nicht für ein bis dahin überragendes Spiel. Die Mittelfeldzentrale, die aufgrund von Corona-Erkrankungen mit Ajdin Hrustic und Sebastian Rode neu formiert war, wusste ebenfalls zu überzeugen und die Mentalität der Offensivspieler Daichi Kamada, Rafael Borré und Lindström war beeindruckend. Nicht nur, dass die drei Offensivakteure immer wieder starke Kombinationen in der Offensive starteten, sondern viel mehr auch ihre Bereitschaft die Wege nach hinten zu machen, gegen den Ball zu arbeiten und sich auch defensiv in den Dienst der Mannschaft zu stellen.

Die Bank entscheidet das Spiel

Lindström, der unter der Woche aufgrund eines unklaren Corona-Verdachts nicht richtig trainieren konnte, sollte trotz seines starken Spiels nicht durchspielen können, sodass Oliver Glasner zu einem Wechsel gezwungen war. Auch Rode, der noch immer die Belastungen stetig steigern sollte und nicht zu schnell wieder voll belastet werden sollte, hätte die Partie nur mit erheblichen Risiko zu Ende spielen können. Gerade aufgrund der Laufintensität des Spiels waren Wechsel zwangsläufig nötig. Am Ende sollten die Wechsel allerdings einen endgültigen Bruch in das Spiel der Frankfurter bringen, die mit zunehmender Spieldauer bereits immer passiver wurden. Sam Lammers kam für Lindström und Kristijan Jakic für Rode. Jakic merkte man die zurückliegende Corona-Erkrankung und den fehlenden Rhythmus an und Lammers fand überhaupt nicht ins Spiel. Es lag aber nicht nur an ihm selbst, auch wenn man ihm fehlendes Selbstbewusstsein und die Verunsicherung anmerkte – es war auch schlichtweg nicht das richtige Spiel für ihn. Der Niederländer ist eher ein Box-Spieler, der die Bälle im Strafraum braucht und nicht der quirlige Spielertyp wie Lindström. Das Pressing konnte daher nicht mehr so konsequent gespielt werden und die Dortmunder konnten deutlich einfacher in ihr Kombinationsspiel kommen. Während die Hessen aufgrund von Corona und Verletzungen (Jens-Petter Hauge) nicht anders nachlegen konnten, konnte der BVB mit Spielern wie Thorgan Hazard qualitativ hochwertig wechseln. Diese Impulse von der Bank waren es letztendlich, die an diesem Abend den Unterschied ausmachen sollten. Der Anschlusstreffer zum 1:2 brachte noch größere Verunsicherung und so ließen die Adlerträger sich schlussendlich tatsächlich den sicher geglaubten Sieg noch nehmen und verloren das Spiel 2:3.

Unverdiente Niederlage, aber ein großer Schritt

Trotz der Niederlage sollte die SGE nicht allzu lange mit sich hadern. Es gab bis Mitte der zweiten Halbzeit so viele positive Aspekte im Spiel der Hessen, auf die es sich aufbauen lässt. Mit welcher Dominanz und Selbstverständlichkeit die Eintracht die Dortmunder über weite Strecke kontrolliert und dominiert hat, war beeindruckend. Die immer besser funktionierenden Laufwege in der Offensive, die spielerischen Lösungen hinten raus und das immer stärker werdende Gegenpressing waren beispielsweise Aspekte, die deutlich aufzeigen, dass die Frankfurter auf einem guten Weg sind. Wenn es nun noch gelingen würde, mehr Konstanz in die gesamte Spieldauer zu bekommen, den eigenen Spielstil auch bei Führung dauerhaft beizubehalten und nicht in Passivität zu verfallen, wären die Adlerträger ernsthafte Anwärter auf die oberen Tabellenplätze. Entscheidend wird nun sein, inwiefern es der Mannschaft gelingt diese unverdiente Niederlage abzuschütteln und gegen die vermeintlich leichteren Gegner ihr Spiel durchzuziehen. Gerade tief und kompakt agierende Mannschaften waren in der Vergangenheit immer eine große Herausforderung für die SGE. Die Spielweise hat jedoch gezeigt, dass ganz unabhängig vom Erfolg in dieser Saison, Oliver Glasner einen großen Entwicklungsschritt auf der spielerischen Seite anstrebt und dieser mehr und mehr fruchtet. Nun gilt es diesen Weg konsequent weiterzugehen, auch wenn es bedeutet, dass es hin und wieder Rückschläge zu verkraften gibt.

 

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28 Kommentare

  1. Was ich nicht ganz verstehe: OG hat wieder in der Pressekonferenz glas(ner)klar betont, dass er möchte, dass IMMER nach vorne gespielt wird. Wenn man führt, soll man auf des nächsten Tor gehen, und wenn man hintenliegt erst recht. Und ihm missfallen auch die ständigen Rückpässe zum Trapp. Wieso befolgt das die Mannschaft nicht? Aus Angst? Unsicherheit? Führungslosigkeit? Es ist doch eigentlich eine klare Ansage, und man richtet sich trotzdem nicht danach. Ich versteh es nicht!

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  2. Naja. Weils halt Fußball ist. Würden keine Fehler passieren, ginge jedes Spiel 0:0 aus. Spiele entwickeln Eigendynamiken, Taktiken sind feine Gebilde wo Zahnräder schnell nicht mehr greifen können. Uns hat halt Borussia Dortmund überrollt, die mit dem 2:1 das Momentum auf ihrer Seite hatten.

    Bin ganz bei Laura Krüger, da fehlten auf der Bank einfach die dementsprechenden Alternativen. Glücklich kann sich schätzen, wer einen Hazard einwechseln kann. Dennoch auch super, dass Glasner das nicht so kommuniziert. Wäre ein leichtes gewesen, die Niederlage darauf zu schieben, dass ihm personeller Spielraum fehlt.

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  3. Senf, ich vermute es gibt mehrere Gründe. Einer ist wohl die Winterpause, die automatisch dafür gesorgt hat, dass die Köpfe etwas frei wurde. Vielleicht ist dabei auch die Einstellung unbewusst und ungewollt beeinträchtigt worden (?).

    Ein anderer Grund können aber auch in den Auswechslungen von Lindstrøm und Kamada gesehen werden. Mir dem Fehlen der vorher stabilen Doppel 6 und dann auch noch die Doppel 10 fehlte der Mannschaft automatisch etwas an Offensiv Finesse und Einstellung, vermute ich.

    Glasner’s Kommentar auf der PK stimmt mich optimistisch: „Wenn wir in der 93. Minute 2:1 vorne sind und den Ball gewinnen, erwarte ich, dass wir nach vorne spielen und nicht zum Torhüter. Das ist der nächste Schritt, den wir gehen möchten. Damit werden wir die Jungs nicht in Ruhe lassen.“

    Dann hoffe ich nur noch dass uns Corona nicht weiterhin schwächt in den kommenden Wochen.

    Forza SGE!

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  4. @2:

    Ohoh… Ich hoffe, dass das nicht heißt, dass Ndicka geht. Anders kann ich mir den Transfer fast nicht erklären, wir haben ja genug ivs. Davon ab, seh ich das wie Basti Red, man kann gar nicht genug Kroaten in der Mannschaft haben:D

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  5. @1
    Ich glaube das Hauptproblem ist, dass ein Gegner auf dem Platz steht. Daran muss Glasner dringend etwas ändern. Mal auf die Aufstellung von Dortmund geschaut?

    Laura, gut Analyse!

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  6. @5: Gegenwärtig, wo wir so zart betucht sind, befürchtet man natürlich bei jedem Zugang gleich Schlimmeres. Ilsanker scheint eine Option verankert zu haben, durch die sein Vertrag bei einigen Spielen mehr, verlängert wird. (Was der Verein nicht will, bzw. sich nicht leisten kann.
    Vielleicht ist das ein vorgezogener Wechsel, aber spätestens im Sommer wird es wohl schwer sein, alle Vetteidiger zu halten.

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  7. Eintracht Frankfurt ist wieder eine Adresse im deutschen Fussball. Das verdeutlicht dieser übertriebene Hype rund um die Borussia im Kicker und den anderen Gazetten.

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  8. Im Nachhinein ist man ja immer schlauer. Es wäre besser gewesen Ilse statt Lammers einzuwechseln oder Gonza oder, oder. Trotzdem meine ich damit weiterhin nicht, dass Lammers der Sündenbock ist, nur war er halt viel zu wenig präsent. Und das Spiel war sau eng, am Ende wäre ein Unentschieden irgendwie das gerechte Ergebnis gewesen. Ich finde auch nicht, dass wir zu wenig gute Auswechselungen bzw. Bank hatten. Hasebe und Jakic bringen zu können ist ja wohl erstmal nicht so schlecht.
    Und wenn Ilse einen Vertrag hat bei dem man ihn jetzt nicht mehr einsetzten kann sollte man da mal dringenst nachverhandeln. Das geht doch garnicht.

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  9. @ 5

    Ist halt unser finanzielles Fundament, Spieler zu veräußern, auch wenn ich Evan gerne weiter bei uns sehen würde….!

    Kann mir auch gut vorstellen, dass Jakic von der SGE geschwärmt hat, kommen soweit ich weiß ja auch vom selben Club 😉

    Forza SGE

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  10. Hrvoje Smolcic hat auch noch nen rechtsfüßigen Zwillingsbruder auch Innenverteidiger.
    vielleicht kommt ja direkt ne Familienpackung 🙂

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  11. Den Bruch in unserem Spiel auf die diversen Wechsel zurückzuführen, das sehe ich auch so.
    Auf Dortmunder Seite verlässt Brandt den Platz, der zwar sehr umtriebig aber kaum effektiv war. Und bei uns geht der beste sowie einer agilsten, der den Gegner immer wieder unter Druck setzen und zu Fehlern zwingen konnte. Wie befürchtet war dann Lammers alles andere als ein adäquater Lindström-Ersatz und passte dann wie weiter oben schon geschrieben gar nicht zu dem Gegner. Seit langer Zeit mal wieder ein „negativer“ Wechsel von Glasner.
    Bis zu diesen Wechseln machte Dortmund den Eindruck, als könnte es nicht mehr entscheidende Tore schießen – zu gut hielten wir dagegen und (demzufolge) zu unpräzise waren dessen Offensivaktionen.
    Noch ärgerlicher, dass wir diese so gut wie sicher geglaubte Spiel noch hergegeben haben, ist, dass wir das gegen diese arroganten Dortmunder Fre..en taten – sorry, das musste noch raus.

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  12. @Air: Jebem ti! Nicht, dass sie uns den Zwillingsbruder schicken (Čebinac Zwillinge) 🙂

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  13. Gewohnt super Analyse. Nur ein paar Gedanken:
    Wir haben lauter gestandene Fußballprofis, viele um oder über 30, warum brauchen die einen Lernprozess?
    Jakic fehle der Rhythmus? Er hat doch gar kein Spiel gefehlt, oder?
    Auf der Bank zu wenig Qualität? Wir haben mit den größten Kader in der Bundesliga und hatten eigentlich vor dem Spiel keine relevanten Ausfälle, sogar Lindström hat gespielt. Dann muss ich über die Kaderplanung nachdenken, wenn rund 20 Ersatzspieler nicht wirklich zum Einwechseln taugen sollten.

    Entwicklung des Teams macht allen Freude.

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  14. Ich fand es ein gutes Spiel der SGE
    Lernprozess absolut.
    Schade das es am Ende nicht gereicht hat.

    Nach der Auswechselung von Kamada und vor allem Rode ( der richtig platt war) kam es zum Bruch im Spiel

    Zu SL wollte ich mich nicht mehr äußern müssen.
    Nur eins sei gesagt, er ist seit knapp 4/5 Monaten nun bei uns.
    Man verzeiht ihm bestimmt einiges:
    neues Team, neue taktische Anweisung, neues Land.
    Aber er wirkt überhaupt nicht integriert.

    Bei ihm ist nichts zu erkennen das er sich weiter entwickelt hat.
    Paradebeispiele sind für mich Borré und Lindström.

    Die haben einen großen Schritt gemacht.

    OG hat fast glaub ich jedem Spieler mehr wie eine Chance gegeben.
    Einige hatten immerhin mal ein zwei gute Spiele in der Zeit dabei, aber SL leider keines.

    Und deshalb denke ich haben wir das Spiel nach den Einwechselungen verloren.
    Und man sollte das Kapitel so schnell wie möglich schließen.

    Weil um oben mit spielen zu wollen, sind Impulse von der Bank immens wichtig und die haben uns Sonntag leider gefällt.

    Nächsten Sonntag sollten die drei Punkte gegen Augsburg eingefahren werden und vllt nochmal versucht werden den ein oder anderen Spieler zu verpflichten der uns mehr hilft.

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  15. Stimme in den wesentlicen Punkten schon überein. Natürlich haben wir nicht die qualitative Tiefe im Kader wie Dortmund und natürlich ist beim BvB insbesondere die Offensive stärker besetzt als bei der Eintracht.
    Die Bienchen haben in der 2.Hz. die Einstellung und Mentalität an den Tag gelegt, die wir immer von unseren Jungs sehen wollen.
    Knackpunkt war für mich (der offensichtlich notwendige) Wechsel von Rode , sowie Lindström. Da ging uns gegen die aufkommende Wucht und Spielfreude die Struktur verloren. Es ist nur zu natürlich, wenn du als Spieler merkst, daß das Spiel aus den Händen gleitet, in den Sicherheitsmodus zu schalten, bewußt und unbewußt.
    Dann kommt der Bock von Hinti vor dem 1. Gegentor dazu. Dann ging das Selbstvertrauen noch mehr in den Keller.
    OG hat recht und viele Kommentatoren , das ist wirklich ein Lernprozeß.
    Mir ist es lieber, wir „lernen“ gegen die Bienchen als gegen Bielefeld u.a.
    Bereits am Sonntag haben wir die Gelegenheit diese Niederlage vergessen zu machen.
    Forza SGE !

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  16. @6
    Danke für die Ironie. Derselbe Gegner hat aber auch 70 Minuten auf dem Platz gestanden und nichts gerissen. Ja, ich weiß, von uns waren einige platt, und die Auswechselbank von DO ist besser. Mich stört es nur (und OG wohl auch), wenn gefühlt 100 x der Ball zum Torwart zurückgespielt wird. Nach vorne bolzen kann doch auch ein Spieler, vielleicht sogar ein wenig sinnvoller als die Trappschen Abschläge.

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  17. Naja Ilse wird auf jeden Fall gehen. Dann haben wir 4 IV und Hase für 3 Positionen wobei Hase nur eine spielen kann…

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  18. @Dribbelstaedter
    Laut Sport-Bild verlängert sich Ilsankers Vertrag automatisch,
    wenn er 23 Einsätze in der laufenden Saison hat.

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  19. Ich beantworte die Frage mal selber: 7 x in der BL, 2 x in der EL

    Da kann er wohl noch 13 x spielen

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  20. @Block17: Danke für die Info. Dann kann er ja noch getrost eingesetzt werden. (ich hätte ihn dann gestern anstelle von Lammers mit nur einen Auftrag an die Mittellinie postiert 🙂 )

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  21. Ich glaube, hier ist irgendeiner, der mit dem Ilsanker-Abwehr Thema nicht ganz eiverstanden ist 🙂
    Feige würde ich ihn/sie nicht betiteln, denn er/sie hatte immerhin den Mut, bei uns allen den Daumen runter zu drücken 🙂

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