4.) Stark nach Standards: Endlich möchte man sagen, nutzt die Eintracht ihre Größenvorteile im gegnerischen Strafraum effektiv bei Standards aus. Fünfmal rappelte es im Gehäuse des Konkurrenten, wenn ein Freistoß oder eine Ecke die Köpfe der Adler fanden. Dazu überwanden Inui am 2. Spieltag gegen den VfL Wolfsburg und Piazon am 6. Spieltag gegen den HSV den gegnerischen Torhüter per direktem Freistoß. In dieser Disziplin gehören die Adler zu den stärksten Mannschaften in der Bundesliga, nur noch die Wolfsburger waren bislang mit 9 Treffern nach Standards gefährlicher (was jedoch relativiert würde, wenn die Eintracht die durchaus berechtigten Elfmeter hätte zugesprochen bekommen …). Mit Meier, Madlung, Russ und Seferovic besitzen die Hessen wuchtige und kopfballstarke Spieler, die sich im Strafraum Respekt verschaffen und ihre Größenvorteile ausnutzen. In der letzten Saison hatten die Adler nach Standardsituationen zu diesem Zeitpunkt erst zwei Tore erzielt. Eine klare Steigerung unter Schaaf, die schon zu ganz wichtigen Erfolgserlebnissen führte.
5.) Die Moral: Ob gegen die Wolfsburger, Mainzer, Hamburger, Kölner oder Stuttgarter – die Frankfurter mussten schon einige Rückschläge in den Partien hinnehmen, die sie gut verarbeiteten und mannschaftlich geschlossen egalisieren konnten. Dazu hatten die Adler auch schon mit vielen unglücklichen Schiedsrichterentscheidungen zu kämpfen – und zerbrachen nie daran. Im Gegenteil: Die Rückstände wurden oft aufgeholt, mit unglaublicher Energie und viel Willenskraft. Symbolisch steht dafür vor allem die Partie gegen die Schwaben, als man nach 51 Minuten scheinbar aussichtslos 1:3 hinten lag, um dann zwanzig Minuten später mit 4:3 zu führen. Bitter, dass diese Partie verloren ging, dass die Euphorie nicht mehr gebremst werden konnte und man sich so etwas naiv noch zwei späte Gegentreffer einfing. Trotzdem zeigte diese Frankfurter Elf, dass sie zusammenhält und in Bestbesetzung für jeden Gegner schwer und unangenehm zu bespielen ist. Nicht umsonst konnte in den ersten sieben Spielen nur der FC Augsburg – der gütigen technischen Mithilfe sei Dank – gegen die neu zusammengewürfelte Truppe gewinnen. Ansonsten bissen sich die Gegner im zähen Ringen um Punkte oft an den giftig eingestellten Adlern die Zähne aus. Zu dieser Stärke müssen die Hessen zügig wieder zurückfinden. Nur so können die nötigen Punkte auch gesammelt werden. Und die Gegner wieder vor größere Probleme gestellt werden.
Es gibt sie also durchaus – die Hoffnungsschimmer bei der Eintracht. Der Vereinsname muss nun wieder Programm werden, alle an einem Strang ziehen und in Krisenzeiten noch enger zusammenrücken. Und sich auch taktisch verändern? Es scheint so, als hätte es tiefgründige Gespräche zwischen Thomas Schaaf und der Mannschaft gegeben. Man müsse die Angst überwinden, von der etwa Timothy Chandler sprach, wieder mutiger agieren und mehr für das eigene Spiel tun. „Wir haben in drei Jahren immer probiert, vorne drauf zu gehen und das Spiel selber zu machen„, sagte etwa Meier in der Frankfurter Rundschau. Zurück zu den Wurzeln also, die der Frankfurter Eintracht die erfolgreichsten Jahre seit Ewigkeiten beschert haben? Weg von den tiefstehenden Außenverteidigern, die sofort mit dem ersten Pass den Weg nach vorne suchen, hin zu längeren und sicheren Passstafetten durch die eigenen Reihen? Manches Heimspiel zog sich dadurch zwar in die Länge, jedoch hatte man meistens das Gefühl, dass die Mannschaft die Teams „auf Augenhöhe“ kontrolliert, ihnen ihr Spiel aufdrückt – und sich irgendwann die Räume für Treffer ergeben.
Gelingt so die Kehrtwende, vielleicht schon am Samstag beim Gastspiel in Mönchengladbach? Die Fans jedenfalls haben den Glauben in die Mannschaft noch nicht verloren. 1.140 Leute nahmen an unserer Umfrage teil und davon rechnen nur 20% mit einer Ausbeute von 0-3 Punkten in den restlichen Vorrundenspielen. Die meisten Anhänger, 54%, rechnen mit 4-7 Punkten, 21 % sogar mit 8-11 Zählern. Und zusammengerechnet 5% halten selbst über 12 Punkte nicht für unwahrscheinlich. Das Vertrauen ist also – bei all der Kritik, die geäußert wurde – noch da, der Glaube an eine Besserung der aktuellen Situation vorhanden.
ENDE DER SERIE






10 Kommentare
“Wir haben in drei Jahren immer probiert, vorne drauf zu gehen und das Spiel selber zu machen“, für mich auch der richtige Weg. Nur leider, wenn man das am Samstag macht kann es natürlich sein, das man von MG übelst ausgekontert wird. Dann heißt es natürlich "völlig falsches System"! Denke aber gegen 13 andere Mannschaften bringt es den erhofften Lohn.
Ach ja, Danke an die Redakteure für die "5 Teile"!!!
Kann mich dem Dank von Grantler nur anschließen! Toll,welche Mühe ihr euch macht!
Ich wiederhole mich gerne nochmals... es gibt für mich kein komplett richtiges bzw. falsches System.
Wenn man gegen technisch super-veranlagte Teams gleich vorne mit 2-3 Mann attackiert, spielen die einen einfach aus und dann fehlen hinten die Leute,um den Raum eng zu machen.
Für mich kommt es daher drauf an, dass die Basics stimmen,also Wille, Einsatz, Laufbereitschaft.
Wenn das alles gegeben ist, dann sind wir gut genug um gegen fast jeden Verein ganz gut auszusehen - wenn auch nur einer dieser Punkte vernachlässigt wird gehen wir baden.
Das gilt neben uns auch für eine Reihe anderer Teams; für überall dort, wo die individuelle Klasse nicht so hoch ist.
@eagle: Ob ein System richtig oder falsch wahr, weiß man immer dann, wenn die 90 Minuten rum sind ;-). Natürlich war es naiv, wie man gegen die Bayern zu Werke ging - aber man hätte auch verloren, wenn man gemauert hätte - so war es vielleicht mal wieder ein bisschen Politur für das angeknackste Selbstvertrauen trotz Niederlage? Möglich wärs.
Die Basics müssen natürlich stimmen - aber die Vorgabe des Trainers muss auch mit den Fähigkeiten der Spieler übereinstimmen - und anscheinend fühlte sich unser Team nicht wohl damit, einfach hinten zu mauern (wie gegen Hannover 96) und nach vorne nur dann und wann in Erscheinung zu treten. Bei unseren etwas langsameren Spielern bringen Konter wenig, bis auf Aigner haben wir keinen, der wirklich welche fahren kann - also müssen wir eher das Spiel machen, dem Gegner unseren Stempel aufdrücken, proaktiv sein.
Ob das nun im 4-2-3-1 oder im 4-2-2-2 oder im 4-4-2 mit Raute geschieht ist mir persönlich jetzt einmal - lapidar ausgedrückt - völlig bumms. Ich bin z.B. ein großer Verfechter des 4-2-3-1, habe aber dann auch gegen Köln gesehen, dass das 4-4-2 gut funktionierte - trotzdem hätte ich gegen Paderborn nach dem Ausfall von Zambrano wieder umgestellt. Das System richtet sich auch nach dem verfügbaren Material - und man kann durchaus System finden, die daran kratzen, komplett richtig zu sein... ;-)
LG
Christopher
Höchste Zeit, dass ich mich auch endlich mal den Redakteuren bedanke. Ihr macht einen echt guten Job, merci vielmals für Eure Kompetenz und Mühe.
Leider sehe ich die derzeitige Situation bei unserer Eintracht eher negativ. Als Schaaf den Trainerposten bei uns übernahm, hatte ich mich sehr positiv geäußert und wurde dafür von manchem vorsichtig kritisiert. Im Nachhinein habe ich dafür viel Verständnis. Mea culpa. Ich möchte mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ich denke, ich habe einiges zu hoffnungsvoll eingeschätzt. Ich kann keine Weiterentwicklung feststellen, gegenteilig geht es abwärts. Wo ist ein geordnetes System erkennbar? In wie viel verschiedenen Mannschaftsaufstellungen wollen wir noch auflaufen?Spielen wir noch Fußball? Ich rede jetzt nicht von den verletzungsbedingten Änderungen. Es wäre auch ein Fehler, den absoluten Einbruch (oder wird es, wie ich befürchte, noch schlimmer?) allein daran fest zu machen. Schauen wir uns doch an, wie viele Vereine davon betroffen sind, das ist doch in der besten Liga der Welt normal, bei dieser Dynamik, auch in den Zweikämpfen. Zugegeben, es gab effektive Einwechslungen Schaafs, aber er hat m. E. (natürlich ist das hypothetisch) auch Spiele verloren, z.B. in Paderborn (trotz höchstem Druck der Gastgeber wechselte er beim Unentschieden Offensiv für Defensiv ein, was bekanntlich total daneben ging) und gegen den VfB holte er bei einer Führung ca. 10 Minuten vor Schluss einen Innenverteidiger (Bamba, noch einer der besseren) ohne Not vom Platz, das Ergebnis ist bekannt.
Die Chancenverwertung ist relativ, wenn ich von zweien einen rein mache, sind es 50 Prozent. Aber,wir spielen viel zu wenig heraus. Wer Meier -einen Allerbesten- zu Beginn der Saison aus dem Team nimmt und ihn noch degradiert, der muss was nicht verstanden haben, bei Schaafs Erfahrung, unglaublich.
Sefervovic, unser bester Einkauf, wird bei diesem System (gibt es eigentlich eins?) verschenkt, er reibt sich auf, ohne der verdienten Erfolg.
Es gibt noch mehr Kritikpunkte, aber es reicht erst mal. Bei dem Restprogramm der Vorrunde müsste schon einiges geschehen, damit wir noch ein paar Punkte holen. Ein erneuter Abstieg wäre der Supergau. Auch Hübner muss sich mal fragen lassen, ob es Sinn macht, fast nur die Reservebänke anderer Clubs leer zu kaufen. Dann hätten wir auch so manchen Standby behalten können und wären günstiger und besser dran.
Was mir auch langsam zuviel wird -ich halte mich zurück und nenne keine Namen- wenn Spieler nach katastrophalen Leistungen in die Medien gehen und ständig erzählen, was verbessert werden muss, obwohl sie selbst absolut schwach gespielt haben. Also, lieber Klappe halten und bei sich selbst anfangen.
Trotzdem, ich fiebere schon dem Samstag entgegen und hoffe, ich ewig Wahnsinniger.
Über alles waechst mal Gras.
Dann kommt ein Schaaf und frist das Gras.
DAS WARS.
Danke Redaktion.
Natürlich muss ein Team verschieden Systeme spielen können, weil man sich am Gegner anpassen muss, oder weil verletzungsbedingt Spieler fehlen, aber in diesen Systemen soll oder Schaaf stets der Ball schnell nach vorne gekegelt werden. Man gewinnt den Eindruck es zählt nicht mehr der gelungene Pass zum Mitspieler, insbesondere wenn er in die Breite gespielt wird. Es doch zu beobachten, teilweise zu hören, dass bei einem solchen Pass Schaaf wie ein Rumpelstilzchen reagiert, der Spieler mit Angst zur Außenlinie kuckt, während ein schneller Fehlpass nach vorne fast wohlwollend hingenommen wird "weiter so, der nächste sitzt"! Bin gespannt, ob es in er Frage "was machen wir mit dem Ball" zum umdenken kommt, denn in der Bundesliga haben wir keine Zeit den Spielern das Fußball spielen im Sinne von Schaaf beizubringen. Einzelne, junge Spieler ran zuführen ja, aber nicht 8, 9 "Alten", die gewohnt waren modernen Fußball zu spielen.
Was macht Hoffnung?
Antwort: NIX
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