„In den ersten Tagen war ich schon ein bisschen aufgeregt. Es ist schon ein Unterschied, ob man mit Jugendspielern oder Profis arbeitet“, gesteht Alex Meier im Podcast „Eintracht vom Main“. „Dazu will man in einem erfahrenen Trainerteam keine Fehler machen. Aber das hat Adi auch direkt zu mir gesagt: ‚Alex, es ist egal, wenn du mal einen Fehler machst. Sei einfach so wie du bist.‘ Das versuche ich jeden Tag.“ Seit mittlerweile rund drei Monaten steht der Frankfurter Fußballgott als Co-Trainer bei der Eintracht auf dem Platz. Über die Spielerkarriere des 43-Jährigen bedarf es weniger Worte. 379 Spiele, 137 Tore in 14 Jahren mit dem Adler auf der Brust sprechen eine deutliche Sprache. In dieser Zeit hatte er bei der Eintracht unter sechs verschiedenen Trainern gespielt. „Man nimmt von jedem Trainer viele Dinge mit oder eben auch nicht. Aber ich glaube, dass jeder Trainer an sich immer etwas Gutes mitbringt. Dass einem nicht immer alle Sachen gefallen, ist normal.“ Eine besondere Rolle spielte vor allem Friedhelm Funkel, unter dem Meier fünf Jahre spielte. Auch heute haben die beiden eine enge Verbindung und stehen miteinander in Kontakt. „Da nimmt man vielleicht schon die Grundlagen mit. Gerade auch, weil er mir gut gesonnen war und mich gefördert hat.“
Als Trainer im Profi-Fußball sind die Tage im Vergleich zu Spielern oder der Jugendarbeit länger. „Wir treffen uns jeden Morgen um acht Uhr. In der Vorbereitung war ich keinen Abend vor sechs oder sieben Uhr hier raus.“ Damit muss sich der gebürtige Hamburger an neue Zeiten gewöhnen. In der Jugend startete man meist nicht vor 18 Uhr mit dem Training und drei Stunden vorher traf der gebürtige Norddeutsche auf dem Gelände ein. Aber: „Bei den Profis macht es natürlich viel mehr Spaß.“ Dennoch möchte der DFB-Pokalsieger von 2018 auch den Aufwand der Spieler nicht herabwürdigen. „Wenn man sich vor dem Training pflegen lässt, danach vielleicht noch in den Kraftraum geht, isst und ausdehnt, dann ist man auch ein bisschen länger auf dem Gelände. Das stellt man sich oft ein bisschen zu einfach vor.“
Erste Ansprache? „Eine Katastrophe“
Die Trainerkarriere begann für Meier in der U16 der SGE. An seine erste Ansprache dort kann er sich noch gut erinnern. „Das war eine Katastrophe“, lacht der ehemalige Angreifer. „Aber man lernt das und wird immer besser. Man schaut sich schon auch mal andere Ansprachen an und wird selbstsicherer.“ In der Jugend liegt der Fokus auf der Talentförderung. Die Spieler sollen an den Profi-Fußball herangeführt werden und sich für Höheres empfehlen. Ohne Siegeswille geht es im Sport aber natürlich nicht. „Man muss diese innere Gier auf Siege entwickeln.“ Trotzdem steht das Ergebnis eher an zweiter Stelle. „In der Jugend lässt man eher mal einen jüngeren Spieler ran, der einem für den Moment weniger bringt. Dafür bleibt dann ein Größerer draußen, der aktuell vielleicht weiterhelfen könnte, bei dem man aber schon sieht, dass es mit Profi-Fußball schwierig wird. Da nimmt man dann in Kauf das Spiel zu verlieren, um einen Spieler zu fördern. Das ist dann die Aufgabe eines Jugendtrainers.“ Über die U17, U19 und die Youth League stieg der Torschützenkönig von 2015 innerhalb des Vereins auf. Im vergangenen Winter durfte er dann als Interimslösung gemeinsam mit Dennis Schmitt erstmals Profi-Luft als Trainer schnuppern. „Es war etwas Besonderes, dass in so einer Situation an mich gedacht wurde. Leider war es nicht von Erfolg gekrönt.“ In den vier Spielen setzte es vier Niederlagen. Dazu musste das Duo aber auch englische Wochen und eine völlig verunsicherte Mannschaft managen. Eine Sache wurde aber damals schon klar: „Es war Champions League und Bundesliga. Da wusste ich schon, da will ich dran bleiben.“
Im Vergleich zur Jugend ist die Arbeit mit Profis stark ergebnisgetrieben. „Es geht um viel mehr. Aber das gefällt mir. Ich bin ein Wettkampf-Typ. Am Mittwoch geht meistens das Kribbeln vor dem Wochenende los.“ Auf der anderen Seite war die Zeit im Nachwuchs eine hervorragende Möglichkeit zum Lernen gewesen. „Man kann sich ausprobieren und macht natürlich auch Fehler.“ Dabei würden heutzutage schon die jungen Spieler viele Übungen hinterfragen. „Wir haben früher einfach das gemacht, was der Trainer gesagt hat. Warum und wieso, das war egal.“ Seit seinem aktiven Karriereende sei Meier aus eigener Sicht ein Stück weit erwachsener geworden. Vom Typ her wäre er aber immer noch derselbe. „Ich glaube, der Mensch sollte sich nicht durch irgendeine Position ändern.“ Allerdings habe sich seine Betrachtung der Spiele schon deutlich angepasst. „Was war gut, was war schlecht, was könnte man ändern. Das hat man ja als Spieler so nicht gemacht nach dem Spiel. Da ist man schön essen gegangen oder hat sich mit Freunden getroffen. Als Trainer ist man da schnell gedanklich bei der nächsten Woche.“
Ein Norddeutscher unter Österreichern
Seit dieser Saison gehört der 43-Jährige dem Trainerteam rund um Cheftrainer Adi Hütter und den Co-Trainern Christian Peintinger sowie Klaus Schmidt an. Dabei begann alles mit einem Anruf von Hütter. „Er wollte mich gerne dabei haben und hat gefragt, ob ich mir das vorstellen kann. Da musste ich nicht lange überlegen.“ Nach einem Gespräch über die Aufgabenverteilung folgte direkt die Zusage. „Aber eigentlich war für mich schon vorher klar, dass ich das machen werde. Die drei haben mich vom ersten Tag an unglaublich aufgenommen. Ich fühle mich super wohl. Adi ist ein Top-Trainer auf dem allerhöchsten Niveau. Da kann ich mir noch viel abschauen. Ich werde ihm immer dankbar für diese Chance sein.“ Meier wird in allen Themen und Sitzungen mitgenommen. Dazu verbindet ihn mit Schmidt ein weiteres Hobby. „Mit Klausi spiele ich auch öfters Tennis. Er ist ein super Typ.“ Gemeinsam mit den drei Österreichern wird meistens Hochdeutsch gesprochen. Trotzdem verfällt das Gespann auch mal in ihren heimischen Dialekt. „Dann wird es mit dem Verständnis schwer. Da muss ich nachfragen, aber das kommt selten vor.“ Innerhalb des Trainerteams werden viele Aufgaben aufgeteilt. Die Frankfurter Sturmlegende sieht seine Stärken vor allem in der Einschätzung von Spielern. „Wer könnte mit wem zusammenpassen. Dazu ist es auch gut und wichtig nicht immer die gleiche Meinung zu haben. Von daher kann ich da auf jeden Fall auch einen neuen Blickwinkel einbringen.“ Zum anderen hat der ehemalige Nachwuchstrainer aber auch schon in der Vergangenheit viele junge Talente selbst trainiert. Wie beispielsweise Niko Ilicevic, der den Spitznamen „Gigi“ trägt. „Ich komme aber natürlich auch mit den Alten klar. Timmy, Mario, Robin. So viele gibt es ja gar nicht.“
Mit Timothy Chandler stand er auch als Spieler noch gemeinsam auf dem Platz. „Wir reden natürlich auch abseits des Trainings mal. Dann aber meist über private Dinge.“ Klar gäbe es aber auch mal den ein oder anderen Spruch von seinem ehemaligen Mitspieler. „Aber das ist normal. Sobald Konzentration angesagt ist, ist es ein ganz normales professionelles Verhältnis.“ Grundsätzlich kann der ehemalige Stürmer gerade beim Torschuss vielen Spielern auch noch einiges zeigen. „Es ist nicht von Nachteil, wenn die Jungs sehen, dass man selbst mal kicken konnte“, lacht er. „Aber die meisten kennen mich und meine Karriere schon.“ Im nächsten Jahr will sich der Frankfurter Co-Trainer für seinen Fußball-Lehrer bewerben. Dann hat er alle Trainer-Scheine. Grundsätzlich macht er kein Geheimnis daraus, dass es ein Traum wäre Cheftrainer bei der SGE zu werden. „Das ist noch so weit weg. Ich habe immer gesagt, dass ich gerne bei der Eintracht arbeite. Dann muss man natürlich auch schauen, wofür es letztendlich reicht. Aber das Ziel kann man haben. Ob es dann passt, hier oder woanders, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.“ Alex Meier fühlt sich in seiner Rolle wohl und freut sich jeden Tag auf das Training. Auch wenn ihm, wie er selbst mit einem Augenzwinkern sagt, sein Mittagsschlaf fehlt. „Das nehme ich natürlich gerne in Kauf.“ Er blickt zufrieden auf seine bisherige Trainer-Karriere. „Ich glaube, es ist ein schöner Lebenslauf. Jetzt darf ich bei meinem Verein bei so einem tollen Trainerteam dabei sein. Besser geht es nicht. Nach mehr kann ich wirklich nicht fragen.“






4 Kommentare
AMFG Einfach ein guter Typ.
OT:
Eben bei Deutschland gegen Serbien,
Kostic mit Kostic Gedächtnislauf.
Da kommen gleich Erinnerungen hoch.
Es war eine sooooooo schöne Zeit.
Danke Filip.
Nur Burkhardt und Kostic tauschen Trikot. Einmal Eintracht, immer Eintracht. Kostic fehlt mir heute noch.
AMFG außer 137 Toren auch 55 Vorlagen für die Eintracht, in meinen Augen nicht weniger wert. Und natürlich die Torjägerkanone.
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