Seit 2015 steht Christian Peintinger Cheftrainer Adi Hütter als Co-Trainer zur Seite. So erlebten die beiden zusammen ihre erste Periode bei der Frankfurter Eintracht und schlugen auch gemeinsam im Sommer wieder in der Mainmetropole auf. Im Podcast „Aufstehen mit der Eintracht“ spricht er über seine Rolle im Coaching-Team und warum er seit seiner ersten Zeit bei der SGE nicht mehr sein Profilbild gewechselt hat.
Die SGE befindet sich in einer zweiwöchigen Länderspielpause. Für das Trainerteam geht es in dieser Zeit darum neue Kräfte zu sammeln, aber auch die bisherige Zeit zu reflektieren. Eintracht-Co-Trainer Christian Peintinger weilt aktuell bei seiner Familie in Graz. „Ich war schon länger nicht zu Hause und bin froh, wenn ich meine Familie wieder sehe und mich ein bisschen erholen kann“, freut sich der Österreicher. „Es waren doch anstrengende und sehr intensive Zeiten in den letzten Wochen. Aber jetzt kann man wirklich mal ein bisschen durchblasen.“ Seit nunmehr rund drei Monaten ist der 59-Jährige gemeinsam mit Adi Hütter zurück bei den Hessen. Für ihn fühlte es sich an wie ein Heimkommen. „Das hat der Adi schon einmal gesagt. Für mich fühlte es sich auch so an. Das muss ich ganz ehrlich sagen.“ Allerdings hat sich seit ihrer Abwesenheit auch einiges in Frankfurt verändert. So entstand beispielsweise das neue Trainingszentrum. „Wir waren ja noch im Stadion untergebracht. Es ist eine Freude am Profi-Campus zu arbeiten. Von den Menschen her sowieso.“ Dazu gibt es einiges zu tun für das Trainerteam. So war Peintinger seit seiner Rückkehr nicht einmal in der Stadt. Es fehlte schlicht die Zeit. „Die ersten paar Tage bin ich eigentlich nur zwischen Trainingscamp und Hotel retourgefahren. Ab und zu bin ich mal etwas essen gegangen. Das ist das Einzige. Bei einem neuen Verein gibt es natürlich immer viel zu tun.“
Peintinger und Hütter arbeiten mittlerweile seit elf Jahren zusammen. Klaus Schmidt kam vor rund drei Jahren in Monaco dazu. Seit dieser Saison hat das Team einen weiteren Co-Trainer in ihren Reihen: Alex Meier. „Wir kannten ihn schon aus unserer ersten Periode hier. Da haben wir gewusst, dass es menschlich absolut gegeben ist.“ Dazu hospitierte die Frankfurter Sturmlegende bereits in der Vergangenheit bei dem österreichischen Trainerteam. Dabei wurde schnell der Fußball-Sachverstand des 43-Jährigen deutlich. Aber auch sein Standing in der Mainmetropole spielte eine Rolle. „Wir wollten eine Galionsfigur aus Frankfurt mit dazunehmen. Dazu ist er im Vergleich noch jung, kennt die eigene Jugend und konnte Spieler empfehlen.“ Seit 2020 war Meier in verschiedenen Positionen im Nachwuchsleistungszentrum beschäftigt. So trainierte er in der vergangenen Saison die U19 und das Youth League-Team. „Es war eine Kombination aus all diesen Dingen. Wir sind daher auf ihn zugegangen und haben gefragt, ob er das machen möchte. Er war vom ersten Moment an interessiert. Das hat eigentlich rundum gepasst.“ Allerdings tauchen für Meier zwischen den drei Österreichern durchaus auch mal Verständnisprobleme auf. „Wir müssen uns natürlich schon bemühen. Logischerweise verfallen wir in den Dialekt“, lacht der ehemalige Mittelfeldspieler. „Aber er bemüht sich und wenn er etwas nicht versteht, dann fragt er nach.“
„Fühle mich in meiner Rolle wohl“
Eine klare Rollenverteilung gibt es bei den SGE-Trainern nicht. Dennoch hat jeder Bereiche, in die sie stärker involviert sind. „Das beginnt in der Trainingsplanung. Das machen wir alle zusammen mit Adi. Jeder lässt seine Ideen einfließen.“ Schlussendlich wird ein Training kreiert und dann untereinander abgesprochen, wer welche Übung übernimmt. Peintinger kümmert sich zudem, um die Analyse des eigenen Spiels. „Die mache ich zusammen mit einem Analysten. Klausi ist eher auf Standards fokussiert und bereitet auch die Mannschaft darauf in der Besprechung vor.“ Grundsätzlich werden aber auch die Standards gemeinsam kreiert. „Eigentlich gibt es keine Teile, für die nur eine einzelne Person zuständig ist. Wir sind alle für alles zuständig.“ Der Besitzer der UEFA-A-Trainerlizenz sieht sein Steckenpferd in der individuellen Arbeit mit den Spielern. „Das mache ich sehr gerne. Ich versuche ihnen zu helfen. Egal, ob auf dem Platz oder in der Analyse am Fernseher.“ Insgesamt pflegt das Coaching-Gespann ein sehr familiäres Verhältnis. Trotzdem drehen sich die Gespräche meist nur um eines: den Fußball. „Privat hat man sich jetzt meistens nicht so viel zu sagen, wenn man am Abend vorher auseinandergeht und am nächsten Tag in der Früh wieder zusammen ist. Es ist ein Fulltime-Job. Viele können sich das gar nicht vorstellen. Ich sage immer zu den Spielern: Noch habt ihr ein schöneres Leben. Als Trainer ist es dann nicht mehr so angenehm.“
Als Co-Trainer steht Peintinger zumindest in der Öffentlichkeit oft eher im Schatten von Hütter. Neidisch ist er auf den Job seines langjährigen Weggefährten aber nicht. „Sonst hätte ich meinen eigenen Weg eingeschlagen. Ich fühle mich in dieser Rolle, mit dem Team und mit Adi sehr wohl. Deswegen gibt es für mich keinen Grund zur Veränderung oder nach Höherem zu streben.“ Aber er stand in Vertretung von Hütter auch schon mehrmals als Chef an der Seitenlinie. Die Bilanz: Vier Spiele, vier Siege. „Ich sage immer, wenn es einmal nicht so läuft: Adi, vielleicht wäre es gut, wenn ich dich wieder vertreten würde“, scherzt er über seine weiße Weste.
Inter Mailand-Spiel auf Profilbild
Die aktuelle Länderspielpause ist mit ihrer Länge eine kleine Herausforderung für abstellende Bundesliga-Teams. Die Spieler werden versetzt in die Nationalmannschaften einberufen. Das heißt, es gibt unterschiedliche An- und Abreisen. Das sei vor allem eine Frage der Organisation. „Das macht es ein bisschen schwieriger, aber wir händeln das trotzdem relativ gut.“ Die Pause hat aber auch Vorteile. So könne man sich besser und intensiver einzelnen Spielern widmen. „Man muss jetzt keine Spielvorbereitung aufs Wochenende machen. Wir haben mehr Zeit mit den Spielern und können intensiv körperlich arbeiten, ohne Rücksicht auf ein kommendes Spiel.“ Nach einem Testspiel am Freitag gegen Eintracht Braunschweig geht es in der Liga gegen RB Leipzig weiter. Aus Sicht des Österreichers hat sich das deutsche Oberhaus seit seinem letzten Engagement nicht viel verändert. „Wir waren ja keine zehn Jahre weg. Bayern ist nach wie vor das Maß aller Dinge für mich. Alles andere wird sich hinten einreihen müssen.“ Wo die Eintracht dabei steht, ist für ihn aktuell immer noch schwierig zu sagen. Trotz des guten Kaders habe die Mannschaft einen großen Umbruch hinter sich. „Die Jungs arbeiten und wollen sich ständig verbessern. Wir haben viele junge Spieler, die eigentlich kaum Bundesliga-Erfahrung haben. Man muss ihnen Zeit und Geduld geben. Das müssen wir als Trainer natürlich vorleben.“
Insgesamt würde der Co-Trainer aber merken, dass der Spielstil bei den Fans und in der Stadt ankommt. Luft nach oben sei aber immer noch da. „Wir bringen es noch nicht so ganz, wie wir es bringen wollen. Wir haben Phasen, in denen wir es richtig gut machen. Aber diese Phasen sind uns noch zu kurz. Wir müssen kontinuierlicher werden. Über 90 Minuten. Aber ich denke schon, dass sich die Fans nach dem Spielstil sehnen.“ Trotz vieler Veränderungen in den letzten Jahren hat sich eine Sache nicht verändert. Christian Peintinger hat immer noch dasselbe WhatsApp-Profilbild. Darauf zu sehen, ist der Jubel nach dem Sieg gegen Inter Mailand in 2019. Im Rückspiel-Viertelfinale vertrat der 59-Jährige damals den gesperrten Hütter. „Es war für mich wirklich das schönste Erlebnis. Als Cheftrainer hatte ich nicht so oft die Möglichkeit, vor so einem großen Publikum und für so einen großen Verein zu coachen. Das war natürlich ein Highlight in meiner Karriere. Somit habe ich mir gedacht: Egal wo ich hingehe, ich lasse das Profilbild.“






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