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Christoph Preuß ist für die Planung und Organisation des aktuellen Trainingslagers in Grassau verantwortlich. Foto: IMAGO / Jan Huebner

Christoph Preuß erklärt die Trainingslager-Pläne der Eintracht: „Wir haben alle Möglichkeiten“

Jeder Eintracht-Fan erinnert sich gerne an den 17. März 2007 zurück. Nach einer Hereingabe von Patrick Ochs kam Christoph Preuß in der 78. Minute per spektakulärem Fallrückzieher vor Bayern-Verteidiger Lúcio an den Ball und versenkte ihn im Tor der Münchner. Oliver Kahn war chancenlos. Es war der 1:0-Siegtreffer und die Euphorie im Waldstadion kannte anschließend keine Grenzen. Später wurde der Treffer zum „Tor des Monats“ März gewählt und belegte bei der Wahl zum „Tor des Jahres 2007“ den zweiten Platz.

Nach seinem Karriereende im Jahr 2010 ist der mittlerweile 45-Jährige heute hinter den Kulissen für die Eintracht tätig. Insgesamt absolvierte der gebürtige Gießener 141 Pflichtspiele für die SGE und erzielte dabei zehn Tore. Seit 2023 ist der Ex-Profi Leiter der Lizenzspielerabteilung und damit unter anderem auch für die Planung der Trainingslager verantwortlich. Im Podcast „Aufstehen mit der Eintracht“ sprach der ehemalige Mittelfeld- und Abwehrspieler nun über die Organisation des aktuellen Aufenthalts in Grassau, die Anforderungen an ein modernes Trainingslager und seine Erinnerungen an die eigene aktive Karriere.

Von der Spieler- zur Verantwortlichenrolle

Während Preuß als Spieler selbst zahlreiche Trainingslager erlebte, blickt er heute aus einer ganz anderen Perspektive auf die Vorbereitung. Die Anreise nach Grassau habe „super geklappt“, wobei der Fußballfunktionär ausdrücklich auch den Partnern und Sponsoren der Eintracht ein Kompliment aussprach. Von der Organisation des Busses bis hin zum Flug sei die Mannschaft „gut angekommen“ und nun „voller Tatendrang“.

Seine eigenen Erfahrungen als Spieler hat Preuß bei der Planung jedoch keineswegs vergessen. Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihm ein Trainingslager unter Willi Reimann, der die Eintracht von 2002 bis 2004 trainierte. Im Winter der Saison 2003/04 ging es für die Mannschaft ins spanische Jerez de la Frontera. Dort kam es während einer intensiven Einheit zu einer kuriosen Szene: Bei einem Neun-gegen-Neun-Spiel über das gesamte Feld grätschte ein Spieler Uwe Bindewald ab und foulte den damaligen Eintracht-Verteidiger derart hart, dass Reimann den Spieler noch am gleichen Tag nach Hause schickte. Preuß nannte den betreffenden Spieler im Podcast nicht. Gemeint war jedoch der albanische Verteidiger Geri Cipi, der in jener Saison für die Eintracht spielte. „Er hat ihn so brutal gefoult, dass der Trainer der Meinung war, der Spieler könne heimfliegen“, erinnerte sich Preuß an die damalige Situation.

Noch prägender war für den ehemaligen Eintracht-Profi allerdings eine Vorbereitung unter Felix Magath. Das Trainingslager sei damals „eine Basisausbildung für meine ganze Karriere“ gewesen. Danach habe er sich gedacht, dass er körperlich wohl auf alles vorbereitet sei, was noch kommen würde: „Egal welcher Trainer jetzt kommt und eine Vorbereitung macht: Jetzt habe ich alles erlebt und war von daher gewappnet für meine weitere Karriere.“

Ein Trainingslager mit hohen Anforderungen

Die Planung des aktuellen Aufenthalts in Grassau begann allerdings nicht erst wenige Wochen vor der Abreise. Gemeinsam mit dem Trainerteam und dem Staff wurde zunächst ein konkretes Anforderungsprofil erstellt. Dabei ging es um die grundlegenden Bedingungen, die ein Trainingslager aus Sicht der Eintracht erfüllen muss. Ein gutes Hotel gehört ebenso dazu wie optimale Trainingsplätze und möglichst kurze Wege. „Wir haben mit dem Trainerteam und dem Staff festgelegt, was unsere Grundbedürfnisse und unser Anforderungsprofil sind“, erklärte Preuß. Für die Eintracht-Verantwortlichen war bei der Suche das Gesamtpaket entscheidend. Laut „Bild“ ist die Mannschaft während des Aufenthalts im Fünf-Sterne-Resort „Das Achental“ untergebracht.

Für die Suche nach dem passenden Standort nahm sich Preuß in diesem Sommer mehrere Tage Zeit. Nachdem die Eintracht in den vergangenen Jahren gute Erfahrungen mit Trainingslagern in Louisville gesammelt hatte, stand zunächst erneut eine Reise in die USA im Raum. Davon rückten die Verantwortlichen jedoch wieder ab. Stattdessen konzentrierte sich die Suche auf Deutschland, Österreich und die Schweiz. Preuß besichtigte schließlich mehrere Regionen und Hotels und verschaffte sich vor Ort einen Eindruck von den jeweiligen Bedingungen. Am Ende fiel die Wahl mit Grassau auf einen Standort, der den Anforderungen der Eintracht am nächsten kam. Bei dieser Entscheidung konnte der Klub zudem auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Preuß verwies unter anderem auf Rainer Falkenhain, der über viel Expertise bei der Planung von Trainingslagern verfügt. Auch die Erfahrungen der Spieler fließen in die Entscheidungsfindung ein. So war beispielsweise Jonathan Burkardt bereits mit dem 1. FSV Mainz 05 in Grassau und konnte seine Eindrücke weitergeben.

„Die Plätze sind im Top-Zustand“

Ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl des Standorts sind die Trainingsbedingungen. In Grassau fand die Eintracht dabei offenbar optimale Voraussetzungen vor. Die Plätze seien genau das gewesen, was im Anforderungsprofil festgehalten worden war. Preuß hob zudem die Arbeit der Agentur hervor, die sich um die Pflege der Spielfelder kümmert und mit den aktuellen Platzbedingungen einen „Meilenstein“ gesetzt habe. Die Spieler sollen diese Bedingungen in den kommenden Tagen intensiv nutzen. Neben den beiden täglichen Trainingseinheiten und dem Testspiel gegen Trabzonspor stehen auch zusätzliche Möglichkeiten für die Athletikarbeit zur Verfügung. Auf Wunsch der Athletiktrainer wurde sogar ein Fitnesszelt aufgebaut. Damit soll die Mannschaft möglichst umfassend auf die neue Saison vorbereitet werden. Die Spieler erhalten zwischen den Einheiten auch ausreichend Zeit zur Regeneration, um anschließend wieder „zu einhundert Prozent“ in die nächste Trainingseinheit gehen.

Die Basis für die gesamte Saison

Im Vergleich zu früher haben sich die Anforderungen an ein Trainingslager laut Preuß deutlich verändert. Die Ansprüche der Vereine seien gewachsen, wodurch auch Hotels, Trainingsplätze und die sonstigen Rahmenbedingungen immer professioneller geworden seien. Das Ziel sei dabei klar: Die Mannschaft soll möglichst ähnliche Bedingungen vorfinden wie am heimischen Proficampus. Eine vollständige Kopie des Frankfurter Alltags lasse sich unterwegs zwar nicht herstellen, man versuche jedoch, „so dicht wie möglich dranzusein“.

Gleichzeitig erfülle das Trainingslager nicht nur einen sportlichen Zweck. Über mehrere Tage verbringt die Mannschaft nahezu rund um die Uhr Zeit miteinander. Zwei Trainingseinheiten am Tag, Testspiele und gemeinsame Aktivitäten sollen eine Grundlage schaffen, die Mannschaft enger zusammenzuführen. „Das soll eine Basis sein, die dich zusammenschweißt“, erklärte Preuß. Gerade in der Vorbereitung spiele zudem der Konkurrenzkampf um die Plätze eine wichtige Rolle. Jeder wolle sich zeigen und gehe dabei „noch einmal über die Grenzen hinaus“. Am Ende sollen diese verschiedenen Faktoren dazu beitragen, eine möglichst gute Grundlage für eine lange Saison zu schaffen.

Preuß: „Jeder hat sich ein Stück weit verändert.“

Auch die Zusammenarbeit mit Adi Hütter war ein Thema. Seit der ersten Amtszeit des Österreichers bei der Eintracht zwischen 2018 und 2021 haben sich beide weiterentwickelt. Preuß sieht dabei keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen dem Trainer von damals und dem heutigen Hütter, sondern vielmehr die natürliche Entwicklung, die jeder Mensch und jeder Trainer im Laufe der Jahre durchläuft. „Jeder hat sich ein Stück weit verändert. Auch ich habe mich verändert“, erklärte der 45-Jährige. Hütter habe aus seinen Stationen bei Borussia Mönchengladbach und der AS Monaco ebenso Erfahrungen mitgenommen wie Preuß aus seiner Arbeit bei der Eintracht mit verschiedenen Trainern. Heute stimme man sich vor allem über die täglichen Abläufe und organisatorischen Fragen ab. Die Zusammenarbeit mache „eine Menge Spaß“, was sich laut Preuß auch positiv auf die tägliche Arbeit auswirke: „Dann ist die Arbeit leichter und wir sind bestens vorbereitet.“

Gegnerwahl mit Bedacht

Auch die Testspiele im Trainingslager entstehen nicht zufällig. Zwischen Hütter und Preuß habe es im Vorfeld Gespräche darüber gegeben, welche Art von Gegner zu welchem Zeitpunkt der Vorbereitung sinnvoll ist. Entsprechend sei der jeweilige Gegner bewusst ausgewählt worden. Neben der sportlichen Qualität spielen dabei auch praktische Faktoren eine Rolle: Welcher Verein befindet sich in der Nähe des Trainingslagers? Welche Rahmenbedingungen herrschen vor Ort? Und welche Gegnerkategorie wünscht sich das Trainerteam für den jeweiligen Abschnitt der Vorbereitung? „Dann committet man sich mit den Klubs auf ein Spiel“, erklärte Preuß. Auch die Partie gegen Trabzonspor am morgigen Sonntag wurde demnach im Vorfeld gemeinsam geplant und soll der Eintracht eine anspruchsvolle Aufgabe in der Vorbereitung bieten.

Für Preuß steht damit fest: Das Trainingslager besteht längst aus weit mehr als nur intensiven Einheiten auf dem Platz. Von der Auswahl des Hotels über die Qualität der Trainingsplätze bis hin zur Gegnerwahl und den täglichen Abläufen muss jedes Detail passen. Und wenn die Planung aufgeht, soll am Ende eine Mannschaft entstehen, die für die kommende Saison in allen Bereichen gewappnet ist.

Ein Kommentar

Fallback Avatar 1. zicobindewald 25. Juli 26, 16:55 Uhr

Jetzt müsste nur noch Aseko mitwirken können (er hat ja Knie, was mir ein bisschen Kummer bereitet) und Onyedika sollte auch noch dazustoßen.

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