Fredi Bobic genießt die Sommerpause in Berlin. (Bild: Heiko Rhode)

Die Eintracht-Kicker weilen im Urlaub oder bei ihren Familien in der Heimat. Auch Sportvorstand Fredi Bobic (48) ist bei seiner Familie in Berlin. Einmal ein wenig abschalten von einer langen und speziellen Saison. Doch Beine hochlegen kann der Manager nicht. Denn nach der Saison ist bekanntlich vor der Saison. „Das Handy ist dein Begleiter. Du hast Gespräche mit Spielerberatern, anderen Vereinen, deinen eigenen Leuten und guckst, was kannst du machen“, erzählte Bobic im Podcast „Kicker meets DAZN“. 

Bobic gönnt seinen Jungs erstmal eine Pause. „Erstmal sollen sie die Spannung abfallen lassen. Das haben die Jungs verdient. Sie haben einen tollen Job gemacht.“ Alle in der ersten und zweiten Liga seien sehr diszipliniert gewesen. „Wir haben es geschafft den Ritt durchzuziehen bis zum Ende.“ Nicht die körperliche, sondern vor allem die psychische Belastung sei „extrem hoch“ gewesen. „Jetzt muss die Birne mal abschalten.“

„Die Chance ist da“

Ab 27. Juli geht es für die Hessen wieder weiter. Denn am 6. August wartet das Europa-League-Rückspiel gegen den FC Basel. Trotz des 0:3 im Hinspiel will Bobic noch an ein Wunder glauben. „Wir haben Außenseiterchancen, aber ich sage trotzdem, die Chance ist da. Die Baseler spielen bis zum 2.8. ihre Saison, die haben eine englische Saison nach der anderen in der Zeit, in der wir Urlaub machen.“ Das Spiel werde in die Vorbereitung eingegliedert. „Es ist wichtig, aber mir ist die nächste Saison wichtiger“, so Bobic. „Wenn wir die Chance haben, das Unmögliche möglich zu machen, sollten wir das versuchen. Es kann immer passieren. Das wäre natürlich super für uns.“

Bobic erwartet „Schwemme an Spielern im August“

Bis dahin bastelt Fredi Bobic am Eintracht-Kader der kommenden Saison. Doch die Lage ist speziell. Der Eintracht-Macher erwartet einen sehr spannenden Markt. „Das kann man auch nicht lernen, weil keiner Erfahrung darin hat und weiß, wie man zu 100 Prozent vorgeht. Jeder wird seine eigene Strategie haben, wie er am besten vorgeht.“ Besonders sind neben den zwei Transferfenstern auch, dass zwischen durch noch europäische Wettbewerbe ausgetragen werden und man auch nach einem misslungenen Saisonstart noch tätig werden kann. Es gelte „situativ von Woche zu Woche, von Fall zu Fall“ zu entscheiden. Jedes Team werde versuchen den Kader zu verkleinern. „Die Schwemme an Spielern wird im August sehr, sehr groß sein. Die Spieler werden es auch schwer haben“, so Bobic. 

„Finanzvorstände werden gewaltiges Wörtchen mitreden“

Doch finanziell hat die Corona-Krise in der ganzen Liga Spuren hinterlassen. „Die Finanzvorstände werden ein gewaltiges Wörtchen mitreden“, glaubt Bobic. Er hatte vergangene Woche bei einer Pressekonferenz in Frankfurt angekündigt, dass das Budget von 280 auf 140 Millionen Euro in der neuen Saison schrumpfen wird. Diese Vollbremsung sei schon ein „Brett“, so der 48-Jährige.

Bobic sieht Adler gut aufgestellt

Doch Bobic kann bei der Suche nach neuen Spielern auf ein gewachsenes Netzwerk an Scouts rund um den Globus zurückgreifen. Zugleich betont er, dass das persönliche Gespräch mit neuen Spielern weiter enorme Bedeutung habe. Da könne es auch mal dazu kommen, dass obwohl alle statischen Daten  und auch die Betrachtung auf dem Feld passten, der Transfer am Ende scheitert, weil „irgendwas nicht passt“, erklärt Bobic im Podcast „Kicker meets DAZN“. „Das ist ein Bauchgefühl, dass man hat.“ Doch der ehemalige Stürmer ist entspannt in puncto Neuzugängen. „Wir sind froh, dass wir gut aufgestellt sind.“

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9 Kommentare

  1. Ich bin kein Finanzexperte, und habe schon gar keinen Einblick in die Finanzen von Eintracht Frankfurt.
    Meine Erfahrungen mit der Finanzwelt sagt mir aber, das etwas untertrieben wird.

    Sollte das stimmen mit dem halben Etat, und man überträgt diesen auf andere Vereine (Schalke, Bremen usw),
    die ja schlecht gewirtschaftet haben, kann es noch sehr spannend werden in naher Zukunft.

  2. @ 1 und 2
    Ich denke hier geht es um den Umsatz. Und der wäre auch ohne Corona viel niedriger wie letztes Jahr. Letztes Jahr wurden jovic und haller für knapp 100 Millionen Euro verkauft.

  3. Ich habe die entsprechende Passage aus Bobics Interview (Hessenschau) rauskopiert. Wie Nerox schreibt, geht es um den Umsatz.

    „Mein Ziel war, 300 Millionen Euro Umsatz zu knacken, aber bei 280 Millionen kam ein Gegner mit der Rückennummer 19, der Covid heißt. Das hat uns in ein Loch gerissen. In den letzten drei Monaten haben wir um die 20 Millionen Euro an Einnahmen verloren.“

    …“Wir haben ein Rekordjahr hinter uns, aber werden in der Saison 2021 eine Vollbremsung hinlegen müssen. Wenn wir davon ausgehen, dass die Heimspiele in der Hinrunde ohne Zuschauer stattfinden und wir in der Rückrunde volle Auslastung haben, dann können wir von einem Umsatz von 140 Millionen Euro ausgehen. Ich bin froh, dass wir es in den letzten Jahren geschafft haben, Speck anzufressen, also etwas zur Seite zu legen. Aber wir werden noch Maßnahmen besprechen müssen, ob das Gehaltsverzichte oder Investitionsstopps sind, damit der Verein überlebt.“

  4. Ich glaube die Folgen von Corona werden auch erst in den kommenden Monaten zu sehen sein. Die Transferphase kann gar nicht vorhergesagt werden, vermutlich werden viele erstmal abwarten. Wir werden Probleme haben unsere Spieler loszuwerden und manche andere Vereine werden ihr Tafelsilber verschleudern müssen.

    Wie lange und umgänglich die Spieler bereit sind auf Geld zu verzichten ist auch die Frage. Erstmal war da eine ‚gewisse‘ Solidarität. In der neuen Saison werden aber auch Einnahmen fehlen und dann bin ich man gespannt, wie viele Spieler noch bereit sind auf Geld zu verzichten.

  5. Ich behaupte einmal das es einem Profi mit 2 Mio Jahresgehalt einfacher fällt auf 20% zu verzichten als einem zweifachen Familienvater incl. finanziertem Haus mit einem Jahreseinkommen von 48.000 Euro. Also Herren Fußballprofis bitte nicht das Heulen anfangen.

  6. @6
    Andererseits würde mir als Profi es schwerfallen zu verstehen, warum ich auf 20 % Gehalt verzichten sollte, wenn der Verein dann für z. B. 50 Millionen einen neuen Spieler kauft und der dann auch noch mehr Geld als ich verdient.

  7. Das Viertelfinale im Überblick:

    Donezk/Wolfsburg – Basel/Frankfurt
    ManUnited/LASK – Kopenhagen/Basaksehir
    Inter/Getafe – Leverkusen/Rangers
    Wolverhampton/Olympiakos – Sevilla/Roma

    Wäre machbar, nur schnell noch Basel raushaue

  8. Ich deute aus Bobics Worten folgendes: er erwartet fallende Preise, weil viele Vereine unter Druck sind. Das Angebot ist, so scheint er es zu erwarten, deutlich größer als die Nachfrage. Da aber weder Vereine noch Spieler Verluste realisieren wollen, wartet jeder auf den letzten Drücker. Ergo wird es einen üblen Wühltisch kurz vor Ende der Transferperiode geben. Vorteil ist das fü Vereine, die keinen Druck haben, warten können und kaufen wollen. So wie wir (so interpretiere ich Mal Bobics Worte). Daher werden wir erst ganz am Ende auf der Resterampe zuschlagen -vorher tut sich wahrscheinlich nichts.

    Gestützt werden Bobics Aussagen wohl auch von Meldungen ua von Schalke und Bremen. Lemke ua sagte sinngemäß, dass Bremen immernoch das Wasser bis zum Hals stünde, selbst wenn man Rashica für >20 Mio verkaufen könnte und sein Gesichtsausdruck vermittelte Nervosität. Da scheinen wir eine deutlich bessere Ausgangssituation zu haben.

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