Mit dem Doppelpack-Sieg gegen den Hamburger SV konnte sich Eintracht Frankfurt etwas Luft in einer zuvor ziemlich angespannten Lage verschaffen. Im DFB-Pokal-Achtelfinale können sich die wieder hochfliegenden Adler für das letztjährige Ausscheiden beim BVB revanchieren. Und in der Bundesliga hat sich die Tabelle mit dem Sprung auf Rang acht etwas aufgehübscht. In den normalerweise so stürmischen Stadtwald ist nach dem 0:6-Desaster in Leipzig fürs Erste Ruhe eingekehrt. Und das genau zum richtigen Zeitpunkt, um nach den jüngsten Fortschritten am kommenden Bundesliga-Wochenende etwas „Historisches“ zu schaffen.
Am neunten Spieltag treffen der SC Paderborn und die SGE zum siebten Mal aufeinander. Für die Hessen gab es in den bisherigen drei Auswärtsduellen gegen die Ostwestfalen allerdings nie etwas zu holen – weder in der zweiten noch in der ersten Bundesliga. Diese Mini-Horrorbilanz soll nun gegen einen selbstbewussten Aufsteiger gebrochen werden, „der speziell zuhause sehr, sehr unangenehm zu bespielen ist“, mahnte Cheftrainer Adi Hütter. Gleichzeitig sieht er seine Mannschaft auf einem guten Weg: „Gott sei Dank sind wir auch für die Gegner unangenehmer geworden.“ Paderborn sei eine Mannschaft, „die sehr, sehr mutig nach vorne presst. Aber sie können auch im tieferen Block verteidigen und spielen in einem 5-3-2. Sie machen es mit dem Ball und ohne den Ball richtig gut.“ Der Frankfurter Coach erwarte deshalb ein Spiel, „in dem wir versuchen, ihnen unser Spiel aufzuzwingen.“ Das Erfolgsrezept: Von der ersten Minute an müsse man „parat sein, Charakter und Mentalität zeigen.“ Hütter ist überzeugt: „Wenn wir unsere Leistung auf den Platz bringen, gewinnen wir das Spiel.“ Andernfalls „werden wir Probleme bekommen.“
Die Hütter-Elf konnte aus den vergangenen vier Pflichtspielen drei Siege einfahren. Ein kleiner Schönheitsfehler bleibt die knappe und unglückliche Pleite in Dortmund, die sich nach dem couragierten und defensiv stabilen Auftritt allerdings kaum wie eine Niederlage anfühlte. Seit einigen Wochen zeigt die Form- und Leistungskurve im Stadtwald wieder nach oben. Mit dem ersten Auswärtsdreier in Paderborn könnte die SGE diese positive Entwicklung bestätigen, sich im oberen Tabellendrittel festsetzen und sich mit einem positiven Gefühl in die Länderspielpause verabschieden. Für Hütter ist die Partie am Samstag (Anpfiff: 15:30 Uhr) deshalb „richtungsweisend“. „Es geht schnell in die eine oder andere Richtung. Deswegen ist das Spiel am Samstag in Paderborn sehr, sehr wichtig.“
Hütter lässt sich bei der Aufstellung alle Optionen offen
Bei den üblichen Eine-Million-Fragen – Dreier- oder Viererkette? Doppel- oder Einzelspitze? Wer muss weichen und wer erhält den Vorzug? – wollte sich der Coach erwartungsgemäß nicht in die taktischen Karten schauen lassen. Zumal Hütter die Frage selbst noch nicht abschließend beantworten konnte. „Ich weiß es auch noch nicht hundertprozentig“, schmunzelte der Österreicher. Dabei gehe es nicht ums Experimentieren, sondern vielmehr darum, die passende Formation samt Aufstellung für das jeweilige Spiel zu finden. Was Hütter allerdings weiß: Das 4-2-3-1, das er zuletzt zweimal in Folge spielen ließ, „hat gut funktioniert.“ Dennoch hielt er sich alle Optionen offen: „Trotz allem sind wir auch in der Lage, mit zwei Stürmern zu spielen.“ Der Preis, den er für eine Doppelspitze üblicherweise zahlen muss: „Dann muss natürlich ein Zehner weichen.“
Man könnte meinen, Hütter sei angesichts dieser Entscheidungen nicht zu beneiden. Schließlich muss ein Cheftrainer regelmäßig schwierige Personalentscheidungen treffen. Für den Österreicher ist die Situation allerdings weder ein Luxusproblem noch eine Qual der Wahl. „Das ist sicherlich ein positives, angenehmes Gefühl, dass ich viele Spieler habe, die in der Lage sind zu spielen, zu helfen und gute Leistungen zu bringen. Das ist immer eine Situation für einen Trainer, die sehr, sehr wichtig ist“, schwärmte der Coach. Verzichten muss Hütter allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Mario Götze, der aufgrund einer Ohrenentzündung für den kommenden Samstag passen dürfte. Damit kommt es nicht zum emotionalen Bruder-Duell mit Felix. „Ich habe heute mit ihm gesprochen, weil er schon gestern dem Training ferngeblieben ist beziehungsweise indoor trainiert hat. Er hat eine Ohrenentzündung, die ihm ein bisschen zu schaffen macht. Ich gehe davon aus, dass Mario dieses Brüder-Wiedersehen nicht erleben wird und auf eigenen Wunsch wahrscheinlich zuhause bleiben wird“, gab Hütter zu Protokoll.
Ilicevic im Fokus: Eintracht setzt auf behutsame Entwicklung
Auch hinter dem Einsatz von Robin Koch steht ein großes Fragezeichen. Beim Kapitän sei es ein „Wettlauf gegen die Zeit.“ „Robin hat einen Schlag aufs Knie bekommen. Er hat heute teilweise mittrainiert“, erklärte der Fußballlehrer. Auf einen Einsatz hofft er zwar, garantieren kann er ihn aber nicht: „Ich hoffe, es geht sich aus, aber es kann auch sein, dass es sich nicht ausgeht.“ Abgesehen von dem womöglich klitzekleinen Lazarett kann Hütter jedoch aus dem Vollen schöpfen. Und deshalb hätte es auch überrascht, wenn die Frage nach Niko Ilicevic ausgeblieben wäre. Den „großen Hype“ um das frischgebackene 16-jährige Juwel könne der 56-Jährige durchaus verstehen. Schließlich „trainiert er weiterhin gut und hält mit den Jungs mit.“ Es mache ihm tagtäglich Spaß, „ihm zuzuschauen.“ Der klare Plan sieht deshalb vor, das Talent behutsam aufzubauen und dem Eigengewächs zunächst in der U21 die Möglichkeit zu geben, Spielpraxis zu sammeln. „Wir lassen uns die Option mit der U21 immer offen.“ Es mache wenig Sinn, „wenn er immer wieder für ein paar Minuten oder zehn, 15 Minuten mal reinkommen sollte oder gar nicht reinkommt und der Prozess über einen Monat geht.“ Aus diesem Grund halte Hütter es für sinnvoll, „ihn in der U21 auflaufen zu lassen, um Spielpraxis zu haben.“
Einen weiteren Kaderplatz für die Partie in Paderborn stellte Hütter dennoch in Aussicht. „Er verdient es sich auch, weil er super trainiert. Wir sind stolz, ihn bei uns zu haben. Ich finde es immer herausragend, wenn man so ein Riesentalent in den eigenen Reihen hat oder wenn ein 16-Jähriger spielt. Es macht doch einfach nur Freude“, schwärmte der Coach. Am vergangenen Wochenende bekam Ilicevic gegen den HSV die ganz große Bühne und Aufmerksamkeit, als er nach seiner Einwechslung sein Profidebüt für die Eintracht feierte und gemeinsam mit dem ehemaligen Dortmunder Youssoufa Moukoko zum jüngsten Bundesliga-Spieler avancierte.
Das nächste historische Ausrufezeichen könnte bereits in zwei Tagen folgen: Sollte Ilicevic erneut eingewechselt werden und vielleicht sogar mit seinem ersten Tor oder seiner ersten Torvorlage zum ersten Sieg in der Home Deluxe Arena beitragen, wäre das nächste Kapitel seiner noch jungen Geschichte geschrieben.






Ein Kommentar
Ich wollte es zuerst nicht glauben, dass wir bisher noch nicht einmal EIN Pünktchen aus Paderborn entführt haben. Stimmt aber:
Paderborn - SGE
1. Bundesliga:
2019/20 2:1
2014/15 3:1
2. Bundesliga
2011/12 4:2
Das darf doch wohl nicht wahr sein... Also das muss besser werden!
Auf geht's Eintracht! Kämpfen, spielen und siegen!
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