Seit mehr als 35 Jahren steht eine Zahl, an der sich alle anderen Bundesligaprofis die Zähne ausbeißen: 602. So häufig lief Karl-Heinz „Charly“ Körbel in Deutschlands höchster Spielklasse auf, jedes einzelne Mal für Eintracht Frankfurt. Lange sah es danach aus, als könnte diese Bestmarke noch Jahrzehnte überstehen. Unser ehemaliger Kollege Christopher Michel prognostizierte 2015: „Im Optimalfall müsste, damit Körbel wirklich noch einmal angegriffen werden könnte, ein Bundesligaprofi 18 Jahre verletzungsfrei durchspielen – dann käme er auf 612 Partien. Mit 17 anfangen und mit 35 aufhören, ohne sich zu verletzen oder phasenweise auf der Bank zu sitzen? Es ist schwer vorstellbar, dass die Profis von heute diesen Rhythmus durchhalten können.“ Inzwischen gibt es aber wieder zwei aktive Spieler, bei denen zumindest gerechnet werden darf. Manuel Neuer und Oliver Baumann arbeiten sich in der ewigen Rangliste immer weiter nach vorne.
Als Körbel am 8. Juni 1991 beim FC St. Pauli sein letztes Bundesligaspiel absolvierte, dürfte kaum jemand geahnt haben, wie lange seine Bestmarke Bestand haben würde. Mehr als dreieinhalb Jahrzehnte später steht der ehemalige Eintracht-Verteidiger noch immer ganz oben. 602 Bundesligaspiele absolvierte Körbel zwischen 1972 und 1991. Das Besondere daran: Für keinen einzigen dieser Einsätze musste er das Trikot wechseln. Vom ersten bis zum letzten Bundesligaspiel hieß sein Verein Eintracht Frankfurt. Am 14. Oktober 1972 hatte der damals gerade einmal 17-Jährige gegen den FC Bayern München sein Debüt gegeben. Frankfurt gewann 2:1. Es folgten 19 Bundesliga-Spielzeiten, 45 Tore und am Ende jene 602 Einsätze, die bis heute niemand übertroffen hat.
Kaltz und Kahn kamen Charly am nächsten
Dass sein Rekord nicht einfach zu knacken ist, zeigt ein Blick auf die Namen hinter ihm. Manfred Kaltz beendete seine Karriere mit 581 Bundesligaeinsätzen. Oliver Kahn kam auf 557, Klaus Fichtel auf 552 und Mirko Votava auf 546. Jahr für Jahr verschwanden quasi die aktiven Spieler aus den oberen Regionen dieser Liste. Körbels 602 wirkten zunehmend wie eine Zahl aus einer anderen Fußballzeit. Jetzt bewegt sich allerdings wieder etwas. Mit Manuel Neuer und Oliver Baumann stehen ausgerechnet zwei aktive Torhüter weit oben in der ewigen Rangliste. Und zumindest bei einem von ihnen ist die 600 inzwischen nicht mehr völlig außer Reichweite.
Neuer hat die alten Größen fast alle hinter sich gelassen
Manuel Neuer steht mittlerweile bei 547 Bundesligaspielen. 156 davon absolvierte er für den FC Schalke 04, seit 2011 sammelt er seine Einsätze für den Bayern München. Der inzwischen 40-Jährige hat damit bereits Mirko Votava überholt und liegt in der ewigen Rangliste direkt hinter Klaus Fichtel und Oliver Kahn auf Platz 5 der Rangliste. Bis zu Körbel ist es ohne Frage noch ein ordentliches Stück. 55 weitere Einsätze benötigt Neuer, um mit dem Frankfurter gleichzuziehen. Mit seinem 56. zusätzlichen Spiel würde er Körbel überholen und zum alleinigen Bundesliga-Rekordspieler werden. Das würde in dieser Saison also nicht mehr passieren. Damit der Rekord fällt, müsste Neuer seinen Vertrag bis 2027 also noch einmal verlängern und auch regelmäßig spielen. Unmöglich? Bei Neuer sollte man mit solchen Aussagen in jedem Fall vorsichtig sein.
Baumann hat die Zeit auf seiner Seite
Etwas anders sieht die Rechnung bei Oliver Baumann aus. Der Hoffenheimer ist mit 36 Jahren vier Jahre jünger als Neuer und besitzt bei der TSG einen Vertrag bis 2028. Im April dieses Jahres knackte Baumann die Marke von 518 Bundesligaeinsätzen und zog damit erstmals in die Top Ten der ewigen Rangliste ein. 131 seiner Spiele bestritt er für den SC Freiburg, seit seinem Wechsel 2014 sammelt er seine Einsätze für Hoffenheim. Mittlerweile steht er bei 526 Spielen. In der laufenden Saison verpasste der TSG-Kapitän bislang keine Bundesligaminute. Damit fehlen ihm noch 76 Partien, um Körbels 602 einzustellen, und 77 für einen neuen Rekord. Auch bei Baumann reicht der aktuelle Vertrag allein rechnerisch noch nicht ganz aus. Selbst wenn er in dieser und der kommenden Saison nahezu jede Bundesligapartie bestreitet, müsste er anschließend noch weitermachen. Bleibt Baumann gesund und hängt nach 2028 noch eine Saison dran, könnte es allerdings tatsächlich eng für Körbel werden.
Und trotzdem besitzt Körbels Bestmarke eine Besonderheit, die selbst bei einem neuen Bundesliga-Rekord bestehen bleiben würde: Alle 602 Spiele absolvierte er für Eintracht Frankfurt. Neuer benötigte für seine bisherige Bilanz Schalke und Bayern, Baumann Freiburg und Hoffenheim. Körbels Vereinstreue ist damit in jedem Fall weiterhin eine Bestmarke innerhalb der Bestmarke. Neuer und Baumann sorgen aber dafür, dass Eintracht-Fans die ewige Einsatzliste in den kommenden Jahren wieder etwas genauer verfolgen dürften.







4 Kommentare
Also, ich sehe bei dem Beitrag zum Charly ein Foto vom Tuta in schlechter Qualität...
Ist das der sogenannte Fehlerteufel? :-)
Gude,
Für mich sind das zwei verschiedene Dinge. Ein Feldspieler (FS) verletzt sich schneller als ein Torwart(TW). Zudem wird ein FS eher mal auf die Bank gesetzt für 1-2 Spiel, ob Belastungssteuerung oder Formtief..
Daher ist es deutlich schwieriger als FS diese Anzahl an Spielen zu sammeln als ein TW.
Keine Ahnung welcher FS hinter Körbel die meisten hat aber eigentlich muss man hier mit zweierlei Maß rechen!!
Torhüter zählen nicht.
Naja dann hat Charly immernoch den Rekord, da es 602 Spiele für nur einen Verein war. Und dazu noch beim richtigen Verein !
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