Jan Zimmermann im Austausch mit seinen Schützlingen. (Quelle: imago images / Hartenfelser)

Im Januar trennte die Eintracht sich von heute auf morgen von Torwarttrainer Moppes Petz und ersetzte ihn mit dem bis dato Ersatztorwart Jan Zimmermann. Der Wechsel war damals bereits seit längerem angedacht und Petz wollte die Trennung lieber früh als spät. Seit gut acht Monaten ist nun Zimmermann im Amt, der bereits im Alter von neun Jahren bei der Eintracht anheuerte. Der FAZ gab er nun ein ausführliches Interview über seine neue Anstellung.

Zimmermann will sich treu bleiben

Der inzwischen 35-jährige Zimmermann hofft, dass sein Charakter sich durch den Job-Wechsel nicht verändert hat. Während das Verhältnis zu Stammtorwart Kevin Trapp gleichgeblieben wäre, sagt er über seine Freundschaft über Ersatztorwart Frederick Rönnow: „Als Torhüter war ich für Freddy seine Bezugsperson in der Mannschaft. Wir hatten sehr viel Kontakt. Von einem auf den anderen Tag ist dann auch der private Kontakt durch die Veränderung auf null zurückgegangen. Trotzdem glaube ich, dass er sagen würde, dass ich mich als Mensch nicht verändert habe.“ Beruflich gibt es hingegen große Unterschiede zu seiner vorherigen Tätigkeit als Spieler. Trainerbüro statt Kabine ist der neue Alltag von „Zimbo“. „Natürlich musst du dich in deinem Auftreten verändern, wenn du Trainer wirst, weil der Umgang ein ganz anderer ist. Ich bin dafür verantwortlich, dass die Jungs gesund bleiben, dass sie gut trainieren und dass sie im Spiel gut performen. Meine neue Rolle beinhaltet eine neue Denkweise. Aber meine Persönlichkeit hat sich nicht geändert. Ich mache Dinge nie aus Kalkül oder Berechnung heraus“, fasst er die Wandlung zusammen.

Unglaublich stolz

Auch für Zimmermann kam der Wechsel überraschend. „Ich war Torwart und am nächsten Tag war ich Torwarttrainer. Ich saß abends mit meiner Frau auf der Couch und habe gesagt: Du, ich bin morgen Torwarttrainer von Eintracht Frankfurt. Das erfüllt mich mit unglaublichem Stolz“, blickt er zurück. Dennoch sagt der 35-jährige, dass es kein böses Blut zwischen Petz und ihm gegeben hat: „Ich habe ein paar Tage später mit ihm telefoniert. Bis heute haben wir ein gutes Verhältnis und er hat mir angeboten, mir mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wenn ich Unterstützung brauche.“ Der Zeitpunkt mag den Ex-Torwart überrascht haben, doch der Wechsel war ohnehin geplant: „Ich habe mich fortgebildet und meine bisherigen Lizenzen alle gemacht, um an diesen Punkt zu kommen. Du musst auf Anhieb funktionieren. Du kannst dann nicht vor dem deutschen Nationaltorhüter stehen und ihm etwas anbieten, was für ihn keinen Sinn machen würde.“ Nicht nur für Zimmermann änderte sich mit dem neuen Job vieles, auch die Torhüter mussten sich umstellen. An einem Tag haben sie Seite an Seite trainiert und nun gab „Zimbo“ den Ton an. Trapp, Rönnow und Felix Wiedwald hätten die Situation aber gut angenommen: „Sie hätten auch ganz anders reagieren können. Getreu dem Motto: Gestern haben wir noch gemeinsam trainiert und heute sagt er mir dann, was ich machen soll. Es hätte viel mehr Komplikationen und Irritationen geben können. Der Prozess ist jedoch hervorragend abgelaufen.“

Training auf Augenhöhe

Das Training unter Zimmermann ist modern und partizipativ, auch wenn er sich gegen den Begriff „modern“ wehrt: „Mit dem Begriff tue ich mich schwer. Aber ich habe meine Philosophie und meine Elemente mit eingebracht.“ Die Torhüter tragen unter ihm nun auch Brustgurt und Datenchip. Er legt Wert darauf, auf Augenhöhe zu sein, ein gutes Verhältnis zu pflegen und die Torhüter mit ins Boot zu holen: „Es ist ein Miteinander, jeder hat das Recht zu sagen: Der Ablauf der Übung gefällt mir nicht.“ Während Petz den Fokus auf die Beidfüßigkeit der Torhüter legte und das Training möglichst spielnah gestaltete, legt Zimmermann den Fokus zusätzlich auf Trapps Positionsspiel im Offensivspiel: „Wie Kevin sich seitlich anbietet und den Ball fordert“, gefällt Zimmermann sehr gut und stellt klar: Ich glaube, wenn man Kevin und Manuel Neuer nebeneinanderstellt und lässt beide das Passspiel rechts, links sowie den Flugball machen, braucht sich Kevin von der reinen Technik her nicht zu verstecken.“

Zum Abschluss: Moppes Petz war für seinen legendären Wumms bekannt. Der Autor dieses Artikels unterhielt sich einst mit einem Torwarttrainer des hessischen Fußballverbandes, der über die Klebe von Petz sagte: „Der schießt so hart, das ist nicht mehr normal.“ Zimmermann reagierte auf die Frage nach seiner Schusshärte gelassen: „Moppes hat einen überragenden Schuss. Um mich mit ihm zu messen, brauche ich noch ein paar Jahre. Aber ich kann zumindest treffen, wenn ich das möchte. So weit bin ich schon.“ Eine Stürmer-Karriere wird „Zimbo“ wohl dennoch nicht mehr anstreben.

 

 

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4 Kommentare

  1. Den Vergleich zu Neuer bezüglich des Passspiels kann er doch unmöglich ernst meinen. Trapp ist ein klasse Torwart, aber der Spielaufbau gehört ganz sicher nicht zu seinen Stärken. Trapp hat allein gegen 1860 gleich (mindestens) 2 mal den Ball unbedrängt zum Gegner gespielt. Das ist direkt gefährlich geworden und hätte böse ins Auge gehen können.

  2. Kevin kann kicken. Das gegen 1860 war schlecht. Im Normalfall kann er aber genau zuspielen .

  3. @3. Joe der Adler, definiere mal genau zuspielen?

    Also wenn der Ball am Boden ist, dann wird er ihn sicher einige Meter zum Mitspieler bringen, jedoch Abschlag ist ganz und gar nicht seine Stärke. Da kommt so gut wie kein Ball beim Mitspieler an. Da kann man noch froh sein, dass Dost ein klasse Kopfball Spieler mit sehr guter Größe ist. Der fängt ein paar auf. Aber unterm Strich echt schlecht bei Trapp.
    Über Schüsse ins seitenaus sprechen wir erst gar nicht. 🙂

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