Bei der Frankfurter Eintracht ist in den letzten Wochen einiges im Umbruch. Nach dem Abgang von Markus Krösche musste die sportliche Führung umgestellt werden. Dazu hat sich auch die Strategie des Vereins gewandelt. Im Podcast „Eintracht vom Main“ resümiert der neu gewählte Präsident Mathias Beck die letzten Wochen und spricht über die Zukunft der SGE. Im ersten Teil des Interviews geht es um die neue Eintracht-DNA, Krösches Nachfolger und die entscheidende Rolle von Axel Hellmann.
„Markus hat den sportlichen Bereich in den letzten Jahren unglaublich geprägt“, blickt Mathias Beck auf die Verabschiedung von Markus Krösche zurück. Es war der wohl emotionalste Moment der vergangenen Mitgliederversammlung. Der Präsident der Frankfurter Eintracht schätzt an seinem Kollegen vor allem die Kommunikation miteinander. „Menschlich hervorragend. Man konnte offen und ehrlich Themen besprechen und auch mal Kritik üben. Das war immer zielorientiert in eine Richtung: Das Beste für Eintracht Frankfurt.“ In Krösches Zeit am Main erreichte die SGE viermal hintereinander das europäische Geschäft, gewann die Europa League und brachte einige spektakuläre Transfers unter Dach und Fach. Allen voran natürlich die enormen Ablösesummen für Omar Marmoush, Randal Kolo Muani und Hugo Ekitiké. Auch die direkte Champions League-Qualifikation gelang, inklusive einem emotionalen Saisonendspiel in Freiburg. Dennoch entschied er sich vor einigen Wochen für einen Rücktritt als Sportvorstand. Bereits in den Wochen und Monaten zuvor hatte man das Gefühl, dass die Liebesbeziehung zwischen den Hessen und ihrem Funktionär zu bröckeln begann. Auch von außen häufte sich die Kritik an einigen Krösche-Entscheidungen in der letzten Saison und Transferperiode.
Umso froher war Beck über das versöhnliche Ende der Zusammenarbeit auf der Mitgliederversammlung. „Ich war davon überzeugt, dass es so endet, wenn Markus sich vor die Mitglieder stellt und seine Beweggründe erklärt. Er wurde mit Standing Ovation verabschiedet und das verdient er auch. Ich bin sehr dankbar, dass er dem Wunsch entsprochen hat, dort zu sprechen.“ Der Applaus hinterließ auch bei Krösche Spuren. Der sonst so abgeklärt wirkende 46-Jährige wurde emotional und es kullerte auch die ein oder andere Träne. „Das hat ihn unheimlich angefasst und er hat immer wieder mit den Worten gekämpft. Wir sind eine Eintracht-Familie. Das hat man eindeutig gesehen.“ Das offizielle Kapitel von Krösche am Main ist damit zwar beendet. Dennoch sind in der Vergangenheit viele Akteure bei der SGE auch nach ihrem Ausscheiden dem Verein treu geblieben. „Abschiede, das können wir und zeigen wir mit vollem Herzen. Das macht den Klub so sympathisch und einzigartig.“
Identifikation, aber kein „Inner Circle“
Trotz alledem sorgte das Ausscheiden des Sportvorstands auch für Handlungsbedarf und vor allem eine neue Aufgabenverteilung. Unter anderem wurde Axel Hellmann zum neuen Vorstandsvorsitzenden. Dabei musste Beck einiges an Überzeugungsarbeit leisten. „Da musste ich halt schon sagen: Wir brauchen dich, Axel. Wir müssen mit voller Kraft nach vorne gehen. Und wer soll es sonst machen, wenn nicht du? Axel ist derjenige, der die Eintracht vorangebracht hat. Wir können nur mit Stolz auf die Entwicklung der letzten zehn Jahre zurückblicken. Da hat er einen großen Anteil daran.“ Damit meint der 55-Jährige aber nicht nur die jüngsten sportlichen Erfolge. Beispielsweise nennt er die Gründung der Fan- und Förderabteilung und weitere Themen abseits des Platzes die Hellmann voran gebracht hat. Dieser stimmte schließlich seinem neuen Posten zu. Beck war vor allem wichtig, dass in der Führungsetage kein Vakuum entsteht. Es brauchte ein starkes Signal und Führung: „Das war dem gesamten Aufsichtsrat wichtig. Ich glaube, wir sind mit Axel auf genau dem richtigen Weg. Wir zeigen eintrachtliche Geschlossenheit.“
Dabei muss sich die Eintracht für die Zukunft auch strategisch neu aufstellen. Der Markt im Fußball hat sich verändert. Die sonst so kaufkräftige Premier League hat sich darauf verständigt große Summen eher intern zu investieren. Auch Saudi-Arabien gibt durch die geopolitische Situation nicht mehr die Transferbeträge aus, wie noch vor ein oder zwei Jahren. „Man muss umdenken“, mahnt Beck und nimmt dabei auch das Umfeld und den Verein in die Pflicht. „Ich hatte das Gefühl, dass wir nach den ganzen Erfolgen den Fokus verloren haben. Das Gefühl: Wir sind Eintracht, wir sind ein Kultclub, wir sind etwas Besonderes.“ Dieses Selbstverständnis müsse man im Verein wieder stärker verankern. Dafür müsse man die SGE sowohl intern leben, als auch nach außen zeigen. Die Identitätsfrage müsse man sich stellen. Doch schon in den letzten Tagen spürt der Präsident einen Ruck in der Organisation. „Wenn ich auf die Straße komme, wenn ich mich mit Leuten unterhalte und wenn ich in Fanclubs komme, dann merke ich, dass ganz viel Zuspruch da ist: Ihr baut wieder auf uns, wir bauen auf euch. Das ist die Region. Wir sind Eintracht Frankfurt, wir sind der Leuchtturm.” Dennoch dürfe man den Blick nach außen nicht verlieren. Eintracht-DNA bedeute nicht, einen „Inner Circle“ zu erschaffen. Es sei wichtig, dass die Mitarbeitenden ein Stück weit das Eintracht Frankfurt-Gefühl bereits in sich tragen und leben. Aber man brauche auch andere Menschen und Expertise von außen.
„Was lag näher als Joti?“
Zu diesem Anforderungsprofil passt Krösches Nachfolger wie die Faust aufs Auge. Joti Chatzialexiou wird das Amt als neuer Sportvorstand antreten. Der 50-Jährige ist gebürtiger Frankfurter und ist in Sachsenhausen aufgewachsen. Neben Jugendtrainertätigkeiten bei der Eintracht arbeitete er rund 20 Jahre beim DFB und leistete in den letzten beiden Jahren in Nürnberg gute Arbeit. Für Beck waren verschiedene Faktoren entscheidend für den Wechsel. „Wir wollen auf Talente aus der Region und aus ganz Deutschland stark zurückgreifen. Ein Kandidat musste hier hohe Expertise haben.“ Dazu wollte man einen Funktionär, der auch international stark vernetzt ist, weiß, was im Fußball passiert und Entwicklungsprozesse einschätzen kann. „Was lag dann näher als auf Joti zu kommen?“ Der Eintracht-Bezug sei natürlich ein weiterer Pluspunkt. Der Noch-Nürnberger kennt den Verein bestens und braucht keine Eingewöhnungszeit. Dazu soll Chatzialexiou sehr gerührt gewesen sein. „Da merkt man dann schon, mit welchem Enthusiasmus er die Sache angehen will. Auf der anderen Seite war auch vom Aufsichtsrat ganz klar das Commitment und die Einstimmigkeit sofort da.“
Dem Präsidenten war es wichtig bei dieser wichtigen Personalie schnell Nägel mit Köpfen zu machen. „Wir sind ein großer Klub, auf den viele Augen gerichtet sind. Wir wollen die Zukunft planen und die beginnt immer sofort.“ Dazu sah man die Chance schnell einen Top-Kandidaten zu bekommen. „Es war wichtig dran zu bleiben und wirklich jeden Tag und jede Stunde an der Verpflichtung zu arbeiten.“ Bei seiner Ankunft wird der neue Sportvorstand große Freiheiten bekommen. Beck schwebt allerdings eine gewisse Art und Weise vor, wie in Frankfurt Fußball gespielt werden soll. Er wünscht sich druckvollen Fußball mit harter Arbeit gegen den Ball, anstatt Ballbesitz ohne Offensivdrang. „Ich glaube, damit konnten wenige Leute was anfangen. Unsere Fanszene und das Stadion sind eine Wucht.“ Hier sei es wichtig, dass der Funke von Mannschaft zu Fans überspringt und umgekehrt. Mathias Beck ist von der sportlichen Aufstellung und der Expertise von Chatzialexiou überzeugt. „Ich blicke positiv in die Zukunft.“







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