16 Gegentore in den vergangenen fünf Bundesligaspielen, eine verunsicherte Hintermannschaft und eine nicht enden wollende Torwartdiskussion: Bei Eintracht Frankfurt läuft es defensiv derzeit alles andere als rund. Für Ex-SGE-Keeper Uli Stein liegen die Ursachen der Krise allerdings nicht zwischen den Pfosten. Der 71-Jährige nimmt im „Kicker“ vielmehr die gesamte Mannschaft in die Pflicht und findet deutliche Worte für das Abwehrverhalten der Hessen.
Die Defensive bleibt die große Baustelle bei Eintracht Frankfurt. Spätestens nach der desaströsen 0:6-Niederlage gegen RB Leipzig ist klar, dass die Mannschaft von Trainer Adi Hütter erhebliche Probleme mit der Stabilität gegen den Ball hat. Dabei standen zuletzt vor allem die Torhüter im Mittelpunkt der Diskussionen. Erst musste Kaua Santos seinen Platz räumen, dann konnte auch Michael Zetterer nicht dauerhaft überzeugen. Inzwischen steht mit Noah Atubolu bereits der nächste Schlussmann zwischen den Pfosten.
Für den ehemaligen Eintracht-Torwart Uli Stein greift die Debatte um die Besetzung der Torhüterposition allerdings deutlich zu kurz.
„Das Problem bei der Eintracht sind nicht die Torhüter, sondern das Defensivverhalten. Das fängt vorne an und betrifft die ganze Mannschaft“, erklärt Stein im Gespräch mit dem „Kicker“. Der 71-Jährige, der einst 276 Pflichtspiele für die Frankfurter absolvierte, zeigt sich vom Auftreten der Hessen regelrecht erschrocken. „Es ist erschreckend, was im Defensivbereich los ist. Wenn du im Tor nicht wirklich ein knallharter Charakter bist, sondern vielleicht etwas sensibel, dann lässt du dich davon anstecken.“
Stein: „Die Abwehrspieler stehen nur dabei“
Als besonders alarmierendes Beispiel nennt der ehemalige Nationaltorhüter die deutlichen Niederlagen gegen Brentford und Leipzig. Bei beiden Partien habe die Frankfurter Hintermannschaft ihre Schlussmänner weitgehend im Stich gelassen. „Daran sieht man ja, dass es doch nicht an den Torhütern liegt. Sie werden oft alleingelassen“, kritisiert Stein und wird noch deutlicher: „Die Abwehrspieler stehen nur dabei, gehen nicht auf den Mann, blocken die Bälle nicht ab. Sie stehen einfach nur daneben und lassen den Gegner schießen.“
Die zahlreichen Gegentore seien daher keineswegs ausschließlich auf individuelle Fehler der Torhüter zurückzuführen. Vielmehr fehle es an grundlegenden defensiven Tugenden. Stein sieht ein strukturelles Problem, das durch ständige Wechsel zwischen den Pfosten nicht behoben werden könne.
Besonders bitter sei die Entwicklung für Kaua Santos. Der Brasilianer galt lange als große Zukunftshoffnung, verlor nach schwachen Leistungen jedoch seinen Stammplatz. Rückblickend stellt Stein die Frage, ob die Verantwortlichen bei der Eintracht mit dem jungen Schlussmann nicht anders hätten umgehen müssen. „Im Nachhinein muss man sagen, dass man Kaua Santos vielleicht doch unrecht getan hat. Vielleicht hätte man mit ihm mehr Geduld haben müssen.“ Hinter einer derart wackeligen Defensive könne schließlich auch ein talentierter Torhüter kaum Sicherheit ausstrahlen.
Kritik an Koch: „Er muss Kerl genug sein“
Doch Stein belässt es nicht bei der Kritik am Abwehrverbund. Auch Kapitän Robin Koch bekommt sein Fett weg. Der Innenverteidiger steht nach seinen schwachen Auftritten zunehmend im Fokus und konnte seiner Rolle als Führungsspieler zuletzt nicht gerecht werden.
„Es ist erschreckend, wenn man sieht, was aus Robin Koch geworden ist. Der war ein Top-Kandidat fürs Nationalteam und ist jetzt komplett von der Rolle“, urteilt Stein. Gerade von einem erfahrenen Spieler wie Koch erwarte er, dass dieser in schwierigen Phasen Verantwortung übernehme und seine Mitspieler mitreiße.
„Als erfahrener, gestandener Spieler musst du auch mal Zeichen setzen und darfst mit der Mannschaft nicht so untergehen. Er muss Kerl genug sein, die Mannschaft wachzurütteln“, fordert der ehemalige Schlussmann.
Dabei nimmt Stein ausdrücklich nicht nur den Kapitän in die Pflicht. Jeder einzelne Spieler müsse sich hinterfragen und Verantwortung für die aktuelle Situation übernehmen. Die Probleme ließen sich nicht allein auf einzelne Positionen oder Personalentscheidungen reduzieren.
Eintracht muss als Mannschaft die Wende schaffen
Die Frankfurter stehen damit vor einer schwierigen Aufgabe. Während die Torwartposition durch die zahlreichen Wechsel weiterhin für Gesprächsstoff sorgt, liegt die eigentliche Herausforderung aus Sicht von Stein in der Wiederherstellung einer funktionierenden Defensive. Denn solange die Mannschaft ihre grundlegenden Aufgaben gegen den Ball nicht erfüllt, dürfte auch ein weiterer Wechsel im Tor kaum die erhoffte Stabilität bringen.
Für die Hessen gilt es nun, endlich wieder Geschlossenheit, Zweikampfstärke und defensive Disziplin auf den Platz zu bringen. Dass dies dringend notwendig ist, haben die vergangenen Auftritte eindrucksvoll gezeigt. Die nächste Gelegenheit zur Wiedergutmachung bietet sich der Eintracht im Heimspiel gegen den 1. FC Köln.






3 Kommentare
Ich mag Stein, aber jetzt ist auch mal gut.
Wir wissen alle wo die Probleme liegen,.
Es ist das Mittelfeld bzw defensive oder die 8.
Diese ballverluste in der vorwärts Bewegung und dann stehst du hinten 1 gegen 1. Mir fehlen einfach die Flanken. Wir haben 2 vollblut stürmer drin die einfach in der Luft hängen.
Ich hoffe das diesmal bissi mehr im Mittelfeld auf Sicherheit gespielt wird.
Dieses ständige Hin und her mit dem Ball da ist ein Fehler vorprogrammiert.
Frag mal bei den Bayern nach oder bei dem bvb
uli hat recht werner du aber auch
was wir zur zeit im mittelfeld und in der abwehr haben ist zu wenig
es wird sich nicht mal dagen gewehrt sondern nur mal hinterher gelaufen
es mus wieder weh tun gegen die eintracht zu spielen.
das ist es was fehlt
hoffe das geht in die köpfe rein nicht nur bei den jungen sondern bei allen
So meinte ich das auch.
Manchmal denk ich uzun spielt nur für sich und die Galerie.
Wenn ein fehlpass passiert wird nicht hinterher gelaufen.
Gegen Köln hoffentlich ein anderes Gesicht
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