Laut verschiedener Medienberichte könnten sowohl Alexander Staff als auch Ebu Bekir İş die Frankfurter Eintracht im Sommer verlassen. Vor allem könnte ein Abgang für die Spielerseite interessant werden, wenn den beiden Talenten keine vielversprechende Perspektive aufgezeigt wird. Gleichzeitig berichtet die „Bild-Zeitung“, dass keiner der beiden Spieler einen endgültigen Wechselwunsch bei den sportlichen Verantwortlichen hinterlegt haben soll. Vielmehr möchte die Eintracht ihre Talente unbedingt halten und ihnen den Durchbruch ermöglichen. Bisher kann sich das Nachwuchsleistungszentrum am Riederwald nicht unbedingt mit dem Wort Durchlässigkeit schmücken: Der letzte ehemalige Frankfurter Jugendspieler, der mindestens zehnmal in der Bundesliga auf dem Spielfeld stand, war Aymen Barkok. Dieser gehört allerdings dem Jahrgang 1998 an. Immerhin brachte er es zu 58 Bundesliga-Einsätzen im Dress der Adler. Der 27-Jährige spielt heute für den marokkanischen Topverein Raja Casablanca.
Auch der Kader aus der laufenden Saison zeigt, dass der Durchbruch in die Profimannschaft für die eigenen Talente nicht leicht ist. Im Kader von Eintracht Frankfurt befinden sich aktuell drei Eigengewächse. Damit gehört der Verein zum unteren Ende der Bundesliga-Klubs. Dabei handelt es sich mit Namen wie Timothy Chandler (167 Bundesliga-Einsätze für Eintracht Frankfurt) und Elias Baum (7) um Spieler, die derzeit keine Stammspieler sind. Torhüter Amil Šiljević spielte noch kein einziges Spiel für die Profis.
Ex-Eintracht-Talente um Lennart Karl überzeugen in Europa
Einige Talente, die teilweise in Frankfurt ausgebildet wurden, machten den entscheidenden Schritt anderswo. Bayern-Spieler Lennart Karl gehört wohl zu den prominentesten Beispielen. Das Ausnahmetalent verließ Eintracht Frankfurt im Jahr 2022: Zunächst wechselte er kurzfristig zurück nach Aschaffenburg, um anschließend den endgültigen Wechsel zum FC Bayern München zu vollziehen. In 22 Bundesliga-Einsätzen kommt der Linksfuß auf acht Torbeteiligungen. Dabei feierte der 18-Jährige erst in dieser Saison sein Profidebüt.
Am vergleichbarsten zu Staff und İş ist wohl der Fall Muhammed Damar. Im Sommer 2022 zeigte ihm die TSG Hoffenheim wohl eine vielversprechendere Perspektive auf, als es die Eintracht konnte. Nach Leihen zu Hannover 96 und dem SV Elversberg durfte sich Damar seit der vergangenen Saison immer mal wieder in der Bundesliga präsentieren. Für die TSG Hoffenheim lief der 21-Jährige bereits 18-mal in der Bundesliga auf. Als weitere Beispiele gelten Livan Burcu (Union Berlin), Denis Huseinbašić (1. FC Köln) und Clemens Riedel (Espanyol Barcelona). Sie alle verließen früher oder später die Jugendmannschaften der Frankfurter Eintracht und konnten sich mittlerweile bei Vereinen in den europäischen Top-Fünf-Ligen etablieren. Inwieweit diese Spieler allerdings Ankerpunkte im aktuellen Eintracht-Kader sein würden, bleibt fraglich. Keiner dieser Vereine gehört in seiner jeweiligen Liga zu den Top-Klubs.
SGE-Eigengewächse suchen Perspektive
Sturmtalent Staff wurde im vergangenen Jahr mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet – und das sogar vor Bayerns Karl. Trotzdem spielt Karl regelmäßig in Pokal, Bundesliga und Champions League, während Staff erst in einem Pflichtspiel bei den Profis zum Einsatz kam. Seit seinem Einsatz in der Champions League bei Qarabağ Ağdam (2:3) trainierte der 17-Jährige zudem nicht mehr dauerhaft mit der ersten Mannschaft. Verbrieft ist, dass es in Frankfurt trotzdem langfristige Pläne für den talentierten Stürmer gibt. Hierfür müssten die Verantwortlichen der Eintracht die Spielerseite jedoch weiterhin von sich überzeugen, beispielsweise durch interessante Leihgeschäfte, wie es die Hoffenheimer bei Damar taten.
Auch die SGE arbeitete in der jüngeren Vergangenheit mit solchen Modellen: „Dazu war auch die Saison von Elias Baum in Elversberg ein absolutes Highlight, weil er jedes Spiel gemacht hat, jetzt zurückkommt und zum festen Kader gehört. Das ist eben das, was wir machen wollen“, sagte der Frankfurter NLZ-Leiter Alexander Richter vergangenen Sommer in einem Interview auf der vereinseigenen Webseite. Baum gehörte in der Saison 2024/25 zum Stammpersonal der Elversberg-Mannschaft, die erst in der Relegation gegen den 1. FC Heidenheim am Aufstieg scheiterte. Abseits aller Erwartungen spielt der 20-Jährige in dieser Saison in Frankfurt kaum eine Rolle.
Schalke und Bremen beobachten 17-jährigen İş
Nicht nur Staff wird die Eintracht zeitnah von ihren Plänen überzeugen müssen. Neben Schalke 04 soll unter anderem auch Werder Bremen am 17-jährigen İş interessiert sein. Sein einziger Profi-Auftritt über sechs Minuten fand bereits in der vergangenen Saison bei der Europa-League-Niederlage gegen die AS Rom (0:2) statt. Weitere talentierte Namen, denen die Hessen eine sportliche Perspektive aufzeigen müssen, sind Marvin Dills und Schlussmann Šiljević.
Dass die Eintracht junge Spieler überzeugen kann, zeigte sie kürzlich: Mit Fousseny Doumbia unterschrieb ein vielversprechender Verteidiger einen langfristigen Vertrag. Zwar wartet der 21-Jährige ebenfalls auf seinen ersten Einsatz für die Profis, doch er trainiert unter Cheftrainer Albert Riera dauerhaft mit und stand bereits siebenmal im Bundesliga-Kader. Bei Noah Fenyő wird derzeit ein Leihprojekt ausprobiert. Újpest FC hat für den 20-Jährigen eine Kaufoption, die SGE soll sich jedoch eine Rückkaufoption ihrerseits gesichert haben. Ein solches Modell wäre möglicherweise auch für andere Spieler denkbar, die kurzfristig auf höherem Niveau spielen wollen. Demnach soll unter anderem der SV Elversberg, wie schon bei Baum, als möglicher Leihpartner für Staff und İş bereitstehen.
Außerdem könnte der Verein ab der kommenden Saison ein weiteres Argument zurückgewinnen: Mit 60 Punkten und dem ersten Tabellenplatz dominiert Frankfurts U21 derzeit die Hessenliga. Der Wiederaufstieg in die Regionalliga könnte wichtig sein, um den Schritt zwischen Nachwuchs und Profis zu verkleinern. Vielversprechende Talente könnten mit regelmäßigen Einsätzen in Deutschlands vierthöchster Spielklasse sowie in der neu gegründeten U21-Liga wichtige Spielpraxis auf hohem Niveau erhalten. Kombiniert mit regelmäßigen Trainingseinheiten bei den Profis könnte auch das ein Argument für einen Verbleib bei einigen Talenten darstellen.
Kann Eintracht Frankfurt dieses Wunderkind halten?
In den jüngeren Jahrgängen der Frankfurter kickt zudem der Neffe des Ex-Bundesliga-Profis Ivo Iličević. Der 15-jährige Niko Iličević gehört zu den talentiertesten Spielern seiner Altersklasse und wurde bereits von Real Madrid beobachtet. Laut „Bild“ unternehme die Eintracht alles, um den Offensivspieler im Verein zu halten. Iličević soll demnach direkt zu seinem 16. Geburtstag einen Fördervertrag unterschreiben. Sportvorstand Markus Krösche habe dem Umfeld des Spielers bereits einen Plan aufgezeigt, wie das Nachwuchstalent in Frankfurt durchstarten könnte.
Nicht immer haben Vereine die alleinige Entscheidung, was die Zukunft der eigenen Talente angeht. Dennoch lässt sich die Durchlässigkeit am Riederwald eindeutig verbessern – das beweist die Konkurrenz. Vielleicht sind es aber auch unterschiedliche Erwartungen, die nicht immer miteinander vereinbar sind: Während Eintracht Frankfurt im besten Fall jedes Jahr europäisch spielen will, ist die Hoffnung auf ein starkes Eigengewächs aus der Region – und damit auf eine Identifikationsfigur – im Umfeld der Frankfurter stark ausgeprägt. Dabei müssen Trainer bei ihrer täglichen Arbeit zwischen Erfolg im Hier und Jetzt und der Entwicklung junger Spieler abwägen. Nicht immer passt das zusammen. Gerade in dieser Spielzeit läuft sportlich nicht alles rund. Der Verein befindet sich derzeit auf dem siebten Tabellenplatz der Bundesliga, die kommenden Wochen werden also im Kampf um die eigenen Saisonziele entscheidend sein. Auch in der nächsten Saison soll die SGE zwingend europäisch spielen. Der sportliche wie finanzielle Druck ist groß. Wenn die sportlichen Ziele gefährdet sind, müssen sich junge Talente häufig hinten anstellen. Dennoch gilt für Eintracht Frankfurt: Der Klub muss Perspektiven schaffen, um Talente langfristig zu binden. Ob diese Überzeugungsarbeit bei Staff, İş und Co. gelingt, wird vermutlich schon der kommende Transfer-Sommer zeigen.






Ein Kommentar
Wenn Nachwuchsspieler selbst im Starensemble der Bauern Spielanteile erhalten, dann sollte das doch auch bei uns möglich sein.
Ok, kommt nicht so oft vor, dass das Spiel zu unseren Gunsten in der 80. Minute entschieden ist, aber wenn, dann sollten in erster Linie die Nachwuchsleute zum Zug kommen und nicht die üblichen Verdächtigen.
Es gilt doch nur, Signale zu senden, um zu zeigen: Hey, wenn Ihr Euch anstrengt, dann werdet Ihr belohnt.
Etwas mehr Mut und Ihr werdet die Bedenkenträger schon überzeugen.
Du musst eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.