Es waren damals ein bemerkenswerter Wunsch, welchen Philip Holzer, der zusammen mit Wolfgang Steubing und Eintracht-Präsident Peter Fischer im Hauptausschuss des Aufsichtsrats (wird komplettiert von Hans Dieter Brenner (Helaba) und Frank Behrends (BHF)) sitzt, im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau äußerte: „Wir sollten uns am FC Arsenal orientieren.“ Der englische Spitzenclub leiste gute Arbeit und habe die Erfolge ohne Anhäufung eines Schuldenbergs erreicht. „Das ist bewundernswert. Wir können uns da viele Scheiben abschneiden, etwa das Scouting„, schwärmte Holzer weiter. Es ist ziemlich genau zwei Jahre her, dass der heute 48jährige diese Sätze sprach. Und ja, es hat sich etwas in der Abteilung getan, der immer wieder vorgeworfen wurde, dass sie doch nur mit dem Kicker-Sonderheft, welches einige Wochen vor Beginn einer neuen Saison erscheint, arbeite.

Ex-Eintracht-Profi Ralf Weber musste vergangenes Jahr gehen, dafür kam mit Bernd Legien vor zehn Monaten ein neuer Mann, der die Leitung der Scouting-Abteilung übernahm. Im Hintergrund Netzwerken, Weichen stellen, an Schwächen im System arbeiten – Holzer, der selbst ein durchaus passabler Torwart in der Oberliga bei der Spielvereinigung Bad Homburg war, möchte den Verein als Aufsichtsratsmitglied weiter voranbringen. Und zwar nicht mit lautem Tamtam in der Öffentlichkeit, sondern mit viel Ruhe hinter den Kulissen. „Erst machen, dann reden„, lautet sein Credo.

Doch wer ist der Mann, der an den vielen wichtigen Entscheidungen, die getroffen werden müssen, beteiligt ist? Neben dem großen Faible für Zahlen zeichnet Holzer auch ein hohes Maß an Emphatie und Menscheninteresse aus. Er hat sich als Co-Vorsitzender bei Goldman Sachs, für die er 22 Jahre lang gearbeitet hat, nicht nur in den Vorstandsetagen der Bankentürme in Europa bewegt, „ich wusste auch immer, ob es dem Pförtner schlecht geht und ob er krank ist.“ Am Fußball selbst schätzt der Einflussreiche die verbindende, integrative Wirkung: „Beim Fußball sind alle gleich. Fußball ist ein Türöffner.“ Nicht ohne Grund nahm er Praktikanten gerne mit zum Betriebskick: „Beim Fußball lernst du den Menschen kennen. Da zeigt sich der Charakter. Beim Fußball siehst du alles.“ So soll ihn einmal ein Praktikant von hinten aufs Übelste umgesenst haben. „Da dachte ich mir: Okay, der Junge hat Mut.“ Und nicht nur das – er wurde eingestellt und hat dann Karriere gemacht. Holzer hat ein gutes Gespür für Situationen und Menschen. So war er 2013 daran beteiligt, dass Armin Veh seinen Vertrag bei den Hessen verlängerte. Sein Leitsatz: „Es kommt darauf an, wie du die Leute behandelst. Das kann den Unterschied machen.“ Der FC Schalke 04 wird wissen, welche Differenz er damit meint…

HolzerEs gibt aber eben auch die Dinge, in denen der Mensch nicht im Mittelpunkt steht. Stichwort: Genussscheine. Während die eine Seite findet, dass für eine Erhöhung der Qualität im Kader 10 Millionen Euro noch viel zu wenig sind, haben Kritiker des Modells Angst, dass die Eintracht wieder auf unsichere und längst vergangene Zeiten zusteuern könnte. Holzer entgegnet den Skeptikern, dass man sich nicht um den Verein sorgen müsse. Von Verschulden oder negativem Eigenkapitel könne nicht die Rede sein. „Das will niemand, das wird es nicht geben“, stellt er klar. Der Strippenzieher im Hintergrund beschreibt diese externe Geldspritze als Überbrückungsfinanzierung. Es werde wohl noch einige Jahre dauern, ehe der Klub seinen Spieleretat wirklich signifikant erhöhen könne. 2020 wird sich erst einiges ändern – dann nämlich läuft der Betreiber- und Vermarktervertrag mit dem Konsortium HSG, Sportfive und WFP (100% Tochtergesellschaft der Stadt Frankfurt) aus. Bis dahin allerdings muss die Eintracht andere Wege suchen, um weiterhin wettbewerbsfähig bleiben zu können. „Für uns geht es darum, auf intelligente Art zu einer Stärkung des Eigenkapitals zu kommen, bis wir aus dem operativen Geschäft heraus einen sehr wettbewerbsfähigen Spieleretat aufstellen können, der es ermöglicht, uns in der vorderen Tabellenhälfte zu etablieren“, erklärt Holzer.

Utopische Zielsetzungen und leere Versprechungen sind sein Ding nicht. Eine regelmäßige Teilnahme an internationalen Festakten möchte er den Fans daher auch nicht versprechen und mahnt zur Bescheidenheit: „Wir sollten uns die Chance erarbeiten, alle drei Jahre mal an die Europa League heranzuspielen.“ Trotzdem, so sagte er in der Vergangenheit, müsse sich der Verein auch nicht kleiner machen, als er tatsächlich ist: „Es gibt drei große Themen, die im Ausland Wirkung haben: Der Flughafen, der Finanzplatz und Eintracht Frankfurt. Wir müssen es schaffen, diese Mischung aus Tradition und Internationalität aufs Parkett zu bringen. Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können. Die Marke Eintracht Frankfurt ist schon jetzt internationaler, als man erwartet.“ Holzer versucht, den Club auf eine breitere Basis zu stellen. Das Netzwerk „Freunde der Eintracht“ wurde von ihm ins Leben gerufen. Für 1899 Euro kann eine lebenslange Mitgliedschaft erworben werden – 100 Leute sind inzwischen dabei, darunter auch einflussreiche Geschäftsmänner, die helfen sollen, Ziele zu erreichen.

Das gewichtige Aufsichtsratsmitglied hat aber nicht nur die Profis im Blick. Als regelmäßiger Gast des Riederwalds schaut er auch bei den Jugendmannschaften vorbei. Holzer hofft auf Titel der jungen Adler. „Das hätte einen Leuchttumeffekt für junge Spieler.“ Die Verzahnung Jugend- und Profibereich müsse noch enger werden, die Parallelwelten unter der eigenen Fahne, die es einst gab, dürfen nie wieder zum Vorschein kommen. Scouting, Genusscheine, Jugendbereich, Zahlen und auch diverse kulturelle Projekte – Holzer hat alles im Blick. Denn der Sport ist für den weitsichtigen Finanzexperten mehr als nur das Spiel mit dem Ball. „Fußball„, so schwärmt er, „ist der Klebstoff, der unsere auseinanderdriftende Gesellschaft zusammenhält.“

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5 Kommentare

  1. “Erst machen, dann reden“, lautet sein Credo. … Find ich spitze! Hab noch nichts von ihm gehört bzw ihn reden hören .. was heißt das? 😛

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  2. @thealpi: Das du noch nicht bei einer Mitgliederversammlung warst oder die wenigen Interviews, die er gab, auch nicht gelesen hast :-).

    Liebe Grüße
    Christopher

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  3. Die Scoutingreise von Bernd Hölzenbein nach Brasilien letztes Jahr hat sich doch total gelohnt. Habe gehört, dass sein Handicap sich um 2 Level verbessert hat!

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  4. Erste Erfolge in der „neuen“ Scouting-Abteilung könnten sich mit der Verpflichtung von „Kastanie“ einstellen…

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