Letztlich hat es am Donnerstag für die Frauen von Eintracht Frankfurt gegen Häcken nicht für den Einzug ins Finale des Europa Cups gereicht. Nach der deftigen 0:3-Niederlage im Hinspiel gewann man das Rückspiel nur mit 1:0. Es wird also erneut eine Saison ohne Titel. „Es tut jetzt immer noch sehr, sehr weh. Ich habe ein paar Tränen verdrückt, weil ich dachte, dass wir das schaffen können. Wir haben es im Hinspiel verbockt“, sagte die sichtlich emotionale Torschützin Nicole Anyomi am „hr“-Mikrofon nach der Partie.
Die Eintracht lief dem großen Rückstand aus dem Hinspiel unaufhörlich hinterher, ging in der ersten Hälfte durch Anyomi in Führung und war weiterhin drückend überlegen. „Von den 27 Abschlüssen, die wir hatten, hätten wir mehr aufs Tor oder ins Tor bringen müssen“, haderte Niko Arnautis. Dann wäre es möglich gewesen, alles auf den Kopf zu stellen, so der Cheftrainer weiter. Die Hessinnen münzten den Druck nicht in ausreichend Torgefahr um – ein wiederkehrendes Problem bei den Fußballerinnen.
Fast schon trotzig erklärte Kapitänin Laura Freigang nach Abpfiff: „Der Gegner war sehr engagiert und hat das Spiel auf seine Art perfekt geführt, aber wir sind die besseren Fußballerinnen. Davon bin ich fest überzeugt. Daher fällt es schwer, hier auszuscheiden.“ In eine ähnliche Kerbe schlug Arnautis: „Von den ganzen Teams im Wettbewerb haben wir mit die höchste Qualität, was wir auch auf dem Platz gezeigt haben. In beiden Spielen waren wir hochdominant, der Spielstand hat aber eine andere Sprache gesprochen.“
Kritik an Team und Trainer
Nicht nur, dass die SGE ihre Dominanz zu selten in Chancen umwandelt und diese nicht effizient nutzt – auch darüber hinaus verlor sie in den vergangenen Jahren immer wieder wichtige Spiele und stand am Ende ohne Zählbares da. Etwa das wiederholte Aus in der Champions League-Qualifikation, das kürzliche Aus im DFB-Pokal gegen Wolfsburg (0:1) oder die Tatsache, dass man letzte Saison Herbstmeister wurde, nur um am Ende wieder auf dem dritten Platz zu enden. Die Mannschaft scheint dem Druck in entscheidenden Momenten oft nicht gewachsen. Treffend analysierte Arnautis, man müsse lernen, Ergebnisse zu ziehen. Der Coach sprach von einer anhaltenden Entwicklung im Team: „Wir wollen irgendwann mit dieser Truppe mal was in den Händen halten. Wir sind immer einen Schritt weiter. Wir haben jetzt ein Halbfinale erreicht.“
Zuletzt gab es im Umfeld immer wieder auch Kritik am Trainer, mit dem die Frankfurter erst im Juli vergangenen Jahres bis 2028 verlängerten. Die Vorwürfe: Der 46-Jährige wechsle häufig zu spät, halte zu oft am gleichen Spielsystem und Personal fest und passe die Spielweise nur wenig an den jeweiligen Gegner an. Insgesamt gebe es zu wenig Weiterentwicklung. Dem gegenüber muss man dem gebürtigen Frankfurter zugutehalten, dass er es war, der den Verein dauerhaft in den Top Drei etablierte und diese – Stand jetzt – auch nach dem heftigen Umbruch im vergangenen Sommer wieder erreichen kann.
Erneuter Umbruch: Leistungsträgerinnen werden SGE wohl verlassen
Im kommenden Transferfenster könnte der nächste Umbruch bevorstehen. Laut dem „hr“ steht der Abgang von Leistungsträgerin Géraldine Reuteler bereits fest, ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Sie habe bereits Vorverträge mit einem neuen Klub unterzeichnet, lediglich der Medizincheck stehe noch aus. England gilt als Ziel. Daneben wird wohl auch Top-Stürmerin Anyomi den Verein ablösefrei verlassen. Wie die „Sport Bild“ vermeldete, könnte sie nach Paris wechseln. Zudem brachte der „hr“ Elisa Senß und Nina Lührßen mit einem Wechsel in Verbindung. Dazu berichtete die „Frankfurter Rundschau“ vor einer Woche, Nationalspielerin Lisanne Gräwe denke ebenfalls über einen Abschied nach.
Im vergangenen Sommer sagte die Direktorin Frauenfußball, Katharina Kiel, die Eintracht-Frauen sollten ein „sich selbst tragendes Ökosystem“ werden. Im Zuge dessen müssen Transfererlöse erwirtschaftet werden. Im Sommer könnte man mit Senß, Lührßen und Gräwe noch entsprechende Einnahmen erzielen. Bei Reuteler und Anyomi ist diese Möglichkeit verstrichen. Sportdirektorin Babett Peter müsste den schwierigen Spagat zwischen Transfererlösen und konkurrenzfähigem Kader meistern.
Zumal die Konkurrenz aus München und Wolfsburg ohnehin enteilt scheint, wie die vergangenen Spielzeiten immer wieder zeigten. Und auch von unten wächst der Druck durch zunehmend ambitionierte Teams mit entsprechenden finanziellen Mitteln. Gleichzeitig soll das Budget für den Frauenfußball bei der SGE wohl nicht steigen. Erschwerend kommt hinzu, dass Teams aus England, Spanien und Frankreich teils deutlich höhere Etats haben und so Topspielerinnen anlocken. Der Konkurrenzdruck steigt sportlich in der Liga und auch auf dem Transfermarkt. Das Argument internationaler Fußball würde bei potentiellen Neuzugängen jedenfalls helfen.
Eintracht will Saison in den Top Drei beenden
So dürften die Wochen nach der anstehenden Länderspielpause entscheidend für die Eintracht werden. Aktuell ist man auf dem dritten Platz, aber der Vorsprung auf den Vierten beträgt nur vier Punkte. Mit Spielen unter anderem gegen Wolfsburg und Bayern München wartet ein denkbar schwieriges Restprogramm. Sollte am Ende zum fünften Mal in Folge der dritte Platz herausspringen, würde Arnautis wohl intern nicht zur Diskussion stehen. Das berichtete der „hr“ am Freitag.
Das Ziel für den Saisonendspurt ist also klar, wie Arnautis bekräftigte: „Am Sonntag ist ja Ostern, da soll ja eine Wiederauferstehung passieren. Wie ich uns kenne, wollen wir das in die nächsten Bundesliga-Spiele mitnehmen. Wir haben noch vier Partien. Wir wollen wieder in die Top-3, nächstes Jahr international spielen und angreifen. Das ist unser Ziel.“ Auch Freigang betonte, man wolle nun noch einmal ein paar Prozent mehr in der Liga geben und so das internationale Geschäft erreichen. Es wird sich zeigen, ob die Wiederauferstehung gelingt – und was im Sommer passiert.







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