Ratlose Gesichter nach der 0:2-Niederlage gegen Mainz. Adi Hütter und sein Team hatten sich das Saisonfinale anders vorgestellt.

Nach der Pleite gegen den Nachbarn aus Mainz droht der Eintracht das Horrorszenario. Dem bitteren Ausscheiden in der Europa League gegen Chelsea könnte nun auch der K.O. in der Liga folgen. Einen Spieltag vor Schluss drohen die Hessen sogar Europa ganz zu verpassen. Entsprechend bedient war Frankfurt Trainer Adi Hütter nach dem Spiel.

Kuriose Szenen nach dem Mainz-Spiel

Es waren kuriose Szenen nach dem Abpfiff der 0:2-Niederlage gegen Mainz. Die Eintracht hatte ihre gute Ausgangssituation auf eine erneute Saison in und durch Europa fahrlässig verspielt, könnte nun bei einer Niederlage in München am Samstag sogar auf Platz acht durchgereicht werden. Nach dem herben Dämpfer allerdings wurde das Team rund 20 Minuten von den Fans, die vor dem Anpfiff mal wieder ganz ungeniert für Rauchschwaden und verspäteten Anpfiff gesorgt hatten, gefeiert. Die Leistung in den 90 Minuten zuvor bot dafür keinen Anlass. Pomadig, uninspiriert und bei den Gegentoren schlichtweg amateurhaft bot die Eintracht einen Offenbarungseid. Auffallend offensiv gingen es die Männer von Adi Hütter in der ersten halben Stunde an. Und das mit einer Anfangsformation, die bis auf die Hereinnahme von Gelson Fernandes (für den verletzten Sebastian Rode) identisch mit der war, die das Halbfinale in London in den Knochen hatte. „Wir haben ganz normal versucht, das Spiel so zu absolvieren wie wir es gewohnt sind. Es hätte auch gepasst, wenn Ante das Tor macht. Ich war ja auch nicht unzufrieden zur Pause mit dem 0:0, weil ich weiß, dass immer die Möglichkeit besteht, dass wir nochmal zulegen“, analysierte Hütter den ersten Durchgang und die Herangehensweise an das Spiel.

Abteilung Attacke: Die Eintracht hat keinen Plan B 

Doch die Frage lautet: Kann diese Mannschaft überhaupt anders? Oder kann sie nur Tempofußball? Offensichtlich ist, dass bei schwindenden Kräften wie in der aktuellen Phase ein Plan B fehlt. Kontrolliertes Aufbauspiel von hintenheraus: Fehlanzeige. Auch in der ersten Hälfte gegen Mainz waren es häufig lange Bälle in Richtung Sturmspitze, die das Spiel prägten. Doch dort lauerten mit Ante Rebic und Luka Jovic Spieler, die alles andere als Anspielstationen sind. Alles andere als Wandspieler. Ein Sébastien Haller kam erst als die Messe schon mehr oder weniger gelaufen war. Ein Wechsel in der Pause wäre sicher ein probates Mittel gewesen, um die Spielweise beibehalten, aber auch effektiv gestalten zu können. Hinterher ist man eben immer schlauer. Doch offensichtlich wurde in diesem Szenario auch, dass nach wie vor ein Spielgestalter im Mittelfeld fehlt. Einer, der das Tempo vorgibt, mal auf den Ball tritt und diesen geschickt verteilt. Die Eintracht 2018/19 geht eigentlich nur den Weg nach vorne. Das war in weiten Teilen der Saison auch schön anzusehen, berauschend und weitestgehend erfolgreich.

Fehlende Cleverness – Hütters Kritik am Defensivverhalten

Zweimal gepennt, zweimal hat es geklingelt: Die Eintracht-Defensive um Simon Falette sah gegen Mainz nicht gut aus.

Doch derzeit geht den Hessen vielerorts die Cleverness ab. Als gutes Beispiel kann das 1:1 in Wolfsburg herangezogen werden, als man nach der Führung körperlich sichtlich geplättet weiter versuchte den Vorwärtsgang einzulegen, statt den Sieg zu verwalten. Exemplarisch aber auch die beiden Gegentreffer gegen Mainz, als die Defensive im Tiefschlaf verweilte. Auch den Trainer brachte es im Anschluss auf die Palme, „dass wir durch zwei Einwürfe, durch Unachtsamkeit, zwei Gegentore bekommen.“ Das „Steckenpferd“ seines Co-Trainers, Christian Peintinger, sei es, immer wieder auf diese einfachen Standards aufmerksam zu machen. „Man darf nicht unterschätzen, was das heute bedeutet. Vor 25 Jahren, als ich noch gespielt hab, hat man durchgeblasen, bis der Ball wieder im Spiel war. Heute geht es wahnsinnig schnell. Wenn man nicht auf der Hut ist, bewirkt das das Gegenteil. Das haben wir leider bitter erkennen müssen.“ Offensichtlich wurde bei der Defensivleistung aber auch, dass in der Defensive Ordnung fehlt, wenn Libero Makoto Hasebe ins Mittelfeld beordert wird. Der Japaner ist als Dirigent, als Leitwolf gefragt. Ohne ihn stimmt die Zuordnung nicht, ohne ihn entstehen Löcher, die sonst nicht entstehen.

Zweite Garde nicht gefragt – ist der Kader zu dünn besetzt?

Der Ärger bei Hütter war groß. Und doch muss sich der Österreicher auch selbst ankreiden lassen, dass er aktuell nicht auf die zweite Garde setzen will oder kann. Bezeichnend seine Aussage auf der Pressekonferenz: „Ich würde wieder so spielen, weil es die Spieler sind, die in der besten Verfassung sind.“ Und das nach 120 Minuten in London? Ein Evan N’Dicka hat spätestens nach der 1:6-Pleite in Leverkusen, wo er den ungewohnten Part als linker Verteidiger geben musste und nach 37 Minuten bereits ausgewechselt wurde, sein Selbstvertrauen gänzlich verloren. Reservisten wie Timothy Chandler, der gegen Mainz 90 Minuten auf der Bank saß, obwohl sein Pendant Danny da Costa sichtlich platt war, kommen hingegen gar nicht erst zum Zug. So wie die Spieler auf dem Platz derzeit viele falsche Entscheidungen treffen, so liegt auch der Trainer nicht mehr immer so richtig wie noch in Großteilen der Saison, obgleich es unfair wäre, ihm da einen Strick draus zu drehen. „Manchmal hast du das nötige Glück, manchmal nicht“, weiß auch Hütter, dass es in entscheidenden Situationen eben auch um Spielglück geht. „Gegen Mainz hat es einfach nicht gereicht. Das ist das, was mich stört. Dass wir keine Party mit den Fans feiern konnten. Es ist sehr, sehr schade, dass wir mit leeren Händen dastehen.

Ein Punkt statt „Punkteregen“ – als Underdog zum Showdown nach München

In den letzten Wochen gab es Woche für Woche die Chance auf den Big Point. Jedes Mal brachte man sich in Frankfurt selbst um den verdienten Lohn. Vor allem die Heimspiele gegen Augsburg, Berlin und nun gegen Mainz brachten insgesamt nur einen einzigen Punkt. „Wir haben uns in die Situation gebracht, dass wir in vielen Spielen auf einmal der Favorit sind. haben die Grenzen verschoben, weil wir mit vielen Siegen, tollen Leistungen unsere Grenze ganz woanders hingehievt haben. In drei Heimspielen, wo man vermeintlich geglaubt hat, dass es Punkte regnet, haben wir es nicht geschafft.“ Aber das sei ja auch das spannende an der Bundesliga. „Wir haben eine tolle Saison gespielt, hätten es heute vergolden können. Deshalb bin ich auch angeschlagen und enttäuscht. Wir hätten super mit den Fans feiern können und dann ganz locker nach München fahren können.“ Nun ist man also beim Rekordmeister gefordert, will man das große Ziel nicht doch noch aus den Händen gleiten lassen. Doch was macht Hoffnung für den „Showdown“ in München, wo man zumindest in der Liga mal wieder nach langer Zeit die Rolle des Underdogs annehmen kann? „Die ganze Saison, wie wir uns präsentiert haben, stimmt mich positiv. Wir freuen uns auf das Spiel am Wochenende.“

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21 Kommentare

  1. An einem 18ten vor 19 Jahren 1:2 Auswärtssieg
    An einem 18ten 20 19 ?
    Die Hoffnung stirbt zuletzt. FORZA SGE

  2. Du Benny,
    ich möchte ja nicht groß kritisieren.
    Das richtige Wort wäre meines Erachtens „Rauchschwaden“ …

    ;-DD

  3. … Schon wieder so eine negativ beeinflussende Überschrift.

    Warum der eigenen Mannschaft Angst machen und uns damit schaden?

    Die Lust gewinnen zu wollen muss größer sein….

    Wir haben doch eine tolle Ausgangsposition, damit hat vor der Saison niemand gerechnet….

    Auf geht’s Eintracht!!

  4. @2
    Konnte vor lauter Qualm nicht identifizieren, ob es jetzt Schwaden waren oder doch ein paar gegrillte Schweineschwarten im Block 😀

  5. Vot allen Dingen waren es wieder die gleichen Rauchschaden wie immer wenn unsere Ultra ohne Strafe gelassen werden, der Verein bezahlt ja. Es war wieder eine tolle Idee, die durch diese Blödiane mit den Bengalos wieder umsonst war, es ist so schade, aber dafür gibt es dann noch weniger Geld für neue Spieler, das wir doch so nötig brauchen.
    Nun zum Rest der Veranstaltung:
    Verstehe das wer will, ich denke er hätte den Timmy für da Costa und auch Ndicka zumindest einwechseln können, nachdem deutlich sichtbar wurde, das die Jungs meigentlich komplett platt waren, ausser Trapp.
    Egal es ist passiert, was wir eigentlich schon gut kennen, die Rückrunde verbaselt.
    Nicht unbedingt notwendig, aber mit der Aufstellung zu erwarten gewesen. Die Jungs haben in London alles rausgehauen, wenn auch leider zum Schluß umsonst.
    Es bleibt eine unvergessliche Saison und warten wir mal ab, was am Sonntag noch alles passiert, die Hoffnung stirbt zuletzt. 🙂

  6. Ich hoffe, dass Hasebe wieder als Libero spielt. Keine Ahnung, warum er in den letzten Spielen im Mittelfeld auflaufen musste. Er ist in der Abwehr viel wichtiger und alle zusammen dann besser!

  7. @5: Rückrunde verbaselt? 27 Punkte ( soviel wie in der Hinrunde ) sagen mir was anderes. In den letzten Spielen war es nicht gut, aber das gilt dann auchnur für den Zeitraum

  8. Der eine sagt, Rauchschwarten, der nächste Rauchschaden…was denn nu? wahrscheinlich sind wir diesen Mist nicht mehr gewöhnt.

  9. Für wahr ein missratenes Finish, wenn wir – Eintracht Frankfurt – am 34 Spieltag noch im Stande sind um die Champions League mitzuspielen. Und das nach einem ebenso missratenen Finish im EL Halbfinale gegen den Karpfen FC Chelsea im Elfmeterschießen. Und das obwohl unsere hochdatierten Herren Profifußballer keine 50 Pflichtspiele absolviert haben.
    Spätestens nächste Woche nach dem letzten Spiel muss eine schonungslose Analyse dieser Versäumnisse, ohne Rücksicht auf Namen und Ämter im Verein, erfolgen. So eine Saison sollte uns nicht mehr angeboten werden…

    Trifft das im Kern die Botschaft??

  10. @6
    So sieht es aus und das muss sich Adi, neben Willems z.B. leider ankreiden lassen. Hasebe hat den Laden hinten gut zusammen gehalten. Adi hat mein Vertrauen, aber ich hoffe er ist selbstkritisch genug und ändert auch Dinge.

  11. Ja, der KO droht, mehr aber nicht und vor allem kein Grund, sich vorab schon in die Hose zu machen!

  12. @10 Sehr geil ! Ergänzend vielleicht noch durch eine kleine Bemerkung, das wir uns doch mal in Mainz Tipps holen wie gutes Management funktioniert 🙂 Das war alles Katastrophe ! Wie schon geschrieben, schonungslose Analyse ist gefragt.

  13. Genau und die Verträge müssen alle gekündigt werden nach der peinlichen 6zu0 Klatsche gegen eine C Mannschaft die der FCB am letzten Spieltag ins Rennen geschickt hatte.
    Man was war das diesmal wieder für eine unterirdische Saison.

  14. @7 hast recht nicht „nicht verbaselt“ leider nicht gut zu Ende gespielt.
    Wie gesagt, trotz allem eine tolle Saison, egal wie es jetzt weitergeht.
    Am besten ist die Bauern schlagen oder unentschieden 🙂

  15. Werde am Samstag nur Mainz:Hoffenheim live anschauen, dass sagt schon wo unsere einzige Chance auf Platz 7 liegt.

  16. Vorsicht !! Robben hat 2 Tore in seinem letzten Spiel angekündigt.

    Ich war dabei, als er 2 Tore in seinem letzten Spiel für die Elftal
    im Qualifikations-Spiel gegen Schweden in Amsterdam geschossen hat !!

    Vorsicht also!! Er hat das schon einmal gemacht…

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