Markus Krösche will Filip Kostic und André Silva gerne am Main halten. (Foto: IMAGO / motivio)

Schon vor fast 19 Jahren wäre Markus Krösche beinahe bei der Eintracht gelandet. „Charly Körbel hat mir geschrieben, dass er 2002 Krösche holen wollte, doch Tony Woodcock die Personalie abgelehnt hat“, verriet Aufsichtsratschef Philip Holzer am Ende der Pressekonferenz. Er fügte scherzhaft hinzu: „Sie sehen also wie langfristig wir bei der Eintracht planen.“ Jetzt hat es mit dem Transfer also geklappt, worüber sie in Frankfurt sehr glücklich sind. Nicht mehr als aktiver Profi, dafür als Sportvorstand kommt Krösche an den Main und geht mit „Spaß, Mut und Überzeugung“ die neue Tätigkeit bei den Hessen an. Er habe schon eine Wohnung gefunden und wolle bald die Stadt ein bisschen näher kennenlernen, erklärte er auf seiner Antrittspressekonferenz am Dienstag. Zum offiziellen ersten Arbeitstag gab es einen Obstkorb. Doch untätig war der Ex-Leipziger, der laut einem Bericht der „Kölner Rundschau“ auch vom 1. FC Köln umworben war, auch vorher nicht. Schon bei der Trainerentscheidung wirkte Krösche maßgeblich mit. „Ben Manga hat eine Shortlist erstellt, auf die Markus aufgesetzt hat“, erklärte Holzer und fügte an: „Die Schnittmenge war sehr groß.“

Markus Krösche: „Glasner war unser Topkandidat“

Der einstige Paderborner Kapitän ergänzt: „Es war immer so, dass Oliver Glasner unser Topkandidat war. Er hat in Wolfsburg herausragende Arbeit geleistet, indem er den Verein im unteren Tabellendrittel übernommen und bis in die Champions League geführt hat.“ Die  Trainerentscheidung war sein erster Meilenstein, nun wird sich Krösche dem Kader widmen. „Grundsätzlich ist es so, dass wir keinen großen Umbruch haben wollen, sondern die Mannschaft punktuell verstärken wollen“, erklärt er. Es sei die Marschroute „attraktiven und offensiven Fußball zu spielen“, so der 40-Jährige. Dazu wolle er gemeinsam mit Kaderplaner Ben Manga dem neuen Trainer Oliver Glasner einen „variablen und unberechenbaren Kader“ zusammenstellen, der eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern enthalten soll. Erste Fakten sind schon geschaffen worden. Dominik Kohr bleibt ein weiteres Jahr auf Leihbasis in Mainz.

Da Costa nimmt neuen Anlauf

Danny da Costa dagegen wird nach seinem halben Jahr in Mainz zurück zur Eintracht kehren, erklärte der Ex-Profi. „Er hat sehr gute Leistungen in Mainz gezeigt, und er kann uns mit seinen Fähigkeiten helfen, unsere Ziele zu erreichen. Für alle anderen Dinge ist es noch zu früh.“ Es gelte den bestehenden Kader zusammenzuhalten, denn eine Reihe von Eintracht-Assen sind heiß umworben. „Wenn du als Mannschaft erfolgreich bist, weckst du Begehrlichkeiten“, sagt Krösche mit Blick auf Stars wie Filip Kostic oder André Silva. „Ich werde alles probieren und zusammen mit dem Trainer versuchen, beide davon zu überzeugen, dass es Sinn macht, den Weg mit uns weiterzugehen. Ob uns das gelingt, werden wir sehen, aber sie wissen, was sie an der Eintracht haben.“ In den nächsten Tagen soll es einen Austausch mit Silvas Beratern geben. „Wir werden versuchen, ihn hier zu behalten, weil er ein extrem wichtiger Spieler für uns ist. Wir wollen ihn überzeugen, dass die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, ihm hilft weiter Tore zu schießen.“

Kein Agreement mit Bobic

Kostic war zuletzt ausgerechnet mit dem neuen Bobic-Klub Hertha BSC in Verbindung gebracht worden. Ein Agreement, dass Bobic keine Spieler aus Frankfurt mitnehme, gebe es nicht, betonte Holzer. „Das geht rechtlich gar nicht. Die Spieler haben Verträge und Fredi Bobic ist in Zukunft genauso ein möglicher Vertragspartner wie alle anderen Klubs.“ Holzer und Krösche erwarten einen schwierigen Transfermarkt in diesem Sommer. „Wir haben einen Transfermarkt, der extrem von Corona geprägt sein wird. Alle Vereine haben Einbußen“, so Krösche. Hinzu komme das EM-Turnier. „Ich glaube, dass irgendwann ein Dominoeffekt eintreten wird und wenn ein großer Verein einen großen Transfer macht, die anderen Steine kippen werden und der Markt angeschoben wird. Erfahrungsgemäß wird das etwas später sein“, erklärte der gebürtige Hannoveraner. Der Ex-Paderborn-Profi sieht vor allem in der Offensive Handlungsbedarf. „Wir wollen auf Geschwindigkeit setzen. Vielleicht fehlt uns da noch der ein oder andere Spieler, der das mitbringt. Das ist ein Punkt, auf den wir ein Augenmerk legen“, verrät der neue Sport-Boss. Bei Luka Jovic müsse man abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Ein weiteres Engagement wollte Krösche aber nicht ausschließen. Der Serbe sei sicherlich ein „sehr, sehr interessanter Spieler“.

Talente verpflichten, weiterentwickeln und verkaufen

Sein Fokus werde auch auf einer noch besseren Verzahnung zwischen Nachwuchs und Profis liegen, betonte er. „Das Niveau unserer Mannschaft ist sehr hoch. Da ist es für junge Spieler nicht ganz so einfach den Sprung direkt zu schaffen. Wir müssen Wert auf einen ganzheitlichen Ansatz bei der Ausbildung junger Spieler legen, um eine höhere Wahrscheinlichkeit zu haben, dass ein Spieler zu den Profis durchkommt“, schildert Krösche auf SGE4EVER.de-Nachfrage. „Nachwuchsarbeit ist ein langfristiger Prozess“, betont er und verwies auf die kommenden Wochen und Monate, in denen er sich ein Bild von der Nachwuchsarbeit der SGE machen wolle. Der eingeschlagene Weg mit der Verpflichtung von jungen Talenten soll aber konsequent fortgesetzt werden. „Grundsätzlich ist es so, dass wir Werte schaffen müssen. Wir wollen junge Talente verpflichten, weiterentwickeln, Ziele erreichen und Transfererlöse erwirtschaften“, skizziert er den zukünftigen Frankfurter Weg. Ab 28. Juni beginnt die Vorbereitung auf die neue Saison. Schon bis dahin dürften es arbeitsreiche Tage für den neuen Frankfurter Sportvorstand sein.

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9 Kommentare

  1. Fragt mich jemand, wie sehr sich die Eintracht seit dem nur durch die Relegationsspiele gegen Nürnberg vermiedenen Abstieg entwickelt hat, weise ich darauf hin, dass sie sich nach einer der größten Enttäuschungen in der jüngeren Geschichte erstens noch immer für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert hat und ich zweitens selten so entspannt auf die Antworten zu wer, woher, wohin? wartete.

    Nagelt mich drauf fest: Dauerhaft (5 Jahre) Top 6 und jederzeit die Chance auf die CL, die in diesem Zeitraum auch mal genutzt werden wird. Das Team neben dem gibt es in seiner Verantwortung für das auf dem Platz her.

    Zwecks Einordnung unserer Entwicklung möge man den seit 20 Jahren im Kern und den Platzierungen mit der launischen Diva vergleichbaren FC Domstadt heranziehen, da liegen momentan Welten zwischen.

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  2. Ich bin da vollkommen bei dir. Das Saisonfinale tut zwar immer noch weh, da es so dermaßen unnötig war. Aber unterm Strich haben wir wieder einen guten Schritt gemacht. Schalke, Bremen, Hoffenheim und auch Hertha haben wir jetzt teilweise deutlich hinter uns gelassen. Gladbach, Wolfsburg und Leverkusen sind jetzt unsere Augenhöhe. Und bisher finde ich unsere Vorbeireitung für die neue Saison deutlich besser als die bei den Dreien.

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  3. Ich bin da auch optimistisch, dass wir es schaffen können, uns oben zu etablieren.
    Und das Geheule, wegen der verpassten CL muss jetzt auch mal aufhören.
    Warum in aller Welt behauptet jeder, dass das eine einmalige Chance war?
    Warum sollte die kommende Saison nicht sogar besser laufen?
    Die Mannschaften unter uns können wir auch in der kommenden Saison hinter uns lassen und oben muss nur eine schwächeln, hey, das ist doch nicht unwahrscheinlich.

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  4. Es tut nie gut, drei oder vier Schritte vor dem ersten zu gehen. Da kann man nur fallen. Wenn wir in den nächsten fünf Jahren uns regelmäßig über die Liga für die EL qualifizieren sollten, wird zwangsläufig auch die Qualifikation für die CL rauskommen. Allerdings muss man auch anerkennen, das es immer so 7-8 Teams geben wird, die um Europa spielen. Unser Ziel muss es sein, da mit zu mischen. Da wird es auch mal ein Jahr geben, wo wir uns dann nicht für Europa qualifizieren. Auch das muss man akzeptieren.

    Mit dem neuen Profi-Camp am Stadion und den dementsprechenden Trainingsmöglichkeiten sind wir auf alle Fälle Europatauglich und brauchen uns vor den „Geldvereinen“ nicht verstecken. Da haben wir aufgeholt und vielleicht sogar – weil neu – auch das ganze übertroffen.

    Letztendlich steht und fällt alles mit der Kontinuität auf der Führungsebene. Die Entwicklung ist dadurch entstanden, das BH 10 Jahre konstant gewirkt hat. Auch FB war 5 Jahre hier, letztendlich auch AH mit drei Jahren (mal unabhängig vom Abgang). Das wir seit Februar sicherlich auf Führungsebene ein Problem hatten hat Auswirkungen auf das Erreichen der CL gehabt, aber Abstiegskampf wie Schalke, Bremen, Hoffenheim, Hertha oder Köln hatten wir nicht. Wobei Bremen auch zwar Führungskonstant sind und eher Standortnachteile; Hoffenheim ebenfalls Führungskonstant sind, aber mit dem neuen Trainer und Corona-bedingt im Abstiegskampf waren und nächstes Jahr vermutlich wieder um Platz 5-9 als Konkurrent dabei sein wird.

    Zumindest waren wir auf Führungsebene konstant und haben dort einen Schnitt gemacht. Der war noch nicht nötig, aber wäre gekommen. Eine elegante Lösung mit einem schrittweisen Wechsel ist nicht möglich gewesen, also musste es geballt sein.
    Mit Markus Krösche (41), Ben Manga (47) und Oliver Glasner (46) haben die handelnden Personen jetzt genügend Erfahrung aber auch ein Alter für eine Ära von 15 Jahren. Natürlich weckt Erfolg Begehrlichkeiten, aber wenn genügend Ideen da sind und damit auch Futter für eine Weiterentwicklung, dann gibt es nur wenig Gründe zu wechseln. Und Eintracht Frankfurt ist attraktiv. Und schon alleine das Nachwuchszentrum birgt Potential für 20 Jahre! Alle drei handelnden Personen hätten sicherlich für en schnellen Erfolg und Titel woanders hingehen bzw. bleiben können. Also ist es folgerichtig, das die Wahrscheinlichkeit besteht, das sie die Eintracht nicht als Sprungbrett sehen. Zumindest haben wir drei Jahre einigermaßen Planungssicherheit.

    Mal sehen wie sich der Kader verändert. Das wird spannend und wenn man unsere Leistungsträger halten kann – wovon ich noch nicht überzeugt bin – dann wäre das schon mal ein starkes Signal.

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  5. Ich finde das Statement in der heutigen Zeit und der aktuellen Situation bemerkenswert.
    Einmal zeigt es deutlich unsere Entwicklung und Zielsetzung. Wie ja schon von wutzespeck erwähnt hat sich seit der Relegation sehr sehr viel getan. Damals wollte man ein etablierter Erstligist werden der ohne große Abstiegssorgen mal die Top 6 angreifen kann. Man wollte Geld durch die Entwicklung und den Verkauf von Spielern generieren.
    Das ist jetzt gerade mal 5 Jahre her. Dazu kam Corona und trotzdem möchte die Eintracht Leute wie Silva oder Kostic unbedingt halten. Bei 2/3 der Liga sieht es doch so aus, dass man darauf angewiesen ist solche Spieler zu Geld zu machen um über die Runden zu kommen. Das ist der nächste Schritt raus aus dem reinen Ausbildungsverein hin zur Entwicklung einer Mannschaft die zwar auch immer wieder Abgänge haben wird aber eben nicht in der Größenordnung wie bei den Büffeln. Im Gegenteil. Man versucht Spieler die in der Bundesliga zu den Spitzenspielern gehören zu halten und das drumherum Stück für Stück besser zu machen. Das ist in 5 Jahren schon eine starke Entwicklung. Sportlich als auch finanziell. Dazu noch einige Talente in der Hinterhand. Es ging uns wahrlich schon wesentlich schlechter

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  6. Wir sollten selbstbewusst ehrgeizige Ziele in Angriff nehmen, zB die EL, und bei sehr günstigem Verlauf kann auch mal die CL herausspringen.
    Aber wir sollten nicht den Fehler begehen, uns auf eine Stufe wie Gladbach oder Leverkusen zu stellen. Leverkusens Kader ist in der Summe ungefähr 80 % mehr wert. Und in Coronazeiten gibt´s ne extra Spritze.
    Auch AH hat schon mit Bedacht den Wechsel nach Gladbach vollzogen, da fehlt schon noch etwas, bis wir dahin gelangen.
    Die Gleichsetzung kann zu überzogenen Erwartungshaltungen und zu ungebührlichem Druck auf sportliche Leitung, Trainerteam und Mannschaft führen.

    Aber das kann ja unser Ansporn sein, zu diesen Mannschaften sukzessive aufzuschließen.

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  7. Ich empfinde die Ankündigung Spieler wie Kostic und Silva halten zu wollen erstmal als sehr selbstbewusst und das gefällt mir mächtig gut und ist auch jetzt schon ein wenig ein Unterschied. Man zeigt öffentlich deutlich, dass wir es erstens nicht nötig haben zu verkaufen und zweitens den Spielern eine enorme Wertschätzung. Davon unabhängig ob es dann gelingt Silva zu halten wird am Ende ein Preis dadurch für ihn gewiss nicht schlechter. Mir ging dieses latente mit Preisschild ins Schaufenster stellen schon immer auf den Zeiger, die Aussagen von Krösche dagegen top.
    Und ich kann mich nur anschließen, im Moment ist das Gefühl ein sehr gutes mit den handelnden Personen. Auch habe ich jetzt meinen Frieden mit der EL gemacht, wird ja anspruchsvoll genug wenn man so die anstehenden Namen liest. Wie schon die FAZ schrieb ist die EL nicht die Königsklasse aber Prinzenklasse. Trifft es doch ganz gut oder?

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  8. Das hört sich doch sehr gut an. Wäre super wenn die Leistungssträger bleiben und die Mannschaft wieder oben angreifen kann. Bei Jovic bin ich mir nicht sicher ob er der Eintracht dauerhaft weiter helfen kann. Seine Leistungen waren zu durchwachsen, falls überhaupt die Möglichkeit bestehen sollte ihn nochmals auszuleihen oder zu verpflichten. Warten wir ab was kommt.

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