Es war ein Abend, an dem bei Eintracht Frankfurt die Zukunft und die Vergangenheit eng beieinanderlagen. Nur einen Tag nach der Bekanntgabe, dass Markus Krösche den Verein auf eigenen Wunsch verlässt, verabschiedete sich der bisherige Sportvorstand persönlich von den Mitgliedern. Was als reguläre Mitgliederversammlung geplant war, bekam eine besondere Bedeutung. Neben den Berichten aus dem Verein und der Wahl des Präsidenten rückte vor allem die Zukunft der Fußball AG in den Fokus.
Krösche verabschiedet sich emotional: „Ich war ein Eintrachtler und bleibe ein Eintrachtler“
Als Präsident Mathias Beck den scheidenden Sportvorstand auf die Bühne bat, würdigte er zunächst dessen Verdienste. Mit Krösches Namen seien der Europa-League-Triumph 2022 in Sevilla, die Champions-League-Teilnahmen und zahlreiche wichtige Transfers verbunden. Zudem habe er die Eintracht bei Spielern, Beratern und Vereinen in Europa als attraktive Marke etabliert: „Markus´ Wunsch war, die Gründe hier auf der Mitgliederversammlung den Mitgliedern und Fans persönlich darzulegen und sich zu verabschieden und dies nicht einfach in Medienstatements zu tun. Davor habe ich ehrlich gesagt den größten Respekt. Außenstehende denken, dass du ein kühler, abgebrühter Macher bist. Aber ich habe einen emotionalen Markus kennenlernen dürfen.“
Anschließend ergriff Krösche selbst das Wort. Seine Rede war geprägt von Dankbarkeit und spürbarer Verbundenheit mit dem Klub, für den er seit 2021 gearbeitet hatte. „Es war eine besondere Reise. Es war ein besonderer Weg. Ihr habt mir sehr, sehr viel gegeben“, sagte der 46-Jährige. Dabei erinnerte er an einige der größten Erlebnisse seiner Amtszeit: „Wenn ich an die Europa League Reise 22 denke: Barcelona, Sevilla. Champions League Achterfinale, Pokalfinale.“ Die sportlichen Höhepunkte der vergangenen Jahre hätten seine Zeit in Frankfurt geprägt. Seine Entscheidung, die Eintracht zu verlassen, ändere nichts an seiner persönlichen Beziehung zum Verein.
„Ich wünsche diesem Klub, ich wünsche euch, ich wünsche dem Frauenteam, ich wünsche den Profis, ich wünsche diesem Klub nur das beste der Welt“, erklärte Krösche. Auch seine Kleidung hatte an diesem Abend eine symbolische Bedeutung. „Ich habe bewusst heute das Eintracht Jacket angezogen. Ich war in den letzten Jahren ein Eintrachtler und ich werde Eintrachtler bleiben und das ist das wichtigste für mich.“ Die anwesenden Mitglieder verabschiedeten Krösche mit lang anhaltendem Applaus und Standing Ovations. Damit endete ein bewegendes Kapitel der jüngeren Vereinsgeschichte.
Hellmann übernimmt vorerst die sportliche Verantwortung
Mit Krösches Abschied stellt sich für die Eintracht unmittelbar die Frage nach der künftigen sportlichen Führung. Axel Hellmann wurde bereits am Sonntag vom Vorstandssprecher zum Vorstandsvorsitzenden berufen. Bis ein dauerhafter Nachfolger für Krösche gefunden ist, übernimmt er zusätzlich die sportlichen Aufgaben. Er selbst machte bei der Mitgliederversammlung zudem deutlich, dass die Eintracht ihre Infrastruktur weiterentwickeln will. Besonders im Fokus steht das Stadion. Die aktuelle Arena fasst gut 60.000 Zuschauer, künftig könnte die Kapazität deutlich steigen. Nach Hellmanns Vorstellungen kommen Größenordnungen von 70.000 bis 80.000 Plätzen infrage. Ob dafür ein Neubau oder eine Erweiterung der bestehenden Arena sinnvoller wäre, ist noch offen. Erste Planungen sollen der Stadt Frankfurt noch Ende 2026 vorgestellt werden. Die Öffentlichkeit soll nach derzeitigem Stand im ersten Quartal 2027 nähere Informationen erhalten. Für Hellmann ist das Stadionprojekt eine zentrale Zukunftsaufgabe, die unabhängig von kurzfristigen sportlichen Ergebnissen vorangetrieben werden soll.
Außerdem sprach er auch über die künftige Transferstrategie. Diese habe sich verändert, erklärte er. Zwar sei die Neuausrichtung nicht kolossal, aber durchaus spürbar. Die Eintracht werde sich nicht leisten können, den gesamten Kader mit fertigen Spielern auf europäischem Topniveau zu besetzen. Stattdessen soll der Blick noch stärker auf junge Kräfte und die eigene Nachwuchsarbeit gerichtet werden. „Fertige Spieler mit europäischer Qualität werden wir uns nie bis zum 18. Kaderplatz leisten, sondern wir werden immer auf junge Kräfte setzen“, erklärte Hellmann. Dabei soll die Eintracht verstärkt im eigenen Nachwuchsleistungszentrum und auf dem deutschen Markt nach Verstärkungen suchen. „Wir gucken mehr ins NLZ, mehr ins deutsche Land, mehr auf potenzielle deutsche Nationalspieler, auch aus den U-Bereichen“, führte der Vorstandsvorsitzende aus.
Lebenslange Mitgliedschaft für Hütter und Peintinger
Einen besonderen Moment gab es auch für zwei weitere bekannte Gesichter der Frankfurter Vereinsgeschichte. Adi Hütter und sein langjähriger Co-Trainer Christian Peintinger erhielten eine lebenslange Mitgliedschaft bei Eintracht Frankfurt. Präsident Mathias Beck bat beide auf die Bühne und überreichte ihnen einen Eintracht-Schal. Hütter bedankte sich ebenfalls und richtete wohlwollende Worte an Markus Krösche.






8 Kommentare
Der perfekte Abgang.
Souverän, authentisch, ehrlich.
In Jugendsprache : Ehrenmann
Chapeau. So macht man es! Vielen Dank für alles und eine gute und erfolgreiche Reise!
Irgendwo hier im Forum habe ich gelesen MK wäre geschasst worden. Ich denke das kann keine Rede davon sein, schließlich hat er selbst darum gebeten sein Arbeitsverhältnis zu beenden. Ich kaufe ihm ab das er ein Eintrachtler bleibt. Cool von Hütter und Peintis lebenslanger Mitgliedschaft.
Man kann ja über viele Abgänge und Abschiede denken was man will, aber die wenigsten gehen bei uns nicht mit der Faust in der Tasche durch die Tür, sonder mit dem Taschentuch.
Heki, Omar, Maggus, Vadder Abraham, Hinti, Seppel der Fußballgott und wer weiß wen ich noch alles nennen könnte.., und am wichtigsten istc wie es Kloppo mal sagte.., „Wichtig ist nicht was sie über dich denken wenn du kommst, sondern wenn du gehst“
Alles in allem hat der Mann mehr richtig als falsch gemacht und dafür bin ich ihm Dankbar. Alles hat seine Zeit, und die Zeit unter Krösche war eine erfolgreiche, genau wie die Zeit unter Bobic, die eine Aufbruchstimmung erzeugt hat.
Danke Maggus und du bist, wie viele andere ein gern gesehener Gast im Stadtwald. Lass dich ab und zu mal blicken, auch gerne mit Mailand.
Also die Rede war das emotionalste seit dem Sieg der EL....
Ich hoffe, dass die Emotionen auf dem Platz bald wieder zurück kommen, die sind echt abhanden gekommen. Jedenfalls bei mir.
Markus, von Herzen alles Gute!
Markus, Vielen Dank für alles. Deine Emotionen haben auch mich berührt. Wer weiß, Vielleicht kehrst Du eines Tages wieder zu uns zurück. Niemals geht man so ganz. Mach es gut Markus!
Bin gerade mal richtig angefasst. Das waren echte Emotionen, nicht so ein gekünsteltes Getue wie bei den Bauern.
Danke für alles, Markus und lass Dich gerne hin und wieder bei uns sehen.
Ich bin sicher, dass er hier bei uns mitliest. Dürfte ihn freuen.
@osthessen
Danke für diese Einordnung 👍👍
Meiner Meinung nach gehört zu diesem „auffälligen“ Gesamtbild auch, dass wir „Spielern keine Steine in den Weg legen, wenn sie sich schneller entwickeln als der Verein“. Das wird ja bei entsprechenden Abgängen häufig als „sowas macht mal wieder nur die Eintracht - danke Krösche“ negativ eingeordnet.
Diese Versprechen bei Vertragschluss (vermutlich z.B. Nene Brown) und das spätere Einhalten sorgen genau für so geartete Abgänge. Und sind ein Pfund für weitere Verpflichtungen.
Respekt. Wertschätzung. Zuverlässigkeit. Eigentlich ganz einfach und doch so häufig vernachlässigt.
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