Es sind turbulente Zeiten bei der Frankfurter Eintracht. Jüngs verlor man mit 1:2 gegen den FSV Mainz 05, obwohl das europäische Geschäft nur bei einem außerordentlich guten Saisonendspurt gesichert werden kann. Dem neuen Trainer, Albert Riera, gelang es zwar, die Defensive zu stabilisieren, aber offensiv läuft bislang wenig zusammen. Das zeigten vor allen Dingen die letzten Partien. Nicht umsonst also musste sich Sportvorstand Markus Krösche beim „ZDF Sportstudio“ einigen Fragen stellen, die zu einer Krisensaison dazugehören.
Krösche „total gerne bei Eintracht Frankfurt“
Weniger zu einer Krisensaison, als mehr Lohn von erfolgreicher Arbeit ist der Faktor, dass Krösche selbst mittlerweile einen exzellenten Ruf im europäischen Fußball genießt. Durch große Transfers, wie den Verkäufen von Randal Kolo Muani, Hugo Ekitiké oder Omar Marmoush spülte der 45-Jährige hunderte Millionen Euro in die Frankfurter Vereinskasse. Kein Wunder also, dass auch andere Vereine sehr genau auf die Arbeit Krösches schauen und abwägen, ob der Eintracht-Macher nicht auch jemand für die eigene Chefetage sein könnte. „Am Ende ist es so, dass ich total gerne bei Eintracht Frankfurt arbeite“, sagte der Sportvorstand der Hessen angesprochen auf seine eigene Vertragssituation. „Ich bin jetzt fast fünf Jahre in Frankfurt, was für die heutige Zeit eine sehr, sehr lange Zeit ist. Wir haben sehr, sehr viele erfolgreiche Zeiten zusammen gehabt. Wir haben die Europa League gewonnen, waren im Champions League-Achtelfinale, im Pokalfinale. Wir haben es über die Liga geschafft, in die Champions League zu kommen. Ich bin kein Typ, der jetzt irgendwie die nächsten Schritte plant. Ich bin derzeit hier und ich bin total gerne bei Eintracht Frankfurt. Ich versuche meinen Job so gut wie möglich zu machen und alles andere interessiert mich eigentlich gar nicht.“
Die sportlichen Erfolge bleiben in dieser Saison allerdings aus. Im Gegenteil musste Krösche im Februar die Entscheidung treffen, den Trainer Dino Toppmöller zu entlassen. „Am Ende geht es nicht nur um die Ergebnisse, sondern auch um die Art und Weise und die Entwicklung einer Mannschaft und von einzelnen Spielern. Am Ende muss man dann entscheiden. Es geht um den Klub und dann geht es irgendwann auch nicht mehr darum, den kleinsten möglichen Nenner zu finden, sondern den größtmöglichen Schaden zu verhindern. Das ist vielschichtig und es gibt kein ‚richtig‘ oder ‚falsch‘.“ So könne beispielsweise ein Festhalten an einem Trainer auch dazu führen, dass die Entwicklung eines Teams positiv gestaltet wird. Es sei für ihn persönlich die schwierigste Entscheidung, weil der Trainer ein wichtiger Faktor sei. „Es ist keine einfache Entscheidung!“
Kein Streit mit Axel Hellmann, „zähes“ Jahr mit der Eintracht
Reibereien mit Vorstandssprecher Axel Hellmann gäbe es derweil übrigens nicht, wie verschiedene Quellen zuletzt immer wieder behaupteten. Während der Sendung wurde ein Ausschnitt gezeigt in dem Hellmann auf die Situation bezugnahm: „Meine Aussagen auf der Mitgliederversammlung waren mit ihm abgestimmt. Deswegen mussten wir auch herzlich darüber schmunzeln, als dann Gerüchte aufgetaucht sind. Markus Krösche und ich haben ein unfassbar gutes und enges Verhältnis, weil Markus auch jemand ist, der Kritik annehmen kann.“ Es habe definitiv Probleme bei der Kaderzusammenstellung gegeben. Daraus machte Krösche keinen Hehl. „Wir hatten in den letzten Jahren immer mit die jüngste Mannschaft in der Bundesliga. Das Entwicklungen nicht immer positiv funktionieren, mal rückläufig sind oder sich mittelmäßig gestalten, das ist ganz normal. Das gehört mit dazu. Ich glaube, dass Axel Recht hatte, als er auf der Mitgliederversammlung auch die sportliche Seite mal kritisch beleuchtet hat. Wir hatten uns gerade von Dino Toppmöller getrennt Das ist gar nicht das Problem. Wir haben einfach ein Jahr, in dem das Momentum nicht so auf unserer Seite ist. Wir müssen viele Widerstände bewältigen, die wir die letzten Jahre in der Form nicht so hatten. Wir haben viele Verletzungen gehabt in einer Häufigkeit, die in den vergangenen Jahren in der Form ausgeblieben sind. Wir haben immer wieder in den letzten Jahren auch das Quäntchen Glück gehabt, auch wenn wir vieles gut gemacht haben. Man muss das einfach einordnen. Wir haben jetzt ein Jahr, wo vieles eben nicht so stimmt. Wo wir nicht so wie das heiße Messer durch die Butter gleiten. Es wirkt etwas zäh – keine Frage. Auch für uns und das Umfeld. Aber das ist eine Entwicklung, die als Klub dazugehört. Wir müssen uns jetzt mal durch so ein Jahr durchkämpfen.“
Warum funktionierte Wahi nicht bei der SGE?
Krösche ist mittlerweile bekannt als jemand, der in Sachen Transfers sehr vernetzt ist und eine gute Fachkenntnis besitzt. Er prägte in der Vergangenheit den Satz, dass ein Spieler zu 80 Prozent „gläsern“ sei, man also fast alles an einem Spieler analysieren könne. „Die fehlenden 20 Prozent ist der Faktor ‚Mensch'“, erklärte Krösche. „Man kann alles analysieren. Es gibt Videos, es gibt Daten, mit denen man einen Spieler bis ins kleinste Detail fußballerisch analysieren kann. Es gibt aber den Faktor Mensch. Das muss man immer im Hinterkopf haben. Wir arbeiten mit Menschen und das sind keine Maschinen. Die kommen mit 18, 19 Jahren in ein neues Umfeld. Oft in ein anderes Land mit einer fremden Sprache. Da kann es immer sein, dass etwas nicht funktioniert.“ Unwohlsein, Probleme beim Anschluss an die Gruppe oder fehlende Zeit, sich gut integrieren zu können seien Schwierigkeiten, die schwer vorhersehbar sind. „Zeit gibt es im Profifußball eigentlich nicht. Du muss funktionieren. Den Faktor ‚Mensch‘ kann man nicht sicher vorhersagen. Man sieht es zum Beispiel an Jens-Petter Hauge. Den haben wir vor einigen Jahren verpflichtet. Jetzt machte er mit Bodø/Glimt eine außergewöhnliche Reise in der Champions League als einer der Besten. Die Fähigkeiten haben gezeigt, dass er zu uns passen würde. Aber beim Faktor ‚Mensch‘ hat es eben nicht so sehr gepasst und bei Elye Wahi ist es am Ende das gleiche. Er hat jetzt in Nizza eine außergewöhnliche Zeit, viele Tore geschossen und vorbereitet in relativ kurzer Zeit. Manchmal kannst du diese Dinge nicht vorhersagen. Das Thema ‚Mensch‘ und ‚Wohlfühlen‘ geben eine Basis, die wichtig ist, um Leistung zu bringen.“
Krösche-Konter auf Hoeneß-Kritik
In der vergangenen Woche hatte der Ehrenpräsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, die Transferkritik der Eintracht kritisiert. Die Hessen würden zu viel Substanz dadurch verlieren, immer wieder die besten Spieler zu verkaufen. Er begreife den FC Bayern eher als Käufer- anstatt als Verkäuferverein. „Uli Hoeneß hat grundsätzlich Recht“, nahm Krösche dazu Bezug. „Es ist so, dass wenn du deine besten Spieler verkaufst, dann verlierst du Substanz. Dass Bayern München eher ein Käufer-, als ein Verkäuferverein ist auch richtig. Aber ich sage jetzt mal 80 bis 90 Prozent der Vereine in Europa sind Verkäufervereine. Es gibt nicht so wirklich viele Käufervereine. Letztendlich ist fast jeder Verein in Europa auf Transfererlöse angewiesen. Solche Vereine werden wahrscheinlich immer wieder ihre besten Spieler verlieren. Ich habe letztens gelesen, dass das Modell ‚Eintracht Frankfurt‘ am Scheitern sein. Es ist ja nicht das Modell ‚Eintracht Frankfurt‘. Es ist einfach das Modell, dass 80 bis 90 Prozent der Vereine in Europa haben. Nämlich, dass man auf dem Weg, seine Ziele zu erreichen, immer wieder seine besten Spieler verliert.“ Darüber hinaus zeigte sich Krösche sicher, dass auch die Bayern künftig Spieler verkaufen werden. „Wenn Michael Olise jetzt zu Real Madrid wechseln möchte, dann ist sicherlich auch da die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass er wechseln würde. Der Markt hat sich verändert. Andere Länder und andere Klubs haben andere Möglichkeiten, als wir hier in der Bundesliga.“
Die Bundesliga werde in den nächsten Jahren um die internationale Wettbewerbsfähigkeit kämpfen müssen, ist Krösche sicher. „Wir als Bundesliga geben immer wieder unsere besten Spieler in andere Ligen, Respektive Premier League, ab, weil da die Spieler eher die Möglichkeit sehen, internationale Titel zu gewinnen. Das kann auch auf unsere Topklubs Auswirkungen haben.“ Soweit, dass man als Eintracht Frankfurt einen Starspieler halten- und eine Mannschaft um ihn herumbauen könne, soweit sei man noch nicht, legte Krösche sich fest. „Auf der einen Seite brauchen wir Transfererlöse, um ein Stückweit die nächsten Schritte zu gehen und regelmäßig international Fußball spielen zu können. Das ist die eine, wirtschaftliche Seite. Auf der anderen Seite sind wir als Klub noch nicht so groß, dass wir Spielern in ihrer Entwicklung die Rahmenbedingungen geben zu können, mit der sie ihre Ziele erreichen können. Wir wollen natürlich mit den Spielern gemeinsam unsere sportlichen Ziele erreichen. Wir wollen regelmäßig international spielen. Wir wollen auch im internationalen Geschäft unsere Ziele erreichen. Aber auf diesem Weg werden wir immer unsere Spieler verlieren. Um Spieler und Leistungsträger zu halten, braucht man Rahmenbedingungen, die wir noch nicht haben. Wir befinden uns da in einem Prozess. Vielleicht können wir in Zukunft mal Leistungsträger halten.“
Götze „extrem wichtig“ für die Eintracht
Zuletzt gab es bei der SGE einen Aufreger, als Albert Riera bei seinem Spieltagskader gegen Mainz nicht Mario Götze nominierte, obwohl dieser mutmaßlich fit und einsatzbereit gewesen sei. Angesprochen darauf, ob das Auswirkungen auf die diskutierte Vertragsverlängerung habe, antwortete Krösche: „Mario ist für uns ein extrem wichtiger Spieler. Nicht nur auf dem Feld, sondern auch außerhalb des Feldes. Wir haben, wie ich vorhin erwähnte, eine sehr, sehr junge Mannschaft und Mario hat schon so viele Situationen in seinem Leben erwähnt, aufgrund derer er den jungen Spieler Halt und Ratschläge geben kann. Von daher ist er so wichtig für uns.“






3 Kommentare
Gude,
Zunächst mal gut zu wissen, dass sich die Herrschaften in unserer oberen Etage verstehen. Ich hab seinen Auftritt im Sportstudio nicht gesehen. Was mir hier allerdings ein bissi fehlt ist seine Selbstkritik in Bezug auf einen fehlenden 6er und die etwas verspätete Entlassung von Toppi.
Nobody's perfect. Ich am wenigsten.
Wir müssen alles erwarten. Auch das Güte (Jo Schück)
Forza SGE
Auch wenn er die Gegentore eingestellt hat… aber der Trainerwechsel ist aus meiner Sicht gescheitert. Nicht zwangsläufig wegen dem Trainer. Der war vermutlich von vornherein nicht das Problem.
Es kann doch nicht sein, dass sich eine Mannschaft einfach hinten reinstellt und die Eintracht keine Lösungen findet.
Der Sommer wird wirklich spannend. Trainer wieder weg? Krösche hinterher? Prophezeite Verluste von 20 Millionen. Vermutlich kein internationaler Wettbewerb, was zum einen wegbrechende Einnahmen bedeutet und die Eintracht für potentielle Neuzugänge weniger interessant macht.
Kann alles anders kommen aber alles im Bereich des möglichen. Da bekomme ich wirklich Bauchweh.
Riera fand ich sehr dünnhäutig auf der PK. Das viele Gebabbel wird mir langsam auch etwas zu anstrengend. Der ist für meinen Geschmack einfach zu Lehrerhaft. Weiß alles besser aber dann kommt so eine Leistung.
Aber vielleicht bin ich auch nur etwas dünnhäutig gerade. Kein Bock auf die alte Diva mehr.
Aber was willste machen.. Verein sucht man sich nur 1x aus.
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