Ex-Eintracht-Trainer Niko Kovac kehrt am Sonntag mit dem FC Bayern zurück nach Frankfurt.

Es ist eine Geschichte, wie sie nur der Fußball schreiben kann. Nach zweieinhalb Jahren bei der Frankfurter Eintracht mit dem krönenden Pokalsieg im Mai diesen Jahres gegen den FC Bayern München, kehrt Ex-SGE-Coach Niko Kovac zum ersten Pflichtspiel der neuen Saison mit neuem Arbeitgeber an seine alte Wirkungsstätte zurück. In Frankfurt hat er sich mit dem ersten Titel seit 30 Jahren unvergessen gemacht und die Eintracht vom Abstiegskampf ins internationale Geschäft geführt. Im Sommer folgte dann der nächste Karriereschritt zum deutschen Rekordmeister, für den Kovac selbst zwei Jahre (2001-2003) die Fußballschuhe schnürte. Am Sonntag nun die Rückkehr nach Frankfurt. Kein ganz normales Spiel für den Kroaten. Vorher unterhielt er sich mit SGE4EVER.de in einem exklusiven Interview unter anderem über den Wechsel zu den Bayern, seine Zeit bei der Eintracht, den neuen Eintracht-Trainer und was passiert, wenn er am Sonntag die falsche Kabine anvisiert. Einen Verbleib von Ante Rebic bei den Hessen würde sich der Kroate derweil wünschen.

Herr Kovac, nach über zwei Jahren Frankfurt erfolgte in diesem Sommer der nächste Schritt mit dem Wechsel zum FC Bayern. Wie ist die Umstellung gelungen? Wo sind die größten Unterschiede? Wo bestehen vielleicht auch Gemeinsamkeiten bei den beiden Stationen?

„Es ist eine große Aufgabe, die ich in München übernommen habe. Wir arbeiten jetzt rund 6 Wochen zusammen und mir gefällt sehr, was ich bislang erlebt habe. Über Unterschiede zwischen der Eintracht und den Bayern mache ich mir eigentlich gar  keine Gedanken: hier muss gearbeitet werden, dort wurde gearbeitet, hier sind Profis am Werk, in Frankfurt genauso. Letztlich ist überall entscheidend, was am Ende rauskommt. Bei der Eintracht war es der Pokalsieg.“

Sie gelten als ein großer Kritiker der heutigen Leistungsgesellschaft, haben stets betont, dass Sie das „immer höher, immer weiter“ nicht mitmachen wollen. Wie ist das Prinzip von Demut bei einem Weltklub wie dem FC Bayern realisierbar?

„Das „immer höher, immer weiter“ gilt für mich als Person. Das heißt, dass ich auch mal mit etwas Erreichtem zufrieden sein will, dass ich mich privat nicht immer treiben lassen will. Das hat auch ein Stück mit Demut und Dankbarkeit zu tun. Wenn Du allerdings im Hochleistungssport Erfolg haben willst, dann ist das Streben nach „immer weiter“, sich ständig verbessern zu wollen und immer Perfektion als Antrieb zu haben, unbedingt notwendig. Ich glaube, so haben Sie mich als Trainer auch kennengelernt.“

Wie würden Sie Ihre Zeit in Frankfurt zusammenfassend beschreiben? Gibt es etwas, das Sie nach knapp zweieinhalb Monaten Abstinenz vermissen?

„Ich wiederhole mich gerne: Ich glaube, dass wir eine unglaublich tolle Zeit zusammen in Frankfurt hatten. Vom Fast-Abstieg zweimal ins Pokalfinale und schließlich zum ersten Titelgewinn für die Eintracht nach 30 Jahren. Das haben wir gemeinsam erreicht. Das schweißt zusammen, diese Zeit wird niemand jemals vergessen.“

Niko Kovac holte mit der Eintracht den ersten Titel seit 30 Jahren. (Foto: imago/Sammy Minkoff)

Gerade medial waren die Wochen vor dem Pokalfinale sicher keine einfache Zeit für Sie, viele Medien haben Sie gar persönlich angegriffen. Gibt es im Nachgang vielleicht etwas, das man anders oder besser hätte machen können, von welcher Seite auch immer? Oder sehen Sie das Ganze vielmehr in der Nachbetrachtung als wertvolle Erfahrung?

„Ich habe damals nichts gelesen oder gesehen, insofern habe ich die Aufregungen gar nicht so mitbekommen. Und das war gut so. Nur deshalb konnte ich mich zu 100% auf meine Mannschaft und unsere Ziele konzentrieren. Und die haben wir erreicht.“

Mit dem Pokalsieg haben Sie in Frankfurt Geschichte geschrieben. Für Ihren neuen Arbeitgeber war es eine doch sehr bittere Niederlage. Wie haben die Verantwortlichen darauf reagiert? Mit Schulterklopfern oder doch ein paar Spitzen?

„Das ist in München kein Thema. Ich war damals Trainer der Eintracht und habe meinen Job so gut wie möglich gemacht. Etwas anderes hätten die Verantwortlichen des FC Bayern auch gar nicht erwartet. Jetzt versuche ich, meine Arbeit so gut wie möglich für die Münchner zu machen.“

Wie es der Fußball so will, führt Sie das erste Pflichtspiel der neuen Saison direkt wieder nach Frankfurt. Welche Emotionen kommen da bei Ihnen hoch? Besteht eventuell sogar die Gefahr, dass Sie die falsche Kabine anvisieren?

„Dass das natürlich ein besonderes Spiel für meinen Bruder Robert und mich ist, ist doch klar. Wir haben so viele Erinnerungen an diese Stadt und in diesem Stadion, wir werden viele Bekannte und wirkliche Freunde treffen. Ich freue mich auch, meine ehemaligen Spieler wiederzusehen. Und bevor ich aus Gewohnheit in die Eintracht-Kabine gehe – da (lacht) werden mich Fredi Bobic und Bruno Hübner schon stoppen…“

Mit Kevin-Prince Boateng hat neben Ihnen auch der absolute Leader des Teams die Eintracht verlassen. Wie sehr hat Sie seine Entscheidung, nach nur einem Jahr seine Zelte wieder abzubrechen, überrascht?

„Ja, ich war schon überrascht, als ich von Kevins Abschied gelesen habe. Er hat hier bei der Eintracht innerhalb kürzester Zeit, große Spuren hinterlassen. Er war unser Leader – auf und außerhalb des Platzes. Es ist schade, dass er nicht mehr bei der SGE ist.“

Bei der Eintracht hat mit Adi Hütter ein Mann Ihre Nachfolge angetreten, mit dem sie freundschaftlich verbunden sind. Was trauen Sie ihm mit seinem neuformierten und -ausgerichteten Team in der kommenden Saison zu?

„Ich kenne Adi aus unserer gemeinsamen Zeit in Salzburg. Er ist ein toller Bursche und ein exzellenter Trainer, seine Erfolge sprechen für sich. Ich hoffe und bin mir sicher, dass er in Frankfurt erfolgreich arbeiten wird. Nur mit seinem ersten Titelgewinn für die Eintracht (schmunzelt,) da sollte er sich schon noch ein bisserl Zeit lassen…“

Mit Ante Rebic steht eine Personalie immer wieder im Fokus auch in Bezug auf den FC Bayern. Sportdirektor Bruno Hübner bestätigte zuletzt, dass Sie bei ihm im Wort stehen, keine Spieler der Hessen aktiv abzuwerben. Wäre ein Transfer dennoch denkbar oder können Sie das gänzlich ausschließen?

„Zu diesem Thema ist in den letzten Tagen und Wochen eigentlich schon alles gesagt. Ich halte Ante für einen tollen Spieler, das wissen Sie. Beim FC Bayern haben wir auf seiner Position aber soviel Qualität, dass eine Verpflichtung nicht notwendig ist. Ich hoffe, dass er bei der Eintracht bleibt!“

 

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12 Kommentare

  1. aha kovac sagt also das sie im moment , also stand jetzt , genug qualität haben. aber in einem jahr wenn die qualität in den ruhestand geht , sieht die sache natürlich wieder ganz anders aus.
    wäre kovac ein richtiger mann dessen wort was zählt hätte er ausgeschlossen das ante zu den bauern geht, nicht jetzt nicht in einem jahr , nicht solange er trainer dort ist aber da er es nicht ausschliessen kann, kommen jetzt so wischi waschi aussagen.

    sollte rebic in einem jahr zu den bauern wechseln, ist kovac einer der grösste heuchler die ich erleben durfte.

    naja schauen wir mal…

  2. So gerne ich auch alle Spieler halten wollen würde und so sehr ich es hasse, wenn unsere Leute zum FCB wechseln, so kann ich @1 nicht ganz zustimmen.
    Einen Spieler „mitnehmen“ zum neuen Verein, heißt für mich, ihn direkt in der gleichen Transferperiode zu verpflichten – das wird nicht passieren.
    Man kann Kovac keinen Vorwurf machen, wenn er in einem oder zwei Jahren Spieler von uns abwirbt. Das wäre nicht gut für uns, aber es wäre typisch FC Bayern. NK kann sich kaum darauf festlegen, in seiner FCB Laufbahn niemals einen Spieler von der Eintracht zu verpflichten.
    Sollte es dazu kommen, so hoffe ich aber, dass er dafür sorgt, dass wir angemessen entschädigt werden, denn sonst sind seine Liebesbekundungen uns gegenüber tatsächlich Heuchlerei.

  3. @1.
    EISWEI hat hier wahrlich mehrfach die Unwahrheit gesagt – das weiß alle Welt und er selbst – und es hat ihn einiges an Reputation gekostet. Es ist vergeben, wenn auch noch nicht vergessen. Aber seine durchaus nicht selbstverständlichen wiederholt wertschätzend-empathischen Äußerungen über seine Zeit bei seinem Ex-Club lassen zunehmend Gras über die Sache wachsen. Das ist gut so.
    Aber wer jetzt sogar von ihm verlangt, dass jedes seiner verlauteten Worte für alle Zukunft oder auch nur ein Jahr oder zwei oder drei letztgültig zu sein hat, überdreht erheblich.
    NK hat gestern angeblich ein Upgrade zum seinem längst branchenbekannten „Stand jetzt“ kreiiert: „Stand morgen“
    Eigentlich möchte ich mir lieber nicht vorstellen, dass er irgendwann einmal in die Not kommt, daraus ein „Stand übermorgen“ machen zu müssen.

  4. @5 volle Zustimmung.

    @1 für mich nicht sehr fair Ante gegenüber. Meine Liebe zur Eintracht in allen Ehren. Wie Ignorant wären wir, einem jungen Spieler, der für uns fantastische Leistungen erbracht hat, den verdienten Weg zu einem Spitzenclub zu verbauen, nur weil wir darauf bestehen wollen, dass ein ehemaliger Trainer die Finger von ihm lässt. Im ersten Jahr, wenn Kovac es so mitgeteilt hat… ok. Danach sollten für alle Parteien aber wieder alle Möglichkeiten bestehen.
    Aus Eintracht- und Fan-Perspektive wünsche ich mir natürlich, dass er bleibt. Noch mehr wünsche ich mir aber, dass dieser Typ sich seine fußballerischen Träume erfüllen kann, nachdem er mir im DFB Pokal meinen erfüllt hat.

  5. @7: Das meldet sogar Eintracht.de 😉
    @1: Zu hohe Erwartung, und wäre auch vollkommen unüblich und sogar ziemlicher Quark. Alle Aussagen beziehen sich dahingehend doch auf den Vorgang seines Wechsels, der ja jetzt gerade gelaufen ist. „Mit-wechseln“ wäre ja nächstes Jahr gar nicht mehr der Fall. Da werden die Karten neu gemischt. Ich fände das zwar blöd, würde es Kovac aber nicht vorwerfen. Wäre ein ganz normaler Vorgang.

  6. Das sich immer hier jeder an diesem „Stand jetzt“ aufhängt. Was hätte er denn sonst sagen sollen. Bei Vertragssituationen ist es nun mals so, dass Sie erst in Kraft treten wenn die Unterschriften aller Vertragspartner darunter stehen und vorher wird stillschweigen über die Situation vereinbart, in der Regel bis zu einem vereinbarten Termin zu dem es offiziell wird, was leider in der Situation nicht passiert ist, aber dafür kann er auch nichts. Sowas hat nichts mit Verrat zu tun sondern mit Professionalität. Ihr seid doch einfach nur angepisst weil er vor Vertragsablauf zu den Bayern ist. Kann man ja verstehen aber irgendwann ist doch auch wieder gut. Ist schliesslich jedermans gutes Recht, bei einem interessanten Jobangebot den Arbeitgeber zu wechseln…

  7. Um einen Spieler von uns im Winter oder nächstes Jahr zu den Bayern zu holen, müsste er dann noch Trainer dort sein. Ich bin gespannt…

  8. wie gesagt , holt kovac jemals rebic von der eintracht zu den bauern, ist er in meinen augen ein mann dessen wort nix wert ist, er wäre dann der heuchler in person und sein ganzes gequatsche von werten nur lug und trug!

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