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Kevin Trapp will mit der SGE weiterhin voll angreifen. Foto: IMAGO / Nordphoto

Kevin Trapp: „Gibt keinen Grund, uns irgendwelche Grenzen zu setzen!“

Es ist knapp einen Monat her, als sich Eintracht-Kapitän und -Stammtorwart Kevin Trapp bei einem Abschlag kurz vor der Halbzeit des 2:1-Auswärtssieges der Frankfurter Eintracht verletzt hatte. Seitdem fällt der 34-Jährige aus, regenerierte seine Oberschenkelverletzung aus und arbeitete in der Reha an seinem Comeback auf dem Platz. In dieser Zeit schlug die Stunde von Ersatztorwart Kaua Santos, der seine Sache Großteils sehr gut machte und dafür auch mit einer frühen und vorzeitigen Vertragsverlängerung belohnt wurde.

Eines der Highlights des jungen Brasilianers war sicherlich das Spiel der SGE gegen den FC Bayern München am vergangenen Sonntag, welches die Hessen in den Schlusssekunden erst ausgleichen konnten, anschließend wurde Santos zum Helden, als er in einer der letzten Aktionen das 3:3 gegen Thomas Müller rettete. Trapp selbst musste diese Partie noch auf der Tribüne verfolgen. „Es war ja sehr wild, sehr Eintracht-Frankfurt-like, so spät den Ausgleich zu erzielen. Vor allem daheim ist es ein geiles Gefühl, den Ausgleich vor der eigenen Kurve zu erzielen, womit dann das ganze Stadion explodiert“, erklärt er dem „hr“, wie er den späten Ausgleich erlebt habe. Sein Oberschenkel habe ihm beim Jubeln keine Probleme mehr gemacht: „Der Oberschenkel hat in dem Moment gehalten. Ich war ja eigentlich schon so gut wie fit, nur dieses Spiel kam eben ein oder zwei Tage zu früh.“ Er verriet, dass es für ihn nicht nur schlimm gewesen sei, dass er das Spiel wegen der Verletzung nicht auf dem Platz mitbestimmen konnte, sondern dass ihn die Tribüne auch besonders fordere: „Ich bin auf der Tribüne angespannter als im Tor selbst. Im Tor bin ich voll auf die Aufgabe fokussiert, da ist man anders angespannt. Auf dem Platz kann ich ja mithelfen, auf der Tribüne hat man die Zügel nicht selbst in der Hand.“ Dass er gegen die Bayern nicht im Tor stand, nannte er dabei eine „Vernunftsentscheidung gegen die Emotionen“, er wolle die „Länderspielpause nutzen, um richtig zu trainieren und dann komplett fit zurückzukehren.“ 

Für seinen Stellvertreter Kaua Santos hatte er dabei lobende Worte: „Er hat das hervorragend gemacht. Gegen Besiktas hat er der Mannschaft geholfen, das Spiel zu gewinnen. Gegen München hat er die Mannschaft ständig im Spiel gehalten.“ Er habe hier von Anfang an vollstes Vertrauen in den jungen Brasilianer gehabt: „Dass Kaua ein sehr großes Talent ist, wissen wir alle, und dass er super Voraussetzungen hat, um ein ganz großer Torwart zu werden, wissen auch alle. Deswegen hat mich das nicht überrascht.“ Nachdem Santos die guten Leistungen gezeigt hatte, gab es viele Berichte, die den Brasilianer in den Himmel lobten und sogar einen Stammplatz für ihn forderten. Trapp sagte, dass er sich „nicht aktiv“ anschaue, was geschrieben werde. „Der Fußball ist sehr schnelllebig, sowohl negativ als auch positiv. Es tut mir gut, wenn ich auf mich selbst konzentriere, weil nur dann kann ich meine eigene Leistung beeinflussen. Mit Kauã und Jens haben wir viel Qualität im Tor und das ist auch gut so!“, sagte er auf diese Thematik angesprochen.

Nationalmannschaft? Kevin Trapp will durch Leistung überzeugen

Auch beim Thema Nationalmannschaft sei es wichtig, dass er zunächst auf sich selbst schaue. Trapp war jahrelang Teil des DFB-Teams, seit dem Frühjahr aber nicht mehr. Auch nach dem Rücktritt von Manuel Neuer und der schweren Verletzung von Marc-André ter Stegen scheint er derzeit kein Kandidat zu sein. „Ich werde zu dem Thema häufig gefragt, eigentlich zu häufig“, so Trapp, der seine Sicht der Dinge erklärte: „Es geht um meine eigene Leistung, die muss ich zeigen. Und wenn ich die auf dem Platz bringe, habe ich meinen Teil dazu beigetragen. Ob ich dann eingeladen werde, entscheidet schlussendlich der Bundestrainer mit dem Torwarttrainer. Ich habe immer gesagt, dass es schön ist, Teil der Nationalelf zu sein. Für mich geht es jetzt aber erst einmal darum, zurück auf den Platz zu kommen. Ich mache mir selbst keinen Druck dabei, wenn ich meine Leistung bringe, kommt der Rest von alleine.“ Er vertrete aber weiterhin die Einstellung, dass er gerne zum DFB-Team reisen würde: „Für mich geht es jetzt darum, wieder auf den Platz zurückzukehren, mit der Mannschaft erfolgreich zu sein und meinen Teil dazu beizutragen. Wenn der Bundestrainer der Meinung ist, dass ich es verdient habe, dabei zu sein, dann natürlich sehr gerne. Teil der DFB-Elf zu sein ist etwas Besonderes. Die Stimmung scheint sehr gut zu sein, vor allem auch während der EM. Und wenn ich meinen Teil am Erfolg beitragen kann, auf oder neben dem Platz, dann natürlich gerne.“

Um dieses Ziel zu erreichen, muss Trapp aber zuerst bei der SGE überzeugen. Hierfür findet er derzeit wohl gute Bedingungen vor, denn die Mannschaft zeigt sich derzeit sehr stark, sehr gefestigt und ist seit dem Auftakt-Spieltag in die diesjährige Bundesliga-Saison bei Borussia Dortmund ungeschlagen. „Wir haben einen wirklich guten Teamspirit. Mein Gefühl ist, dass die Stimmung deutlich besser ist als noch vor einem halben Jahr. Wir haben dazu mit Hugo und Omar Ausnahme-Stürmer vorne drin“, erklärte Trapp, und betonte, dass der Schlüssel für ihn aber die Abwehr sei: „Wir haben unglaublich souverän und männlich verteidigt mit wenig Schnörkel. Wir hatten richtig Lust darauf zu verteidigen, das hat man gemerkt. Auch gegen die Bayern. Das ist gerade der Schlüssel des Erfolgs. Aber auch da gibt es noch Sachen, die wir verbessern können.“ Besonders die beiden Neuzugänge Rasmus Kristensen und Arthur Theate haben es ihm angetan: „Für mich waren das sehr wichtige Transfers. Beide spielen sehr erwachsenen Fußball. Bei beiden hat man das Gefühl, dass sie sich voll reinhauen. Sie bringen die Mentalität, die wir hinten brauchen, und haben die Qualität im Team wirklich gesteigert.“

Keine Gedanken ans Karriereende

Auch im Trainerteam der SGE und bei den Verantwortlichen scheint in dieser Spielzeit noch einmal ein anderer Ton an der Tagesordnung, denn nach erfolgreichen Spielen wird hier auch immer wieder der Finger in die Wunde gelegt und die negativen Dinge angesprochen. Für Trapp sei dies eine gute Sache: „Denn es gibt ja auch genügend, was man verbessern kann. Sehen Sie sich die Tore in Kiel an oder die Gegentreffer nach Ecken gegen die Bayern. Natürlich machen wir viel richtig, trotzdem haben wir immer mal wieder Phasen im Spiel, in denen wir nicht die Dinge umsetzen, die wir in anderen Phasen des Spiels richtig gemacht haben. Wir wollen eben da hinkommen, dass wir über 90 Minuten das alles umsetzen. Wir können uns das Leben noch leichter machen.“ Wenn die SGE das schaffe, dass gebe es für ihn „keinen Grund, uns irgendwelche Grenzen zu setzen“. Trotzdem sei hier ein bisschen Demut gut: „Wir müssen trotzdem schauen, dass wir immer weiter an uns arbeiten, und dürfen nicht glauben, dass es einfach so weiterläuft. Wir wollen uns weiterentwickeln und verbessern. Aber ja, wir haben einen sehr guten Kader, der viel erreichen kann.“ Daher sei es für ihn auch weiterhin wichtig, nach dem „maximalen Erfolg“ zu streben: „Das Schlimmste ist, am Ende dazustehen und etwas zu bereuen, weil man nicht genügend dafür gearbeitet hat. Wenn man andere Teams wie Union oder den VfB sieht, sieht man ja, dass es mit harter Arbeit und dem nötigen Glück machbar ist.“ Die SGE wolle da sein, wenn ein Team aus der absoluten Spitzengruppe schwächelt: „Natürlich gibt es mit Bayern, Dortmund, Leipzig und Leverkusen normalerweise vier Teams, die da oben festsitzen. Es gibt aber Beispiele, dass das eben nicht immer so ist, dass eines dieser Teams schwächelt oder andere Mannschaften einfach sehr stark sind. Und ich finde, wir können uns hohe und ambitionierte Ziele setzen. Dieses Selbstvertrauen dürfen wir auch haben. Am Ende geht es darum, jede Woche Leistung zu bringen und unser Potenzial abzurufen.“ In einem solchen Falle dürften die letzten aktiven Fußballer-Jahre für Trapp, der noch bis 2026 Vertrag hat, erfolgreiche werden. Wie es dann weitergeht? „Ich habe mir da wirklich noch keine Gedanken gemacht. Es gibt einige Optionen für die Zukunft. Entweder die Karriere hier zu beenden oder vielleicht doch noch einmal woanders hinzugehen. Das wäre dann aber etwas außerhalb Deutschlands. Das ist aber für mich wirklich noch sehr weit weg und spielt jetzt in meinem Kopf gar keine Rolle“, zeigt sich der 34-Jährige voll auf das Hier und Jetzt fokussiert.

3 Kommentare

Avatar 1. voll_adler 10. Oktober 24, 12:15 Uhr

"Wir haben unglaublich souverän und männlich verteidigt mit wenig Schnörkel.[...]"

Ich muss mir anscheinend mal Frauenfußball anschauen, um zu sehen wie man mit Schnörkeln verteidigt...

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Fallback Avatar 2. Werner 10. Oktober 24, 13:36 Uhr

Klasse Einstellung von trapp.
Lieber eine Nr. 2 mit100% als eine Nr. 1 mit 85%.
Keiner steht über dem Verein.
Wichtig jetzt egal wer drin steht muß die volle Unterstützung bekommen.
Ich hoffe das wir 2mal was mitnehmen können aus Leverkusen.

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Avatar 3. la bestia blanca 10. Oktober 24, 17:43 Uhr

Trapp ist ein Medienprofi und gibt selbstverständlich ein souveränes Interview ab, welches sich auch gut liest. Und nach den Top Leistungen von Kaua, hätte man natürlich jetzt auch keinen besseren Zeitpunkt für ein paar Sätze finden können. Er wird jetzt wieder im Tor stehen und mit Leverkusen kommt ein Gegner, der nach dem Kiel Desaster mit dem Messer zwischen den Zähnen unseren Torwart ordentlich beschäftigen wird. Sollte Kevin nicht liefern können, wird er seine Kritiker noch eine Weile im Nacken haben. Auch wenn ich seine aktuellen Leistungen ebenfalls kritisch sehe, bekommt er meinen bedingungslosen Support! Es geht schließlich um Eintracht Frankfurt!

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