mitgliederversammlung_tischvorlageWie ging es dann weiter?
„Ich habe mich dann entschieden zu kandidieren. Anfangs hätte ich gar nicht gedacht, dass ich im Nominierungsausschuss überhaupt durchgenickt werde, doch überraschenderweise haben beide Gremien zugestimmt. Aber mir wurden zwei Vorwürfe gemacht. Der erste war auf mein Alter bezogen und der zweite, dass ich damals als Geschäftsführer gegangen bin. Aber ich bin nicht zurückgetreten, ich hatte nur meinen Zwei-Jahres-Vertrag erfüllt.“

Ein wesentlicher Grund für Ihre Kandidatur ist die finanzielle Situation des Vereins. Nun kann man der Tischvorlage zur Mitgliederversammlung entnehmen, dass der Verein wieder schwarze Zahlen schreibt. Bedeutet das nicht einen erheblichen Aufwind für Peter Fischer?
„Der Verlust von Eintracht Frankfurt vom 30.06. beträgt 700.000 Euro – ausgewiesen  sind 300.000 Euro. Was haben sie gemacht? Sie haben Aktien verkauft. Sie haben ja gesagt, dass sie die zurückkaufen wollen. Wie auch immer – die Bilanz der letzten drei Jahre zeigt, dass Fischer Schulden angehäuft hat ohne Ende. Es sieht wirklich nicht gut aus. Da ist richtig Geld geflossen, das man für andere Dinge hätte verwenden können. Das werde ich dann schon in meiner Rede thematisieren.“

Bei der Mitgliederversammlung droht die Abwahl von Christian Geiser aus dem Verwaltungsrat, der in ihrem Team als Vizepräsidentschaftskandidat antritt. Ihm wird vorgeworfen, zu lange verheimlicht zu haben, zu Ihrem Team zu gehören und damit alle getäuscht zu haben. Gehen Sie durch diesen Umstand nicht vorbelastet ins Rennen?
„Christian Geiser konnte damals noch gar nicht mitteilen, zu meinem Team zu gehören, da das zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht der Fall war. Der Nominierungsausschuss hat nur eine Aufgabe – die Kandidaten müssen durch die Ausschüsse durch. Sie sprachen mich auf mein Team an, Fischer habe sein Team ja auch schon dabei gehabt. Das ist aber kein Wunder, er hatte es auch schon zusammen. Den Schatzmeister für mein Team, Gerhard Jourdan, konnte ich benennen und auch erzählen, was er macht. Beim anderen habe ich um Verständnis gebeten – der Mann konnte noch nicht genannt werden, weil er noch mit seinem Arbeitgeber sprechen musste.
Ich bin sehr optimistisch, dass ich gewählt werde. Aber dieser Abwahlantrag ist ein Faktor, der mich den Wahlsieg kosten könnte. Dabei wird der Sachverhalt falsch dargestellt und mein Anwalt wird bei der Mitgliederversammlung dazu Stellung nehmen. Und dann bin ich gespannt, was die Mitglieder machen. Und wenn sie ihn mit Bravour abwählen, dann werden wir sehen. Es gibt welche, die wählen sowieso den Schäfer und andere sowieso den Fischer. Und dann gibt es die dazwischen.“

Der andere Antrag bezieht sich auf die Offenlegung der Vergütungskriterien des Präsidiums. Er wurde von den Mitgliedern Schenk und Gabriel eingebracht. Wie stehen Sie zu diesem Antrag?
„Es ist zwingend erforderlich, dass der Präsident von Eintracht Frankfurt ehrenamtlich und ohne Vergütung arbeitet, da die Abteilungsleiter auch ehrenamtlich tätig sind und der Präsident mit ihnen auf Augenhöhe stehen muss. Herr Fischer vertritt eine andere Auffassung. Er sagt, die Arbeit des Präsidiums müsse vergütet werden. Wir werden Herrn Fischer aber auch noch mal nach seinen konkreten Gehaltswünschen fragen.“

Der Antrag beinhaltet ja auch eine Offenlegung der Vergütung selbst in den letzten Jahren. Wie sieht es damit aus?
„Herr Fischer betont ja, dass er bisher ehrenamtlich tätig sei und ohne Vergütung arbeite. Er bekomme lediglich Tantieme aus seiner Tätigkeit in der AG.“

Kommen wir zu einem anderen Punkt. In einem Interview mit der Fanzeitschrift „Fan geht vor“ sagten Sie, dass sie die Abmeldung der U23 bedauern, Ihnen hier aber Detailwissen zu den Gründen für diese Entscheidung fehle. Sollten Sie die Präsidentschaftswahl gewinnen, inwiefern werden Sie versuchen, Einfluss auf Entscheidungen der AG zu nehmen?
„Ich würde in meiner Funktion als Mitglied des Aufsichtsrates mit Sicherheit Einfluss nehmen. Ich habe die Entscheidung bzgl. der U23 in der Tat bedauert und habe auch den Eindruck, dass dieses Thema viele Fans beschäftigt. Davon bin ich eigentlich überrascht. Ich dachte, die sagen: ‚Hauptsache Bundesliga! Wir hauen die Bayern weg!'“

Sie sagten auch, dass sie die räumliche Trennung von Profi- und Jugendmannschaften nicht optimal fänden. Wäre es aus Ihrer Sicht sinnvoll, alle Fußballmannschaften der Eintracht am selben Ort trainieren zu lassen?
16.05.2011, Aufsichtsratssitzung Eintracht Frankfurt„Soweit ich weiß, war das ja eine gemeinsame Entscheidung des e.V. und der AG. Das wurde ja auch still und leise durchgezogen. Als Mitglied habe ich hier aber nur begrenztes Wissen über die Gegebenheiten und kann daher noch keine genauen Aussagen treffen. Aber ich würde mir das alles mal angucken.“

Wie ist heute ihr Verhältnis zu den Fans?
„Der ehemalige Fansprecher Andreas Hornung sagt immer wieder, dass sich die Szene verändert habe. Deshalb bin ich als VR ab und zu in den Stehblock – das habe ich 5, 6 Mal gemacht und mich mit den Fans unterhalten. Was ich dort alles erfahren habe, weiß keiner von der Eintracht, weil sie mit denen nicht reden. Ich versuche für jedermann, der mit mir sprechen will, da zu sein.“

Noch ein abschließende Frage: Welche Schlagzeile würden Sie gerne am Montag nach der Wahl in der Zeitung lesen?
„Sensation – Reiner Schäfer schlägt Peter Fischer!“

Herr Schäfer, vielen Dank für das Interview

Am Mittwoch lest ihr ab 08:00 Uhr bei uns, was Peter Fischer im SGE4EVER.de-Interview zu sagen hatte.

Das Interview führten: Christopher Michel, Sebastian Leinweber und Benjamin Hansen –

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4 Kommentare

  1. Was ist eure Meinung, wer solls machen, wer wird’s machen?

    Die finanzielle Schieflage wirkte zuletzt doch recht unproffesionell, oder?

  2. Da hier keine Diskussion aufkam wollte ich keine beginnen. Diskutieren kann man über dieses Thema ja genug.
    Ich bin momentan ein wenig zwiegespalten. Wenn ich mir das obige Interview durchlese, dann entdecke ich einige Dinge bei denen ich zustimmen kann. Andererseits wird mir zu oft auf vergangenes eingegangen und immer wieder diese Fan-Nähe in den Vordergrund gestellt. Alles in allem wirkt er auf mich ein wenig angestaubt. 70 Jahre sind für dieses Amt zwar grundsätzlich kein Problem, Herry ist ja da auch nicht so weit weg, allerdings verstehe ich nicht wie man sich das dann noch antut.

    Zu den Finanzen des e.V. In der Fan geht vor war vor einiger Zeit ein mehrseitiges Interview mit Thomas Förster zu lesen. Hier mal der Link dazu:
    http://fan-geht-vor.de/pages/posts/interview-mit-thomas-foerster-vizepraesident-und-schatzmeister-eintracht-frankfurt-e.v.993.php

    Aus meiner Sicht sind da Faktoren zusammen gekommen die die finanzielle Schieflage begründen und bei denen ich den Verantwortlichen keinen Vorwurf machen kann. Außerdem sehe ich im großen und ganzen eine positive Entwicklung. Stichwort Leistungszentrum. Was mir ebenfalls gefallen hat sind die Versuche Mitglieder zu generieren. Denn, je mehr der e.V. hat, desto weniger muss die AG in die Bresche springen.

    Abschließend noch was zu Peter Fischer selbst. Er mag ja eine gute Außendarstellung haben. Er weiß wie man sich verkauft. Ich werde jedoch nicht so wirklich warm. Da ist mir einfach zuviel Selbstdarstellung mit bei. Daher bin ich was die Kandidaten betrifft denke ich bei einem Unentschieden.

  3. ich finde es schon merkwürdig, dass Herr Schäfer sich in allererster Linie mit seinen Leistungen von vor 25 Jahren anbietet und als Mitglied im Verwaltungsrat, wie hat er denn da Einfluss genommen?
    Diese Bewerbung ist mir zu undurchsichtig, ich glaube da stecken ganz andere Interessen und Personen dahinter und da keine Kritik an der Sportarbeit im Verein fällt, kann es sich nur um den Einfluss auf die AG handeln.

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