Auch mehr als zwei Jahre nach seinem Karriereende verfolgt Sebastian Rode das Geschehen bei Eintracht Frankfurt ganz genau. Im Interview mit dem „Darmstädter Echo“ sprach der ehemalige Kapitän der Hessen über den Umbruch unter Adi Hütter, das gescheiterte Kapitel Albert Riera, den Wechsel von Nathaniel Brown zum FC Bayern München und seine eigene Zukunft. Zudem verriet Rode, dass er sich Gespräche über eine Rückkehr zur Eintracht durchaus vorstellen kann – allerdings nicht im Aufsichtsrat.
Mit gemischten Gefühlen blickte Rode zunächst auf das Top-Thema in Fußball-Deutschland in den letzten Wochen zurück: das frühe Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft gegen Paraguay. „Das hat mich schon überrascht“, gab der 35-Jährige zu. Vor allem die Art und Weise habe ihn enttäuscht: „Wäre es im Achtelfinale gegen Frankreich gewesen, hätte niemand etwas gesagt. Aber die Art und Weise, wie es gegen Paraguay passiert ist, hat mich schon geärgert.“ Dass nun Jürgen Klopp die Nationalmannschaft übernommen hat, bewertet Rode grundsätzlich positiv, betonte aber auch:. „Jürgen Klopp kann schon viel, aber zaubern kann er auch nicht.“ Der neue Bundestrainer bringe jedoch genau die Eigenschaften mit, die zuletzt gefehlt hätten und habe bereits eine „gewisse Aufbruchsstimmung erzeugt“, sagte er. Gerade bei Themen wie Emotionalität oder Intensität könne Klopp viel bewegen, auch wenn er zunächst mit dem vorhandenen Spielermaterial arbeiten müsse.
Eine ähnliche Entwicklung erhofft sich Rode auch bei Eintracht Frankfurt. Der ehemalige Mittelfeldspieler sieht den Trainerwechsel hin zu Adi Hütter als große Chance. Den Österreicher beschreibt Rode als „Top-Trainer“, der vieles einfach mache. Nach den taktisch sehr anspruchsvollen Ansätzen unter seinen Vorgängern liege der Fokus nun wieder stärker auf den Grundlagen des Spiels: „Er vereinfacht vieles, von komplexen Trainern wie Albert Riera und Dino Toppmöller, der sehr viel im taktischen Bereich gearbeitet hat, wieder hin zu Intensität, Wille und Leidenschaft.“ Dabei hebt Rode hervor, dass Hütter sich in den vergangenen Jahren dennoch weiterentwickelt habe. Vor allem die Rahmenbedingungen sieht der ehemalige Kapitän als Vorteil: „Die Jungs werden nur einmal pro Woche spielen, worauf sie sich gut vorbereiten können.“ Trotz des laufenden Umbruchs blickt Rode optimistisch auf die neue Saison: „Es ist eine junge Mannschaft, es werden sicherlich noch einige Spieler gehen. Ich sehe aber definitiv gute Chancen, dass sie eine gute Saison spielen.“
Lob für Hütter
Aus eigener Erfahrung weiß Rode, warum Hütter bei seinen Mannschaften häufig schnell Wirkung entfaltet. Schließlich spielte er selbst mehrere Jahre unter dem heutigen Eintracht-Coach. Besonders imponiert habe ihm dessen Umgang mit der Mannschaft: „Er hat eine unglaublich gute, motivierende Ansprache.“ Hütter wisse genau, wie er seine Spieler erreiche: „Er weiß, wie er mit den Jungs umgehen muss. Wie er einen packen muss.“ Gleichzeitig fordere der Trainer seinen Spielern auch einiges ab. „Die Intensität, die er im Training vorlebt und fordert, will er auch im Spiel sehen“, erklärt er. Wer diese Intensität nicht auf den Platz bringe, bekomme das auch zu hören. „Dann gibt es für die Jungs auch keine Ausreden, wenn es mal nicht klappt. Da gibt’s auch mal auf den Deckel.“, sagte Rode mit einem Lachen.
Kritik an Riera
Deutlich kritischer fiel dagegen seine Analyse des gescheiterten Kapitels Albert Riera aus. Für Rode sei bereits früh erkennbar gewesen, warum die Zusammenarbeit nicht funktionieren konnte: „Er ist mit einem gewissen Ruf gekommen. Meistens ist da auch etwas dran.“ Der Verein habe bewusst einen Gegenpol zu Dino Toppmöller gesucht. Doch der Ansatz sei letztlich nicht zur Mannschaft gepasst. Vor allem die Spielidee bewertet Rode kritisch: „Er wollte Guardiola-Fußball spielen.“ Dafür habe jedoch die notwendige Dominanz gefehlt: „Eintracht Frankfurt ist eine gute Bundesliga-Mannschaft, aber um alle Teams in der Liga zu dominieren, musst du schon Bayern, Dortmund oder Leipzig sein.“ Zusätzlich habe sich Riera durch öffentliche Aussagen selbst geschadet: „Rhetorisch ist er auch in einige Fettnäpfchen getreten und hat Dinge gemacht, die man nicht macht.“ Besonders die öffentliche Kritik an der eigenen Mannschaft sieht Rode als schweren Fehler. „In der Öffentlichkeit die Mannschaft so zu diskreditieren, zum Beispiel. Da war es nur eine Frage der Zeit, wann er wieder gehen muss“, resümierte er.
Auch den Wechsel von Nathaniel Brown zum FC Bayern München ordnete Rode ein. Als bislang letzter Spieler war er selbst den Weg von Frankfurt nach München gegangen und weiß daher, welche Herausforderungen dort warten: „Es ist schon nochmal eine andere Hausnummer. Bayern München ist einer der besten Vereine der Welt mit einer riesigen Strahlkraft.“ Brown traut Rode den Schritt dennoch ohne Zweifel zu. Der Linksverteidiger habe sich in den vergangenen Jahren hervorragend entwickelt und sei „ein super Mensch und Fußballer.“ Auch seine Rolle in der Nationalmannschaft werde weiter wachsen: „Er hat sich auch bei der Nationalmannschaft etabliert und wird dort seine Position haben.“ Entscheidend sei nun, sich seine Unbekümmertheit zu bewahren. „Ich bin jedenfalls felsenfest überzeugt, dass er sich auch bei Bayern durchsetzt.“
Rodes Weg zurück zur Eintracht?
Interessant wurden die Aussagen Rodes schließlich auch mit Blick auf seine eigene Zukunft. Nachdem zuletzt über einen möglichen Posten im Aufsichtsrat spekuliert worden war, stellte der ehemalige Kapitän klar, dass diese Gerüchte nicht der Wahrheit entsprächen: „Ich habe es auch aus der Zeitung erfahren.“ Die Berichte hätten ihn sogar eher amüsiert. Ganz ausschließen wollte Rode eine Rückkehr zur Eintracht allerdings keineswegs. Im Gegenteil: „Ich bin mit der Eintracht in Gesprächen.“ Allerdings gehe es dabei nicht um den Aufsichtsrat: „Nicht für den Aufsichtsrat, eher Richtung Management.“ Eine Trainerlaufbahn könne er sich zwar ebenfalls vorstellen, die familiäre Situation spreche derzeit aber dagegen. Gleichzeitig wolle er seinen Lebensmittelpunkt an der Bergstraße nicht aufgeben: „Von daher versuche ich, das so zu handhaben, dass es hier vor Ort mit meiner Familie vereinbar ist.“
Die Aussagen zeigen, dass Rode die Entwicklung seines Herzensvereins weiterhin intensiv verfolgt. Dem Umbruch unter Adi Hütter begegnet der ehemalige Kapitän mit viel Optimismus und traut der jungen Mannschaft eine erfolgreiche Saison zu. Gleichzeitig deutet sich an, dass der 35-Jährige der Eintracht auch abseits des Rasens in Zukunft wieder näherkommen könnte – möglicherweise schon bald in einer Rolle im Management.






Ein Kommentar
Als Trainer im NLZ könnte ich ihn mir vorstellen. Ähnlich wie bei AMFG
Auf gehts!
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