Adi Hütter ist zurück bei Eintracht Frankfurt – und vieles ist anders als bei seinem ersten Amtsantritt im Sommer 2018. Nicht nur die Mannschaft hat sich grundlegend verändert, auch der Österreicher selbst sieht sich heute als einen anderen und weiterentwickelten Trainer. In der „Sport Bild“ sprach der 56-Jährige über die Unterschiede zwischen seinen beiden Amtszeiten, seine Arbeit mit der jungen Frankfurter Mannschaft, die Entwicklung seiner Spielidee und die emotionalen Reaktionen der Fans nach seiner Rückkehr.
Als Hütter 2018 von den Young Boys Bern an den Main wechselte, übernahm er eine Mannschaft, die kurz zuvor den DFB-Pokal gewonnen hatte und über zahlreiche gestandene Profis verfügte. Heute findet der Österreicher ein deutlich jüngeres Team vor. „Im Vergleich zu 2018 ist die Mannschaft heute eine ganz andere. Damals war sie deutlich erfahrener als die Mannschaft, die ich jetzt vorgefunden habe“, erklärte Hütter. Trotzdem sieht er seine aktuelle Mannschaft zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung bereits vergleichsweise weit: „Auch wenn ich das Gefühl habe, dass wir jetzt zum gleichen Zeitpunkt schon etwas weiter sind.“ Entscheidend bleibt für den Eintracht-Coach aber letztlich das, was auf dem Platz passiert. „Am Ende des Tages geht es immer um Ergebnisse. Aber der Weg zu den Ergebnissen ist für mich die Leistung“, stellte Hütter klar.
Junge Spieler brauchen „klare Leitplanken“
Die Jugend der Mannschaft stellt den Trainer dabei vor besondere Aufgaben. Ein Problem ist das für Hütter keineswegs. Vielmehr habe die Arbeit mit Talenten schon immer zu seinem Selbstverständnis gehört. „Grundsätzlich habe ich immer schon mit jungen Spielern gearbeitet“, betonte er. Allerdings müsse man diese nicht nur sportlich entwickeln: „Sie müssen auf der einen Seite noch ein Stück weit erzogen werden – im positiven Sinne. Auf der anderen Seite müssen sie an eine Profimannschaft herangeführt werden, weil es dort klare Leitplanken gibt.“ Gerade für Nachwuchsspieler verändert sich schließlich einiges, sobald sie dauerhaft bei den Profis ankommen. „Es ist etwas anderes, wenn du mit Gleichaltrigen spielst oder plötzlich mit einem Mario Götze oder Robin Koch“, erklärte der Österreicher. Auch innerhalb einer Mannschaft müssten sich die Talente zunächst orientieren: „Da gibt es Hierarchien, in denen sie sich zurechtfinden müssen.“ Dabei will Hütter keineswegs ausschließlich auf Jugend setzen. Für ihn zählt vielmehr die Einstellung – unabhängig vom Geburtsdatum: „Ich arbeite wahnsinnig gerne mit jungen Spielern, aber genauso gerne mit älteren. Wichtig ist für mich, dass alle hungrig bleiben.“
Veränderte Spielidee
Weiterentwickelt hat sich in den vergangenen Jahren auch Hütters Vorstellung vom Fußball. . „Als junger Trainer war ich eher vom Ballbesitzfußball und einem schönen, konstruktiven Spielaufbau geprägt“, blickte er zurück. Inzwischen seien weitere Komponenten hinzugekommen: „Heute kommt für mich eine gewisse Aggressivität und Intensität dazu. Mit diesem Mix kann ich mich komplett identifizieren.“ Genau diese Attribute fordert Hütter seit seiner Rückkehr auch immer wieder von seinen Frankfurter Spielern. Für ihn steht fest: „Für mich ist das Allerwichtigste, dass wir eine Art von Fußball spielen, mit der ich mich zu 100 Prozent identifizieren kann.“
„Schön, dass du wieder zu Hause bist“
Dass er seine zweite Zeit in Frankfurt bewusster wahrnimmt als die erste, daraus macht Hütter keinen Hehl. „Ganz sicher. Ich kann oft nur schwer in Worte fassen, wie gerne ich hier bin“, schwärmte der Eintracht-Coach. Seine Verbindung zur SGE sei auch nach seinem Abschied 2021 nie vollständig abgerissen: „Ich habe Eintracht Frankfurt immer im Herzen getragen. Deshalb ist diese Rückkehr für mich etwas ganz Besonderes.“ Selbstverständlich sei ein herzlicher Empfang für Hütter keineswegs gewesen. Sein damaliger Wechsel zu Borussia Mönchengladbach hatte bei der Frankfurter Anhängerschaft für großen Unmut gesorgt. Entsprechend gespannt war der Österreicher auf die ersten Begegnungen mit den Fans nach seiner Rückkehr.
Als die Mannschaft nach dem ersten Training am 13. Juli ihre Runde drehte, entschied sich Hütter deshalb bewusst dafür, ebenfalls auf die Anhänger zuzugehen. „Als die Mannschaft eingelaufen ist, habe ich zu Klaus Schmidt, Christian Peintinger und Alex Meier gesagt: Kommt, wir gehen auch eine Runde. Selbst, wenn ich Pfiffe bekomme. Das gehört dazu“, berichtete er. Schließlich habe er nicht davon ausgehen können, dass jeder Anhänger seine Rückkehr begrüßen würde: „Ich konnte ja nicht erwarten, dass jeder glücklich darüber ist, dass ich wieder da bin.“
Umso mehr berührten ihn die tatsächlichen Reaktionen. „Es ist mir wirklich unter die Haut gegangen, wie viele gerufen haben: ‚Schön, dass du wieder zu Hause bist, endlich bist du wieder da‘“, erzählte Hütter. Ein Moment, der auch bei einem erfahrenen Trainer Spuren hinterließ: „Man kann sich vorstellen, was das mit einem macht.“






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