Nach einer enttäuschenden vergangenen Saison steht Eintracht Frankfurt vor einem Neustart – und der beginnt für Lothar Matthäus vor allem auf der Trainerbank. Im Rahmen seines Bundesliga-Tipps für die „Sport Bild“ hat der deutsche Rekordnationalspieler die Eintracht auf den achten Platz getippt. Außderm hat er sich ausführlicher zu den Hessen geäußert. Die Rückkehr von Adi Hütter bewertet Matthäus positiv, mit dessen Vorgänger Albert Riera geht er dagegen hart ins Gericht. Doch auch beim aktuellen Frankfurter Kader erkennt der 65-Jährige noch einige Fragezeichen.
„Mit Adi Hütter hat Sportchef Markus Krösche dieses Mal einen erfahrenen Trainer-Fuchs geholt“, erklärte Matthäus. Nach den turbulenten Monaten unter Riera sei genau diese Erfahrung von Hütter wichtig: „Das war nach dem Fehlgriff Albert Riera auch dringend notwendig.“ Grundsätzlich habe Matthäus dabei überhaupt nichts gegen den Frankfurter Ansatz, auch einmal auf einen weniger bekannten Trainer zu setzen. „Ich habe nichts gegen unbekannte, innovative Trainer-Lösungen“, stellte der Weltmeister von 1990 klar. Allerdings müsse eine solche Entscheidung funktionieren: „Aber wenn man das Experiment wagt, muss es auch sitzen.“
Matthäus: Eintracht unter Riera ein „Komödienstadl“
Bei Riera sei genau das aus Matthäus‘ Sicht überhaupt nicht der Fall gewesen. Der Spanier hatte die Eintracht während der vergangenen Saison übernommen, konnte seine Vorstellungen aber nicht nachhaltig auf die Mannschaft übertragen. Matthäus wählte für die letzten Wochen unter dem mittlerweile wieder freigestellten Coach drastische Worte. „Unter Riera war die Eintracht am Ende der reinste ‚Komödienstadl‘, in dem kein Spieler mehr verstanden hat, was er eigentlich in der eigenwilligen Spiel-Idee des Trainers zu tun hatte“, urteilte der ehemalige Bayern-Profi.
Hütter soll nun wieder für mehr Klarheit sorgen. Der Österreicher kennt Frankfurt und die Bundesliga bereits aus seiner ersten Amtszeit und setzt auf eine intensive und geradlinige Spielweise. Die bisherige Vorbereitung zeigte allerdings auch, dass längst noch nicht alle Abläufe funktionieren – spätestens das deutliche 0:7 beim FC Brentford offenbarte große Probleme.
Matthäus sieht Fragezeichen hinter Koch in der Viererkette
Eine mögliche Schwachstelle sieht Matthäus dabei in der Defensive. Unter Hütter soll die Eintracht verstärkt mit einer Viererkette agieren. Ausgerechnet für Kapitän Robin Koch könnte die Umstellung nach Einschätzung des TV-Experten problematisch werden. „Kritisch könnte die Umstellung bei der Eintracht auf Viererkette werden. Es ist nicht das System von Abwehrchef Robin Koch“, erklärte Matthäus. An der grundsätzlichen Rolle des 30-Jährigen ändere das allerdings nichts: „Spielen muss er als Kapitän trotzdem.“ Hoffnung setzt Matthäus dagegen in Neuzugang Otávio. Der 20 Jahre alte Brasilianer soll nach seinem Wechsel aus Portugal die Defensive verstärken und bringt mit seiner Schnelligkeit, Physis und seinem starken linken Fuß ein interessantes Profil mit. Matthäus bezeichnete den Innenverteidiger als „vielversprechenden Spieler“.
Santos bleibt für Matthäus ein „Risikofaktor“
Deutlich kritischer blickt Matthäus eine Position weiter nach hinten. Die Diskussionen um Kauã Santos haben nach dem Debakel gegen Brentford noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen. Medienberichten zufolge beschäftigt sich die Eintracht inzwischen sogar mit einer Veränderung auf der Torhüterposition. Auch Matthäus hat Zweifel am Brasilianer. „Dahinter ist Torwart Kauã Santos weiterhin ein Risikofaktor“, urteilte der 65-Jährige knapp, aber deutlich. Damit schlägt Matthäus in eine ähnliche Kerbe wie zuletzt Eintracht-Legende Uli Stein. Auch der ehemalige SGE-Torhüter hatte Zweifel geäußert, ob Frankfurt mit Santos als Nummer eins in die Saison gehen sollte. Wenige Tage vor dem Pflichtspielauftakt gehört die Besetzung zwischen den Pfosten damit weiterhin zu den großen Diskussionsthemen rund um die Eintracht.
Onyedika löst für Matthäus ein Problem
Wesentlich besser sieht Matthäus die Hessen inzwischen im defensiven Mittelfeld aufgestellt. Dort hat die Eintracht mit Raphael Onyedika noch einmal prominent nachgelegt. Der 25-Jährige bringt reichlich Erfahrung aus Belgien und der Champions League mit und soll der Frankfurter Zentrale mehr Physis und Stabilität verleihen. Für Matthäus war dieser Transfer besonders wichtig: „Wichtig ist, dass mit Raphael Onyedika von Brügge nun endlich das Sechser-Problem gelöst wurde.“ Der Nigerianer könnte damit eine zentrale Rolle im Hütter-Fußball einnehmen. Gerade bei der gewünschten aggressiven Spielweise gegen den Ball und der notwendigen Absicherung hinter dem Frankfurter Pressing dürfte Onyedika gefragt sein.
Matthäus fehlt die Tiefe im Eintracht-Kader
Trotz der bisherigen Verstärkungen ist Matthäus vom Frankfurter Kader allerdings noch nicht vollständig überzeugt. In der Spitze sieht er durchaus genügend Qualität, dahinter fehle es seiner Meinung nach aber an Tiefe. „Sagen wir mal so: Bei den ersten 13, 14 Spielern ist Frankfurt gut besetzt“, erklärte der Rekordnationalspieler. Sein Nachsatz fällt deutlich kritischer aus: „Dahinter wird es schnell dünner.“ Damit benennt Matthäus eine Herausforderung, die auch Hütter zuletzt immer wieder angedeutet hatte. Zwar ist der Frankfurter Kader zahlenmäßig noch groß, der Trainer hatte aber bereits weitere Veränderungen angekündigt und insbesondere in der Defensive sowie im Angriff noch Bedarf erkennen lassen.
Matthäus sieht die Eintracht unter Hütter also grundsätzlich auf einem besseren Weg, erkennt vor dem Saisonstart aber noch einige Baustellen. Während er in Otávio und Onyedika wichtige Verstärkungen sieht, bleiben für ihn die Umstellung der Defensive, die Torhüterposition und die Qualität in der Breite die großen Fragezeichen.






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