Neben der Eintracht ging es in der Talkrunde auch noch um andere Themen:
Hintergrund: Die Bremer haben nach vier Niederlagen aus den ersten vier Pflichtspielen in Pokal und Bundesliga die Reißleine gezogen und Viktor Skripnik – dessen Vertrag in der Sommerpause noch vorzeitig bis 2018 verlängert wurde – entlassen. Null Punkte und 2:12 Tore waren zu viel und ermöglichten keine weitere Zusammenarbeit. Als Nachfolger werden die Namen Horst Hrubesch, Andreas Herzog, André Breitenreiter und sogar Thomas Schaaf gehandelt. Skripnik war bereits in der Vorsaison angezählt – der Klassenerhalt wurde vor allem den Spielern zugerechnet, die sich zusammenschlossen und den Klassenerhalt – ausgerechnet gegen die Eintracht – in der 89. Minute am letzten Spieltag sicherten. Zusammen mit den Fans, Stichwort „The Green White Wonderwall“, wurden wichtige Heimspiele gegen den VfL Wolfsburg (3:2), den VfB Stuttgart (6:2) und eben die Hessen (1:0) gewonnen. Der damalige Manager Thomas Eichin wollte Skripnik dennoch entlassen – und musste selber gehen.
Kovac zeigt sich überrascht über die öffentliche Darstellung von seinem Kollegen, dessen Arbeit demnach keinen Anteil am Klassenerhalt besaß: „Es ist doch merkwürdig, dass es jetzt heißt: Nur die Mannschaft hat den Klassenerhalt geschafft und der Trainer hat nichts damit zu tun. Ein paar Monate später soll er jetzt alleine daran Schuld tragen, dass es nicht gut läuft? Ich glaube, dass in der letzten Saison einige richtige Entscheidungen vom Trainerteam getroffen wurden – sonst wären sie nicht dringeblieben. Viktor kann nicht alles falsch gemacht haben und die Mannschaft im Gegensatz dazu alles richtig.“
Auf die Entgegnung, dass sich die Führungsspieler erst in der Endphase zusammentaten und eine Art Wagenburgmentalität entwickelten, sagte Kovac: „Wo waren sie dann vor dem Frühjahr? Warum haben sie erst am 25. Spieltag Verantwortung übernommen? Als ich nach Frankfurt kam, haben wir gewisse Sachen vorgegeben und die Mannschaft hat sie umgesetzt – so hat es Viktor ja auch gemacht. Die Trainingseinheiten hat er geleitet und so musste er Sachen sehen und lenken – sonst hätte es Bremen nicht geschafft.“
120 Kilometer weiter in Richtung Nordosten sind ebenfalls die ersten kritischen Stimmen in Richtung Trainer zu vernehmen.
Hintergrund: Der für viele Millionen Euro verstärkte Hamburger SV wollte in dieser Saison von Beginn einen Platz in der oberen Tabellenhälfte ins Visier nehmen. Bruno Labbadia sollte die Rolle vom „Retter“ zum „Aufbauer“ wechseln. Nach einem Zähler und einer bitteren 0:4-Heimniederlage gegen den Aufsteiger RB Leipzig stehen die Zeichen auf Sturm. 14-Millionen-Euro-Rekordeinkauf Filip Kostic konnte noch keine Akzente setzen, die Abwehr wirkt noch immer porös – und „Juwel“ Alen Halilovic verbringt die meiste Zeit noch auf der Bank. Labbadia ist der Meinung, dass der Kroate noch Zeit brauche, während Investor Klaus-Michael Kühne viel Druck aufbaut und ihn dauerhaft von Beginn an auf dem Feld sehen möchte.
Kovac trainierte den Offensivmann während seiner Zeit als kroatischer Nationaltrainer und sagt über ihn: „Er ist ein sehr guter Fußballer und kann sowohl auf der „10“, als auch auf den Außenbahnen spielen. Die Bundesliga ist aber etwas ganz anderes als die kroatische Liga. Dort war er ein junger Spieler bei Dinamo Zagreb, die immer 70 bis 80 Prozent Ballbesitz hatten. Alen musste keine Defensivarbeit leisten, nur seine Kreativität war gefragt und so ist er aufgewachsen. Niemand sagte ihm, dass man auch hinten aushelfen muss. Ich kann Labbadia verstehen. Als Trainer willst du immer die beste Mannschaft auf das Feld schicken. Wenn du dann schon untergehst, war es, weil du so entschieden hast – und nicht weil ein anderer die Entscheidung gefällt hat. Er muss dann dafür gerade stehen, wenn es klappt oder nicht klappt.“

Der Trainer der Eintracht kritisiert in diesem Zusammenhang Investor Kühne im kleinen und die Arbeit bei vielen Traditionsvereinen im großen Rahmen: „Das ist ja auch das, was das Problem vieler englischer Klubs ist. Investoren mischen sich ein und der Trainer hat keine Chance, zu gewinnen. Ich kenne den Hamburger SV und habe dort zwei Jahre gespielt: Die Erwartungshaltung ist groß, weil es die Tradition verlangt. Nur – wenn wir danach gehen, dürfte zum Beispiel der VfB nicht in Liga 2 spielen. Wo keine schlanken Strukturen vorherrschen und viele mitreden, da gibt es sehr große Probleme.“ Er verweist auf positive Beispiele: „Bayern, Dortmund und auch der 1. FC Köln können nur Erfolg haben, weil sie schlanke Strukturen haben. Immer da, wo viele denken, mitreden zu können, gibt die Probleme. Gerade die Traditionsklubs müssten sich etwas bei erfolgreichen Traditionsklubs abschauen – aber auch bei denen, die keine große Tradition haben, wie der VfL Wolfsburg. Es ist deshalb entscheidend, den Trainern und sportlich Verantwortlichen das Vertrauen auszusprechen und nicht alles zu schnell in Frage zu stellen.“






10 Kommentare
Danke Chris für die umfangreiche Wiedergabe dieser Diskussion. Sie dürfte zukünftig in keinem Geschichtsbuch fehlen.
Harald Stenger: Thomas Schaaf war damals erfolgreich und wurde komplett niedergeredet. Dafür kam Armin Veh, der bis zum Schluss glorifiziert wurde + Überschrift.
Niko Kovac: Wo keine schlanken Strukturen vorherrschen und viele mitreden, da gibt es sehr große Probleme.
Natürlich ist es nur eine Momentaufnahme nach zwei tollen Heimspielen, aber alles deutet auf eine goldene Morgenröte hin. So entsetzt ich erstmal über die Verpflichtung Fredi Bobics war, wenn der Aufsichtsrat dessen Konzept zum Anlass nahm, sich (wie auch Axel Hellmann) auf seine eigentlichen Aufgaben zu beschränken, war diese mehr als richtig.
Christoph Daum: Du bist der richtige Mann für die Eintracht. Der Verein kann sich glücklich schätzen, dass du hier bist.
Das heutige Zwischenzeugnis lässt daran keine Zweifel. Hoffen wir, dass auch die notwendige Portion Glück dazukommt. Tüchtig ist Niko ja.
Erstmal 10 Spieltage abwarten, dann kann man ein Fazit ziehen...positiv ist NK Art, ,aber auch er wird sich am sportlichen Erfolg messen ...und dennoch überrascht er mich schon,,dass die Mannschaft schon seine Handschrift zeigt.....die sehr klar ist...
Was die Mannschaft gerade ausmacht ist, dass jeder weiterkommen möchte. Die Leihspieler wollen Ihrem Heimatverein zeigen, dass sie es können, die alten Hasen wollen neben den jungen Leihspielern der Top-Vereine nicht blass aussehen und auch "Patienten" wie Huszti und Chandler scheint NK in die Spur zu bekommen.
Bestes Beispiel waren am Samstag Fabian und Rebic.
Fabian entpuppt sich als Lauf- und Sprintwunder und behält trotz der abgespulten Kilometer die Übersicht und die Kaltschnauzigkeit vorm Tor. Chapeau!
Und auch Rebis kommt nach 5 Minuten eingewöhnung richtig in Fahrt und lässt am laufenden band seine Gegenspieler stehen und zeigt seine Qualität.
Wenn weiter so gearbeitet wird, werden Punkte geholt und auch das Glück erzwungen dass man gegen die Großen manchmal braucht.
Jetzt noch einen Plan für Spiele gegen Fußballverweigerer wie Darmstadt, dann wird alles gut ;-)
Das Interview hat gezeigt, warum Stenger völlig zurecht beim DFB gefeuert wurde: ein Stammtisch-Schwätzer, der die Geschichte verklärt. Die Eintracht war vor der Übernahme durch Kovac nicht "mausetot", sondern hat ein deutlich überlegenes Heimspiel gegen Ingolstadt abgeliefert. Primär wurden unter Veh die engen Heimspiele nicht gewonnen, die danach knapp gewonnen worden sind.
Da hat selbst Kovac betreten geschaut, der genau weiss, dass er die Eintracht auf Platz 16 mit 3 Punkten Vorstand zu Platz 17 übernommen hat, und genau dort auch die Saison beendet hat.
Die offensichtliche Frage, die Kovac in der Sendung nicht gestellt wurde, wäre gewesen: "Am Wochenende war Fabian der beste Mann, und am Ende unter Veh war Fabian der beste Mann. Wieso haben Sie ihn zwischendrin links liegen gelassen? Hätte man sich nicht evtl. die Relegation ersparen können, wenn Fabian immer das Vertrauen geschenkt bekommen hätte?" Dort hätte Kovac einmal ausführlich eine Begründung liefern können zu seiner Sichtweise über den Spieler.
:D :D :D
Am Ende unter Veh war Fabian der beste Mann und am Wochenende war Fabian der beste Mann?
Selten so gelacht. Fabian war am Samstag der Matchwinner, aber sowohl bei Veh, als auch unter NK war Fabian letzte Saison nicht sonderlich bundesligatauglich. Er sagt ja selbst, dass er gerade körperlich und konditionell sehr viel aufzuholen hatte. Und auch samstag war es kein Sieg von Fabian gegen die Pillen, sondern eine hervorragende Mannschaftsleistung, bei der keiner abgefallen ist.
Ich bin mir sicher, dass du nicht aussagen wolltest das wir uns unter Kovac nicht verbessert haben. Er hatte 9 Spiele. Darunter Bayern, Leverkusen, Dortmund und Gladbach . Also die Top 4 der Liga. Bleiben noch 5, aus den wir realistisch punkten können. Hoffenheim, Bremen, Hannover, Darmstadt und Mainz ( die letzte Saison auch gut genug waren die EL zu schaffen. Davon haben wir 3 gewonnen, zwei unglückllich verloren. Und sensationell Dortmund geschlagen. Punkteschnitt 1,33 Punkte, hochgerechnet auf 34 Spiele wären das 45 Punkte ( soviel hatte Wobu auf Platz 8 ) . Punkteschnitt unter Veh 0,96, das sind 32 Punkte auf auf 34 Spiele hochgerechnet. . Da war sofort zu erkennen, das Kovac die Truppe mitreißt.
Das waren 9 Punkte, verteidigen, kämpfen und nicht auf technische Aspekte achten. Das ist nicht das Spiel von Fabian, der auch insgesamt weder damals noch jetzt zu Beginn der Runde eine Hilfe war.
JETZT hat er begriffen , was er ändern muss. Wenn das dauerhaft so ist, dann ist alles gut.
Nicht zu vergessen, dass Veh die Mannschaft durch zwei Vorbereitungsphasen führte, ihm in der Winterpause fünf Neuzugänge gegönnt wurden und Kovac einen Kaltstart hinlegen musste.
Desweiteren hat sich kein einziger Spieler unter Veh weiterentwickelt; die meisten haben nicht mal ihr Niveau gehalten.
Zitat Stenger : "Stattdessen gab es Diskussionen darüber, dass die Mannschaft zu international ist. Das zeigt, welche Kleingärtner in der Stadt unterwegs sind.“
Der Stenger ist der größte Dummschwätzer auf den Planeten! Wer wirft den der Eintracht die Internationalisierung vor? Die Kleingärtner in der Stadt oder doch eher seine Zunft die Journalisten? Es stand doch in jedem Käsblatt!
Von den ersten 5 Spielen unter Kovac wurden 4 verloren, mit 1 (!) geschossenem Tor. An DIESEM Zeitpunkt war die Eintracht mausetot, nicht vorher. Die Leistung von Kovac war gut, aber es halfen auch glückliche Umstände bei allen 4 Siegen, die bei ähnlichen Leistungen unter Veh halt nur Unentschieden waren - plus ein nicht erwartetes Versagen von Stuttgart. Ein Unterschied der letzten Saisonspiele ist halt auch, dass eine Mannschaft, die gewinnen muss, eben mehr probiert und riskiert als in den ersten drei Vierteln der Saison. Im Nachhinein war der Trainerwechsel also okay, aber Kovac hat auch keinen Ergebnislauf wie Nagelsmann hingelegt, geschweige denn eine sichere und frühzeitige Rettung erzielt. Das weiss er aber auch selbst. Wichtig ist die Zukunft, und da ist Kovac durchaus zuzutrauen, das Team auch unter den Top9 zu etablieren.
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