Mario Götze hat in seiner Karriere nahezu alles erlebt. Mit 17 Jahren debütierte er in der Bundesliga, wurde mit Borussia Dortmund Deutscher Meister, wechselte zum FC Bayern München und schoss Deutschland 2014 zum Weltmeistertitel. Über die Niederlande führte ihn sein Weg schließlich zu Eintracht Frankfurt. Inzwischen ist Götze 34 Jahre alt – und blickt anders auf den Fußball als noch zu Beginn seiner Karriere. Im Interview mit „Sky Sport“ sprach der Mittelfeldspieler darüber, warum er seine Zeit bei der SGE besonders genießt, welche Rolle seine Familie dabei spielt und womit er sich nach seiner aktiven Laufbahn beschäftigen möchte. Auch die ersten Schritte von Jürgen Klopp als Bundestrainer verfolgt der Weltmeister von 2014 aufmerksam.
Götze vereint inzwischen viele Rollen
„Super Mario“, Weltmeister, Familienvater und inzwischen auch Investor: Götze wurde im Laufe seiner Karriere mit zahlreichen Rollen verbunden. Sich selbst auf eine davon zu reduzieren, fällt dem 34-Jährigen schwer. „Ich würde sagen, von allen ein bisschen. Manchmal mehr, manchmal weniger“, erklärte Götze. Seine Sichtweise habe sich über die Jahre zwangsläufig verändert. Schließlich könne er mittlerweile auf Erfahrungen zurückgreifen, die bis zu seinem Bundesliga-Debüt als 17-Jähriger zurückreichen.
Gerade zwei Bereiche nehmen heute allerdings deutlich mehr Raum ein als noch zu Beginn seiner Karriere: die Familie und der Gedanke daran, dass die aktive Zeit als Fußballer irgendwann enden wird. Götze ist sich bewusst, dass er sich mittlerweile in einer anderen Phase seiner Laufbahn befindet. Das führt allerdings nicht dazu, dass er den Fußball weniger genießt. Vielmehr scheint das Gegenteil der Fall zu sein.
Götze fühlt sich bei der Eintracht wohl
Bei der Eintracht hat Götze ein Umfeld gefunden, in dem für ihn derzeit vieles zusammenpasst. Sportlich bietet ihm Frankfurt hervorragende Bedingungen, gleichzeitig fühlt sich auch seine Familie in der Region wohl. Auf die Frage, wie viel Freude ihm seine derzeitige Rolle bei der SGE bereitet, antwortete Götze entsprechend deutlich: „Ich würde sagen, sehr viel Spaß.“ Für den ehemaligen Nationalspieler sind dabei mehrere Faktoren entscheidend: „Am Ende ist es: Ich fühle mich hier wohl, meine Familie fühlt sich hier wohl. Überragende Bedingungen und das Wissen, ich kann das in zehn Jahren nicht mehr machen.“
Gerade dieser letzte Punkt verändert für ihn die Wahrnehmung. Als 20- oder 22-Jähriger schien noch nahezu die gesamte Karriere vor ihm zu liegen. Heute weiß Götze, dass die Zahl der Jahre als Profi begrenzt ist. Die aktuelle Phase bekommt dadurch einen anderen Stellenwert „Aus der Kombination macht es das dann nochmal besonders“, beschreibt er seine derzeitige Situation. Es ist eine bemerkenswerte Aussage eines Spielers, dessen Karriere über viele Jahre von enormen Erwartungen begleitet wurde. In Frankfurt scheint Götze dagegen ein Umfeld gefunden zu haben, in dem er seine Rolle mit einer gewissen Gelassenheit ausfüllen kann. Dabei gehört der Routinier weiterhin zu den Spielern, die der jungen Mannschaft mit ihrer Erfahrung helfen sollen.
Der Blick geht längst über den Fußball hinaus
Dass Götze sich intensiv mit der Zeit nach seiner Karriere auseinandersetzt, ist nicht neu. Schon seit einigen Jahren beschäftigt er sich mit Investments und wirtschaftlichen Themen. Der Ursprung dieses Interesses liegt für ihn auch im Blick über den europäischen Fußball hinaus. Vor allem US-amerikanische Spitzensportler hätten ihm gezeigt, wie sich eine Karriere abseits des eigentlichen Sports aufbauen lässt. Götze beschäftigte sich damit, wie Athleten ihr während der aktiven Laufbahn aufgebautes Netzwerk, Kapital und ihre Bekanntheit nutzen, um sich langfristig breiter aufzustellen. Als Vorbilder nennt er unter anderem Basketball-Superstars wie LeBron James und Kevin Durant. Aber auch Roger Federer und David Beckham seien Beispiele dafür, wie Athleten bereits während oder nach ihrer Karriere neue Geschäftsfelder erschließen können. „Da gibt es schon gerade so die Top-Top-Athleten, die haben das schon sensationell gut gemacht“, sagte Götze.
Intensiver wurde das Thema für ihn in einer Phase, in der sich auch privat einiges veränderte. Nach seiner zweiten Dortmunder Zeit wechselte er zur PSV Eindhoven, gleichzeitig wurde er Vater. Damit rückte zwangsläufig die Frage näher, wie ein Leben nach der Profikarriere aussehen könnte. Einen konkreten Zeitpunkt für sein Karriereende nennt Götze nicht. Zwar macht er sich Gedanken darüber, wie sein Alltag nach dem Fußball aussehen könnte, unmittelbar bevor steht dieser Schritt für ihn nach eigener Aussage aber noch nicht „Teilweise, klar, wenn man weiß, ich kann jetzt nicht mit 40 noch spielen, wie sieht dann der Alltag aus?“, erklärte der 34-Jährige. Gleichzeitig sei dieser Moment noch weit genug entfernt, um sich nicht endgültig festlegen zu müssen.
Eine Entscheidung scheint allerdings bereits gefallen zu sein: Den klassischen Weg vieler ehemaliger Profis möchte Götze nach seiner Karriere nicht einschlagen. „Ich weiß, dass ich jetzt nicht noch mal so richtig operativ in den Sport reingehen möchte“, stellte er klar. Eine Tätigkeit als Trainer oder Sportdirektor schließt er deshalb für sich aus.
Dem Sport vollständig den Rücken zu kehren, kommt für Götze allerdings ebenso wenig infrage. Vielmehr sucht er nach einer Rolle, in der sich seine verschiedenen Interessen miteinander verbinden lassen.
Götze sucht Verbindung zwischen Sport und Wirtschaft
Besonders intensiv möchte sich der Mittelfeldspieler künftig mit seinen wirtschaftlichen Aktivitäten beschäftigen. Schon heute investiert Götze in unterschiedliche Unternehmen und versucht, sich Wissen für die Zeit nach der aktiven Laufbahn aufzubauen. „Ich werde mir das Investment-Thema genauer anschauen und werde da versuchen, viel zu lernen, viel mitzunehmen und dann zu schauen, was mir Spaß macht“, erklärte er.
Besonders interessant findet Götze die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Sport. Begriffe wie Finance und Private Equity gehören deshalb mittlerweile ebenso zu seinen Überlegungen wie die Frage, welche Entwicklungen hinter den Kulissen des Profisports stattfinden.
Seine Zukunft könnte genau dort liegen: nicht unmittelbar auf der Trainerbank oder in der sportlichen Leitung eines Klubs, aber weiterhin in einem Umfeld, das mit dem Sport verbunden ist. „Da dann zu gucken, dass man da die Brücke baut zwischen so ein bisschen Finance, Private Equity hinzu Sport und dem, was so im Hintergrund noch passiert“, beschreibt Götze seine Vorstellungen. Dieser Bereich beschäftige ihn bereits seit mehreren Jahren und werde nach der Karriere vermutlich noch größere Bedeutung bekommen.
Lob für Klopp und die junge Nationalmannschaft
Den Fußball verfolgt Götze selbstverständlich auch über die Eintracht hinaus. Besonderes Interesse gilt dabei der deutschen Nationalmannschaft. Unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp befindet sich das DFB-Team ebenfalls in einer Phase des Umbruchs.
Götze bewertet die ersten Eindrücke positiv. Vor allem die Mischung aus jungen Spielern und neuer Energie habe ihm gefallen. Dass dabei auch Ergebnisse eine Rolle spielen, gehöre zum Fußball dazu. „Ich glaube, es war viel Gutes dabei, gerade wenn man sieht, wer alles auch dabei war und die Chance bekommen hat, zu spielen und sich zu zeigen“, sagte der Weltmeister von 2014.
Trotzdem warnt Götze davor, nach wenigen Spielen bereits zu große Erwartungen aufzubauen. Eine Mannschaft benötige Zeit, um Abläufe zu entwickeln und eine gemeinsame Identität zu finden. Gerade angesichts der geringen Zahl an Trainingseinheiten während einer Länderspielphase könne dieser Prozess nicht innerhalb weniger Tage abgeschlossen werden. Götze: „Es ist auch noch ein weiter Weg, um wieder dahin zu kommen, wo man hinmöchte.“
Dass Klopp der richtige Trainer für einen solchen Prozess sein kann, davon ist Götze überzeugt. Beide kennen sich bestens aus gemeinsamen Dortmunder Zeiten. Unter Klopp schaffte der damals blutjunge Offensivspieler den Durchbruch in der Bundesliga und wurde zweimal Deutscher Meister. Entsprechend genau weiß Götze, welche Fähigkeiten sein ehemaliger Trainer besitzt. Besonders die Zusammenstellung und Führung unterschiedlicher Charaktere sieht er als Klopps Stärke. „Wenn er was kann, dann ist es genau das“, sagte Götze. Klopp könne mit jungen und erfahrenen Spielern gleichermaßen umgehen und daraus eine funktionierende Einheit entwickeln: „Mit einer Mannschaft, mit jungen Spielern, mit älteren Spielern richtige Chemie zu finden, richtige Dynamik zu entwickeln, hinzu auch dann interessanten Fußball zu spielen.“
Dass Klopp dazu in der Lage ist, habe er längst an mehreren Stationen bewiesen. Götze verweist auf dessen erfolgreiche Arbeit in Mainz, Dortmund und Liverpool. Für den neuen Bundestrainer gelte trotzdem das Gleiche wie für jede Mannschaft, die sich neu finden muss: Entwicklung benötigt Zeit. „Das ist nicht von heute auf morgen und das ist ein Prozess und das dauert auch“, betonte Götze.
Mit dem bisherigen Auftreten seines ehemaligen Trainers ist er dennoch zufrieden: „Ich glaube, er hat es bis jetzt schon sehr gut gemacht.“
Götze genießt die Gegenwart – und plant die Zukunft
Während Klopp mit der Nationalmannschaft einen neuen Abschnitt begonnen hat, befindet sich Götze selbst in einer völlig anderen Karrierephase als zu gemeinsamen Dortmunder Zeiten. Der einstige 17-jährige Shootingstar ist heute einer der erfahrensten Spieler im Frankfurter Kader. Genau diese Entwicklung scheint Götze inzwischen bewusst wahrzunehmen. Die Familie spielt eine größere Rolle, wirtschaftliche Interessen sind hinzugekommen und die Gedanken an die Zeit nach der aktiven Karriere werden konkreter. Trotzdem vermittelt der Weltmeister nicht den Eindruck, innerlich bereits mit dem Profifußball abgeschlossen zu haben.
Im Gegenteil: Gerade das Wissen um dessen Endlichkeit lässt ihn seine aktuelle Situation bei der Eintracht offenbar besonders genießen. Er fühlt sich in Frankfurt wohl, seine Familie ebenso, die Bedingungen stimmen – und der Fußball macht ihm weiterhin Spaß.
Wie lange Götze noch im Eintracht-Trikot auf dem Platz stehen wird, lässt er offen. Was danach kommt, nimmt dagegen langsam Konturen an. Die Trainerbank oder der Schreibtisch eines Sportdirektors werden es wohl nicht sein. Viel wahrscheinlicher ist eine Rolle irgendwo zwischen Sport, Investments und Wirtschaft.
Bis dahin möchte Götze aber das nutzen, was irgendwann nicht mehr möglich sein wird: selbst auf dem Platz zu stehen.






2 Kommentare
wir können froh sein den mario bei uns zu haben
er past irgendwie richtig zu uns wie timmi auch
und fusball kann er immer noch spielen hoffe er kann das diese runde noch mal zeigen
nur die SGE
Bodenständig so wie man sich es wünscht.
Für mich passt es
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