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Markus Krösche bewertet die Verpflichtung von Albert Riera im Nachhinein als Fehler. Foto: IMAGO / HMB-Media

Krösche gesteht Riera-Fehler ein: „Es war am Ende meine falsche Entscheidung“

Markus Krösche hat die Verpflichtung von Albert Riera als Trainer von Eintracht Frankfurt rückblickend als persönlichen Fehler bezeichnet. Im „Leadertalk“-Podcast mit Ex-Profi Mounir Zitouni sprach der Sportvorstand offen über die gescheiterte Zusammenarbeit und die Konsequenzen, die er daraus für zukünftige Entscheidungen gezogen hat. Gleichzeitig äußerte sich der 46-Jährige über den zurückgekehrten Adi Hütter – und erklärte, warum der erfahrene Österreicher aus seiner Sicht besonders gut zur derzeitigen jungen Frankfurter Mannschaft passt.

Krösche: Riera-Verpflichtung war „meine falsche Entscheidung“

Die Amtszeit von Albert Riera bei Eintracht Frankfurt verlief nicht so, wie es sich die Verantwortlichen bei seiner Verpflichtung vorgestellt hatten. Sportlich blieb die erhoffte Entwicklung aus, daneben sorgte der Spanier mit ungewöhnlichen Methoden und teilweise denkwürdigen öffentlichen Auftritten für Diskussionen.

Krösche nimmt die damalige Entscheidung heute ausdrücklich auf seine Kappe. „Ich meine, letztendlich war das eine Entscheidung von mir, die nicht funktioniert hat, die im Nachhinein dann auch nicht richtig war“, sagte der Sportvorstand. Dabei sucht der 46-Jährige nicht nach Ausreden oder anderen Verantwortlichen. Vielmehr fällt sein Urteil deutlich aus: „Es war am Ende meine falsche Entscheidung.“

Allerdings differenziert Krösche bei der Bewertung des Trainers und des damaligen Zeitpunkts. Dass Riera grundsätzlich nicht zur Eintracht gepasst hätte, sagt der Sportvorstand nicht. Entscheidend sei vielmehr die damalige Konstellation gewesen: „Am Ende muss man sagen, war es sicherlich der falsche Zeitpunkt für Albert, zu uns zu kommen.“ Damit gesteht Krösche einen Fehler ein, der weitreichende Auswirkungen hatte. Die Trainerposition gehört schließlich zu den wichtigsten Personalentscheidungen eines Sportvorstands. Entsprechend beschäftigt sich Krösche intensiv damit, welche Schlüsse aus einer falschen Einschätzung gezogen werden können.

Krösche will eigenen Prinzipien treu bleiben

Die Konsequenz aus der Riera-Entscheidung soll dabei nicht sein, künftig nur noch vermeintlich sichere Lösungen zu wählen. Krösche möchte vielmehr genauer darauf achten, ob eine Personalentscheidung mit den grundsätzlichen Vorstellungen und Prinzipien der Eintracht übereinstimmt. „Das hat jetzt nichts mit Dogmatismus zu tun“, erklärte er. Vielmehr gehe es darum, „sich irgendwo gewissen Prinzipien treu zu bleiben, um eine höhere Wahrscheinlichkeit zu haben, dass dann die Entscheidung die richtige ist.“

Gerade diese Aussage gibt einen interessanten Einblick in Krösches Herangehensweise. Entscheidungen im Profifußball können nie mit vollständiger Sicherheit getroffen werden. Ein Trainer, der bei einem Verein funktioniert, kann unter anderen Bedingungen scheitern. Trotzdem möchte der Sportvorstand durch klar definierte Kriterien das Risiko einer Fehlentscheidung reduzieren.

Dass Krösche dabei ausgerechnet die Riera-Verpflichtung als eigenes Negativbeispiel nennt, passt zu seiner grundsätzlichen Haltung im Umgang mit Fehlern. Der 46-Jährige betonte im Podcast mehrfach, dass für ihn nicht entscheidend sei, Fehler vollständig zu vermeiden. Viel wichtiger sei die Reaktion darauf.

Fehler gehören für Krösche zu Entscheidungen dazu

Diese Einstellung verlangt Krösche nicht nur von sich selbst, sondern auch von seinen Mitarbeitern. Wer Verantwortung übernimmt und Entscheidungen trifft, werde zwangsläufig irgendwann danebenliegen. Krösche: „Gegenüber meinen Mitarbeitern habe ich generell eine sehr hohe Fehlertoleranz.“ Er wolle, dass Menschen in seinem Verantwortungsbereich eigenständig handeln und nicht aus Angst vor möglichen Konsequenzen Entscheidungen vermeiden: „Wenn sie nachher einen Fehler machen, ist das für mich kein Problem. Für mich ist immer die Reaktion danach das Wichtige.“

Diesen Maßstab legt Krösche ausdrücklich auch an die eigene Arbeit an. „Ich fange immer bei mir selbst an“, betonte er. Nach einer falschen Entscheidung versuche er herauszufinden, weshalb sie zustande gekommen sei und welche Konsequenzen daraus gezogen werden müssten, damit sich derselbe Fehler möglichst nicht wiederhole. Die selbstkritische Einordnung der Riera-Verpflichtung ist damit ein konkretes Beispiel für jene Fehlerkultur, die Krösche für sich beansprucht.

Mit Hütter funktioniert die Zusammenarbeit

Mit Rieras Nachfolger ist Krösche dagegen deutlich zufriedener. Adi Hütter kehrte im Sommer nach Frankfurt zurück und übernahm eine Mannschaft, die nach zahlreichen Abgängen und Neuzugängen deutlich verändert und vor allem jünger geworden ist. Die Zusammenarbeit mit dem Österreicher beschreibt Krösche ausgesprochen positiv: „Die Zusammenarbeit mit Adi macht sehr viel Spaß. Er ist ein super Typ und hat als Trainer viel Erfahrung gesammelt.“

Gerade Hütters Erfahrung sieht der Sportvorstand als großen Vorteil. Der 56-Jährige befindet sich schließlich längst nicht mehr am Beginn seiner Trainerlaufbahn und hat neben seinen Stationen in Österreich und der Schweiz auch bei der Eintracht, Borussia Mönchengladbach und der AS Monaco gearbeitet. Diese Erfahrung zeige sich für Krösche vor allem im täglichen Umgang mit der Mannschaft: „Man kann sehen, wie ruhig er an die Dinge herangeht.“

Die Ruhe des Trainers bekommt angesichts der aktuellen Kaderstruktur eine zusätzliche Bedeutung. Die Eintracht hat sich im Sommer stark verändert. Zahlreiche junge Spieler gehören zum Kader, einige müssen sich erstmals dauerhaft auf Bundesliga-Niveau beweisen. Für Krösche ist es deshalb besonders wertvoll, einen Trainer zu haben, der aufgrund seiner Erfahrung unterschiedliche Situationen und Charaktere einschätzen kann. „Wenn du über 20 Jahre Trainer bist, dann weißt du genau, welche Knöpfe du drücken musst und von welchen Knöpfen du besser die Finger lässt“, erklärte der Sportvorstand.

Damit spricht Krösche einen Bereich an, der über taktische Systeme oder Trainingsformen hinausgeht. Gerade bei einer jungen Mannschaft geht es für den Trainer auch darum, zu erkennen, wann ein Spieler Unterstützung benötigt, wann Kritik angebracht ist und wann es besser sein kann, einen jungen Profi nach einem Fehler nicht zusätzlich unter Druck zu setzen.

Hütter selbst hatte in den vergangenen Wochen mehrfach um Geduld mit seiner neu zusammengestellten Mannschaft geworben. Spieler wie Elias Baum, Noel Aseko oder Jeremiaha Maluze bekamen früh Vertrauen, während andere Akteure nach Verletzungen oder Anpassungsproblemen schrittweise herangeführt wurden.

Krösche und Hütter sprechen „sehr oft über Fußball“

Auch auf persönlicher Ebene scheint die Verbindung zwischen Trainer und Sportvorstand zu funktionieren. Krösche: „Wir haben ein gutes Verhältnis und sprechen sehr oft über Fußball.“

Gerade nach den turbulenten vergangenen Monaten ist diese Aussage nicht unwichtig. Rund um die Eintracht war zuletzt immer wieder über interne Spannungen und die Zukunft Krösches diskutiert worden. Präsident und Aufsichtsratschef Mathias Beck hatte erst kürzlich betont, dass er derzeit keinen Anlass sehe, die vertragliche Grundlage mit seinem Sportvorstand infrage zu stellen.

Sportlich befindet sich der Klub gleichzeitig in einer Übergangsphase. Nach dem Verpassen des internationalen Geschäfts wurde der Kader verkleinert und verjüngt. Die Eintracht setzt verstärkt auf entwicklungsfähige Spieler und versucht unter Hütter, wieder eine stabile sportliche Grundlage zu schaffen. Dass Krösche die Zusammenarbeit mit dem Trainer derart positiv hervorhebt, passt deshalb zur aktuellen Ausrichtung.

Zwei Trainerentscheidungen mit unterschiedlichem Ausgang

Rückblickend stehen Riera und Hütter damit für zwei sehr unterschiedliche Trainerentscheidungen Krösches. Bei der einen räumt der Sportvorstand inzwischen offen ein, falsch gelegen zu haben. Bei der anderen sieht er derzeit genau jene Eigenschaften, die eine junge Mannschaft in einer Phase des Umbruchs benötigt. Ob Hütters zweite Frankfurter Amtszeit langfristig zum Erfolg wird, lässt sich nach wenigen Monaten selbstverständlich noch nicht beurteilen. Für Krösche scheint die grundsätzliche Konstellation aber zu stimmen. Seine Aussagen über Riera zeigen gleichzeitig, dass er die gescheiterte Zusammenarbeit nicht einfach abhaken möchte. Die Verpflichtung war seine Entscheidung – und damit auch sein Fehler. Entscheidend ist für Krösche allerdings, was daraus folgt.

Genau diese Haltung erwartet er von seinen Mitarbeitern und nimmt sie nun auch für sich selbst in Anspruch: Fehler dürfen passieren. Sie sollten nur nicht zweimal aus denselben Gründen passieren.

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