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Friedhelm Funkel war von 2004 bis 2009 Trainer der SGE. Foto: Foto Rhode

Funkel vor dem Duell seiner Ex-Klubs: „Beide Mannschaften brauchen die Punkte!“

Wenn Friedhelm Funkel über Fußball spricht, hört man genau hin. Der erfahrene Coach ist vor allem am kommenden Sonntag ein echter Experte, denn er hat sowohl Eintracht Frankfurtals auch den kommenden Gegner 1. FC Köln trainiert – und liefert vor dem direkten Duell im Interview auf „Eintracht.de“ einige klare Aussagen zum Spiel.

Auch mit 72 Jahren scheint der Fußball für ihn mehr Leidenschaft als Belastung zu sein – dass das anders sein kann, hörte man zuletzt von Eintracht-Verteidiger Rasmus Kristensen, der von „Fußballdepression“ gesprochen hat. Dies sei bei ihm nicht so: „Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen“, sagt Funkel und erklärt: „Ich bin seit über 50 Jahren im Fußball tätig, es macht mir immer noch großen Spaß.“ Dass Kristensen ausgerechnet in Frankfurt wieder Freude gefunden hat, überrascht ihn hingegen nicht: „Eintracht Frankfurt ist ein großer und toller Verein. Das Umfeld ist gut, die Stadt hat ihren Anteil.“

„Platz sieben ist eine ordentliche Platzierung“

Sportlich ordnet Funkel die Saison der Eintracht nüchtern ein. „Es ist eine Spielzeit mit vielen Schwankungen“, erklärt er. Die aktuelle Tabellenposition sei daher keine Überraschung: „Nach 27 Spieltagen steht die Eintracht dann auch dort, wo sie aufgrund dieser Schwankungen stehen kann.“ Vor allem die Erwartungshaltung rund um den hessischen Traditionsverein sieht er kritisch. „Im Vorfeld herrschte eine viel zu große Erwartungshaltung“, sagt Funkel mit Verweis auf die Vorsaison. Platz sieben bewertet er klar: „Das ist aus meiner Sicht eine ordentliche Platzierung.“ Gerade im Kontext der vergangenen Jahre sei das wichtig: „Die Eintracht musste immer wieder die besten Spieler verkaufen. In dieser Saison hast du mal keinen Ausnahmestürmer.“ Die Unzufriedenheit, die im Umfeld der SGE schnell herrscht, kann er daher nur bedingt nachvollziehen. „Die große Unzufriedenheit herrscht nur, weil es in den vergangenen Jahren so gut gelaufen ist.“ Kontinuität auf diesem Niveau sei die eigentliche Herausforderung: „Das über Jahrzehnte hinzukriegen, ist die Kunst.“

Riera stabilisiert – aber auf Kosten der Offensive

Auch den Einfluss von Neu-Trainer Albert Riera bewertet Funkel differenziert: „Man sieht es an den Ergebnissen: Die Eintracht kassiert nicht mehr so viele Gegentore, sie schießt aber auch nicht mehr so viele.“ Die Defensive habe Riera deutlich stabilisiert, aber „zu Lasten der Offensive“. Das sei zwar ein Fortschritt, koste aber Punkte. Dennoch mahnt Funkel zur Geduld: „Abwarten, der Trainer ist noch nicht lange in Frankfurt.“ Für die nächste Entwicklung sieht er klare Ansatzpunkte, wie der Weg auch in der Offensive wieder zu Toren kommen kann. „Vielleicht gelingt es der Eintracht, mehr über den Flügel zu kommen und Jonny Burkardt besser einzusetzen“, sagt er. Auch die Rückkehr wichtiger Spieler könne helfen. Hier nennt er auch gleich Namen wie Mario Götze oder Can Uzun: „Mario steht für Kreativität, er kann jeder Mannschaft helfen.“

Köln besser als der Tabellenplatz?

Mit Blick auf den Gegner aus Köln warnt Funkel vor einer unterschätzten Mannschaft. „Der FC hat nur zwei der vergangenen 18 Spiele gewonnen, dann greifen die Mechanismen des Geschäfts“, erklärt er den vor der Länderspielpause getätigten Trainerwechsel der Kölner. Dennoch stellt er klar: „Der FC hat fast immer gute Spiele gemacht und nie hoch verloren.“ Für ihn ist die Situation trügerisch. „Das Spielglück hat gefehlt, denn die Leistungen haben gestimmt.“ Die Mannschaft der Domstädter sei intakt, das merke man. Deshalb ist er überzeugt: „Der FC wird die notwendigen Punkte holen, um in der Liga zu bleiben.“ Der Trainerwechsel von Lukas Kwasniok hin zu René Wagner werde keine Revolution bringen, auch weil der Coach die Mannschaft nun habe kennenlernen können:  „Er kennt die Mannschaft und wird nur punktuell Dinge verändern.“ Auch mit Co-Trainer Armin Reutershahn kommt ein alter Bekannter in den Frankfurter Stadtwald, der selbst schon Co-Trainer bei der SGE war. Hier hat Funkel nur Gutes zu berichten: „Er ist einer der besten Co-Trainer auf dem Markt.“

Bei den Kölner sticht in dieser Saison neben Said El Mala besonders Ex-Adler Ragnar Ache heraus, der in den letzten Jahren ein beachtliche Entwicklung hingelegt hat – vor allem nach seinem Wechsel weg von der SGE. „Ich habe ihm das zugetraut“, erklärte Funkel, der weiterhin betont, dass er trotz meist verletzungabedingen Rückschlägen die Qualität Aches immer gesehen habe: „Wenn er gesund bleibt, wird er noch wichtige Treffer erzielen.“ Aber auch bei der Eintracht hebt er mehrere Akteure hervor. „Ich bin ein Fan von Mario Götze“, sagt Funkel über den zuletzt nicht berücksichtigten Zehner. Auch junge Spieler wie Nathaniel Brown oder Younes Ebnoutalib gefallen ihm „richtig gut“.

Für das direkte Duell erwartet Funkel schließlich ein intensives Spiel. „Ein ganz enges und abwechslungsreiches Spiel“, prognostiziert er. Die Ausgangslage sei klar: „Beide Mannschaften brauchen Punkte – die Eintracht für Platz sieben und der FC, um den Abstand nach unten zu erhöhen.“ Dass es emotional wird, liegt für ihn auf der Hand. „Dieser Abstand darf nicht kleiner werden, sonst könnte es nochmal richtig eng werden.“

Und Funkel selbst? Der wird das Spiel ganz entspannt verfolgen: „Ich werde zu Hause sein und das Spiel auf jeden Fall anschauen.“

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