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Nadine Riesen ist vertraglich bis 2026 an Eintracht Frankfurt gebunden. Foto: Imago / Sports Press Photo

Eintracht-Verteidigerin Riesen: „Top 3 ist unser Anspruch“

Zur Saison 2023/2024 verpflichtete die Frauenmannschaft von Eintracht Frankfurt Nadine Riesen, die den FC Zürich nach zwei Jahren verließ und erstmals den Schritt ins Ausland wagte. Inzwischen absolviert die Schweizerin ihre dritte Saison mit dem Adler auf der Brust und gehört zu den wichtigsten Stützen in der Hintermannschaft. Aktuell kommt Riesen auf insgesamt 61 Spiele für die SGE, in denen ihr zwar kein Treffer, aber dafür neun Vorlagen gelangen. Auch in dieser Spielzeit ist sie nicht aus der ersten Elf wegzudenken, erlebt allerdings mit ihrem Team eine bisher Saison geprägt von Auf und Abs.

Dem bitteren und denkbar knappen Aus im Pokalviertelfinale gegen den VfL Wolfsburg vor mehr als einer Woche ließ die Mannschaft von Niko Arnautis eine empfindliche 2:4-Schlappe bei Werder Bremen, trotz 0:2-Führung wohlgemerkt, folgen. „Wir sind sehr unzufrieden mit unserer Leistung“, blickte Riesen im Podcast „Aufstehen mit der Eintracht“ auf die vergangene Pleite and der Weser zurück. (Kleine Randnotiz: Das Interview fand vor dem Hoffenheim-Spiel statt.) „Beim Wolfsburg-Spiel hatten wir sehr viel Spieldominanz. Spielerisch waren wir gut. Der Ball wollte einfach nicht rein.“ Dagegen war die Niederlage in Bremen war „einfach ein Schlag ins Gesicht. Das war nicht unser Team, das aufgetreten ist“, ärgerte sich Riesen. Trotz des Traumstarts durch die Treffer von Nicole Anyomi und Rebecka Blomqvist standen die Hessinnen am Ende mit leeren Händen da. „Die ersten 25 Minuten waren wir top dabei. 2:0, man dachte, wir machen ein 4:0 daraus.“ Mit zwei Toren Unterschied führen und doch ohne Ertrag dastehen, ein Spiegelbild der volatilen Saison. Trotz zahlreicher Abgänge, u. a. von Sophia Kleinherne, Barbara Dunst und Lara Prasnikar, wurde an der Zielsetzung, nach dem 26. Spieltag zur Spitzengruppe zu gehören, nicht gerüttelt. „Wir haben den Anspruch an uns selber, das haben wir immer gesagt, Top Drei zu sein.“

Europa-Cup-Titel: „Realistisches Ziel“

Riesen betonte die Wichtigkeit der drei Punkte im Nachholspiel gegen Mitkonkurrent TSG Hoffenheim, die später durch einen Doppelpack von Rebecka Blomqvist eingetütet wurden und die Eintracht zurück auf den geliebten dritten Platz katapultierten. Durch den Bremer Sieg gegen die Adlerträgerinnen sind die Norddeutschen neben den Kraichgauerinnen die engsten Verfolger. Aktuelle Konstellation: Eintracht Frankfurt mit 36 Punkten, gefolgt von Hoffenheim mit 35 und Bremen mit 32 Zählern. Zudem hat Werder zwei Spiele weniger bestritten als der derzeitige Tabellendritte. Riesen hofft deshalb, dass „Bremen auch noch paar Punkte liegen lässt, dass es für uns ein einfacher und selbstbestimmender Weg wird.“ Patzer der Konkurrenz spielen natürlich immer einem selbst in die Karten, die Eintracht kann aber nur Kapital daraus schlagen, wenn sie ihre eigenen Hausaufgaben erledigt. Nachdem in Wolfsburg vor neun Tagen die Reise im DFB-Pokal frühzeitig geendet hatte, besteht mit dem neu eingeführten UEFA Women’s Europa Cup die allerletzte Chance, die Spielzeit 2025/2026 mit einem Titel zu krönen. Dort muss der siebenfache Frauen-Bundesliga-Meister die vorletzte Hürde erfolgreich nehmen, im Halbfinale heißt der Herausforderer BK Häcken (Schweden). „Wir freuen uns sehr auf das Europa-Cup-Spiel. Wir sind sehr motiviert, wir sagen, dass es ein klares Ziel für uns ist, diesen ersten Pokal nach Hause zu bringen.“ Man sei zuversichtlich, dass, „wenn wir unsere Leistung auf dem Platz bringen, es ein sehr realistisches Ziel ist.“ In der Liga mindestens Platz drei zementieren, im Europa-Cup-Endspiel triumphieren – hohe Ziele, die eine kluge Belastungssteuerung bedingen. Dazu kommen noch für Nationalspielerinnen wie Riesen weitere Aufgaben hinzu, doch die Frankfurterin ist erfahren genug, damit umgehen zu können. „Wir sind das schon gewohnt. Wir haben eine gute Betreuung, es wird geguckt, dass drumherum alles gut geht. Das Training wird auch reguliert. Ich fühle mich topfit. Ich habe mit den Mitspielerinnen gesprochen, die sich ein bisschen angeschlagen fühlen. Die können das auch immer gut und klar kommunizieren. Klar, vielleicht merkt man es irgendwann dann mal, aber zurzeit fühlen wir uns sehr motiviert, die Spiele anzugehen.“ 

Heim-EM „Höhepunkt meiner Karriere“

2019 wurde die gebürtige St. Gallenerin erstmals für die A-Nationalmannschaft ihres Heimatlands nominiert und verbucht bisher 41 Spiele. Derzeit kämpft sie mit der „Nati“ um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien. Mit maximaler Punkteausbeute aus zwei Spielen führt die Schweiz die Gruppe 2 in der Liga B an, gefolgt von der Türkei, die ebenfalls sechs Zähler nach zwei Partien auf dem Konto hat. Am 14. April treffen beide Kontrahenten direkt aufeinander. Ein richtungsweisendes Duell. Das Besondere: Die Frauennationalmannschaft der Schweiz wird ihr 400. Spiel absolvieren. Riesen ist dieses Jubiläum entgangen. „Das wusste ich gar nicht. Ach, wie lustig, gut zu wissen“, schmunzelte die 1,68 m große polyvalente Außenverteidigerin. Was Riesen aber definitiv weiß, ist, dass die Schweiz nach dem Gruppensieg in die Playoffs muss. Klingt kompliziert? Ist es auch. „Wir wissen einfach, dass wir einfach gesagt jedes Spiel gewinnen müssen, dann sind wir dabei.“ Pragmatisch. Riesen weiß, wie der Hase läuft. Ein großes Turnier hat die Appenzellerin des Jahres 2025 bereits hinter sich. Die Europameisterschaft 2025 im eigenen Land, ein persönliches Highlight für Riesen, ihr erstes großes Turnier, das für sie und die gesamte Schweiz erfolgreich lief. Erst im Viertelfinale war Endstation gegen den späteren Finalisten und amtierenden Weltmeister Spanien. Riesen blickt mit vollem Stolz zurück. „Letztes Jahr war unglaublich. Das war der Peak von meiner Karriere, egal was auch kommen wird. Wir hatten ein Heimturnier, das vergisst man nie.“ Riesen sieht den Schweizer Frauenfußball auf einem guten Weg. „Vor fünf Jahren hatten wir noch 500 Zuschauer, letztes Jahr haben wir im ausverkauften Stadion drei-, viermal spielen dürfen. Diese Atmosphäre. Wir sind alle sehr dankbar, was wir im Frauenfußball erreichen konnten in der Schweiz, aber ich glaube, der steigert sich immer noch mehr.“ Es sei schön, „wenn man immer noch Komplimente kriegt wie ‚Ach so toll, wie ihr das gemacht habt. Unsere Kinder haben jetzt auch angefangen oder haben richtig Freude daran, Fußball zu spielen.‘ Das sind Dinge, wofür man Fußball spielt, dass man die Leidenschaft teilen und wenn es gut geht, noch Leute damit anstecken kann.“

Riesen, Reuteler und Ivelj – Das magische Schweizer Dreieck

Nadine Riesen hat sich mit starken Leistungen sowohl bei der Eintracht als auch der „Nati“ einen Namen gemacht. Sie ist zusammen mit ihrer Vereins- und Nationalmannschaftskollegen Géraldine Reuteler einer der Gesichter des Schweizer Frauenfußballs und in Frankfurt bildet das Duo mit Noemi Ivelj die Schweizer Fraktion. „Bei uns in der Mannschaft sind wir ein super Trio. Wir sagen uns auch ‚unser Schweizer Trio‘. Also wir machen auch viel und gerne was zusammen. Es ist schön und besonders. Zuerst dachten wir, dass wir Noemi ein bisschen aufnehmen sollen oder müssen oder auch wollen, weil sie neu ist. Aber sie ist direkt eingeschlagen. Alle finden sie richtig toll. Sie fühlt sich richtig wohl.“ Riesen habe das Gefühl, dass ihre Landsfrau „schon länger als sie hier ist. Es ist schön, wenn man so eine Schweizer Fraktion bei uns hat.“ Vor allem sei Reuteler eine Person, „zu der man gerne hochguckt. Wie sie fußballerisch mit dem Ball umgeht, aber auch neben dem Platz ist sie ein Goldschatz.“ Riesen scheint sich in ihrer sportlichen Heimat wohlzufühlen. Sie selbst beschreibt sich als eine sehr offene und hilfsbereite Person. In Frankfurt habe sie einiges dazugelernt, sowohl auf dem als auch neben dem grünen Rasen. „Manchmal ist es auch ok, wenn man einfach mal nein sagt, dass man ein bisschen zurücksteckt. Ein bisschen asozialer auf dem Platz bin ich schon geworden. Da bin ich auch schon dankbar. Die Liga ist viel intensiver, viel stärker. Deshalb muss man sich auch da mehr durchsetzen.“ Gerade von einer Abwehrspielerin wie Riesen darf man auf dem Feld ruhig weniger Freundlichkeit und dafür mehr „Giftigkeit“ bis zu einem angemessenen Grad erwarten. Schließlich will man ein Topverein bleiben und auch als solcher wahrgenommen werden. Im Eintracht-Umfeld wird dagegen ihre Warmherzigkeit erwidert. „Die Leute sind super nett, super freundlich. Ich habe da noch keine schlechte Erfahrungen bisher gemacht.“ Dafür steht die Frankfurter Eintracht mit ihrem Namen.

 

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